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Frau mit einer Rachenentzündung hält sich den Hals
Foto: pathdoc/shutterstock.com

Rachenentzündung – Pharyngitis

Die Rachenentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und die häufigste Ursache von Halsschmerzen. Oft tritt die Rachenentzündung im Rahmen einer Erkältung auf; besonders häufig betroffen sind Kinder. Wie sich eine akute von einer chronischen Rachenentzündung unterscheidet und wie diese therapiert werden, erfahren Sie hier.

Factbox – Pharyngitis

Synonym: Rachenentzündung, Pharyngitis

Pharyngitis: Entzündung der Schleimhaut, die den Rachen auskleidet

Formen: unterschieden wird eine akute und eine chronische Rachenentzündung

Ursache: akut: zumeist durch Viren ausgelöst und ansteckend; chronisch: Allergien, Stoffwechselerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Kontakt durch reizende Substanzen, Alkohol u.a.m.

Symptome: Halsschmerzen, Fieber, Schnupfen, Husten, Schluckbeschwerden u.a.m.

Diagnose: erfolgt durch den Allgemein-,HNO-Arzt oder Internisten; nach Erfassung der Krankengeschichte erfolgen körperliche Untersuchungen (Spiegeluntersuchung des Halses), eventuell werden auch Abstriche entnommen

Therapie: akut: Symptomlinderung durch Medikamente oder Hausmittel; chronisch: Vermeidung des Auslösers der Erkrankung

Aufbau und Funktion des Rachens

Im Anschluss an die Nasen- und Mundhöhle folgt der Rachen (Pharynx) der etwa 13 cm lang ist und vom hinteren Teil des Mundes und der Nase durch den Hals bis zum Kehlkopf und zur Speiseröhre führt. Über den Rachen werden Luft, Nahrung und Flüssigkeit transportiert. Er zählt damit zum Verdauungssystem , ist aber auch Teil des Atemapparates. Der Rachen gliedert sich in drei übereinanderliegende Abschnitte: oben befindet sich der Nasenrachen (Nasopharynx), in der Mitte der Mundrachen (Oropharynx) und im unteren Teil der Schlundrachen (Laryngopharynx).

Der Rachen ist von einer Schleimhaut ausgekleidet, die sich entzünden kann, es kommt zu einer Pharyngitis oder Rachenentzündung. In der Schleimhaut des Rachens liegen Inseln aus lymphatischem Gewebe, die sogenannten Mandeln, die gemeinsam den Waldeyerschen Rachenring bilden. Dieser bildet eine Abwehrbarriere für alle Keime, die durch die oberen Atemwege in den Körper einzudringen versuchen.

Ursachen – Wie entsteht eine Pharyngitis?

Die Entzündung der Schleimhaut wird prinzipiell in zwei Formen unterschieden: eine akute (plötzlich auftretende, kurz andauernde) und eine chronische Rachenentzündung.

Eine akute Rachenentzündung wird zumeist durch Viren ausgelöst. Am häufigsten sind Adeno-, Rhino-, Corona- und Parainfluenza-Viren, also die typischen Erreger von Erkältungen (grippalen Infekten). Das erklärt, warum bei einer akuten Pharyngitis oft gleichzeitig auch die Schleimhäute der Nase entzündet sind und man deshalb zusätzlich zu den Halsschmerzen noch unter einem Schnupfen leidet.
Es können aber auch Viren, die systemische Erkrankungen mit dem Symptom Halsschmerzen verursachen, der Auslöser sein, z.B. das Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber), Masern– oder Röteln-Viren. Selten kommen auch Herpes-Simplex-Viren vor.

Typische Erkältungsviren werden meist mittels Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Also über Speichel oder Nasensekret, das beim Niesen, Husten oder Sprechen in Luft gelangt. Da die Viren sehr ansteckend sind, passiert es nicht selten, dass gleich mehrere Familienmitglieder oder auch die halbe Schulklasse unter einer akuten Pharyngitis leiden.

Ist die Rachenschleimhaut durch die Virusinfektion bereits angegriffen, haben es Bakterien leichter, sich dort festzusetzen und zu vermehren. Mediziner sprechen dann von einer „bakteriellen Superinfektion“. Wenn Bakterien an einer Rachenentzündung beteiligt sind, handelt es sich zumeist um Streptokokken. Während eine bakteriell bedingte Pharyngitis bei Erwachsenen eher selten ist, liegt ihre Rate bei Kindern zwischen 15 und 40 Prozent.

Prinzipiell kann eine akute Halsentzündung das ganze Jahr über auftreten. Besonders häufig ist sie aber in den Wintermonaten – wie andere Erkältungskrankheiten auch. Dies liegt zum wesentlichen Teil daran, dass sowohl die trockene, kalte Winterluft draußen als auch die Heizungsluft drinnen die Schleimhäute austrocknen. Dadurch verliert diese Schutzbarriere die Abwehrkraft gegen Krankheitskeime, sodass Viren sich dort leichter festsetzen und ausbreiten können.

Chronische Rachenentzündungen sind insgesamt deutlich seltener als akute. Sie sind auch nicht ansteckend, da sie nicht durch Bakterien oder Viren hervorgerufen werden. Stattdessen kommen folgende Ursachen in Betracht:

  • Allergien, insbesondere der oberen Atemwege
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Schilddrüsenunterfunktion oder hormonelle Umstellungen in den Wechseljahren
  • andauernder Kontakt mit reizenden Substanzen – angefangen von Zigarettenrauch über
  • Alkohol, Chemikalien, Reizgase und Umweltgifte bis hin zu stark staubhaltiger oder sehr trockener Atemluft
  • Aufstoßen von Magensäure (Reflux)
  • wiederholte Nasennebenhöhlenentzündungen (Sinusitis)
  • verkrümmte Nasenscheidewand

Symptome – Wie äußert sich eine Rachenentzündung?

Eine akute Pharyngitis beginnt oft mit einem trockenen, kratzigen, brennenden Gefühl im Hals, das dazu führt, dass man sich oft räuspern muss. Dann dauert es meist nur noch kurze Zeit, bis sich das Hauptsymptom einstellt: Halsschmerzen, die sich beim Schlucken noch verstärken. Je nach Ausprägung kann sogar das Sprechen wehtun. Dass die hintere Rachenschleimhaut gerötet und geschwollen ist, gibt dem Arzt einen wichtigen Hinweis auf die richtige Diagnose.

Zu den Schmerzen kommt fast immer Fieber hinzu. Bei Erwachsenen beschränkt es sich meist auf leicht erhöhte Temperatur, bei Kindern kann das Fieberthermometer aber auch auf 40 Grad oder mehr klettern. Weil die Infektion nur selten auf die Rachenschleimhaut begrenzt bleibt, leiden viele Patienten mit Pharyngitis zusätzlich unter Erkältungsbeschwerden wie Husten, Schnupfen oder einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis).

Wenn an einer Rachenentzündung Bakterien beteiligt sind, stellen sich die gleichen Beschwerden ein, aber in stärkerer Form. Hohes Fieber, heftige Hals- und auch Kopfschmerzen und ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl ist dann auch bei Erwachsenen die Regel. Eine gar nicht so seltene Sonderform der akuten Pharyngitis ist die Seitenstrang-Angina. Hier sind neben der Rachenschleimhaut auch die von der oberen, hinteren Rachenwand abwärts verlaufenden Lymphbahnen  – die so genannten Seitenstränge – mitentzündet. Von einer Tonsillo-Pharyngitis spricht man bei einer Mitentzündung der Rachenmandeln (Tonsillen).

Zu den typischen Symptomen einer chronischen Rachenentzündung gehören Trockenheit im Hals, ein Fremdkörpergefühl im Rachenraum, Räusperzwang und Schluckbeschwerden, die allerdings nicht mit Schmerzen einhergehen. Bei bestimmten Erkrankungsformen kann es auch zu Würgereiz und verstärkter Schleimproduktion im Rachenbereich kommen. Nicht selten begleiten Ohrenschmerzen das Krankheitsgeschehen. 

Setzen die Halsschmerzen sehr stark und plötzlich ein und sind mit hohem Fieber und einem schlechtem Allgemeinzustand verbunden, sollte man im Winter auch an eine echte Grippe (Influenza) denken und so schnell wie möglich den Hausarzt kontaktieren.

Diagnose einer Pharyngitis

Die Diagnose erfolgt üblicherweise durch den Hausarzt, HNO-Arzt oder Internisten. Nach Erfassung der Krankengeschichte folgen körperliche Untersuchungen, die zumeist eine Hals-Spiegelung inkludiert. Dabei können auch Abstriche genommen werden, etwa um durch einen Schnelltest Erreger wie Streptokokken nachweisen zu können.

Behandlung einer akuten Rachenentzündung

Bei einer akuten viralen Rachenentzündung beschränkt sich die Behandlung in aller Regel darauf, die Symptome zu lindern. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist es schwierig bis unmöglich, die auslösenden Viren mit Medikamenten zu vernichten. Zum anderen ist das gar nicht notwendig, da die Erkrankung auch ohne Therapie nach einigen Tagen wieder abheilt.

Um die Schmerzen zu lindern, können in leichten Fällen Lutschtabletten oder Gurgellösungen mit desinfizierender und lokal betäubender Wirkung genügen. Bei besonders starken Schmerzen kann der Arzt ein Schmerzmittel in Tablettenform empfehlen. Die dabei eingesetzten nicht-steroidalen Antirheumatika – bekannteste Vertreter sind Paracetamol, Diclofenac, Ibuprufen und Acetylsalicylsäure – wirken zudem fiebersenkend.

Sind Bakterien an der Erkrankung beteiligt, kann evtl. eine Behandlung mit Antibiotika notwendig sein. Dies gilt insbesondere, wenn es sich um Streptokokken handelt. Denn diese Keime können das sogenannte rheumatische Fieber auslösen, mit schweren Schädigungen an Herz, Nieren oder Gelenken. Diese Komplikation ist jedoch heute sehr selten geworden. Zu bedenken ist, dass Antibiotika Nebenwirkungen haben, z.B. Verdauungsprobleme und Scheidenpilzinfektion; bei ihrem Einsatz sollte daher der Nutzen gegenüber einem möglichen Schaden abgewogen werden.

Eine Antibiotika-Therapie dauert sieben bis zehn Tage. Obwohl die Beschwerden sich meist schon früher bessern, sollten die Medikamente bis zum Ende der vom Arzt verordneten Behandlungsdauer eingenommen werden.

Hausmittel

Zu den Hausmitteln, die bei Halsschmerzen aufgrund einer Rachenentzündung angewendet werden können, zählen:

  • Halswickel mit kaltem Topfen, gekochten (ausgekühlten), zerstampften Kartoffeln oder mit nassen, kühlen Tüchern; wichtig: ein trockenes Handtuch sollte die äußerste Schicht bilden!
  • Salbteitee, Kamillentee: trinken und/oder gurgeln
  • Gurgellösung mit Leinsamen: 1 Teelöffel Leinsamen mit etwa einem Viertelliter kaltem Wasser übergießen, zwanzig Minuten lang stehen gelassen
  • frisch gepresster Ananassaft: soll ein Abfließen der Lymphflüssigkeit und somit ein schnelleres Abschwellen bewirken

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, den Hals warm zu halten. Der Genesung ist auch in jedem Fall zuträglich, sich zu schonen und die Krankheit wirklich auszukurieren.

Behandlung einer chronischen Rachenentzündung

Die wichtigste Therapiemaßnahme bei einer chronischen Pharyngitis besteht darin, den Auslöser zu identifizieren und diesen dann so weit wie möglich zu vermeiden. Das kann beispielsweise bedeuten, aufs Rauchen oder auf Alkohol zu verzichten. Wird die chronische Entzündung durch eine behinderte Nasenatmung ausgelöst, dann helfen operative Maßnahmen wie z.B. die Begradigung einer krummen Nasenscheidewand oder die Vergrößerung der Nebenhöhlenöffnungen.
Wenn es gelingt, die Ursache zu beseitigen, heilt die Erkrankung in der Regel innerhalb weniger Wochen ohne weiteres Zutun ab. Bis es soweit ist, sind Maßnahmen hilfreich, die den Rachenraum feucht halten – wie zum Beispiel Lutschtabletten, Inhalationen mit salzhaltigen Lösungen oder auch Luftbefeuchter gegen allzu trockene Luft in Innenräumen.

Prognose – Wie verläuft eine Rachenentzündung?

Eine akute virale Pharyngitis heilt in aller Regel auch ohne Behandlung nach ein paar Tagen folgenlos aus. Sind Bakterien beteiligt, lässt sich die Krankheit mit Antibiotika ähnlich schnell therapieren. Auch die chronische Rachenentzündung hat eine gute Prognose – wenn es gelingt, den Auslöser zu beseitigen.

Vorbeugung – Das können Sie selbst tun

Eine akute Rachenentzündung tritt am häufigsten im Herbst und im Winter auf, also in der klassischen Erkältungsperiode. Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, die körpereigenen Abwehrkräfte zu stärken – durch eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und viel Bewegung, am besten an der frischen Luft. Eine gesunde Lebensweise ohne Rauchen und mit wenig Alkohol verringert auch das Risiko, an einer chronischen Pharyngitis zu erkranken.

Eine weitere Schutzmaßnahme vor Rachenentzündungen ist, dafür zu sorgen, dass die Raumluft eine ausreichend hohe Feuchtigkeit besitzt. Regelmäßiges Lüften und Luftbefeuchter helfen dabei. Um die Schleimhäute feucht zu halten, sollte man außerdem genügend trinken.

Rachenentzündung, HNO-Ärzte im Netz, https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/rachenentzuendung/definition-und-haeufigkeit.html; Zugriff: November 2021

Tim Kenealy: Sore Throat. Clinical Evidence; 13. Januar 2011

AWMF online: Halsschmerzen – DEGAM Leitlinie Nr.14. Stand Oktober 2009

Wächtler, H. und Chenot, J.: Die neue DEGAM-Leitlinie Halsschmerzen. Zeitschrift für Allgemeinmedizin, 2010, 86(2) S.65-69

Boenninghaus, HG und Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer Verlag, 14. Auflage 2012

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