Angina tonsillaris – Mandelentzündung

Angina tonsillaris – Mandelentzündung

Stand: Juni 2014

Unter einer Angina, im Fachjargon Angina tonsillaris, versteht man die Entzündung der Gaumenmandeln (Tonsillen). Bei einer sogenannten Seitenstrangangina ist das lymphatische Gewebe im Rachenbereich betroffen.

Die Gaumenmandeln befinden sich am Übergang vom Mund in den Rachen, wo sie u.a. Krankheitserreger abfangen, die über Nase und Mund eindringen wollen. Sie sind somit ein wichtiger Teil des Immunsystems.

Kinder erkranken öfter an einer Mandelentzündung als Erwachsene. Mit fortschreitendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit für Mandelentzündungen jedoch ab, weshalb auch bei mehreren Erkrankungen pro Jahr nicht sofort an eine Entfernung der Mandeln gedacht werden muss.

Was sind die Ursachen einer Angina?

Die Erreger der Angina tonsillaris werden mittels Tröpfcheninfektion übertragen – also durch Speichel oder Nasensekret beim Sprechen, Niesen oder Husten. Auslöser sind zumeist Bakterien, weniger häufig Viren. Handelt es sich um eine bakterielle Infektion, ist sie zumeist auf Streptokokken zurückzuführen. In ganz seltenen Fällen können Pilze zu einer Angina führen. Eine Rolle bei der Entstehung der Angina spielt auch ein geschwächtes Immunsystem.

Ob die Angina durch Viren oder Bakterien ausgelöst wurde, ist insofern von Bedeutung, als Bakterien mit Antibiotika behandelt werden können, Viren hingegen nicht. Die Unterscheidung zwischen Viren und Bakterien ist aber auch für Ärzte schwierig. Gewissheit bringt ein Rachenabstrich, dessen genaue Auswertung aber einige Tage dauern kann. Ein Schnelltest auf Streptokokken dauert nur einige Minuten, ist aber nicht so genau. Das Vorliegen einer “eitrigen” Angina kann sowohl auf Bakterien als auch auf Viren hindeuten und ist daher in der Unterscheidung der Erreger ebenfalls nicht hilfreich.

Eine Mandelentzündung kann alleine auftreten oder im Rahmen einer anderen Erkrankung. Dazu zählen unter anderem:

  • Pfeiffer’sches Drüsenfieber (Mononukleose)
  • Scharlach
  • Tuberkulose
  • Diphtherie

Welche Symptome treten bei einer Mandelentzündung auf?

Die Mandelentzündung tritt zumeist recht plötzlich auf. Hauptsymptom sind starke Schmerzen beim Schlucken. Weiter typische Symptome sind:

  • gerötete, geschwollene Mandeln; oft zusätzlich ein weiß-gelber Belag
  • hohes Fieber
  • geschwollene Lymphknoten unterhalb der Ohren
  • Kopfschmerzen
  • Mundgeruch
  • Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit

Je nach der Schwere des Verlaufs dauert eine Mandelentzündung etwa ein bis zwei Wochen. In vielen Fällen sind nicht nur die Mandeln entzündet, sondern auch der Rachen (Pharyngitis). Typisch für eine Angina ist, dass das Fieber zwar recht schnell wieder zurückgeht, die Halsschmerzen und die Schwellung der Mandeln aber noch länger bestehen bleiben.

Welche Komplikationen können im Rahmen einer Angina tonsillaris auftreten?

Komplikationen einer Mandelentzündung sind selten.

Eine Komplikation, die hin und wieder auftritt, ist der sogenannte Peritonsillarabszess. Dabei handelt es sich um eine Eiteransammlung um die entzündete Mandel herum. Hinweise darauf sind sehr starke einseitige Schmerzen beim Schlucken, Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes und Ohrenschmerzen.

Auch eine Mittelohrentzündung oder eine Nierenentzündung können als Komplikation der Mandelentzündung entstehen. In beiden Fällen kann dann eine Behandlung mit Antibiotika notwendig sein.

Eine durch Streptokokken hervorgerufene Anigina kann zudem zu rheumatischem Fieber führen. Rheumatisches Fieber äußert sich durch eine schmerzhafte Schwellung der Gelenke und hohes Fieber. Eine Behandlung mit Penicillin beugt dieser Komplikation, die jedoch heutzutage sehr selten geworden ist, vor.

Wann sollten sie einen Arzt aufsuchen?

In der Regel wird unser Immunsystem alleine mit einer Mandelentzündung fertig – unabhängig davon, ob Bakterien oder Viren die Auslöser sind. Einen Arzt sollten Sie aufsuchen, wenn:

Sie so starke Schluckbeschwerden haben, dass Sie fast nichts mehr zu sich nehmen können

  • Sie nur noch schwer Luft bekommen
  • sich die Beschwerden nicht bessern
  • Sie ungewöhnliche Symptome aufweisen (z.B. Hautausschlag)

Lesen Sie weiter: +++ Was hilft bei Angina? +++

 

Quellen:
Patient information from the BMJ Group: Tonsillitis. Web publication date: 16. März 2011. http://clinicalevidence.bmj.com

BMJ Group: Tonsillitis – Key Points. Web publication date: 26. Oktober 2009. http://clinicalevidence.bmj.com
Patienteninformation der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM): Halsschmerzen. 2009.

http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/053-010_S3_Halsschmerzen_Patienten_10-2009_12-2013.pdf
ICD-10: J03, J03.0, J03.8, J03.9, J35.0

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