Masern – Definition, Symptome, Behandlung, Vorbeugung

Masern – Definition, Symptome, Behandlung, Vorbeugung

Stand: September 2018
Mädchen leidet an Masern und hält sich die fiebrige Stirn

Masern sind eine sehr ansteckende Viruserkrankung. Masern gelten als typische Infektionskrankheit des Kindesalters, aber auch Jugendliche und Erwachsene können betroffen sein. Im Regelfall verläuft die Erkrankung ohne Komplikationen, unter Umständen kann es allerdings auch zu einem schweren Verlauf kommen. Ansteckung, Symptome, mögliche Komplikationen, Impfung - lesen Sie hier alles Wichtige über Masern.

Was sind Masern?

Bei Masern handelt es sich um eine sehr ansteckende und meldepflichtige Viruserkrankung. Masern sind eine typische Infektionskrankheit des Kindesalters, erkranken können allerdings auch Jugendliche und Erwachsene. Die Erkrankung beginnt meistens mit grippeähnlichen Beschwerden, ehe es zum typischen auf den ganzen Körper übergreifenden Ausschlag (Masernexanthem) kommt. Die Krankheit hinterlässt lebenslange Immunität und heilt in der Regel problemlos aus, unter Umständen kann es allerdings auch zu ernsten Komplikationen und Folgeerkrankungen kommen.

Ansteckung – wie werden Masern übertragen?

Ausgelöst wird die Erkrankung durch das Masernvirus. Die Übertragung der Viren erfolgt einerseits durch eine Tröpfcheninfektion, andererseits durch direkten Kontakt mit infektiösen Nasen- und Rachensekreten (z.B. beim gemeinsamen Benutzen von Geschirr oder Besteck). Bei einer Tröpfcheninfektion werden die Viren durch kleinste Sekrettröpfchen übertragen, die beim Sprechen, Husten und Niesen von der erkrankten Person ausgestoßen und verteilt und von anderen Menschen bei der Atmung aus der Luft aufgenommen werden.

Masern sind sehr ansteckend, bereits eine kurze Exposition kann zu einer Infektion führen, bei ungeschützten Personen kommt es in über 95 Prozent zu klinischen Erscheinungen. Die Inkubationszeit – die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten der ersten Symptome – beträgt im Regelfall etwa acht bis zehn Tage. Ansteckend ist man etwa drei bis fünf Tage vor Auftreten des Masernexanthems und bis zu etwa vier Tage danach, am meisten ansteckend ist eine erkrankte Person kurz vor Ausbruch des Masernexanthems.

Ein Mensch kann nur einmal im Leben an Masern erkranken. Bei einer Infektion werden vom Immunsystem spezifische Antikörper gegen die Masernviren gebildet, die bei erneutem Kontakt aktiv werden und den Erreger bekämpfen. Wer die Infektion also einmal durchgemacht hat, der ist lebenslang vor einer erneuten Ansteckung geschützt.

Symptome

Der Verlauf der Krankheit gliedert sich in ein Vorläufer- und ein Hauptstadium (Prodromalstadium, exanthematisches Stadium).
Nach der Inkubationszeit führt die Infektion zu den ersten Prodromalsymptomen, das Vorläuferstadium dauert etwa drei bis vier Tage. Mögliche Symptome zu Beginn sind u.a. mäßiges Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, trockener Husten, Abgeschlagenheit, Verdauungsprobleme wie Verstopfung oder Durchfall und Bindehautentzündung mit Lichtscheu, typisch sind kleine rote Flecken mit hellem Zentrum (Koplik-Flecken) im Bereich der Wangenschleimhaut. Das Fieber steigt an und sinkt dann zunächst wieder, ehe es im Hauptstadium der Krankheit wieder ansteigt. Nun kommt es zur Entwicklung des typischen Masern-Ausschlags, der durch unregelmäßige wenige Millimeter große rote Flecken charakterisiert ist, die ineinanderfließen und zu größeren Herden konfluieren. Typischerweise bilden sich die Flecken zunächst hinter den Ohren, ehe sie sich über das Gesicht auf den Oberkörper und die Extremitäten ausbreiten. Hand- und Fußsohlen sind nicht betroffen. Der Ausschlag verschwindet nach etwa fünf bis sechs Tagen, wobei das Verblassen der Masern-Flecken häufig mit einer leichten Hautschuppung einhergeht.

Mögliche Komplikationen

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. In den meisten Fällen heilen Masern problemlos aus, die Erkrankung kann allerdings Komplikationen verursachen und ernste Folgen haben, wobei alle Altersgruppen betroffen sein können. Vor allem bei unter Einjährigen und im Erwachsenenalter besteht ein besonderes Risiko für einen schweren Verlauf. In den Industrieländern liegt die Komplikationsrate bei etwa 20 Prozent.

Durch eine Masernerkrankung werden die Abwehrkräfte des Körpers für mehrere Wochen stark geschwächt, in weiterer Folge können andere Erreger leichter in den Körper eindringen und haben “leichtes Spiel”. Mögliche Komplikationen sind u.a. Bronchitis, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und Durchfallerkrankungen. Eine seltene, jedoch gefürchtete Komplikation ist die Enzephalitis (Gehirnentzündung), die mit bleibenden Schäden einhergehen oder zum Tod führen kann (Häufigkeit ca. 1-2/1.000 gemeldete Maserninfektionen). Eine mögliche Spätkomplikation nach ungefähr sechs bis acht Jahren nach der Masernerkrankung ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die zu neurologischen Störungen führt und tödlich endet.

Behandlung

Es steht keine spezifische antivirale Therapie zur Verfügung. Die Therapie ist symptomatisch und umfasst die Linderung von Beschwerden sowie die frühzeitige Erkennung und Behandlung krankheitsbedingter Komplikationen. Basismaßnahmen sind körperliche Schonung, Bettruhe und eine hohe Flüssigkeitszufuhr. Eltern sollten darauf achten, dass ihr Kind viel trinkt, Speisen sollten leicht verdaulich sein, der Raum sollte gut durchgelüftet und bei Lichtempfindlichkeit etwas abgedunkelt sein. Bei Bedarf können nach ärztlicher Absprache fiebersenkende Medikamente und Hustenmittel eingesetzt werden. Zusätzliche bakterielle Infektionen (z.B. Mittelohrenzündung) können mit Antibiotika behandelt werden.

Vorbeugung

Der einzig wirksame Schutz vor einer Infektion ist die Impfung. Die Schutzimpfung (Kombinations-Lebendimpfstoff) wird im Kindesalter durchgeführt, bietet jedoch nur dann lebenslange Immunität, wenn beide Teile der Impfung verabreicht werden, was jedoch nicht bei allen Personen der Fall ist, weswegen auch viele Jugendliche und Erwachsene von Masern betroffen sind. Durch eine bessere Durchimpfungsrate könnten Masernausbrüche, zu welchen es auch in Österreich immer wieder kommt, vermieden werden.

Die Masern-Schutzimpfung ist in Österreich Teil des kostenlosen Impfprogramms. Es handelt sich um eine 3-fach-Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR), der österreichische Impfplan empfiehlt, dass zwei Dosen MMR-Impfstoff ab dem vollendeten neunten Lebensmonat geimpft werden sollten. Ferner wird empfohlen, dass der MMR-Impfstatus bei Schuleintritt bzw. mit vollendetem 12. Lebensjahr kontrolliert wird, gegebenfalls sollten die Impfungen beim Kind nachgeholt werden.

Dies gilt auch für Jugendliche und Erwachsene: Bei fehlender Immunität, auch nur gegen eine Komponente der Impfung, oder fehlender Dokumentation (Impfpass) kann die Impfung in jedem Lebensalter nachgeholt werden. Ein Überimpfen ist nicht möglich. Jugendliche und Erwachsene, die als Kind nur einmal geimpft wurden, sollten also eine weitere MMR-Impfung erhalten, denn nur bei dokumentierter zweimaliger Lebendimpfung oder positivem Antikörpernachweis kann man davon ausgehen, dass man lebenslang immun ist. Es werden zwei Dosen im Intervall von mindestens vier Wochen empfohlen, in Österreich ist die MMR-Impfung derzeit über die Gesundheitsbehörden für alle Altersgruppen kostenfrei erhältlich.

Auf ihren Impfschutz achten sollten alle Menschen. Besonders wichtig ist ein Impfschutz für Personen, die mit Kindern arbeiten (z.B. Lehrer, Kindergartenpädagogen) oder die in Gesundheitsberufen tätig sind. Insbesondere wichtig ist die Impfung auch für Frauen im gebärfähigen Alter. Masern können während der Schwangerschaft zu Komplikationen für Mutter und Kind führen, vor einer geplanten Schwangerschaft ist es also wichtig, den Impfstatus nochmal checken zu lassen. Die MMR-Impfung kann auch als sogenannte Postexpositionsprophylaxe (Maßnahme nach einem möglichen Kontakt mit dem Erreger, um den Krankheitsausbruch zu verhindern oder den Verlauf abzumildern) eingesetzt werden (mit Ausnahme von bestimmten Risikogruppen).

Fact-Box

Masern: Viruserkrankung (sehr ansteckend, meldepflichtig); gilt als typische Infektionskrankheit des Kindesalters, kann auch Jugendliche und Erwachsene betreffen

Erreger: Masernvirus

Übertragung: Tröpfcheninfektion, direkter Kontakt mit infektiösen Nasen-/Rachensekreten

Inkubationszeit: Durchschnittlich acht bis zehn Tage

Krankheitsverlauf: Vorläuferstadium (Prodromalstadium), Hauptstadium (Exanthemstadium)

Symptome: Fieber, Schnupfen, Halsschmerzen, trockener Husten, Abgeschlagenheit, Verdauungsprobleme, Bindehautentzündung mit Lichtscheu, Koplik-Flecken, Masern-Ausschlag u.a.

Mögliche Komplikationen/Folgeerkrankungen: Bronchitis, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung, Durchfallerkrankungen, Enzephalitis u.a., subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) als mögliche Spätkomplikation (nach ca. sechs bis acht Jahren)

Diagnose: Anamnese, körperliche Untersuchung, Blutuntersuchung/Laboruntersuchung

Behandlung: Körperliche Schonung, Bettruhe, hohe Flüssigkeitszufuhr u.a.

Vorbeugung: Schutzimpfung (siehe Impfplan Österreich 2018)

Quellen:
Impfplan Österreich 2018, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz

Heininger U.; Masernimpfung in der Praxis - Zehn wichtige Fragen und Antworten zur MMR-Impfung, ARS Medici 1+2/2018, Rosenfluh Publikationen AG

Flick H. et al.; Pertussis und Masern auf dem Vormarsch, Universum Innere Medizin 10/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Wiedermann-Schmidt U. et al.; Masern, Pertussis, Pneumokokken, HPV: Patientenkontakte zur Aufklärung nutzen, Universum Innere Medizin 01/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Masern, RKI-Ratgeber, Robert Koch-Institut, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html, Stand: 17.07.2018

Masern: Junge Erwachsene und Angestellte im Gesundheitswesen sind gefährdet, 23.03.2018, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/92041/Masern-Junge-Erwachsene-und-Angestellte-im-Gesundheitswesen-sind-gefaehrdet
ICD-10: B05

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