Mann spreizt sein (gelbes) Auge auf
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Hepatitis E – häufig, aber wenig beachtet

Ein neues, weit verbreitetes, aber noch wenig beachtetes Virus ist das Hepatitis E Virus. Eine Infektion mit Hepatitis E ist auch in unserer Region häufig zu beobachten. Der Hauptübertragungsweg ist der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch. Wie Sie sich schützen können, weiß Gastroenterologe Dr. Thomas Horvatits.

Factbox – Hepatitis E

Eine Infektion mit Hepatitis E ist auch in unserer Region häufig zu beobachten. Der Hauptübertragungsweg ist der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch. Durch ausreichendes Erhitzen von Lebensmitteln (über 70 Grad) können die Viren inaktiviert und eine Infektion  vermieden werden.

Besondere Vorsicht gilt für immungeschwächte Patienten, die eine chronische Infektion der Leber entwickeln können, bis hin zur Entstehung einer Leberzirrhose. Im Falle einer Hepatitis E Infektion wird eine Vorstellung bei einem Experten für Lebererkrankungen empfohlen.

Das „kleine A-B-C“ der Virushepatitis

Als Hepatitis wird eine Entzündung der Leber bezeichnet, die unter anderem durch Hepatitis-Viren ausgelöst werden kann. Weitläufig bekannt sind die Hepatitis A, Hepatitis B und die Hepatitis C. Hepatitis A wird gehäuft durch verunreinigtes Wasser, oder durch Verzehr von infizierten Lebensmitteln wie bsp. Muscheln übertragen, und führt in aller Regel zu einer harmlosen akuten Entzündung der Leber einhergehend mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Hepatitis B und C Viren werden vor allem über das Blut übertragen, zum Beispiel durch Nadeln (intravenöser Drogenkonsum, Tätowierungen oder Piercings, etc.) oder über Transfusion von Blutprodukten vor 1991. Hepatitis B (und seltener auch Hepatitis C) können auch sexuell übertragen werden.

Hepatitis B und C führen meist zu einer chronischen Entzündung der Leber (chronische Hepatitis), mit den schwerwiegenden Folgen der Entstehung einer Leberzirrhose und dem Risiko für Leberkrebs und sind weltweit für eine sehr hohe Zahl an Todesfällen verantwortlich. Hepatitis D können nur Menschen bekommen, die auch eine Hepatitis B haben. Ein neues, weit verbreitetes aber noch wenig beachtetes Virus ist das Hepatitis E Virus.

Hepatitis E – eine unterschätzte Gefahr

Das Hepatitis E Virus kommt weltweit vor und führt zu einer Entzündung der Leber. Hepatitis E wurde lange Zeit als primäre Reise- oder Tropenerkrankung verstanden, die vor allem in Afrika und Asien beheimatet ist. Mittlerweile wissen wir aber, dass Hepatitis E auch in Europa sehr weit verbreitet ist. Gemäß aktuellen Infektionszahlen (aus Österreich und Deutschland) ist Hepatitis E mittlerweile die häufigste akute viral bedingte Leberentzündung.

Die Jahresstatistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) zeigte zuletzt eine deutliche Zunahme an gemeldeten Fällen (in Deutschland circa 2000 Fälle pro Jahr). Aus wissenschaftlichen Untersuchungen ist bekannt, dass die Seroprävalenz in der Bevölkerung (die Rate an Menschen die Antikörper gegen das Virus in sich tragen) bei ca. 20 Prozent, in einzelnen Regionen bei bis zu 30 Prozent liegt. Das heißt, dass jeder Fünfte, teils sogar jeder Dritte schon einmal Kontakt mit dem Hepatitis E Virus hatte. In jedem Falle einer unklaren Erhöhung der Leberwerte, sollte Ihr behandelnder Arzt daher auch auf Hepatitis E testen.

In tropischen und subtropischen Ländern in Afrika und Asien, aber auch in Südamerika, wo die Hepatitis E Virustypen Genotyp 1 und 2 vorkommen, sind reduzierte hygienische Bedingungen und kontaminiertes Trinkwasser der Hauptübertragungsweg. Bei uns hingegen, wo die Virus-Unterart Genotyp 3 verbreitet ist, wird das Virus vor allem durch Verzehr von rohem, oder nicht ausreichend erhitztem Schweinefleisch übertragen. Eine Untersuchung an Hausschweinen bzw. Wildschweinen in Österreich zeigte, dass sich in 6 bzw. 23 Prozent aller untersuchten Fleischproben das Hepatitis E Virus nachweisen ließ.

Aber auch andere Lebensmittel,  vor allem Wildfleisch, Hase, Muscheln, Erdbeeren und die sehr gefragten Meeresalgen (Wakame) können als Überträger der Infektion dienen. Ein Erhitzen über 70 Grad, über einen Zeitraum von mindestens 10 Minuten tötet die Viren ab.

Ganz besonders achtgeben sollten Menschen mit einer Immunschwäche. Es empfiehlt sich keine Fleischprodukte zu essen, die nicht ausreichend gekocht bzw. vollständig durchgebraten sind; hierzu zählen auch Rohwürste, Leberwurst, geräucherte oder geselchte Schweinefleisch- oder Wildfleischprodukte.

Leberentzündung: Immungeschwächte sind gefährdet

Die Hepatitis E verläuft bei einem Großteil der Infizierten als stille und beinahe unbemerkte (weitestgehend asymptomatische) Infektion der Leber. Bei einem kleinen Teil der Betroffenen kann sie jedoch auch mit einer akuten Hepatitis einhergehen (Gelbfärbung der Augen und der Haut, Bauchschmerzen, ggf. Fieber und Abgeschlagenheit). Bei gesunden Menschen, ohne Schwächung des Immunsystems, heilt diese Entzündung in aller Regel auch wieder von selbst aus, und bedarf keiner spezifischen Therapie. Nur ein kleiner Teil der Betroffenen, hier vor allem ältere Männer oder Patienten mit einer vorbestehenden Lebererkrankung, können aber eine sehr schwere Hepatitis bis hin zum akuten Leberversagen erleiden.

Völlig anders verhält es sich bei Patienten mit chronischer Immunschwäche (angeboren oder erworben), wie beispielsweise bei Patienten mit einer HIV-Erkrankung, Patienten die eine Chemotherapie benötigen oder etwa auf Grund einer Organtransplantation oder bei schwerer rheumatischer Erkrankung spezifische Medikamente (Immunsuppressiva) einnehmen müssen. Immungeschwächte Patienten haben ein sehr hohes Risiko (bis zu 50 Prozent) eine chronische Entzündung der Leber zu erleiden, die zu Leberzirrhose, Leberkrebs und letztlich auch zum Tode führen kann.

Definitionsgemäß spricht man von einer chronischen Hepatitis E Infektion wenn das Virus über eine Dauer von mindestens drei Monaten im Körper nachweisbar ist. In diesem Fall ist eine Vorstellung bei einem ausgewiesenen Experten für Lebererkrankungen sowie eine umgehende Therapie und Überwachung indiziert.

Eine medikamentöse Therapie ist möglich

Auch wenn bis dato keine spezifische medikamentöse Therapie zur Behandlung der Hepatitis E zugelassen ist, ist eine Behandlung der chronischen Hepatitis E möglich und sollte keinesfalls verzögert werden. Einerseits kann versucht werden, die immunsuppressive Therapie, das heißt die bewusste Unterdrückung des Immunsystems, ein wenig zu reduzieren, sodass der Körper selbst eine Chance bekommt das Virus abzuwehren und in Schach zu halten. Andererseits kann ein Medikament (Ribavirin), welches wir aus der Hepatitis C Therapie kennen, als „off-label Therapie“ verabreicht werden. Die in der Regel mehrwöchige Behandlung mit Ribavirin führt in bis zu ca. 90 Prozent der Fälle zu einer Ausheilung der chronischen Hepatitis E.

Eine Impfung gegen Hepatitis E gibt es seit 2011, diese ist jedoch nur in China zugelassen. Unklar bleibt zudem, ob der Impfstoff auch gegen die hier verbreitete Virusart (Genotyp) wirksam ist.

Virus vermehrt sich auch außerhalb der Leber 

Erst jüngst konnte nachgewiesen werden, dass sich Hepatitis E Viren auch außerhalb der Leber vermehren können. Dies kann auch abhängig vom Genotyp und somit der jeweiligen geographischen Region sein: Der Hepatitis E Virus Genotyp 1, der vor allem in Asien verbreitet ist, scheint mit dem Auftreten von Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse) in Verbindung zu stehen.

Der in Europa verbreitete Genotyp 3 ist mit neurologischen Erkrankungen, wie dem Guillaine Barre Syndrome, einer seltenen Nervenentzündung (Polyradikulitis), oder der neuralgischen Schulteramyotrophie, einer Lähmung der Schulter- und Armmuskulatur, verbunden.

Das Virus, welches sich vor allem in der Leber vermehrt und über die Galle ausgeschieden wird, lässt sich in aller Regel im Blut und auch im Stuhl von Betroffenen nachweisen. In einer aktuellen Studie konnte wir das Virus auch erstmalig im Ejakulat von chronisch infizierten Männern nachweisen, und zwar in viel höherer Menge als im Blut. Dies ist insofern von besonderem Interesse, als dass der Hoden einen Rückzugsort und eine Nische darstellen könnte, in denen sich die Viren vor dem Immunsystem verstecken oder so lange Zeit unbemerkt im Körper verbleiben könnten.

Gastautor:
Dr.med.univ., Dr.scient.med. Thomas Horvatits, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie

Horvatits T et al.: The clinical perspectrive on Hepatitis E. Viruses; 2019;11:7

EASL Clinical Practice Guielines on hepatitis E virus Infection; J. Hepatol 2018(6):1256-71

Kamar N et al.: Ribavirin for chronic hepatitis E virus infection in transplant recipients; New Engl J of Medicen 2014;370(12):1111-20

Horvatits T et al.: Hepatitis Evirus persists in the ejaculate of chronically infected men; J Hepatol 2021:75(1):55-63

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