Schluckauf

Schluckauf

Stand: Dezember 2020

Fast jeder Mensch kennt Schluckauf. Das plötzliche Hicksen ist zumeist harmlos und vergeht nach einigen Minuten wieder, mögliche Auslöser sind mitunter hastiges Schlucken, sehr kaltes oder heißes Essen, Alkohol, Stress und Aufregung. Nur in seltenen Fällen hat Schluckauf krankhafte Ursachen und wird chronisch. Wie es zu Schluckauf kommt, welche Ursachen und Auslöser Schluckauf haben kann, wann das Hicksen beim Arzt abgeklärt werden sollte und wie man es rasch wieder los wird, lesen Sie hier.

Fact-Box Schluckauf

Schluckauf (Singultus): Hicksen, das wenige bis hin zu sehr viele Male pro Minute auftreten kann

Formen: Akuter Schluckauf, chronischer Schluckauf (über zwei Tage anhaltender Schluckauf)

Ursachen: Verkrampfungen des Zwerchfells und reflexartiges Schließen der Stimmritze, wodurch die Luft in der Lunge nicht entweichen kann – es entsteht Druck, welcher sich in Form des für Schluckauf typischen Hicksens entlädt

Auslöser: Hastiges Schlucken und Essen, zu kaltes oder zu warmes Essen, Alkoholkonsum, Rauchen, Stress u. a.

Mögliche Krankheiten hinter chronischem Schluckauf: Refluxkrankheit, Zwerchfellbruch, Magen-Darm-Entzündung, Rachen- und Kehlkopfentzündung u. v. m.; oftmals keine Ursache feststellbar

Hilfreiche Maßnahmen:

  • Kaltes Wasser in kleinen Schlucken trinken
  • Essig mit Zucker langsam auf der Zunge zergehen lassen und langsam schlucken
  • Zunge rausstrecken oder für einige Atemzüge nach hinten rollen
  • Einatmen und bei mit Daumen und Zeigefinger zugehaltenen Nasenlöchern “ausatmen“ oder Nase zuhalten, Mund schließen, die Atemmuskulatur wie beim Ausatmen anspannen und den Druck für einige Sekunden halten (nicht mit Druck und Dauer der Manöver übertreiben)
  • An etwas Lustiges denken u. a.

Behandlungsmaßnahmen chronischer Schluckauf:Anpassung/Änderung der Ernährungsgewohnheiten, Atem- und Entspannungstechniken, Medikamente, Atemtherapie, Verhaltenstherapie u. a.

Was ist Schluckauf?

Schluckauf (Singultus) ist ein Hicksen, das von einigen wenigen Malen bis zu 40 Mal pro Minute* oder gar öfter auftreten kann. Fast jeder Mensch hat schon einmal Schluckauf gehabt. Zumeist sind die Hicks-Laute harmlos und vergehen nach einigen Minuten wieder, nur selten ist Schluckauf chronisch und auf eine Krankheit zurückzuführen.

Zusammengefasst handelt es sich bei Schluckauf um wiederholte unwillkürliche Verkrampfungen des Zwerchfells und um ein geräuschvolles Schließen der Stimmritze; durch Verkrampfungen des Zwerchfells schließt sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern abrupt, die Luft kann nicht mehr entweichen und es baut sich ein Druck auf, der sich schließlich im für Schluckauf typischen Hicksen bemerkbar macht. Wie oft jemand bei Schluckauf hicksen muss ist individuell sehr verschieden.

Wie kommt es zu Schluckauf und was passiert bei Schluckauf im Körper?
Schluckaufbeschwerden haben ihren Ursprung im Zwerchfell. Das Zwerchfell zählt zur Atemmuskulatur. Es setzt an der Lendenwirbelsäule, an der Innenseite der unteren Rippen und am Brustbein an und trennt sozusagen die Brust- und Bauchhöhle voneinander. Durch Kontraktion flacht sich das kuppelförmige Zwerchfell nach unten in Richtung Bauchraum ab, vergrößert so den Längsdurchmesser des Brustraums und bewirkt somit das Einatmen – es entsteht ein Unterdruck und Luft wird durch die geöffnete Stimmritze in die Lunge gesaugt. Entspannt sich das Zwerchfell, strömt die Luft wieder aus der Lunge heraus.

Beim Atmen führt der Luftweg also über die Stimmritze. Diese kann unterschiedlich weit geöffnet werden und befindet sich zwischen den Stimmbändern, welche von der Innenseite des Schildknorpels zu den Stellknorpeln verlaufen. Der Schildknorpel und der Stellknorpel sind Teile des Kehlkopfskeletts. Verkrampft sich nun das Zwerchfell plötzlich, schließt sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern reflexartig. In weiterer Folge kann die Luft in der Lunge nicht entweichen und prallt gegen die geschlossenen Stimmbänder. Es entsteht ein Druck, der sich in Form des für Schluckauf typischen Hicksens entlädt und bemerkbar macht.

Ursachen und Auslöser

Die Zwerchfellreflexe, durch welche sich die Stimmritze zwischen den Stimmbändern reflexartig schließt, sind auf Nerven im Gehirn und auf den Zwerchfellnerv (Nervus phrenicus) zurückzuführen, die auf bestimmte Reize wie beispielsweise zu hastiges Schlucken empfindlich reagieren. Mögliche Auslöser von Schluckauf sind u. a.:

  • Hastiges Essen und Trinken, hastiges Schlucken
  • Das “Schlucken“ von Luft
  • Zu kaltes oder zu warmes Essen
  • Alkohol
  • Nikotin
  • Kohlensäurehaltige Getränke
  • Stress, Aufregung, Erschrecken, Angst und das damit oftmals verbundene unregelmäßige und hastige Atmen

Welchen Zweck Schluckauf hat ist bislang unklar. Es gibt verschiedene Theorien dazu, wieso es zu Schluckauf kommt und ob Schluckauf einen konkreten Sinn hat. Bei Babys, die bereits im Mutterleib hicksen dient Schluckauf möglicherweise dazu, den Atemreflex zu trainieren. Einer anderen Theorie zur Folge verhindert Schluckauf bzw. der diesem zugrunde liegende Reflex, dass Flüssigkeit in die Luftröhre gelangt. Bei Säuglingen könnte Schluckauf möglicherweise helfen Luft aus dem Magen zu befördern, um beim Saugen mehr Milch aufnehmen zu können. Die meisten Theorien zu Schluckauf sind jedoch nicht bestätigt. Bei Erwachsenen besitzt Schluckauf vermutlich keine Funktion.

Schluckauf ist zumeist harmlos. Er tritt meist plötzlich (akut) auf und verschwindet nach ein paar Minuten auch wieder. In manchen Fällen hält das Hicksen allerdings länger an. Besteht Schluckauf länger als zwei Tage, ist von chronischem Schluckauf die Rede. Chronischer Schluckauf und häufig wiederkehrender Schluckauf haben häufig keine feststellbare Ursache (idiopathischer chronischer Schluckauf). Manchmal stecken aber auch bestimmte Krankheiten dahinter, wie beispielsweise Erkrankungen von Speiseröhre, Magen und Dünndarm und Stoffwechselerkrankungen. Folgende Erkrankungen können mit Schluckaufbeschwerden in Zusammenhang stehen:

Daneben gibt es noch andere Erkrankungen, die für chronischen Schluckauf verantwortlich sein können, wobei bei den meisten chronischen Erkrankungen in der Regel andere Symptome im Vordergrund stehen und Schluckauf nur als weiteres Krankheitszeichen auftritt. Ferner kann Schluckauf in Folge operativer Eingriffe mit Intubation, einer Magenspiegelung oder bedingt durch die Einnahme bestimmter Medikamente auftreten.

Wann sollte bei Schluckauf ein Arztbesuch erfolgen und was passiert beim Arzt?
In den meisten Fällen ist Schluckauf nicht gesundheitsgefährdend bzw. harmlos und macht es nicht erforderlich, einen Arzt aufzusuchen. Ein Besuch beim Arzt sollte allerdings erfolgen, wenn

  • der Schluckauf über zwei Tage bestehen bleibt (chronischer Schluckauf),
  • der Schluckauf sehr häufig oder deutlich öfter als früher auftritt,
  • zum häufigen Schluckauf zusätzliche Beschwerden wie beispielsweise Bauchschmerzen, Übelkeit, saures Aufstoßen, Sodbrennen oder Schwellungen im Halsbereich hinzukommen.

Treten neben Schluckauf Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen, Sprachstörungen und/oder Lähmungserscheinungen auf, sollte umgehend ein Notarzt gerufen werden. Es könnte sich um einen Schlaganfall oder einen anderen Notfall handeln.

Erster Ansprechpartner bei hartnäckigem Schluckauf ist der Arzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt), der den Patienten bei Bedarf an einen Hals-, Nasen-, Ohren-Arzt, Facharzt für Gastroenterologie oder Neurologie oder an einen anderen Spezialisten zuweist.

Zu Beginn der Abklärung steht die Anamnese, bei welcher sich der Arzt u. a. Informationen zur Krankengeschichte, zu eingenommenen Medikamenten, zu den Beschwerden und bestimmten Lebensstilfaktoren/Lebensumständen (Ernährungsgewohnheiten, Alkoholkonsum, Rauchen, Stress etc.) einholt. Informationen darüber, seit wann der Schluckauf auftritt, wie lange er anhält und in welchen Abständen und Situationen er wiederkommt, wie intensiv das Hicksen erlebt wird, ob bestimmte Auslöser bekannt sind und ob der Schluckauf mit bestimmten weiteren Beschwerden einhergeht helfen dem Arzt, sich ein genaueres Bild über die Schluckaufproblematik und die möglichen Ursachen dieser zu machen.

Im Anschluss erfolgt die körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt u. a. die Lunge abhört und die Atmung und die Reflexe prüft. Im Rahmen der weiteren Abklärung werden je nach Ausgangssituation und Verdacht, was den Schluckauf verursachen könnte weitere Untersuchungen durchgeführt. Zu den möglichen weiteren Untersuchungen zählen, je nach angenommener Ursache, beispielsweise eine Ultraschalluntersuchung von Hals- und Bauchraum, eine Spiegelung von Speiseröhre und Magen (Gastroskopie; zum Ausschluss von Refluxkrankheit, Magengeschwür etc.), eine Röntgenuntersuchung von Brust- und Bauchbereich, Atemfunktionstests, Blutuntersuchungen, eine Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie), eine Computertomographie von Hals- und Brustbereich, eine Elektrokardiographie (EKG), eine Elektroenzephalographie (EEG) und andere Untersuchungen. Welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie sich die Abklärung gestaltet hängt von der vermuteten Ursache und anderen Faktoren ab.

Was hilft bei Schluckauf?

Schluckauf verschwindet nach einigen Minuten zumeist von alleine. Es gibt aber auch einige Maßnahmen und Tricks, die helfen können, die oftmals als unangenehm empfundenen Hickser schneller loszuwerden. Hierzu zählen:

  • Ein Glas sehr kaltes Wasser in kleinen Schlucken trinken
  • Mit Wasser gurgeln
  • Essig mit Zucker langsam auf der Zunge zergehen lassen und langsam schlucken
  • Zunge rausstrecken
  • Zunge für einige Atemzüge nach hinten rollen
  • Einatmen und bei mit Daumen und Zeigefinger zugehaltenen Nasenlöchern “ausatmen“ oder die Nase zuhalten, den Mund schließen, die Atemmuskulatur wie beim Ausatmen anspannen und den Druck für einige Sekunden aufrechterhalten (nicht mit dem Druck und der Dauer der Manöver übertreiben)
  • An etwas Lustiges denken

Daneben gibt es noch viele andere Maßnahmen, Tipps und Tricks, welchen nachgesagt wird, dass sie bei Schluckauf helfen können, wobei die wenigsten dieser auf einer wissenschaftlichen Grundlage beruhen. Bei hartnäckigem Hicksen oder Schluckauf in sehr unangenehmen Situationen kann es sich jedoch auf jeden Fall lohnen, die eine oder andere Maßnahme auszuprobieren, um dem Schluckauf ein schnelles Ende zu machen.

Bei chronischem Schluckauf steht, sofern bekannt, die Beseitigung der Ursache bzw. die Behandlung der ursächlichen Erkrankung im Vordergrund. Gegen den Schluckauf an sich helfen können eine Anpassung/Änderung der Ernährungsgewohnheiten, einfache Atem- und Entspannungstechniken und Bauchmassagen. In bestimmten Fällen können auch Medikamente (z. B. muskelentspannende Substanzen, Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen, Säurehemmer) zum Einsatz kommen, um die Schluckaufbeschwerden zu lindern, weitere mögliche Behandlungsmaßnahmen sind Atemtherapie und Verhaltenstherapie.

Autor:
Quellen:
Ohlrich M., Royl G.; Singultus – Diagnostik und Therapie, Aktuelle Neurologie 2014; 41(02): 116–124, Georg Thieme Verlag

Chang F.Y., Lu C.L.; Hiccup: Mystery, Nature and Treatment, Journal of Neurogastroenterology and Motility 2012; 18(2): 123–130

Eisenächer A., Spiske J.; Persistierender Singultus als Initialsymptom eines Kavernoms in der Medulla oblongata, Deutsches Ärzteblatt 48/2011, Deutscher Ärzteverlag

Koppen H.; Aufstoßen (Singultus), In: Koppen H. (Hrsg.), Gastroenterologie für die Praxis, 2010, Thieme Verlagsgruppe

Koop I.; Singultus, In: Koop I. (Hrsg.), Gastroenterologie compact, 2009, 2. Auflage, Thieme Verlagsgruppe
ICD-10: R06.6