Gastritis: Erkennen und Behandeln

Gastritis: Erkennen und Behandeln

Stand: Januar 2016

Gastritis ist eine weit verbreitete Erkrankung und tritt entweder akut oder chronisch auf. Die Häufigkeit chronischer Verlaufsformen steigt mit dem Alter an, Frauen sind durchschnittlich etwas öfter betroffen als Männer. Prinzipiell wird zwischen drei Hauptformen - Typ-A-, Typ-B- und Typ-C-Gastritis - unterschieden, wobei Typ-B-Gastritis mit etwa 80 Prozent mit Abstand am häufigsten auftritt. Während die Erkrankung bei vielen Patienten symptomlos verläuft und nur durch Zufall bei einer anderen Untersuchung erkannt wird, leiden andere Patienten unter Schmerzen, Übelkeit und unangenehmen Verdauungsproblemen. Lesen Sie hier, mit welchen Symptomen Gastritis einhergeht, wie die Erkrankung beim Arzt diagnostiziert und behandelt wird und wie Sie Ihrem Magen selbst etwas Gutes tun können.

Aufbau des Magens

Der Magen befindet sich im oberen Bauchbereich und wird in mehrere Abschnitte unterteilt:

  • Mageneingang: An dieser Stelle tritt die Speiseröhre in den Magen ein.
  • Magengrund: Auf den Mageneingang folgt der Magengrund. Dieser Abschnitt befindet sich links vom Mageneingang.
  • Magenkörper: Der Magenkörper macht den größten Teil des Magens aus, schließt am Magengrund an und geht in den unteren Magenbereich über.
  • Pförtnerkanal/Magenpförtner: Der Pförtnerkanal/Magenpförtner ist eine natürliche Engstelle mit stark verdickter und sehr kräftiger Muskulatur und die Verbindungsstelle zum Zwölffingerdarm.

Der Magen kann etwa 1,5 Liter Inhalt fassen. Form und Größe des Magens können von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein und hängen u.a. vom Lebensalter und vom Füllungszustand des Magens ab. In stehender Position hat der Magen eine Art Hakenform und ist – bei mäßiger Füllung – etwa 20 bis 30 Zentimeter lang.

Magenschleimhaut: Die gesamte Oberfläche vom Magen wird von einer dicken und mehrschichtigen Magenschleimhaut ausgekleidet. Die Magenschleimhaut erfüllt gleich mehrere wichtige Funktionen: Einerseits bildet die Magenschleimhaut die Magensäure, verschiedene Hormone und Verdauungsstoffe, andererseits schützt sie den Magen vor der Magensäure.

Funktion des Magens

Die wichtigsten Aufgaben des Magens sind die vorübergehende Speicherung und die anschließend gleichmäßige Weitergabe von Nahrung an den Darm. Durch die Muskelbewegungen vom Magen wird der Nahrungsbrei durchgemischt und in den Darm befördert. Leicht verdauliche Nahrung wie Gemüse verbleibt etwa zwei Stunden im Magen. Schwer verdauliche und sehr fettreiche Nahrung kann hingegen bis zu acht Stunden im Magen bleiben. Gelangt Nahrung über die Speiseröhre in den Magen, kommt es durch die Dehnung des Magengrunds und durch angedaute Proteine zu einer verstärkten Freisetzung von Magensaft. Sobald ein Teil der Nahrung im Dünndarm angekommen ist, wird die Produktion der Magensäure wieder gedrosselt.

Eine weitere Funktion der Magensäure ist das Abtöten von Krankheitserregern. Die meisten Bakterien können im sauren Milieu des Magensafts nicht überleben, wodurch der Körper vor Infektionen geschützt wird.

Definition und Formen der Gastritis

Bei einer Gastritis handelt es sich um eine Entzündung der Magenschleimhaut, die sowohl den gesamten Magen oder nur einzelne Abschnitte des Magens betreffen kann. Gastritis ist eine sehr vielseitige Erkrankung, die in verschiedene Unterformen eingeteilt wird.

Prinzipiell wird zwischen einer akuten und einer chronischen Gastritis unterschieden. Chronische Gastritis hält im Gegensatz zur akuten Gastritis über einen längeren Zeitraum an und zählt bei älteren Menschen zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Aus jeder akuten Gastritis kann sich unter Umständen eine chronische Verlaufsform entwickeln.

Je nach Ursache wird Gastritis weiters in drei Hauptformen unterteilt:

  • Typ-A-Gastritis: Typ-A-Gastritis macht etwa fünf Prozent aller Gastritis-Erkrankungen aus. Das es sich bei Typ-A-Gastritis um eine Autoimmunkrankheit handelt, wird diese Form der Gastritis auch als “Autoimmungastritis” bezeichnet. Unter Autoimmunkrankheiten werden Erkrankungen zusammengefasst, bei welchen das Immunsystem körpereigenes Gewebe fälschlicherweise als zu bekämpfenden Fremdkörper wahrnimmt. Bei Typ-A-Gastritis greifen Autoantikörper (Antikörper, die ein körpereigenes Antigen bilden) säureproduzierende Zellen, die sogenannten Parietalzellen, an. In weiterer Folge kommt es zu einem Anstieg vom pH-Wert im Magen, weiters wird die Gastrinproduktion permanent angeregt. Gastrin ist ein Hormon im Magen-Darm-Trakt, das an der Produktion von Magensäure beteiligt ist. Betroffene leiden zudem häufig unter einem Vitamin-B12-Mangel.
  • Typ-B-Gastritis: Typ-B-Gastritis ist die häufigste Form aller chronischen Gastritis-Erkrankungen, bei etwa 80 Prozent aller Gastritiden handelt es sich um eine Typ-B-Gastritis. Typ-B-Gastritis wird durch das Bakterium Helicobacter pylori verursacht und daher auch als “Heliobacter Gastritis” bezeichnet. Weltweit sind etwa 50 Prozent aller Menschen von einer Infektion betroffen, wobei die Infektionsrate in Entwicklungsländern deutlich höher ist als in Industrieländern. Das Bakterium breitet sich durch fäkal-orale Übertragung aus und findet beispielsweise durch verunreinigtes Trinkwasser seinen Weg in den menschlichen Verdauungstrakt. Im Magen siedelt sich der Erreger zunächst im unter Bereich an und verursacht im Laufe der Zeit eine Entzündung der gesamten Magenschleimhaut. 
  • Typ-C-Gastritis: Typ-C-Gastritis macht etwa zehn Prozent aller Gastritiden aus.Bei Typ-C-Gastritis handelt es sich um eine chemisch induzierte Form der Gastritis. Typ-C-Gastritis wird durch Substanzen verursacht, die für die Magenschleimhaut schädlich sind, dazu zählt beispielswiese Gallenflüssigkeit, die unter bestimmten Umständen aus dem Zwölffingerdarm in den Magen zurückfließen kann.
  • Weitere Formen: Neben Typ-A-, Typ-B-, und Typ-C-Gastritis gib es noch einige sehr selten vorkommende Sonderformen wie Morbus-Crohn-Gastritis, kollagene Gastritis oder Riesenfaltengastritis.

Ursachen für Gastritis

Gastritis kann diverse Ursachen haben. Während Typ-B-Gastritis durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht wird, ist Typ-C-Gastritis in vielen Fällen auf die längere Einnahme nicht-steroidaler Antirheumatika (Medikamente, die zur Rheumatherapie zum Einsatz kommen) zurückzuführen. Auch die Einnahme bestimmter Antibiotika kann die Entstehung einer Typ-C-Gastritis begünstigen. Weitere Ursachen für Gastritis sind übermäßiger Alkoholkonsum, Rauchen, Verätzungen (z.B. durch Säuren) und Lebensmittelvergiftungen (z.B. durch natürlich vorkommende Pilzgifte). Andere mögliche Auslöser, vor allem für akute Gastritis, sind starker Stress und Schocksituationen.

Symptome einer Gastritis

Ähnlich vielfältig wie die Ursachen sind auch die Symptome, mit welchen sich Gastritis bemerkbar machen kann. Während sich eine chronische Gastritis meist über einen längeren Zeitraum entwickelt und bei vielen Patienten vor allem anfangs gar keine Beschwerden verursacht, setzen die Beschwerden bei einer akuten Gastritis meistens sehr plötzlich ein. Häufig beobachtete Symptome einer Gastritis sind:

  • Übelkeit
  • Völlegefühl
  • Appetitlosigkeit und eine Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel
  • Druckgefühl im Oberbauch
  • Schmerzen im Oberbauch
  • Aufstoßen
  • Unangenehmer Geschmack im Mund
  • Blähungen
  • Durchfall
  • Auffälliger Stuhl (z.B. Teerstuhl)

 Das genaue Beschwerdebild variiert von Patient zu Patient. Die Symptome können vereinzelt auftreten, kurzzeitig nachlassen und nach einiger Zeit wiederkommen.

Diagnose beim Arzt

Die genaue Beschreibung der Beschwerden gibt dem Arzt bereits die ersten wichtigen Hinweise auf das mögliche Vorliegen einer Gastritis. Die einzige Möglichkeit, um eine Gastritis sicher zu diagnostizieren ist die Gastroskopie (Magenspiegelung), mithilfe welcher der Arzt die Magenschleimhaut gründlich untersuchen und begutachten kann, um etwaige Veränderungen und Entzündungen festzustellen.

Gastroskopie

Eine Gastroskopie kann entweder ambulant oder stationär erfolgen und wird mit einem sogenannten Endoskop durchgeführt. Dabei handelt es sich um ein schlauchartiges und sehr bewegliches Instrument mit eingebauter Optik, welches die aufgenommenen Bilder auf einen Monitor überträgt. Für die Durchführung der Gastroskopie muss der Patient nüchtern sein. Das bedeutet, dass mehrere Stunden vor der Untersuchung nichts gegessen oder getrunken werden darf – denn einerseits könnten Nahrungsreste die Sicht auf die zu untersuchende Magenschleimhaut behindern, andererseits besteht bei vollem Magen die Gefahr, dass Mageninhalt in die Atemwege eingeatmet wird. Bei der Untersuchung liegt der Patient auf der linken Seite. Das Gastroskop wird über den Mund und die Speiseröhre langsam in den Magen vorgeschoben, welcher dann mit Luft aufgeblasen wird, sodass sich die Schleimhäute besser entfalten und eine gute Sicht auf die Strukturen des Magens gegeben ist. Stellt der Arzt Auffälligkeiten fest, kann er mithilfe einer speziellen Zange eine Schleimhautprobe entnehmen. Nach der Untersuchung wird das Endoskop vorsichtig wieder zurückgezogen. Die zuvor eingeblasene Luft wird ebenfalls wieder abgesaugt. Eine Gastroskopie dauert im Regelfall nur wenige Minuten und ist schmerzlos, für viele Patienten jedoch äußerst unangenehm.

Durch die Untersuchung der Gewebeprobe kann der Arzt feststellen, ob eine Infektion mit Helicobacter pylori vorliegt. Zudem wird im Regelfall noch eine Laboruntersuchung des Blutes durchgeführt.

Behandlung einer Gastritis

Die Behandlung einer Gastritis orientiert sich an den Ursachen für die Erkrankung und der zuvor vom Arzt diagnostizierten Form. Bei einer akuten Gastritis ist in vielen Fällen keine Behandlung erforderlich, da sie meistens auch ohne Behandlung wieder ausheilt.

Behandlung einer chronischen Gastritis

Da es sich bei Typ-A-Gastritis um eine Autoimmunkrankheit handelt, lässt sich die Ursache der Erkrankung in diesem Fall nicht behandeln. Patienten mit Typ-A-Gastritis erhalten Medikamente zur Reduktion der Magensäureproduktion, des Weiteren wird bei der Behandlung auf einer ausreichende Versorgung mit Vitamin B12 geachtet. Ziel der Behandlung einer Typ-B-Gastritis ist die Beseitigung der Helicobacter pylori-Infektion. Die medikamentöse Behandlung, auch als Eradikationstherapie bezeichnet, umfasst eine Kombination aus zwei unterschiedlichen Antibiotika und einem sogenannten Protonenpumpenhemmer. In mehr als 90 Prozent der Fälle lässt sich die Infektion mithilfe dieser Therapie beseitigten. Ein spezieller Atemtest oder eine erneute Gastroskopie können nach der medikamentösen Behandlung Aufschluss darüber geben, ob diese erfolgreich war. Eingesetzte Medikamente sind z.B. Clarithromycin, Amoxicillin Metronidazol (Antibiotika) sowie Omeprazol, Pantoprazol oder Esomeprazol (Protonenpumpenhemmer).

Bei Vorliegen einer Typ-C-Gastritis wird durch Absetzen der krankheitsverursachenden Medikamente versucht die Magenschleimhaut wieder zu beruhigen. So werden beispielsweise nicht-steroidale Antirheumatika abgesetzt bzw. durch andere Medikamente oder Schmerzmittel ersetzt. Neben diesen ursachenorientierten Therapien sollten Betroffene alles meiden, was die Magenschleimhaut zusätzlich irritiert, dazu zählen Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum sowie sehr scharfes, fettiges und sehr heißes Essen – dies gilt sowohl für chronische als auch für akute Verlaufsformen.

Was dem Magen gut tut

Eine konkrete Ernährungsweise zur Vorbeugung einer Gastritis gibt es nicht. Dennoch gibt es einiges, was man tun kann, um die Gesundheit von Magen und Magenschleimhaut zu fördern:

  • Eine nährstoffreiche Ernährung mit vielen Ballaststoffen, Obst und Gemüse schützt die Magenschleimhaut. Ballaststoffreiche Lebensmittel sind u.a. Vollkornprodukte (Dinkel, Roggen, Hafer), Brokkoli, Karotten, Kohl, Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen und Bohnen, Bananen, Äpfel, alle Arten von Beeren sowie Nüsse und getrocknete Früchte.
  • Fettreiche und ballaststoffarme Kost und sehr stark gewürzte Speisen irritieren die Magenschleimhaut hingegen, ebenso wie sehr heiße und sehr kalte Getränke. Prinzipiell sollten Extreme gemieden werden – Essen Sie nicht zu süß, zu salzig, zu fettig, zu salzig, zu heiß und zu kalt.
  • Langsames Essen in entspannter Atmosphäre ist förderlich für die Verdauung.
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt gelten als gesünder als wenige sehr große Portionen.
  • Übermäßiger Alkoholkonsum und Nikotin schaden der Magenschleimhaut.
  • Schleimhautreizende Medikamente wie nicht-steroidale Antirheumatika und bestimmte entzündungshemmende bzw. schmerzlindernde Wirkstoffe wie Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) sollten nur eingenommen werden, wenn es unbedingt erforderlich ist.
  • Stress und psychisch belastende Situationen sind schlecht für die Gesundheit und Gift für den Magen. Das Gehirn und der Verdauungstrakt sind durch unterschiedliche Körpersysteme eng miteinander verbunden. Wenn der Körper vermehrt Stresshormone ausschüttet, reagiert auch der Verdauungstrakt empfindlich. Pausen und gezielte Entspannungsübungen fördern nicht nur die geistige Entspannung, sondern wirken sich auf vorteilhaft auf die Balance im Verdauungstakt aus.
  • Auch Sport hilft beim Stressabbau. Wer keine Zeit hat, um regelmäßig Sport zu treiben, sollte darauf achten, ausreichend Bewegung in den Alltag einzubauen, beispielsweise durch das Auslassen der Rolltreppe oder einen ausgedehnten Spaziergang. Körperliche Bewegung hält nicht nur fit und länger jung, sondern sorgt auch für eine reibungslose Verdauung.
Quellen:
OA Dr. Friedrich Wewalka, 4. Interne Abteilung, Krankenhaus der Elisabethinen, Linz; Helicobacter pylori – ein Update, Universum Innere Medizin 08/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Ao. Univ.-Prof. Dr. Alexander M. Hirschl, Klinische Abteilung für Klinische Mikrobiologie, Klinisches Institut für Labormedizin, Medizinische Universität Wien; Therapie der Helicobacter-pylori-Infektion, Universum Innere Medizin 09/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Reinhard Bornemann, Elisabeth Gaber; Gastritis, Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüre, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 55, Robert Koch-Institut, Berlin, 23.Spetember 2013

o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Medizinische Universität Graz; Geschichte des Magenulkus, Universum Innere Medizin 08/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) ggf. mit Endoskopischer Resektion/Polypektomie, Dokumentierte Patientenaufklärung, C. Ell, proCompliance in Thieme Compliance GmbH., Stuttgart, 2011

Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH; http://www.medical-tribune.de/home/infotainment/artikeldetail/mt-video-gastroskopie.html, Mai 2005
ICD-10: K29, K29.1, K29.2

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