Frau mit Atemnot auf Treppe
Foto:Flotsam/Shutterstock

Dyspnoe/Luftnot

Schwere Atemnot, auch als Dyspnoe bezeichnet, wird von betroffenen Personen als zutiefst bedrohlich empfunden. Neben dem „Lufthunger“ quält sie vor allem die panische Angst davor, zu ersticken. Dyspnoe kann viele verschiedene Ursachen haben und sie kann auch Ausdruck einer lebensbedrohlichen Erkrankung sein. Wichtig ist die schnellstmögliche Abklärung der Ursache beim Arzt.

Factbox – Dyspnoe

Synonym: Dyspnoe, (schwere) Atemnot, Luftnot, Kurzatmigkeit

Definition: subjektives Gefühl einer unzureichenden oder erschwerten Atmung; kann mit objektiven Zeichen wie etwa dem Zwang zur aufrechten Körperhaltung oder einer erhöhten Atemfrequenz einhergehen

Ursachen: Asthma bronchiale, COPD, Herzinsuffizienz, Lungenentzündung, Lungenembolie,…

Symptome: milde Dyspnoe: Kurzatmigkeit bei raschem Gehen in der Ebene oder leichtem Anstieg; mäßige Dyspnoe: Aufgrund von Kurzatmigkeit langsameres Gehen in der Ebene als Altersgenossen üblich oder bei eigenem Gehtempo Pausen zum Luftholen nötig; schwere Dyspnoe: nach einigen Minuten oder 100 Metern Gehen im Schritttempo Pausen erforderlich; sehr schwere Dyspnoe: aufgrund von Kurzatmigkeit kann das Haus nicht verlassen werden, Luftnot schon beim An- und Ausziehen

Diagnose: Anamnese, körperliche Untersuchung und Beobachtung der Atmung, ggf. weitere Diagnostik mittels Biomarkern und apparativer Maßnahmen

Behandlung: Allgemeine Akutmaßnahmen: Beruhigung, ggf. auch medikamentös, Oberkörperhochlagerung/sitzende Position, Sauerstoffgabe; Spezifische Akutmaßnahmen: je nach zugrunde liegender Erkrankung: Sympathomimetika, Glucocorticoide, Adrenalin, Schleifendiuretika; bei Vorliegen einer respiratorischen Insuffizienz: Intubation und Beatmung

Was versteht man unter Dyspnoe/Atemnot/Luftnot?

Wer es schon einmal erlebt hat, weiß, wie bedrohlich sich schwere Luftnot anfühlt. Tatsächlich handelt es sich bei Dyspnoe um das subjektive Gefühl, nicht ausreichend oder nur erschwert atmen zu können. Das kann auf verschiedene, vor allem kardiale und pulmonale Erkrankungen hindeuten und kann auch von der emotionalen Situation des oder der Betroffenen beeinflusst sein. Man unterscheidet zwischen akut auftretender und chronischer Dyspnoe, die mehr als vier Wochen lang anhält.

Diagnostisch ist es wichtig, zunächst eine Anamnese und eine klinische Untersuchung inklusive Vitalparameter und Auskultation (Abhören) durchzuführen. Danach kann der Arzt rasch beurteilen, wie dringend eine weitere Abklärung bzw. Therapie sind. Eine akut auftretende Dyspnoe ist immer ein Notfall, denn ihr können lebensbedrohliche Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Lungenembolie zugrunde liegen. Was die chronische Dyspnoe betrifft, so muss man dabei auch an chronische Erkrankungen wie COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung), Asthma bronchiale oder Herzinsuffizienz denken. Grundsätzlich muss auch bedacht werden, dass Atemnot auch durch viele weitere Erkrankungen wie etwa Anämie oder psychische Störungen verursacht werden kann, und dass diese so genannten Komorbiditäten die Diagnosestellung erschweren.

Therapeutisch steht immer die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund. Was die symptomatische Behandlung anlangt, so können in der Akutsituation eine Sauerstoffgabe und gegebenenfalls eine Sedierung zur Linderung der Atemnot sinnvoll sein, letzteres vor allem deshalb, weil schwere Atemnot für den oder die Betroffene häufig sehr beängstigend ist.

Atemnot ist ein sehr häufiges Symptom und betrifft bis zu 25 Prozent der Patienten im ambulanten Bereich.

Ursachen der Atemnot

Die wichtigsten Ursachen für Atemnot liegen entweder im Bereich der Atemwege, des Herzens oder der Lunge. Andere Ursachen können eine Muskelerkrankung, Anämie (Blutarmut), Verletzungen oder auch Tumore sein.

Die Pathophysiologie der Dyspnoe ist komplex und bis heute nicht ganz geklärt. Man nimmt an, dass es dabei zur Stimulation von zentralen und peripheren Chemorezeptoren kommt. Weiters gibt es auch noch andere Stimuli wie etwa den Anstieg bzw. Abfall des CO-Partialdrucks im Blut, und: Für die subjektive Wahrnehmung von Atemnot spielen auch zentralnervöse Einflüsse wie Gefühle (insbesondere Angst), Selbstwahrnehmung und Gewöhnung eine wichtige Rolle.

Die häufigsten bekannten Ursachen im Einzelnen sind:

Asthma bronchiale: Bei Asthma kommt es zu einer zeitlich begrenzten Verengung der unteren Atemwege, die durch eine Verkrampfung der Schleimhautmuskelzellen, eine Schleimhautschwellung und eine vermehrte Schleimproduktion verursacht werden. Die Hauptsymptome sind Atemnot, keuchende Atmung, Husten, ein Engegefühl in der Brust und trockene, pfeifende Ausatemgeräusche.

COPD: Darunter versteht man eine chronische Erkrankungen der unteren Atemwege, bei denen sowohl die Bronchien als auch das Lungengewebe geschädigt sind. Die Symptome ähneln denen von Asthma bronchiale. Zu schwerer Atemnot kann es bei COPD besonders im Rahmen von Infektionen kommen.

Herzinsuffizienz: Dabei hat das Herz eine verminderte Pumpleistung, wodurch der Körper nicht mehr ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt wird. Die Atemnot bei Herzinsuffizienz verstärkt sich besonders bei körperlicher Belastung.

Lungenentzündung: Auch sie kann Luftnot auslösen, und zwar abhängig von der Ursache, der Größe des betroffenen Areals und den Begleiterkrankungen des Patienten. Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei einer schweren Lungenentzündung atmen die Patienten meist oberflächlich, angestrengt und schnell. Die Atembewegung kann deutlich eingeschränkt sein, und manchmal ist die Atmung auch schmerzhaft.

Lungenembolie: Dabei kommt es durch ein Blutgerinnsel zum Verschluss eines Lungengefäßes. Die Folge ist ein nicht durchblutetes Lungenareal, und je nach Größe des betroffenen Lungenteils können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig kommt es zu Atemnot, erhöhter Atemfrequenz und Brustschmerzen.

Klassifikation und Symptome

Zur Einteilung des Schweregrads der Dyspnoe kommen verschiedene Skalen zum Einsatz. Häufig gebräuchlich ist die Dyspnoe-Skala der American Thoracic Society. Demnach kommt es zu folgenden Symptomen:

  • keine Dyspnoe: keine Beschwerden bei raschem Gehen in der Ebene oder leichtem Anstieg
  • milde Dyspnoe: Kurzatmigkeit bei raschem Gehen in der Ebene oder leichtem Anstieg
  • mäßige Dyspnoe: Aufgrund von Kurzatmigkeit langsameres Gehen in der Ebene als bei Altersgenossen üblich oder bei eigenem Gehtempo Pausen zum Luftholen nötig
  • schwere Dyspnoe: nach einigen Minuten oder 100 Metern Gehen im Schritttempo Pausen erforderlich
  • sehr schwere Dyspnoe: aufgrund von Kurzatmigkeit kann das Haus nicht verlassen werden; Luftnot schon beim An- und Ausziehen

Dyspnoe: Diagnose 

Wichtig für die Diagnostik der Dyspnoe sind Anamnese, körperliche Untersuchung und Beobachtung der Atmung. Experten betonen aber, dass bei 30 bis 50 Prozent der Patienten eine Diagnosestellung auf dieser Grundlage nicht möglich ist, und dass vielfach eine weitere Diagnostik mittels Biomarkern und apparativer Maßnahmen notwendig ist.

Experten gehen auch davon aus, dass andere Begleiterkrankungen, unter denen viele Dyspnoe-Patienten leiden, die Diagnosestellung oft erschweren,  und dass Luftnot durch eine ganze Reihe weiterer Erkrankungen wie etwa Anämie oder psychische Störungen verursacht werden kann. Trotz alledem ist eine schnellstmögliche Abklärung der Ursache besonders wichtig. Entscheidend ist vor allem, akut lebensbedrohliche Erkrankungen wie insbesondere Myokardinfarkt, Lungenembolie und Lungenödem auszuschließen.

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Behandlung der Atemnot

Grundsätzlich sollte die Therapie der Grunderkrankung im Vordergrund stehen.

Allgemeine Akutmaßnahmen umfassen:

  • Beruhigung, ggf. auch medikamentös
  • Oberkörperhochlagerung/sitzende Position
  • Sauerstoffgabe

Spezifische Akutmaßnahmen umfassen:

  • bei obstruktiver Komponente: Sympathomimetika, Glucocorticoide
  • bei allergischer Komponente/Anaphylaxie: Glucocorticoide, Adrenalin
  • bei Ödemen und/oder Verdacht auf eine Lungenstauung: Schleifendiuretika

Weitere Maßnahmen erfolgen nach Art der Erkrankung.

Bei Vorliegen einer respiratorischen Insuffizienz (Störung des Gasaustausches in der Lunge mit pathologisch veränderten Blutgaswerten) wird eine Intubation und künstliche Beatmung durchgeführt.

Leitlinie Atemvorgang, unwirksamer (Atemnot, Dyspnoe), Stand Juni 2017, https://www.onkopedia.com/de/onkopedia-p/guidelines/atemvorgang-unwirksamer-atemnot-dyspnoe/@@guideline/html/index.html, Abruf Mai 2022

Berliner D et al: Differenzialdiagnose bei Luftnot, Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 834-45; DOI: 10.3238/arztebl.2016.0834 https://www.aerzteblatt.de/archiv/184419/Differenzialdiagnose-bei-Luftnot, Abruf Mai 2022

Spindler T: Psychogene Atemstörungen oder manifestes Asthma? https://www.universimed.com/ch/article/pneumologie/psychogene-atemstoerungen-oder-manifestes-asthma-2094647, Abruf Mai 2022

Management bei Luftnot – Akutmaßnahmen
https://www.thieme.de/de/aerzte-in-weiterbildung/management-bei-luftnot-71952.htm, Abruf Mai 2022 https://www.amboss.com/de/wissen/Dyspnoe/, Abruf Mai 2022
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/erste-hilfe/notfall/atemnot, Abruf Mai 2022

 

 

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