Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)

Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)

Stand: Mai 2021

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung wird häufig durch Übergewicht, Diabetes und einen falschen Lebensstil verursacht und tritt weit häufiger auf, als die bekannte alkoholische Fettleber. Vielfach verläuft die Erkrankung symptomlos, sie kann aber die Leberleistung beeinflussen, das Risiko für Herzerkrankungen und Diabetes erhöhen und im schlimmsten Fall schwere Leberschäden bis hin zu Leberzirrhose und Leberkrebs hervorrufen. Auch scheinbar gesunde und schlanke Menschen sind nicht vor diesem Leiden gefeit.

Factbox  

Nicht alkoholische Fettlebererkrankung, Steatosis hepatis, non-alcoholic fatty liver disease, NAFLD
Alkoholische Fettlebererkrankung (AFLD): Leberverfettung durch chronischen Alkoholmissbrauch. Grenzwerte: Männer 40 bis 60, Frauen 20 bis 30 Gramm Alkohol pro Tag

Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD): Leberverfettung bei Personen, die keinen oder wenig Alkohol trinken

Häufigste Ursache: fett- und zuckerreiche Ernährung und Bewegungsmangel, die zu metabolischem Syndrom führen.

Mögliche Folgeerkrankungen von AFLD und NAFLD: Die nicht-alkoholische Fettleber kann unbehandelt zu einer Fettleber-Entzündung (nicht-alkoholische Steatohepatitis, kurz NASH) führen, nachfolgend zur Leberfibrose und Leberzirrhose

Symptome der NAFLD: häufig keine, ggf. Druckschmerzen im Leberbereich, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, dunkler Urin, heller Stuhl.

Therapie: bislang keine anerkannte medikamentöse Therapie. Empfohlen wird eine Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung und vermehrter Bewegung

Die Leber und ihre Funktionen

Die Leber ist das größte Organ im Körper des Menschen. Sie wiegt etwa eineinhalb Kilogramm und nimmt zahlreiche Funktionen wahr. Unter anderem spielt sie eine wichtige Rolle im Stoffwechsel, denn sie  verwertet, speichert, verwandelt oder baut Stoffe ab, die aus der Blutbahn in die Leberzellen aufgenommen wurden. Außerdem produziert sie die Gerinnungsfaktoren, die das Blut bei Verletzungen gerinnen lassen und bildet Eiweiße für den Transport von Fetten und Hormonen im Blut. Darüber hinaus ist sie ein wichtiges Entgiftungsorgan, denn sie wandelt schädliche  Substanzen, die im Stoffwechsel ständig entstehen, in harmlose Stoffe um und kann auch Alkohol unschädlich machen: Pro Stunde kann sie je zehn Kilogramm Körpergewicht etwa ein Gramm Alkohol abbauen. Ihre Funktion als “Verwerter” toxischer Zwischenprodukte macht die Leber aber auch anfällig für viele Erkrankungen. Dazu zählt die in letzter Zeit immer häufiger diagnostizierte Fettlebererkrankung.

Was ist eine Fettlebererkrankung?

Die Fettleber ist eine echte Volkskrankheit und betrifft bis zu 30 Prozent der Menschen in industrialisierten Ländern. Sie entsteht in den meisten Fällen durch Übergewicht und/oder einen zu hohen Alkohol- bzw. Medikamentenkonsum. Auch Stoffwechselstörungen wie Typ-2-Diabetes können Ursachen einer Fettleber sein. Bei der Fettlebererkrankung wird verstärkt Fett (Triglyzeride) in den Leberzellen eingelagert. Die normalerweise rotbraune Leber verfärbt sich dadurch fettig gelb und nimmt deutlich an Masse zu: Die Fettleber eines daran erkrankten Menschen kann doppelt bis vierfach so schwer wie beim Gesunden sein.
Was den Fettgehalt der Leberzellen betrifft, so liegt er bei Gesunden unter fünf Prozent. Bei einer Verfettung werden je nach Ausmaß verschiedene Schweregrade der Fettleber unterschieden, wobei bei der leichtgradigen Fettleber weniger als ein Drittel, bei der mäßigen Fettleber mehr als ein Drittel und bei der schweren Fettleber mehr als zwei Drittel der Leberzellen übermäßig verfettet sind. Experten unterscheiden zudem die alkoholische Fettlebererkrankung (AFLD) und die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD).

Die Abbildung zeigt eine gesunde Leber in Vergleich zur steigenden Verfettung

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Alkoholische Fettlebererkrankung (AFLD)

Bei der AFLD wird die Leber durch zu hohen, regelmäßigen Alkoholkonsum zu stark beansprucht, sodass die Leberzellen geschädigt werden. Entgiftungs- und Stoffwechselvorgänge können unterbrochen werden, und es kommt zunächst vermehrt zu Fetteinlagerungen. Als Schwellendosis für die Auslösung dieser Leberschäden gilt für Männer eine Menge von 40 bis 60 Gramm Alkohol pro Tag – die Menge von 40 Gramm entspricht etwa einem Liter Bier oder zwei Vierteln Wein; für Frauen liegt die Schwellendosis bei etwa 20 bis 30 Gramm Alkohol pro Tag. Allerdings sind die schädliche Alkoholmenge wie auch die Entwicklungsdauer der alkoholischen Fettleber bei jedem Menschen unterschiedlich. Entscheidend ist der regelmäßige Konsum. Sind noch keine weiteren gravierenden Schäden entstanden, so kann die alkoholische Fettleber wieder ausheilen und sich innerhalb weniger Monate regenerieren, denn die Leber ist sehr widerstandsfähig und kann Schäden sehr gut reparieren, wenn sie noch nicht zu schwerwiegend sind. Voraussetzung dafür ist aber völlige Alkoholkarenz.
Wird weiterhin zu viel Alkohol konsumiert, so kann sich die Leber entzünden. Man spricht dann von einer alkoholischen Hepatitis, die unbemerkt chronisch werden und zu einer Leberfibrose (Gewebeveränderung durch krankhafte Vermehrung von Bindegewebszellen) und in letzter Konsequenz zu einer vollständigen Vernarbung der Leber (Leberzirrhose) führen kann. Selbst diese Schäden können aber bei völliger Alkoholkarenz regenerieren.

Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) betrifft Personen, die keinen oder wenig Alkohol trinken, und sie ist die eigentliche Volkskrankheit. Bis zu 30 Prozent der Menschen in industrialisierten Ländern – zunehmend auch Kinder – leiden daran, und die Tendenz ist steigend. Die NAFLD entsteht in den meisten Fällen als Folge des so genannten metabolischen Syndroms. Darunter versteht man das gemeinsame Auftreten verschiedener Symptome und Krankheitsbilder (Übergewicht, ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel, erhöhte Blutfettwerte und Bluthochdruck).
Ursachen des metabolischen Syndroms sind meist ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. Werden dem Körper ständig mehr Kalorien zugeführt als er verbrennen kann, wird die überschüssige Energie in Form von Fett eingelagert – auch in der Leber. Das wiederum ist eine der Hauptursachen für Diabetes mellitus Typ 2. Die NAFLD wird vor allem durch fett- und zuckerreiche Nahrung und zuckerreiche Getränke begünstigt und tritt häufig bei adipösen Menschen auf. Sie kann aber auch bei schlanken, gesundheitsbewussten Menschen, die sich vernünftig ernähren und ausreichend bewegen, vorkommen.

Folgeprobleme von AFLD und NAFLD

Liegt „nur“ eine Fettleber vor, so ist das zwar ungünstig, führt aber weniger häufig zu einem Leberschaden. Ist die Fettleber aber entzündet, so spricht man von einer Fettleber- oder Steatohepatitis. Experten unterscheiden bei diesen Entzündungen die durch Alkohol bedingte alkoholische Steatohepatitis (ASH) und die durch andere Ursachen ausgelöste nicht-alkoholische Steatohepatitis (NASH). Beides kann auf längere Sicht gesehen dazu führen, dass die Leber vernarbt und eine Zirrhose entsteht. Bei der Leberzirrhose steigt das Risiko für Leberzellenkrebs (HCC). Bei der NASH kann das auch passieren, bevor eine Zirrhose vorliegt, und die Erkrankung erhöht zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.  

Symptome der NAFLD

Viele Menschen, die unter einer NAFLD oder auch NASH leiden, haben keine Symptome. Das liegt daran, dass das Lebergewebe selbst keine Nervenzellen besitzt und daher keine Schmerzsignale aussendet. Ist die Leber aber durch die Verfettung und/oder Entzündung bereits vergrößert, so kann es zu Druckschmerzen in diesem Bereich kommen. Weitere mögliche Symptome sind Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsstörungen, dunkler Urin oder heller Stuhl.

Therapie der Fettleber

Zwar werden derzeit in Studien einzelne neue Medikamente gegen Fettleber und NASH untersucht, aber bislang gibt es keine anerkannte medikamentöse Therapie. Da bei vielen Menschen, die unter einer NAFLD leiden, eindeutige Risikofaktoren wie Insulin-Resistenz oder Übergewicht vorliegen, empfehlen die Experten eine Lebensstiländerung mit Ernährungsumstellung und vermehrter Bewegung sowie die Überwachung der Risikofaktoren des metabolischen Syndroms.

Eigeninitiative gefragt

Wenn bei Übergewicht eine Reduktion des Gewichts um fünf bis zehn Prozent gelingt, so kann sich die Leberverfettung reduzieren, und auch eventuell beginnende Vernarbungen können sich bessern. Allerdings sollte man das Gewicht langsam und Schritt für Schritt reduzieren, da starkes Hungern wie es etwa bei Nulldiäten gefordert ist, belastend für die Leber wirkt und sogar eine Fettleber begünstigen kann.
Empfohlen wird, ungünstige Nahrungsmittel zu meiden. Dazu zählen vor allem Softdrinks, Limonaden und Fruchtsäfte, die hoch konzentrierte Fruktose enthalten, süße Snacks, die ebenso viel Fruktose und Fett enthalten, stark fetthaltige Produkte wie Fertiggerichte, fett Gebratenes, Chips oder Junkfood. Viele Experten plädieren zudem für das Meiden von Alkohol und Nikotin. Als günstige und daher zu favorisierende Lebensmittel gelten hingegen Gemüse, Obst in nicht zu großen Mengen, ungesättigte Fettsäuren (z.B. in Olivenöl) und ausreichend Flüssigkeit (insbesondere Wasser). Viele Studien weisen zudem darauf hin, dass auch Kaffee leberschützend wirken kann.
Zweites elementares Standbein im Kampf gegen die Fettleber ist Bewegung, die sich günstig auf den Stoffwechsel, das Immunsystem, das Körpergewicht und die Fettleber selbst auswirkt.

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Autor:
Quellen:
Monika Rau, Johannes Weiss, Andreas Geier: Nichtalkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD)https://www.springermedizin.de/emedpedia/dgim-innere-medizin/nichtalkoholische-fettlebererkrankung-nafld?epediaDoi=10.1007%2F978-3-642-54676-1_153, abgerufen am 22.4.2021

Ingo van Thiel: Nicht alkoholische Fettleber. NAFL und NASH.
https://www.leberhilfe.org/wp-content/uploads/2018/12/Broschüre-Nicht-alkoholische-Fettleber-2017.pdf, abgerufen am 22.4.2021

https://fet-ev.eu/fettleber-krankheitsbild/, abgerufen am 22.4.2021

https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/leber-galle-bauchspeicheldruese/leber/funktion-der-leber.html, abgerufen am 22.4.2021

S2k-Leitlinie nicht alkoholische Fettlebererkrankungen, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-025l_S25_NASH_Nicht_alkoholische_Fettlebererkrankung_2020-02-abgelaufen.pdf, wird derzeit überarbeitet.
ICD-10: K76.0