Metabolisches Syndrom – Was zählt zum tödlichen Quartett?

Metabolisches Syndrom – Was zählt zum tödlichen Quartett?

Stand: November 2020

Bauchbetonte Fettsucht, Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck – bei einem metabolischen Syndrom kommt so einiges zusammen. Es handelt sich um keine eigenständige Erkrankung, sondern um eine Kombination aus verschiedenen Erkrankungen und Beschwerden, welche das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und andere Erkrankungen stark erhöhen. Da die Erkrankungen, die unter dem metabolischen Syndrom zusammengefasst werden durch eine unausgewogene Ernährungsweise und einen ungesunden Lebensstil begünstigt werden, wird das metabolische Syndrom auch als “Wohlstandserkrankung“ bezeichnet. Eine der wichtigsten Therapiesäulen ist eine konsequente Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Ursachen, Anzeichen, Diagnose und Therapie – alles Wichtige zum metabolischen Syndrom lesen Sie hier.

Was ist das Metabolische Syndrom?

Ein metabolisches Syndrom (tödliches Quartett, Wohlstandssyndrom, Syndrom X) ist keine eigenständige Erkrankung, sondern eine Kombination von verschiedenen Erkrankungen und Risikofaktoren, welche das Risiko für kardiovaskuläre Folgeerkrankungen (z. B. Koronare Herzkrankheit (KHK), periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)) und Diabetes mellitus Typ 2 drastisch erhöhen.

Das metabolische Syndrom beinhaltet Adipositas (Fettleibigkeit), arterielle Hypertonie (Bluthochdruck), Insulinresistenz bzw. Glukosetoleranzstörung (erhöhte Blutzuckerwerte nach der Aufnahme von Kohlenhydraten/nach einer Mahlzeit) und Dyslipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung). Da die Erkrankungen bzw. ein metabolisches Syndrom das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und tödliche kardiovaskuläre (das Herz und das Gefäßsystem betreffende) Ereignisse deutlich erhöht und Erkrankungen von Blutgefäßen und Herz in den Industrienationen die mitunter häufigste Todesursache sind, ist beim metabolischen Syndrom auch vom ”tödlichen Quartett” die Rede.

Überblick über Erkrankungen und Risikofaktoren, die unter dem metabolischen Syndrom zusammengefasst werden:

Adipositas

  • Starkes Übergewicht mit übermäßiger Vermehrung des Körperfetts
  • Body Mass Index (BMI; Verhältnis von Körpergewicht zu Körpergröße) ≥ 30 kg/m²
  • Mögliche Ursachen/Entstehungs- und Risikofaktoren: Überhöhte Energiezufuhr (zu hohe Kalorienzufuhr, zu geringer Energieverbrauch), Fehlernährung, ständige Verfügbarkeit von Nahrung, Bewegungsmangel, bestimmte Erkrankungen (z. B. Essstörungen, Cushing-Syndrom, Schilddrüsenerkrankungen), Stress und andere psychische Faktoren, genetische Veranlagung u. v. m.

Bluthochdruck

  • Weit verbreite Erkrankung, bei welcher der Blutdruck dauerhaft erhöht ist (> 140/90 mmHg)
  • Schädigt auf Dauer die Gefäße und erhöht das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Erkrankungen
  • Mögliche Ursachen und Risikofaktoren: Genetische Faktoren, Rauchen, starkes Übergewicht/Adipositas, Bewegungsmangel, Stress, unausgewogene Ernährung, hoher Kochsalzkonsum, hoher Alkoholkonsum, andere Erkrankungen (sekundäre Hypertonie) wie Nierenerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen u. a.

Glukosetoleranzstörung

  • Gestörte Glukosetoleranz; erhöhte Blutzuckerwerte nach der Aufnahme von Kohlenhydraten; Vorstufe von Diabetes mellitus
  • Diagnostiziert mittels Messung des Nüchternblutzuckers und/oder oralem Glukosetoleranztest (oGTT), bei welchem eine bestimmte Menge Glukose aufgenommen und der Blutzucker im Anschluss mehrmals gemessen wird.

Dyslipoproteinämie

  • Fettstoffwechselstörung, bei welcher die Zusammensetzung der Blutfette “aus dem Gleichgewicht“ gerät; Abweichungen von LDL (Low Density Lipoprotein)- und HDL (High Density Lipoprotein)-Cholesterin (“böses“ Cholesterin, ”gutes” Cholesterin) und Triglyzeriden von Normwerten
  • Risikofaktor für Arteriosklerose und damit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Mögliche Ursachen und Risikofaktoren: Genetische Faktoren, lebensstilgebundene Faktoren, Diabetes mellitus und andere Erkrankungen

Das metabolische Syndrom ist sehr weit verbreitet. Das Risiko steigt mit dem Alter an, Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen

Adipositas, Bluthochdruck, gestörte Glukosetoleranz, Fettstoffwechselstörung – beim metabolischen Syndrom kommt so einiges zusammen. Die Erkrankungen und Risikofaktoren, die in Hinblick auf das metabolische Syndrom eine wichtige Rolle spielen hängen mitunter eng mit einem ungesunden Lebensstil (unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress, erhöhter Alkoholkonsum u. a.) zusammen, weswegen das metabolische Syndrom auch als “Wohlstandssyndrom“ bezeichnet wird.

Wie genau es zum metabolischen Syndrom kommt, ist bislang nicht vollständig geklärt, es scheinen jedoch alle Teilaspekte des metabolischen Syndroms zusammenzuhängen und die genaue Entwicklung kann individuell unterschiedlich sein. Beispielsweise können Fehlernährung und Bewegungsmangel, unter Umständen in Kombination mit genetischer Veranlagung, zu einer peripheren Insulinresistenz führen, die durch einen ungesunden Lebensstil weiter gefördert wird und in der Folge, über weitere Schritte, zur Entwicklung eines metabolischen Syndroms führt. Ein besonders wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms scheinen Übergewicht mit zu viel Bauchfett/Adipositas zu sein – ein Großteil aller Patienten mit metabolischem Syndrom ist übergewichtig.

Symptome

Ein metabolisches Syndrom verursacht selbst keine Schmerzen oder spezifischen Symptome, jedoch die Erkrankungen, die unter dem Syndrom zusammengefasst werden. Mögliche Anzeichen von Bluthochdruck sind, je nach Schweregrad, beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Abgeschlagenheit, Atemnot unter Belastung u. v. m. – diese Krankheitsanzeichen können also auch bei einem metabolischen Syndrom auftreten, müssen aber nicht zwangsläufig vorhanden sein, da Bluthochdruck häufig lange ohne erkennbare Symptome verläuft oder nur uncharakteristische Beschwerden verursacht.

Ein deutliches Anzeichen des metabolischen Syndroms ist Übergewicht. Übergewicht, vor allem Übergewicht mit vermehrter Fettansammlung am Bauch, bzw. Adipositas gelten als mitunter wichtigster Risikofaktor für das metabolische Syndrom. Ein Großteil aller Betroffenen ist übergewichtig oder adipös, insofern sind Symptome von stärkerem Übergewicht bzw. Adipositas (erhöhter BMI, eingeschränkte körperliche Leistungsfähigkeit, Kurzatmigkeit unter Belastung u. v. m.) auch typisch für das metabolische Syndrom.

Allgemein kann das Beschwerdebild beim metabolischen Syndrom individuell sehr verschieden sein. Die Diagnose erfolgt häufig zufällig, beispielsweise im Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung oder der Abklärung einer anderen Erkrankung.

Diagnose

Ansprechpartner bei Verdacht auf das metabolische Syndrom und den diesem zugrundeliegenden Erkrankungen sind der Arzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt), welcher bei Bedarf an einen Facharzt zuweist, und der Facharzt für Innere Medizin.

Um die Diagnose “metabolisches Syndrom“ stellen zu können, müssen mindestens drei der folgenden Kriterien erfüllt sein:

  • Abdominelle Adipositas (bauchbetonte Adipositas; Taillenumfang Frauen ≥ 88 cm, Taillenumfang Männer ≥ 102 cm)
  • Niedriges gutes Cholesterin (vermindertes HDL-Cholesterin (≤ 50 mg/dl bei Frauen, ≤ 40 mg/dl bei Männern))
  • Erhöhte Triglyzeride: ≥ 150 mg/dl
  • Bluthochdruck
  • Erhöhter Nüchternblutzucker (erhöhte Nüchternglukose: ≥ 100 mg/dl) oder ein bereits manifester Diabetes mellitus Typ 2

Zu Beginn der Abklärung erfolgt eine gründliche Anamnese, bei welcher Informationen zur Krankengeschichte, zu eingenommenen Medikamenten, Erkrankungen in der Familie, aktuellen Beschwerden, zum Lebensstil (Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum etc.) und zu anderen Punkten eingeholt werden.

Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher der Arzt u. a. den Blutdruck messen und Bauchumfang, Gewicht, BMI, Waist-to-Height-Ratio (Verhältnis des Bauchumfangs zur Körpergröße) und andere Parameter ermitteln wird. Eine weitere wichtige Untersuchung ist die Blutuntersuchung, um den Blutzucker, die Blutfettwerte und andere für die Diagnose wichtige Werte zu ermitteln. Weitere mögliche Untersuchungen sind u. a. ein oraler Glukosetoleranztest, um eine mögliche Glukosetoleranzstörung nachzuweisen, EKG und Ultraschalluntersuchungen, um mögliche Schäden am Herzen und an anderen Organen und Strukturen nachzuweisen. Welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie sich die Abklärung genau gestaltet richtet sich nach der individuellen Situation.

Therapie

Ein metabolisches Syndrom kann das Auftreten verschiedener schwerer Erkrankungen begünstigen. Es erhöht das Risiko für Schlaganfall, KHK, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und andere Erkrankungen und Komplikationen. Insofern ist eine konsequente Behandlung, die an die individuellen Bedürfnisse angepasst ist und bei welcher der Patient kontinuierlich mitarbeitet, besonders wichtig.

Im Mittelpunkt der Therapie stehen Änderungen des Lebensstils – insbesondere Änderungen der Ernährungsgewohnheiten und ausreichend Bewegung – und, bei Übergewicht, eine Gewichtsreduktion durch gesundes Abnehmen, wodurch alle wichtigen Aspekte des metabolischen Syndroms gleichzeitig erfasst werden können. Zusammengefasst bedeutet das, dass sich eine konsequente Änderung der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten positiv auf das Gewicht, die Blutfette und den Cholesterinspiegel, den Blutdruck und andere Aspekte, die zum metabolischen Syndrom beitragen, auswirken können.

Therapieziele sind, zusammengefasst, Anpassungen des Lebensstils, eine Gewichtsreduktion von etwa fünf bis zehn Prozent mit langfristiger Stabilisierung, eine Verbesserung der mit Adipositas assoziierten Risikofaktoren und die Reduktion des Risikos für mögliche durch das metabolische Syndrom hervorgerufene Folgeschäden.

Im Rahmen der Diät ist es u. a. wichtig, die Kalorienaufnahme auf ein gesundes Maß zu reduzieren, den Zucker-, Kochsalz- und Alkoholkonsum zu reduzieren und ungesättigte Fettsäuren aufzunehmen. Wie sich die Ernährung beim metabolischen Syndrom genau gestalten sollte, sollte mit dem Arzt besprochen und im Rahmen eines individuellen Diät- und Behandlungsplanes festgehalten werden. Für viele Betroffene ist es ratsam, sich in Hinblick auf die Umstellung des Lebensstils professionell beraten zu lassen (z. B. durch Diätologen, Physiotherapeuten, Psychotherapeuten). Unter Umständen kann auch eine medikamentöse Therapie erforderlich sein, etwa zur Behandlung eines zu hohen Cholesterinspiegels oder bei Bluthochdruck.

In Hinblick auf die Therapie ist es besonders wichtig, dass sich Betroffene im Klaren sind, dass sie für einen Behandlungserfolg aktiv an der Behandlung teilhaben müssen und, dass bereits einige konsequent umgesetzte Änderungen der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten und kleine Teilerfolge den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen und dazu beitragen können, das Risiko für Folgeerkrankungen zu reduzieren.

Fact-Box Metabolisches Syndrom

Metabolisches Syndrom (tödliches Quartett, Wohlstandssyndrom, Syndrom X): Kombination aus bauchbetontem Übergewicht/Adipositas, Bluthochdruck, Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörungen

Ursachen/Risikofaktoren: Übergewicht, zu viel Bauchfett, Insulinresistenz, unausgewogene Ernährung, Bewegungsmangel, ungesunder Lebensstil, genetische Faktoren, andere Erkrankungen u. v. m.

Diagnosekriterien: Vorliegen von mindestens drei der folgenden Kriterien:

• Abdominelle Adipositas (bauchbetonte Adipositas; Taillenumfang Frauen ≥ 88 cm, Taillenumfang Männer ≥ 102 cm)

• Niedriges gutes Cholesterin (vermindertes HDL-Cholesterin (≤ 50 mg/dl bei Frauen, ≤ 40 mg/dl bei Männern))

• Erhöhte Triglyzeride: ≥ 150 mg/dl

• Bluthochdruck

• Erhöhter Nüchternblutzucker (erhöhte Nüchternglukose: ≥ 100 mg/dl) oder ein bereits manifester Diabetes mellitus Typ 2

Diagnose: Anamnese, Blutdruckmessung, Bestimmung von Gewicht, Bauchumfang, BMI und anderen Parametern, Blutuntersuchung, Harnuntersuchung, oraler Glukosetoleranztest, EKG, Ultraschalluntersuchungen u. a.

Behandlung: Anpassung des Lebensstils/Änderung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten (Umstellung auf eine ausgewogene Ernährungsweise, mehr Bewegung, Rauchstopp, Reduktion des Alkoholkonsums etc.), medikamentöse Therapie u. a.

Autor:
Quellen:
Stadlbauer-Köllner V.; Metabolisches Syndrom: Ansatzpunkt Darmmikrobiom, Apotheker Krone 10/2020, MedMedia Verlag und Mediaservice

Weber T.; Hypertonie – Diagnostik und Therapie 2019, Ärzte Krone 10/2019, MedMedia Verlag und Mediaservice

Kramer L.; Ernährungsfaktoren in der Entstehung von metabolischem Syndrom, Darm- und Lebererkrankungen, Universum Innere Medizin 03/2016, MedMedia Verlag und Mediaservice

Dieplinger H.; Genetik der Dyslipidämien, Diabetes Forum 02/2016, MedMedia Verlag und Mediaservice

Metabolisches Syndrom: Darm-Mikrobiom beeinflusst Risikofaktoren, Apotheker Krone 20/2016, MedMedia Verlag und Mediaservice

Landers B.; Das metabolische Syndrom – Behandlung einer Volkskrankheit, ARS Medici 06/2015, Rosenfluh Publikationen

Hien P., Böhm B. (2010); Metabolisches Syndrom, In: Hien P., Böhm B. (Hrsg.): Diabetes-Handbuch. Springer, Berlin, Heidelberg

Adipositas, Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668127/subject/innere+medizin/endokrines+system+und+stoffwechsel/stoffwechselerkrankungen/adipositas

Hyperlipoproteinämie, Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668131/subject/innere+medizin/endokrines+system+und+stoffwechsel/stoffwechselerkrankungen/hyperlipoproteinämie

Metabolisches Syndrom, Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/8668129/subject/innere+medizin/endokrines+system+und+stoffwechsel/stoffwechselerkrankungen/metabolisches+syndrom

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