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Frau kratzt sich am Unterarm
Foto:NamtipStudio/Shutterstock.com

Juckreiz (Pruritus)

Juckreiz (Pruritus) ist ein Symptom, das erhebliche Beschwerden verursachen kann und das Betroffene zum Kratzen verleitet. Dadurch können Hautschädigungen und sekundäre Infektionen entstehen, und das Kratzen verstärkt den Juckreiz noch weiter. Die dahinterliegenden Krankheiten sind vielfältig und erfordern eine individuelle Behandlung.

Factbox – Juckreiz

Synonym: Juckreiz, Pruritus

Definition: unangenehme Empfindung der Haut, die lokal oder generalisiert auftreten kann und eine Abwehrreaktion (Kratzen) hervorruft

Ursachen: Juckreiz-Mediatoren wie Histamin, Serotonin, verschiedene Proteasen und Neuropeptide;

Auslöser: Hauterkrankungen, systemische und psychiatrische Erkrankungen, Medikamente, Chemikalien, Hormonschwankungen, Krebsbestrahlungen

Symptome: Juckreiz selbst ist ein Symptom dahinter liegender Erkrankungen, der vermehrt zu Kratzen führt – ein Teufelskreis entsteht

Diagnose: ausführliche Inspektion der Haut, Blutuntersuchungen, Röntgen, Ultraschall, CT, MRT

Behandlung: Hautpflege, topische Medikamente (Kortikosteroide,…), systemische Medikamente (Antihistaminika), UV-Phototherapie

Was ist Pruritus?

Unter Juckreiz, den Mediziner auch Pruritus nennen, versteht man eine unangenehme Empfindung der Haut, die lokal oder generalisiert auftreten kann und eine Abwehrreaktion, nämlich Kratzen hervorruft.

Von chronischem Pruritus spricht man, wenn der Juckreiz nach sechs Wochen nicht abklingt und weiter bestehen bleibt. Diese Art des Juckreizes wird auch zu den 50 stark belastenden Erkrankungen gezählt.

Pruritus ist Leitsymptom vieler dermatologischer Erkrankungen, kann aber auch im Rahmen internistischer, neurologischer und psychiatrischer Erkrankungen vorkommen und sollte immer näher abgeklärt werden.

Fakt ist auch, dass der Juckreiz manchmal so stark werden kann, dass er den Schlaf und die Lebensqualität beeinträchtigt. Er entsteht an den freien Nervenenden der Haut, die vor allem im Bereich der Hand- und Fußgelenke vorkommen.

Was Auslöser bzw. Ursachen betrifft, so spielt unter anderem die Ausschüttung von Botenstoffen wie Histamin, Serotonin oder so genannten Kininen und Neuropeptiden eine Rolle. Aber auch Medikamente wie etwa Opioide können Pruritus hervorrufen.

Unabhängig von der Ursache kann sich Juckreiz durch Entzündungen der Haut, eine zu trockene oder zu warme Umgebung sowie psychischen Stress verstärken. Das intensive Kratzen vieler Betroffener kann zu sekundären Hautveränderungen wie Abschürfungen, kleinen Wunden, Blutungen und Krusten führen. Bei anhaltendem Kratzen kann es zum Beispiel zu Juckreizknötchen kommen, die oft nur mit Narbenbildung abheilen.

Neben den physischen Folgen sind der Drang zum ständigen Kratzen und die dadurch entstehenden Kratzwunden auch eine große psychische Belastung, die oft mit Stigmatisierung einhergeht und in letzter Konsequenz zu schweren Depressionen bis hin zur Suizidalität führen kann.

Pruritus kann in jedem Alter auftreten, die Häufigkeit nimmt aber mit dem Alter zu. Etwa 14 Prozent der Bevölkerung leiden an chronischem Pruritus.

Ursachen des Juckreizes

Was die Ursachen von Juckreiz betrifft, so sind sie vielfältig und nicht genau geklärt. Bis vor kurzem ging man noch davon aus, dass der Juckreiz eine Unterform des Schmerzgefühls darstellt, heute weiß man aber, dass es sich dabei um eine eigenständige Empfindung handelt.
Experten diskutieren mehrere Hypothesen der Entstehung: Als sicher gilt, dass Histamin, ein körpereigener Juckreiz-Mediator ist, der vor allem bei Urtikaria (Nesselsucht) eine wichtige Rolle spielt. Auch Serotonin gilt als ein weiteres wichtiges Element im Juckreiz-Geschehen, und zudem dürften verschiedene Proteasen und Neuropeptide ursächlich an der Entstehung von Juckreiz beteiligt sein.

Grundsätzlich kann Juckreiz durch folgende Faktoren ausgelöst werden:

Zudem können Hormonschwankungen bei Frauen zu einem generalisierten Juckreiz führen, und bei vielen Krebspatienten kommt es in Folge von Bestrahlungen und verschiedenen Medikamenten zum Pruritus.

Wie erfolgt die Diagnose?

Da viele verschiedene Erkrankungen zu chronischem Juckreiz führen können, ist die Diagnostik des Pruritus aufwändig. Zudem kann der chronische Juckreiz alle Altersgruppen betreffen und ist auch bei Kindern, schwangeren Frauen und insbesondere sehr alten Menschen weit verbreitet, sodass jeder Fall für sich betrachtet werden muss. Außerdem führt Pruritus zu Kratzen, was Hautverletzungen verursachen und zu unterschiedliche Erscheinungsformen führen kann.

Ihr Arzt wird nach einem ausführlichen Anamnesegespräch die gesamte Haut inspizieren und dabei besonders auf primäre Hauterscheinungen und sekundäre Kratzwunden achten. Weitergehende Untersuchungen umfassen bestimmte Laborwerte  und bildgebende Verfahren. Mit Blutuntersuchungen können  Veränderungen der Leber, Galle, Niere sowie Entzündungen und Autoimmunerkrankungen erkannt werden. Oft werden auch Abstriche der Haut und Schleimhäute oder kleine Gewebeproben entnommen, die dann unter dem Mikroskop auf Parasiten, Pilze oder Bakterien untersucht werden. Sollte der Verdacht auf eine schwerwiegende internistische oder Tumorerkrankung bestehen, so werden  Röntgen, Ultraschall, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt.

Pruritus-Symptome

In erster Linie ist Juckreiz selbst ein Symptom und damit Anzeichen für dahinter liegende Erkrankungen. Das unangenehme Jucken verleitet zum Kratzen. Dabei entstehen Schmerzreize, den den Juckreiz kurzfristig überdecken und Linderung bringen. Allerdings werden durch die mechanische Stimulation der Haut Botenstoffe freigesetzt, die wiederum den Juckreiz fördern – ein Teufelskreis entsteht.

Behandlung von Juckreiz

Da es sehr viele Faktoren gibt, die Pruritus auslösen, kann man nicht von dem Juckreiz sprechen, denn bei den verschiedenen Erkrankungen, die mit Juckreiz einhergehen, treten je nach Mediator-Muster unterschiedliche Pruritus-Formen auf. Das heißt auch, dass Patienten mit Pruritus oft viele Untersuchungen absolvieren müssen, bevor die genaue Ursache des Juckreizes gefunden ist. Die Behandlung richtet sich dann nach der dahinter stehenden Erkrankung und kann daher sehr unterschiedlich sein. Oft helfen schon einfache Maßnahmen wie etwa das Meiden von allergieauslösenden Stoffen oder bestimmten Medikamenten, in anderen Fällen braucht es teilweise langwierige Therapien, insbesondere wenn Leber-, Nieren- oder Krebserkrankungen hinter dem Symptom stehen. 

Grundsätzlich ruht die Pruritus-Behandlung auf drei Säulen:

  • lokale Hautpflege: kalt oder lauwarm und nicht zu lange baden, milde, feuchtigkeitsspendende Seife verwenden, häufiges Eincremen, Vermeiden von reizender oder enger Kleidung und Reizstoffen
  • topische Behandlung: bei lokalisiertem Jucken sind oft topische Medikamente wirksam. Hierzu zählen Salben und Cremes Kortikosteroide (die man allerdings nicht einsetzen sollte, wenn es keine Anzeichen von Entzündung gibt) oder Lotionen und Cremes, die Kampfer, Menthol, Pramoxin oder Capsaicin enthalten.
  • systemische Behandlung: Bei generalisiertem oder lokalem Juckreiz, der nicht auf topische Medikamente anspricht, werden Medikamente systemisch eingesetzt. Effektiv sind hier vor allem Antihistaminika. Eine physikalische Option, die gegen Juckreiz wirken kann, ist die UV-Phototherapie.
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