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Nesselsucht (Urtikaria): Auslöser und Behandlung

Bei einer Urtikaria, auch als Nesselsucht bezeichnet, kommt es zu Quaddeln auf der Haut, die häufig von einem unangenehmen Juckreiz begleitet werden. Urtikaria ist eine der häufigsten Hauterkrankungen und betrifft jeden vierten bis fünften Erwachsenen mindestens einmal im Leben. Erfahren Sie hier mehr über die einzelnen Verlaufsformen, mögliche Auslöser und die Behandlung der Nesselsucht.

Factbox – Nesselsucht

Nesselsucht (Urtikaria) ist eine weit verbreitete Hauterkrankung.

Leitsymptom: Hautveränderungen in Form von Quaddeln

Die Quaddeln können eine Größe von wenigen Millimetern bis mehreren Zentimetern haben und vereinzelt oder großflächig am gesamten Körper auftreten.

Weitere mögliche Symptome: Juckreiz, Brennen, Schmerzhaftigkeit und Überempfindlichkeit der Haut, Angioödeme sowie Schluckbeschwerden, Atembeschwerden, Müdigkeit und Abgeschlagenheit

Verlaufsformen: akute Urtikaria (Dauer: kürzer als sechs Wochen) und chronische Urtikaria (Dauer: länger sechs Wochen).

Unterteilung chronische Urtikaria: chronisch induzierbare Urtikaria und chronisch spontane Urtikaria

Mögliche Auslöser chronisch induzierbare Urtikaria: Kälte (Kälteurtikaria), Wärme (Wärmeurtikaria), Licht (Lichturtikaria), Druck (Druckurtikaria), Scherkräfte wie Reiben, Kratzen und Scheuern (Urticaria factitia) und andere.

Diagnose: Anamnesegespräch, Untersuchung der Haut und je nach Bedarf weitere Untersuchungen (physikalischer Provokationstest, Allergietests, Laboruntersuchungen, Eliminationsdiät etc.)

Behandlung: Medikamentöse Behandlung mit Antihistaminika

Bei chronischer Verlaufsform erfolgt die Behandlung nach einem dreistufigen Behandlungsschema.

Weitere Behandlungsmaßnahmen: Meiden bekannter Auslöser, juckreizstillende Cremen und Salben

Symptome der Nesselsucht

Nesselsucht ist eine weit verbreitete Hauterkrankung, bei welcher unterschiedliche Verlaufsformen unterschieden werden. Jeder vierte bis fünfte Erwachsene ist mindestens einmal im Leben von einer Episode mit Nesselausschlag betroffen.

Leitsymptom der Urtikaria sind Quaddeln. Die Hautveränderungen sind typisch für jede Verlaufsform und können vereinzelt oder großflächig auftreten und den ganzen Körper betreffen. Auch die Größe der Quaddeln variiert von Patient zu Patient – in manchen Fällen sind die Hautveränderungen nur einige Millimeter groß, in anderen Fällen können sie eine Größe von mehreren Zentimetern annehmen. Die Quaddeln werden von einem starken Juckreiz begleitet werden. Auch ein Brennen und eine starke Überempfindlichkeit und Schmerzhaftigkeit der betroffenen Hautpartien sind möglich. Bei einigen Patienten kommt es im Gesicht und an den Extremitäten zudem zu Hautschwellungen, sogenannten Angioödemen.

Verlaufsformen der Nesselsucht

Prinzipiell werden zwei Verlaufsformen unterschieden, akute und chronische Nesselsucht. Bei akuter Nesselsucht treten die Symptome und Beschwerden einmalig für einige Tage oder wenige Wochen auf und lassen dann allmählich wieder nach. Zumeist lassen sich die Krankheitssymptome bei dieser Verlaufsform gut kontrollieren.

Bei der chronischen Nesselsucht handelt es sich hingegen um eine weitaus komplexere und schwieriger zu behandelnde Hauterkrankung. Von einer chronischen Nesselsucht ist die Rede, wenn die Symptome über sechs Wochen anhalten. Zwar bestehen die Quaddeln nicht länger als 24 Stunden an der gleichen Stelle, sie können dann allerdings an anderen Körperstellen erneut auftreten. Chronische Nesselsucht wird weiter unterteilt in die chronisch induzierbare Nesselsucht (d.h. man kann einen Auslöser finden) und die chronisch spontane Nesselsucht (d.h. ein Auslöser kann nicht definiert werden).

Auslösende Faktoren der Nesselsucht (Urtikaria)

Dem Krankheitsschub können – je nach Form und Unterform – unterschiedliche innere und äußere auslösende Faktoren zugrunde liegen:

  • Akute Urtikaria: Die akute Nesselsucht ist sehr häufig, aber nicht immer, allergisch bedingt. Mögliche Ursachen einer akuten Nesselsucht sind Nahrungsmittelallergien und Nahrungsmittelintoleranzen, Infekte und Medikamentenunverträglichkeiten wie etwa Unverträglichkeiten gegen bestimmte Antibiotika (Penicillin, Sulfonamide etc.), fiebersenkende Schmerzmittel (z.B. Ibuprofen, Diclofenac etc.) und Bluthochdruck- bzw. Herzmittel (Betablocker, Diuretika etc.).
  • Chronische Urtikaria: Im Gegensatz zur akuten Urtikaria ist die chronische Urtikaria (chronisch induzierbare und chronisch spontane Urtikaria) fast nie allergisch bedingt.
  • Chronisch induzierbare Urtikaria (Physikalische Urtikaria): Die chronisch induzierbare Urtikaria wird meistens durch physikalische Reize ausgelöst und – je nach physikalischem Auslöser – u.a. unterteilt in:
  • Kälteurtikaria: Die Kälteurtikaria ist eine der am häufigsten auftretenden Formen der physikalischen Urtikaria. Die typischen Krankheitsanzeichen werden bei dieser Krankheitsform durch Kältekontakt (z.B. kalte Luft, kaltes Wasser, kalte Gegenstände, verdunsteter Schweiß etc.) verursacht. Die Hautveränderungen machen sich an jenen Stellen bemerkbar, an welchen die Kälte einwirkt, weswegen meistens unbekleidete Hautpartien wie Hände und Gesicht betroffen sind.
  • Wärmeurtikaria: Wärmeurtikaria tritt seltener auf als andere Formen der Hauterkrankung. Ursache der Wärmeurtikaria ist lokalisierte Wärme (z.B. warmes Duschen und Baden, das Föhnen der Haare, der Verzehr heißer Speisen etc.).
  • Lichturtikaria: Auslöser der Lichturtikaria sind sichtbares Licht oder ultraviolette Strahlen. Diese Form betrifft häufig jüngere Erwachsene, Frauen leiden durchschnittlich öfter an Lichturtikaria als Männer. Insbesondere Sonnenlicht verursacht die typischen Quaddeln und den unangenehmen Juckreiz auf der Haut. Der genaue Mechanismus, der nach Lichteinstrahlung zum Krankheitsschub führt ist bis heute nicht vollständig geklärt.
  • Druckurtikaria: Druckurtikaria tritt seltener auf als andere Formen der Hauterkrankung. Bei einer Druckurtikaria werden die Symptome durch statischen Druck verursacht. Durch Druck auf die Haut oder Stöße kommt es zu einer Schwellung, die in vielen Fällen auch schmerzhaft sein kann.
  • Urticaria factitia (Demografische Urtikaria): Auslöser der Urticaria factitia sind sogenannte Scherkräfte wie etwa Reiben, Scheuern und Kratzen. Die Reaktion auf der Haut ist bereits sehr kurze Zeit nach dem Reizen der Haut deutlich sichtbar. Betroffen sind ausschließlich jene Hautstellen, die dem Kratzen, Reiben oder Scheuern ausgesetzt waren. Während bei manchen Patienten bereits ein leichtes Streichen über die Haut ausreicht, um die Quaddeln zu verursachen, treten die Symptome bei anderen Patienten erst nach stärkerem Kratzen oder Reiben auf.

Alle Unterformen der chronisch induzierbaren Urtikaria können entweder einzeln oder gemeinsam mit anderen Unterformen auftreten.

  • Chronisch spontane Urtikaria: Die konkreten Auslöser der chronisch spontanen Urtikaria sind nicht bekannt. Als mögliche Ursachen werden Infekte, Autoimmunität und Reaktionen auf Intoleranzen (z.B. gegen Medikamente, Nahrungsmittelzusatzstoffe und Konservierungsmittel) angenommen. Die chronisch spontane Urtikaria ist durch – wie der Name bereits sagt – spontanes Auftreten charakterisiert. Die Quaddeln treten wiederholt in einem Zeitraum von länger als sechs Wochen auf.

Entstehung der Nesselsucht

Während die Auslöser zwischen den einzelnen Formen der Urtikaria variieren, sind die Vorgänge, die schlussendlich zu den Hautveränderungen und Beschwerden führen bei jeder Form und Unterform gleich:

Aufgrund bestimmter Reize schütten die Mastzellen (Mastozyten) diverse Botenstoffe aus, darunter auch Histamin.

Mastzellen sind Zellen des Immunsystems, die u.a. für die Abwehr von Krankheitserregern und für die Wundheilung von großer Bedeutung sind. Weiters spielen Mastzellen auch bei Allergien eine wichtige Rolle, vor allem bei allergischen Sofortreaktionen. Sobald die Mastzellen aufgrund eines Reizes aktiviert werden, beginnen sie bestimmte Botenstoffe in das Interstitium (Zwischenraum zwischen Zellen, Geweben oder Organen) freizusetzen.

Histamin zählt zu den sogenannten Gewebshormonen. Es kommt fast überall im Körper vor, auch in der Haut. Histamin spielt für viele physiologische Vorgänge eine wichtige Rolle.

Wird Histamin ausgeschüttet, erweitert es die Blutgefäße, wodurch Flüssigkeit ins Gewebe ausströmen kann. Dadurch kommt es zu Rötungen und Quaddeln auf der Haut. Zeitgleich verursacht das Histamin an den Nervenenden auch einen Juckreiz.

Diagnose der Nesselsucht 

Ein Arzt erkennt die Quaddeln meistens auf den ersten Blick. Wendet sich der Patient zu einem Zeitpunkt an einen Arzt an welchem er keine Quaddeln und Beschwerden hat, ist eine ausführliche Schilderung der Beschwerden seitens des Patienten richtungsweisend für die Diagnose. Ein ausführliches Anamnesegespräch ist in jedem Fall wichtig, da es essentielle Informationen liefert und ein wertvolles diagnostisches Instrument ist, um mögliche auslösende Faktoren (Kälte, Wärme, Licht, Druck, Scherkräfte, Medikamente, Lebensmittel, Infekte etc.) vorab ausschließen bzw. eingrenzen zu können und um zu erörtern, ob es sich um eine akute oder chronische Verlaufsform handelt.

Wichtige Differenzialdiagnosen bei Verdacht auf Nesselsucht sind u.a. Urtikariavaskulitis und autoinflammatorische Syndrome (Cryopyrin-assoziiertes periodisches Syndrom, Schnitzler-Syndrom) – diese Krankheiten gehen mit ähnlichen Symptomen wie chronisch spontane Urtikaria einher und müssen ausgeschlossen werden, ehe mit einer Behandlung begonnen wird.

Nach dem Anamnesegespräch stehen unterschiedliche Untersuchungen zur Verfügung, um die mögliche Ursache für die Nesselsucht zu bestimmen. Nicht alle der unten angeführten Untersuchungen sind zwangsläufig Teil des Diagnoseprozesses. Der Arzt bestimmt anhand der vorliegenden Beschwerden und den Informationen aus dem Anamnesegespräch welche weiteren Untersuchungen im jeweiligen Fall notwendig sind.

  • Physikalische Provokationstests: Mit physikalischen Provokationstests lässt sich eine durch physikalische Reize verursachte Nesselsucht ausschließen oder bestimmen. So kann eine Druckurtikaria oder eine Urticaria factitia diagnostiziert werden, indem der Arzt mit einem Holzspatel oder einem anderen medizinischen Instrument über die Rückenhaut streicht oder leichten Druck auf diese ausübt. Bei Verdacht auf Lichturtikaria wird eine Lichttestung durchgeführt, im Rahmen welcher die Haut mit Licht unterschiedlicher Wellenlängen bestrahlt wird. Eine Kälteurtikaria kann mithilfe von Eiswürfeln oder speziell temperierten Bädern diagnostiziert werden.
  • Allergietest: Allergietests wie der Prick-Test werden veranlasst um Allergien abzuklären.
  • Stuhlprobe: Die mikrobiologische Diagnostik einer Stuhlprobe gibt Aufschluss über mögliche Parasiten.
  • Andere Labortests: Andere Labortests umfassen u.a. die Bestimmung von Entzündungszeichen im Blut, die Bestimmung von Antikörpern gegen bestimmte Viren und die Untersuchung des Urins auf Entzündungsanzeichen und andere Parameter.
  • Eliminationsdiät: Bei einer Eliminationsdiät folgen Patienten einem speziellen Diätplan, bei welchem sie auf Nahrungsmittel verzichten müssen, die mit Nesselsucht assoziiert werden (Nahrungsmittel mit hohem Histaminanteil, einem hohen Anteil an Zusatzstoffen (Aroma- und Farbstoffen und Konservierungsmitteln) und Allergenen).
  • Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane und Lymphknoten
  • Weitere Untersuchungen je nach Notwendigkeit (Untersuchungen des Hals-Nasen-Ohren-Bereichs, Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts, Untersuchungen psychosozialer Ursachen etc.).

Behandlung der Nesselsucht 

Die Behandlung der Nesselsucht orientiert sich an der vorliegenden Form und den jeweiligen Beschwerden.

  • Die akute Urtikaria klingt im Regelfall nach einigen Tagen bis Wochen von alleine wieder ab, weswegen diese Verlaufsform symptomatisch behandelt wird. Patienten erhalten Antihistaminika gegen die Quaddeln und den Juckreiz und – bei Bedarf – noch andere Medikamente gegen die jeweiligen Beschwerden (Schluckbeschwerden, Angioödeme etc.). Sollten die auslösenden Faktoren bekannt sein, ist es wichtig, dass Patienten diese soweit wie möglich meiden. Werden die Krankheitsanzeichen durch die Einnahme bestimmter Medikamente verursacht, sollten diese nach Absprache mit dem Arzt durch andere Substanzen ersetzt werden.
  • Für die Behandlung der chronisch spontanen Urtikaria gibt es ein dreistufiges Therapieschema. Zunächst werden Patienten mit einem Antihistaminikum der Wahl behandelt. Bessern sich die Symptome in den folgenden zwei Wochen nicht, wird die Dosierung (um das bis zu Vierfache) erhöht. Sind Patienten trotz Dosisanpassung und möglichem Wechsel des Antihistaminikums nach etwa zwei Monaten nicht symptomfrei, erfolgt eine Behandlung mit einem immunologisch aktiven Protein.

Patienten mit schwerer Form der chronisch spontanen Urtikaria wird empfohlen ein Notfallset mit sich zu führen, um schwere Urtikariaschübe im Bedarfsfall kontrollieren zu können. Das Notfallset enthält meistens ein Antihistaminikum und ein schnell wirkendes Kortisonpräparat.

  • Die Behandlung der chronisch induzierbaren Urtikaria sollte gegen die Ursache gerichtet sein – das bedeutet, dass Patienten die diagnostizierten Ursachen weitgehend meiden sollten. Zwar ist es nicht möglich den jeweiligen Reizen immer aus dem Weg zu gehen, unbedingt sollte jedoch der bewusste und direkte Kontakt mit dem Auslöser gemieden werden (z.B. der Sprung ins kalte Wasser und der Verzehr von sehr kalten Lebensmitteln bei Kälteurtikaria, direkte Sonneneinstrahlung auf die Haut ohne Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor bei Lichturtikaria etc.), da es ansonsten auch zu gefährlichen Kreislaufreaktionen und einer Schocksymptomatik kommen kann.

Gegen den Juckreiz können Salben und Cremen mit Hamamelis oder Ringelblume helfen. Die Pflanzen haben eine entzündungshemmende und gefäßverengende Wirkung. Auch Essigwickel können den Juckreiz stillen.

Dr. Eva Maria Riedmann; Zeit für Veränderung bei chronisch-spontaner Urtikaria, Spectrum Dermatologie 02/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Alfred Lienhard; Chronische Urtikaria – Neue Leitlinien und Therapie, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie und Ästhetische Medizin 05/2014, Rosenfluh Publikationen AG

http://www.ga2len.net/PDF/Guideline.pdf letzter Zugriff September 2017

Henz B.M., Zuberbier T. (2013). Urtikaria – Klinik, Diagnostik, Therapie. Berlin. Springer.ISBN 978-3-642-85241-1

Urticaria Network e.V., http://www.urtikaria.net/de/service-menue/startseite.html

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