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Cortisol-Stresshormon
Foto: Inna Kot/shutterstock

Cortisol zu hoch? Was Ihr Stresshormon wirklich bedeutet

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon: Es macht uns morgens wach und in stressigen Situationen leistungsfähig. Problematisch wird es aber, wenn der Spiegel nicht mehr absinkt. Ein chronisch erhöhter Cortisolwert kann langfristig den Stoffwechsel, das Immunsystem und die psychische Gesundheit beeinflussen. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Ihr Körper auf Alarm schaltet, wie sich das äußert und wie Sie das hormonelle Gleichgewicht zurückgewinnen.

Zusammenfassung

Cortisol

Definition: lebenswichtiges Hormon aus der Gruppe der Glukokortikosteroide mit zentralen Funktionen; Bildung in der Nebennierenrinde.

Aufgaben: Stresshormon; Erhöhung des Blutzuckerspiegels, Förderung der Freisetzung von Fettsäuren aus dem Fettgewebe und Abbau von Proteinen zu Aminosäuren, Dämpfung von überschießenden Abwehrreaktionen des Immunsystems, Hemmung von Entzündungsprozessen, Erhöhung des Blutdrucks, Einfluss auf den Knochenstoffwechsel, das ZNS sowie Stimmung, Konzentration und Gedächtnis

Cortisol zu hoch: Folgen: Gewichtszunahme, Muskelabbau, Hautveränderungen, Bluthochdruck, schwaches Immunsystem, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme

Cortisol zu niedrig: Folgen: Extreme, chronische Müdigkeit, Muskelschwäche, auffallende Bräunung der Haut (auch ohne Sonne), Gewichtsverlust, Übelkeit, chronisch niedriger Blutdruck, Heißhunger auf Salziges

Was ist Cortisol?

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon aus der Gruppe der Glukokortikoide. Es übernimmt zentrale Aufgaben im menschlichen Organismus und spielt eine wichtige Rolle bei der Anpassung an Stress.

Cortisol wird in der Nebennierenrinde gebildet. Es reguliert unter anderem das Herz-Kreislauf-System und die Nierenfunktion, bevor es schließlich in der Leber verarbeitet und abgebaut wird.

Welche Aufgaben hat Cortisol im Körper?

Cortisol wird oft vereinfachend als „Stresshormon“ bezeichnet, aber seine Aufgaben sind weitaus vielfältiger. Als lebenswichtiges Hormon beeinflusst es fast jede Zelle im Körper, um Energie bereitzustellen und das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten:

  • Die Hauptaufgabe von Cortisol ist es, den Blutzuckerspiegel zu erhöhen, damit der Körper in Belastungssituationen sofort Energie hat. Es regt die Leber an, aus Eiweißen neuen Zucker zu gewinnen. Außerdem fördert es die Freisetzung von Fettsäuren aus dem Fettgewebe. In Muskeln und Knochen fördert es den Abbau von Proteinen zu Aminosäuren, die dann wieder für die Energiegewinnung genutzt werden können.
  • Eine zweite zentrale Aufgabe von Cortisol betrifft das Immunsystem: Cortisol wirkt stark immunsuppressiv. Das bedeutet, es dämpft überschießende Abwehrreaktionen des Immunsystems und hemmt Entzündungsprozesse im Körper. (Die Vorstufe von Cortisol – Cortison/Kortison – wird häufig als antientzündliches oder antiallergisches Medikament eingesetzt, zum Beispiel zur Behandlung von Asthma bronchiale.)
  • Außerdem sorgt Cortisol dafür, dass der Kreislauf stabil bleibt: Es erhöht den Blutdruck, indem es die Wirkung von Adrenalin und Noradrenalin an den Gefäßwänden verstärkt (Gefäßverengung). Zudem reguliert es den Wasser- und Salzhaushalt in Zusammenarbeit mit der Niere.
  • In akuten Stresssituationen arbeitet Cortisol Hand in Hand mit Adrenalin. Während Adrenalin für die „Sekundenreaktion“ (Herzklopfen, Schwitzen) zuständig ist, sorgt Cortisol über einen längeren Zeitraum dafür, dass der Körper widerstandsfähig bleibt und nicht vorzeitig erschöpft.
  • Weitere Funktionen betreffen den Knochenstoffwechsel: Ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel hemmt den Knochenaufbau (Gefahr von Osteoporose) sowie das Zentralnervensystem. Es beeinflusst Stimmung, Konzentration und Gedächtnis. Zu viel Cortisol kann langfristig zu Schlafstörungen oder innerer Unruhe führen.

Warum schwankt Cortisol im Tagesverlauf?

Cortisol unterliegt einem natürlichen Tagesrhythmus, dem sogenannten zirkadianen Rhythmus. Dieser sorgt dafür, dass sich der Hormonspiegel an den Wechsel von Tag und Nacht sowie an den Energiebedarf des Körpers anpasst. So ist morgens ein starker Anstieg zu verzeichnen, der wie ein biologischer Wecker wirkt, denn er mobilisiert Energie, erhöht den Blutdruck und macht wach für den Tag.

Tagsüber sinkt der Spiegel schrittweise ab, während man Energie verbraucht, und nachts ist der Wert am niedrigsten. Das ist notwendig, damit das Schlafhormon Melatonin wirken kann und der Körper regeneriert.

Achtung: Innerhalb dieses Rhythmus gibt es Faktoren, die die Kurve verändern können. So signalisiert Licht dem Gehirn, die Cortisolproduktion anzukurbeln, während Dunkelheit sie drosselt. Unabhängig von der Tageszeit führt akuter Stress zu einer sofortigen zusätzlichen Ausschüttung. Auch nach dem Essen steigt Cortisol leicht an, um den Stoffwechsel bei der Verarbeitung der Nährstoffe zu unterstützen. Bei chronischem Stress kann der Rhythmus komplett durcheinandergeraten.

Frau schläft entspannt
Foto: Prostock-studio/shutterstock

Was bedeutet “Cortisol zu hoch“?

Ein erhöhter Cortisolspiegel kann grundsätzlich zwei Ursachen haben: eine kurzfristige Stressreaktion oder eine dauerhaft erhöhte Hormonkonzentration. Denn in akuten Stresssituationen ist ein hoher Wert normal und sinnvoll. Er stellt Energie bereit, unterdrückt Schmerz und macht fokussiert. Sobald die Situation vorbei ist, sinkt der Spiegel wieder. Ist der Wert aber dauerhaft erhöht (z. B. durch Dauerstress oder Erkrankungen), steht zu viel von diesem Hormon zur Verfügung, und das ist schädlich.

Es kann zu einer Reihe von körperlichen und psychischen Folgen kommen:

  • Gewichtszunahme: Besonders im Bauchbereich (Stammfettsucht).
  • Muskelabbau: Arme und Beine werden dünner.
  • Hautveränderungen: Die Haut wird dünn („Pergamenthaut“), bekommt Dehnungsstreifen oder Akne.
  • Bluthochdruck: Das Herz-Kreislauf-System steht unter Dauerdruck.
  • Schwaches Immunsystem: Man wird anfälliger für Infekte.
  • Schlafstörungen (man ist „müde, aber aufgekratzt“).
  • Konzentrationsprobleme und Angstzustände.

Was verursacht hohe Werte?

Erhöhte Cortisolwerte können verschiedene Ursachen haben. Häufig spielen Lebensstilfaktoren eine Rolle, es kommen jedoch auch medizinische Ursachen in Betracht.

  • Lebensstil: Chronischer Stress durch Dauerbelastung im Job, Sorgen oder emotionale Konflikte hält den Spiegel dauerhaft erhöht. Zu wenig oder unregelmäßiger Schlaf bringt den zirkadianen Rhythmus durcheinander und treibt die Werte ebenfalls nach oben. Auch extremer Leistungssport ohne ausreichende Regenerationsphasen wirkt auf den Körper wie Stress. Schließlich können auch strenge Diäten oder Fasten den Cortisolspiegel erhöhen, denn Blutzuckermangel ist ein Stresssignal für den Körper, auf das er mit Cortisolausschüttung reagiert, um Energie zu mobilisieren.
  • Medizinische und äußere Ursachen: Manchmal ist eine körperliche Erkrankung Ursache für dauerhaft erhöhte Cortisolwerte. Dazu zählt das endogene Cushing-Syndrom: Dabei führt zu viel Cortisol zu Stammfettsucht, Mondgesicht, Stiernacken, Diabetes und Bluthochdruck. Ausgelöst wird der Überschuss oft durch die langfristige Einnahme von Kortison-Medikamenten oder durch Tumoren, die die körpereigene Hormonproduktion anregen. Auch übermäßiger Alkoholkonsum aktiviert die Stressachse im Gehirn und kann zu einem sogenannten „Pseudo-Cushing-Syndrom“ führen.
Foto Collage von einem müden gestressten Mann
Foto: Roman Samborskyi/shutterstock

Kurzfristig erhöhtes Cortisol

Kurzfristig erhöhtes Cortisol ist eine lebensnotwendige Reaktion auf akute Belastungen wie Stress, körperliche Anstrengung oder Angst, die innerhalb von Sekunden leistungsfähig macht. Zunächst flutet Cortisol das Blut mit Glukose (Zucker), damit Gehirn und Muskeln auf Hochtouren arbeiten können. Konzentration wird geschärft, unwichtige Reize werden ausgeblendet. Die Schmerzschwelle steigt an – in einer Notsituationfunktioniertman erst einmal weiter, auch wenn man sich verletzt hat, und Funktionen, die im Moment zu viel Energie kosten würden, werden kurzzeitig gedrosselt.

Ein kurzfristiger Anstieg ist gesund und gewollt. Sobald die stressige Situation vorbei ist, reguliert sich der Spiegel wieder nach unten. Das Problem entsteht erst, wenn die Entspannungsphase fehlt. Bleibt das Cortisol dauerhaft hoch, wird aus der hilfreichen Schutzreaktion eine Belastung für den Körper.

Dauerhaft erhöhtes Cortisol und die Folgen

Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel (Hypercortisolismus) versetzt den Körper in einen toxischen Dauerstress-Zustand, und das kann fatale Folgen haben:

  • Körperliche Veränderungen: Es kommt zu einer typischen Umverteilung von Fett und Gewebe. Typisch sind ein runderes Gesicht, Fettansammlungen im Nacken und am Bauch, während Arme und Beine durch Muskelschwund dünner werden.
  • Stoffwechsel-Defekte: Cortisol ist ein Gegenspieler von Insulin. Ein dauerhafter Überschuss treibt den Blutzuckerspiegel hoch, was zu Diabetes und Bluthochdruck führen kann.
  • Knochen und Haut: Das Hormon hemmt die Neubildung von Gewebe. Die Knochendichte sinkt (Osteoporose), die Haut wird dünn und bekommt bläuliche Streifen (Striae), Wunden heilen schlechter.
  • Immunschwäche: Cortisol unterdrückt die Immunabwehr. Dadurch steigt die Infektanfälligkeit, während Entzündungsreaktionen im Körper teilweise abgeschwächt werden.
  • Psychische und neurologische Auswirkungen: Chronisch hohe Werte führen zu Schlafstörungen (kein Absinken am Abend möglich), Angstzuständen, depressiven Verstimmungen und Konzentrationsschwäche.

Cortisol bei Frauen: Zyklus, Wechseljahre und Stress

Cortisol hat einen massiven Einfluss auf das weibliche Hormonsystem, da es eng mit der Steuerung von Östrogen und Progesteron verknüpft ist. Damit hat es auch Auswirkungen auf den Zyklus. Zu viel Cortisol kann etwa unregelmäßige Zyklen oder Amenorrhoe (Ausbleiben der Periode) verursachen, PMS verstärken oder in der Menopause zu nächtlichen Hitzewallungen oder dem typischen Wechseljahres-Bäuchlein führen und Osteoporose begünstigen.


Cortisol und Zyklus

Die Beziehung zwischen Cortisol und dem weiblichen Zyklus ist ein empfindliches Gleichgewicht. Cortisol wird vom Körper als Überlebenshormon priorisiert – im Zweifelsfall wird die Fortpflanzung (der Zyklus) zugunsten der Stressbewältigung „geopfert“. Denn: Cortisol und das Zyklushormon Progesteron haben denselben chemischen Vorläufer (Pregnenolon).

Bei chronischem Stressstiehlt“ der Körper Pregnenolon, um Cortisol zu produzieren. Dadurch entsteht ein Progesteronmangel, und dieser führt zu einem Ungleichgewicht gegenüber Östrogen, was PMS, Wassereinlagerungen, Brustspannen und Stimmungsschwankungen verstärkt.

Außerdem signalisiert hohes Cortisol dem Gehirn Gefahr. Die Ausschüttung der Steuerhormone (LH und FSH) wird gedrosselt. Der Eisprung verzögert sich oder bleibt ganz aus. Die Periode wird unregelmäßig oder bleibt weg (Stress-Amenorrhö).

Bei chronisch hohen Werten kann es trotz der entzündungshemmenden Wirkung von Cortisol zu einer Resistenz der Rezeptoren kommen, sodass entzündliche Botenstoffe (Prostaglandine), die während der Periode Krämpfe auslösen, ungehemmt wirken. Stress führt daher oft zu schmerzhafteren Regelblutungen.

Cortisol in der Peri- und Menopause

In der Peri- und Menopause sinkt die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken: Da der schützende Effekt von Östrogen nachlässt, reagiert der Körper empfindlicher auf Cortisol.

Cortisolspitzen in der Nacht sind eine häufige Ursache für nächtliches Erwachen und können Hitzewallungen verstärken. Viele Frauen berichten in dieser Lebensphase zudem über eine vermehrte Gewichtszunahme im Bauchbereich, die mit einer veränderten Stresshormonregulation zusammenhängen kann. Hohes Cortisol kann die Umwandlung von Schilddrüsenhormonen blockieren, was zu Symptomen einer Unterfunktion (Müdigkeit, Haarausfall, Frieren) führt, obwohl die Schilddrüse selbst gesund ist.

Da Frauen ohnehin ein höheres Risiko für Osteoporose haben, ist dauerhaft erhöhtes Cortisol besonders kritisch, da es den Knochenabbau zusätzlich beschleunigt.

Cortisol-Werte richtig einordnen

Die Konzentration von Cortisol im Blut schwankt im Laufe des Tages enorm und folgt der inneren Uhr des Menschen. Bei einem gesunden Menschen, der tagsüber wach ist und nachts schläft, sieht die typische Kurve so aus:

Morgens (ca. 6:00 – 8:00 Uhr): Das Cortisol erreicht seinen Höchstwert. Der Körper fährt die Systeme hoch, um wach und leistungsfähig zu werden.

Im Laufe des Tages: Der Spiegel sinkt kontinuierlich ab.

Mitternacht (ca. 22:00 – 24:00 Uhr): Das Cortisol erreicht seinen Tiefpunkt, damit der Körper zur Ruhe kommen und schlafen kann.

Typische Referenzwerte im Serum (Blutplasma)

Die genauen Zahlen können je nach Labor leicht variieren, dienen aber als grobe Orientierung:

ZeitpunktUngefährer Normalbereich

8 Uhr morgens

5 – 25 µg/dl

Abends gegen Mitternacht

< 5 µg/dl (oft nahe der Nachweisgrenze)


µg/dL (Mikrogramm pro Deziliter)

Wie misst man den Cortisolwert?

Um den Cortisolwert zu messen, reichen Proben von Blut, Speichel oder Urin. Wer unter Symptomen leidet, sollte dies immer zuerst mit dem Hausarzt oder der Hausärztin besprechen. Eine Hormonmessung wird nur bei begründetem Verdacht durchgeführt. Liegt ein konkreter Hinweis auf eine Stoffwechselstörung vor, überweist die Praxis in der Regel an die Endokrinologie (Hormonspezialisten), um die Funktion von Nebenniere oder Hypophyse genau zu checken.

Für zu Hause werden auch frei verkäufliche Cortisol-Selbsttests angeboten. Deren Ergebnisse sind jedoch oft nur eingeschränkt aussagekräftig, da der Cortisolspiegel natürlichen Schwankungen unterliegt und von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Daher sollte die Interpretation der Werte immer durch medizinisches Fachpersonal erfolgen.

Wann sollte man den Cortisolspiegel ärztlich abklären lassen?

Eine ärztliche Abklärung des Cortisolspiegels ist sinnvoll, wenn der Verdacht auf eine krankhafte Über- oder Unterproduktion besteht.

Die wichtigsten Warnsignale sind:

Hinweise auf einen erhöhten Cortisolspiegel (z. B. Cushing-Syndrom):

  • Rasche Gewichtszunahme am Bauch und Nacken bei dünnen Armen und Beinen sowie ein rundes „Vollmondgesicht“
  • Dünne Haut, blaue Flecken, rötliche Dehnungsstreifen am Bauch; Muskelschwäche in den Beinen
  • Plötzlicher Bluthochdruck oder schwer einstellbarer Diabetes

Hinweise auf einen Cortisolmangel (z. B. Morbus Addison):

  • Extreme, chronische Müdigkeit und Muskelschwäche
  • Auffällige Bräunung der Haut (auch ohne Sonne), besonders an Handlinien und Narben
  • Gewichtsverlust, Übelkeit, chronisch niedriger Blutdruck (Schwindel) und Heißhunger auf Salziges
  • Wenn mehrere dieser Symptome gleichzeitig auftreten und sich nicht durch Stress oder Schlafmangel erklären lassen, ist der Gang zur Hausarztpraxis ratsam.

Cortisol senken: Was hilft?

Um den Cortisolspiegel nachhaltig zu senken, muss man dem Körper signalisieren, dass keine Gefahr droht. Das gelingt über Ernährung, Lebensstil und gezielte Entspannung:

  • Atem- und Entspannungstechniken: Schon 2–3 Minuten tiefes Einatmen und verlängertes Ausatmen (z. B. die 4-7-8-Methode) aktivieren den Vagusnerv, der Cortisol kurzfristig senken kann.
  • Schlaf priorisieren: Ausreichender und regelmäßiger Schlaf ist einer der wichtigsten Faktoren für einen stabilen Cortisolrhythmus. Chronischer Schlafmangel kann zu dauerhaft erhöhten Werten beitragen. Auch ein reduzierter Koffeinkonsum am Nachmittag und Abend ist sinnvoll.
  • Aufenthalt in der Natur: Studien zeigen, dass bereits 20 bis 30 Minuten Aufenthalt im Grünen („Waldbaden“) den Cortisolspiegel messbar senken können.
  • Bewegung: Moderates Training (Spaziergänge, Yoga, leichtes Krafttraining) senkt Cortisol. Achtung: Zu langes, sehr intensives Ausdauertraining (über 60 Minuten) kann den Cortisolwert erhöhen.
  • Blutzucker stabil halten: Starke Blutzuckerschwankungen (durch Zucker und Weißmehl) bedeuten Stress für den Körper. Setzen Sie auf komplexe Kohlenhydrate, Proteine und gesunde Fette.
  • Viel Wasser trinken: Schon eine leichte Dehydration kann die Cortisolproduktion erhöhen.

Zudem gibt es spezifische Nährstoffe wie Magnesium, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin C, die beruhigend auf das Nervensystem wirken, Entzündungen hemmen und die Stressantwort des Körpers modulieren.

glückliche Frau im Wald - Resilienz-Übungen
Foto: Nicoleta Ionescu/shutterstock

Helfen Hausmittel den Cortisolspiegel zu senken?

Viele klassische Hausmittel können in ihrem Rahmen auf das Stresshormon wirken und helfen, den Cortisolspiegel zu senken:

  • Beruhigende Tees: Tees aus Kamille, Zitronenmelisse, Passionsblume oder Lavendel werden traditionell zur Entspannung eingesetzt und können beruhigend auf das Nervensystem wirken.
  • Wärme: Ein warmes Vollbad oder Fußbad am Abend signalisiert Muskeln und Gehirn Entspannung.
  • Vagusnerv aktivieren: Langsames, bewusstes Atmen mit verlängerter Ausatmung (z. B. 4 Sekunden ein, 8 Sekunden aus) sowie Singen können das parasympathische Nervensystem aktivieren und Stressreaktionen dämpfen.
  • Ausreichend trinken: Ein großes Glas Wasser kann helfen – bereits leichte Dehydration kann Stressreaktionen im Körper fördern.
  • Dunkle Schokolade: Kleine Mengen dunkler Schokolade (ab etwa 70 % Kakaoanteil) können kurzfristig das Wohlbefinden steigern und das subjektive Stressempfinden reduzieren.

Cortisol zu niedrig: Gibt es das auch?

Ein chronisch zu niedriger Cortisolspiegel ist zwar seltener als ein zu hoher, aber medizinisch sehr ernst zu nehmen. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer Nebenniereninsuffizienz. Da das Hormon für den Antrieb sorgt, läuft der Körper bei einem Mangel quasi auf leeren Batterien.

Typische Symptome sind extreme, chronische Erschöpfung, ein dauerhaft niedriger Blutdruck mit Schwindel, Gewichtsverlust, Übelkeit, Heißhunger auf Salziges und manchmal eine auffallende Bräunung der Haut (Morbus Addison).

Was sind Auslöser für zu niedrige Werte?

Die häufigste Ursache ist das zu abrupte Absetzen von Cortison-Medikamenten, wodurch die körpereigene Produktion streikt. Aber auch Autoimmunerkrankungen, Probleme der Steuerungsdrüsen im Gehirn oder eine tiefe Erschöpfungsphase nach jahrelangem Dauerstress können dahinterstecken.

Achtung: Da ein schwerer Mangel unter Belastung lebensgefährlich werden kann, gehört der Verdacht immer ärztlich abgeklärt.

FAQ

Der Social-Media-Trend „Cortisol-Detox“ auf Social Media verspricht, durch spezielle Routinen das Stresshormon Cortisol „auszuleiten“. Damit soll man angeblich Beschwerden wie hartnäckiges Bauchfett oder ein geschwollenes Gesicht schnell loswerden. Empfohlen werden der Verzicht auf Kaffee am Morgen, sanftes Training, gesunde Ernährung, weniger Bildschirmzeit und oft teure Nahrungsergänzungsmittel oder andere Trendprodukte. Mediziner:innen stehen dem sehr kritisch gegenüber, denn Cortisol ist kein Gift, das man ausleiten muss, und: Ein echter, krankhafter Cortisolüberschuss ist selten und lässt sich nur im Labor feststellen.

Der Cortisolspiegel schwankt im Laufe des Tages enorm und ist morgens zwischen 6 und 8 Uhr am höchsten, um den Körper in Schwung zu bringen, den Kreislauf hochzufahren und Energie für den Tag zu geben. Im Laufe des Tages sinkt der Wert dann kontinuierlich ab und erreicht um Mitternacht seinen tiefsten Punkt.

Viele Medikamente können die Cortisolwerte beeinflussen: Cortison-Präparate, Pilzmittel oder starke Schmerzmittel senken den Spiegel, da sie die körpereigene Produktion blockieren oder die Stressachse dämpfen. Die Antibabypille (Östrogene), ADHS-Medikamente, einige Antidepressiva oder Johanniskraut können die Werte hingegen künstlich anheben. Vor einem Test muss der Arzt oder die Ärztin daher unbedingt über alle eingenommenen Präparate informiert werden.

Cortisol ist das lebenswichtige, aktive Hormon, das der Körper selbst herstellt. Es reguliert den Stress, den Blutzucker und Entzündungen. Kortison ist die inaktive Vorstufe des Hormons im Körper. Wenn man im Alltag von Kortison spricht, sind damit meistens die künstlich hergestellten Medikamente (Glukokortikoide) gemeint.

Ja, Cortisol ist das Hauptstresshormon. Bei akutem Stress schüttet der Körper es sofort aus, um Energie bereitzustellen. Ein Problem mit Cortisol entsteht nur bei Dauerstress: Bleibt der Spiegel permanent erhöht, führt das langfristig zu Schlafstörungen, Erschöpfung und Gewichtszunahme.

Ja, Schlafmangel erhöht den Cortisolspiegel deutlich. Wenn man zu wenig oder schlecht schläft, gerät der Körper unter physischen Stress und schüttet mehr Cortisol aus – besonders am späten Nachmittag und Abend, wenn der Spiegel eigentlich sinken sollte. Das hält künstlich wach und führt oft zu einem Teufelskreis aus Müdigkeit und Schlafstörungen.

Ja, es gibt Selbsttests für zu Hause, aber die Expert:innen raten davon ab, denn zum Einen schwankt der Cortisolspiegel im Laufe des Tages enorm und es bräuchte mehrere Messungen, zum Anderen ist die korrekte Einordnung der Cortisolwerte durch einen Arzt oder eine Ärztin notwendig.

Cortisol kann dick machen – vor allem, wenn der Spiegel durch Dauerstress chronisch erhöht ist. Das Hormon blockiert den Fettabbau und signalisiert dem Körper stattdessen, Fettreserven für „schlechte Zeiten“ anzulegen. Zudem steigert es den Appetit auf Süßes und Salziges.

Typisch für einen cortisolbedingten Gewichtsanstieg ist, dass sich das Fett vor allem am Bauch und im Gesicht anlagert, während Arme und Beine oft schlank bleiben.

  • Autor

    Redaktion DocFinder.at

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Gesenhues S und A: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. 9. Auflage, Urban & Fischer 2020.

Herold G et al: Innere Medizin. Eigenverlag 2023.

Knezevic E et al: The Role of Cortisol in Chronic Stress, Neurodegenerative Diseases, and Psychological Disorders. Cells. 2023 Nov 29;

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38067154/, Abruf Mai 2026

De Nys L et al: The effects of physical activity on cortisol and sleep: A systematic review and meta-analysis. Psychoneuroendocrinology. 2022 Sep;

https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35777076/, Abruf Mai 2026

https://www.gesundheit.gv.at/lexikon/K/cortisol.html, Abruf Mai 2026

https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/hormone-tumormarker/labor-cortisol-cort1.html, Abruf Mai 2026

https://www.endokrinologie.net/krankheiten-nebenniereninsuffizienz.php, Abruf Mai 2026

https://www.medical-tribune.de/medizin/endokrinologie/verdacht-auf-cortisolmangel-oder-ueberschuss-zur-richtigen-uhrzeit-abklaeren, Abruf Mai 2026

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