Haarausfall bei Frauen: Frau nach dem Frisieren mit einer Bürste, in der viele Haare sind.
Foto: fongbeerredhot/shutterstock

Haarausfall bei Frauen

Haarausfall betrifft nicht nur Männer, sondern auch viele Frauen. Bei Frauen kann die psychische Belastung durch Haarausfall oft noch stärker sein als bei Männern. In diesem Artikel erfahren Sie die Gründe für Haarverlust bei Frauen und welche Behandlungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden können.

Haarausfall bei Frauen

Ursachen: erblich bedingte Faktoren, hormonelle Veränderungen oder Störungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Infekte, Störung des Immunsystems bzgl. Haarfollikel, Stress,…

Arten: androgenetischer Haarausfall, diffuser Haarausfall, kreisrunder Haarausfall, vernarbender Haarausfall, traktionsbedingter Haarausfall,…

Diagnose: Anamnesegespräch, klinische Untersuchung der Kopfhaut (Dermatoskopie, Trichogramm), Blutuntersuchung, ggf. Biopsie

Behandlung: je nach Ursache bzw. Art des Haarausfalls

 

Was ist Haarausfall bei Frauen?

Jeder Mensch verliert täglich zwischen 70 und 100 Haare. Dies ist ein normaler Teil des Haarwachstumszyklus, und normalerweise wachsen die Haare wieder nach. Mit zunehmendem Alter wird die Haardichte bei den meisten Menschen geringer. Wenn jedoch über einen längeren Zeitraum täglich mehr als 100 Haare verloren werden, kann es sich dabei um krankhaften Haarausfall handeln. Viele Frauen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen.

Manchmal tritt das Problem aufgrund hormoneller Veränderungen nach einer Schwangerschaft oder während der Menopause auf und ist vorübergehend. Aber auch einige Medikamente können Haarausfall auslösen. Bei Frauen tritt oft auch erblich bedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) auf. Manchmal sind auch andere Erkrankungen die Ursache für Haarausfall. Die Ursachenabklärung und die geeignete Behandlung erfolgen am besten in Zusammenarbeit mit einem Hautarzt.

Ursachen für Haarausfall bei Frauen

Haarausfall bei Frauen kann verschiedene Ursachen haben. Weitere Informationen finden Sie im Artikel über Haarausfall. Hier sind die häufigsten Faktoren, die zu Haarausfall bei Frauen führen können:

  • erblich bedingte Faktoren
  • hormonelle Veränderungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Infekte
  • Störung des Immunsystems bzgl. Haarfollikel
  • Stress

Arten von Haarausfall bei Frauen

Erblich bedingter Haarausfall (Androgenetische Alopezie)

Der erblich bedingte Haarausfall, auch als androgenetische Alopezie bezeichnet, zeigt sich bei Frauen in einer anderen Form als bei Männern, bei denen er oft zu Geheimratsecken und Glatzenbildung führt.

Bei Frauen kommt es seltener zu kahlen Stellen, vielmehr zeigt sich oft ein generalisiertes Ausdünnen des Haars in Form eines lichter und breiter werdenden Scheitels. Die Ursache liegt in einer erblichen Veranlagung, und wenn diese Veranlagung vorhanden ist, können bereits geringe Mengen an Androgenen, die im Eierstock und den Nebennieren produziert werden, zu einer androgenetischen Alopezie führen. Bei Männern tritt dieser Haarausfall oft in jüngeren Jahren auf, während er bei Frauen nach den Wechseljahren häufiger auftritt und oft ein männliches Muster annimmt.

Diffuser Haarausfall

Beim diffusen Haarausfall fallen täglich mehr als 100 Haare aus, was zu einem insgesamt dünneren und lichteren Haarbild führen kann. Bei Frauen kann diese Form des Haarausfalls beispielsweise nach einer Schwangerschaft auftreten, da hormonelle Veränderungen nach der Geburt dazu führen können, dass die Haare stärker als üblich ausfallen. Weitere hormonelle Gründe für diffusen Haarausfall können die Einnahme der Pille oder deren Absetzen sein.

Auch die Verwendung bestimmter Medikamente wie Zytostatika, Antikoagulanzien, Lipidsenker, Betablocker und NSAR sowie chronische und hoch fieberhaften Infektionserkrankungen oder Schilddrüsenunter– und überfunktion können zu diffusem Haarausfall führen. Weiters kann eine unausgewogene Ernährung, wie sie bei Crash-Diäten und Essstörungen vorkommt, zu einem Nährstoffmangel und somit zu diffusem Haarausfall führen. Laut Studien kann auch erhöhter Stress verstärkten Haarausfall auslösen.

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata)

Beim kreisrunden Haarausfall bildet sich in der Regel zunächst ein haarloser Fleck von ein bis zwei Zentimetern Durchmesser auf der Kopfhaut. Es können zwar weitere Flecken folgen, jedoch entwickeln die meisten Betroffenen nicht mehr als zwei solcher haarloser Stellen. In seltenen Fällen kann es jedoch zu einem vollständigen Haarverlust auf der Kopfhaut oder sogar am gesamten Körper kommen.

Die Ursachen für kreisrunden Haarausfall können vielfältig sein, jedoch scheinen erbliche Faktoren eine Rolle zu spielen. Es wird vermutet, dass Alopezia areata eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem sich gegen die Haarwurzeln richtet.

Vernarbender Haarausfall

Bei entzündlichen Hauterkrankungen kann die Kopfhaut und die Haarwurzeln ebenfalls betroffen sein. Dies kann zu Haarausfall und Narbenbildung auf der Kopfhaut führen, die in der Regel irreversibel sind, da die Haarfollikel dabei zerstört werden und das Haar nicht mehr nachwachsen kann. Beispiele für Erkrankungen, die vernarbenden Haarausfall verursachen können, sind Lupus erythematosus, Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Sklerodermie und Infektionen durch Pilze oder Bakterien.

Traktionsbedingter Haarausfall

Mechanisch bedingter Haarausfall entsteht durch übermäßige Spannung auf die Haarwurzeln, wie sie beispielsweise beim straffen Binden eines Zopfes auftreten kann. Dies führt zu einer Verkrümmung der Haarwurzeln, wodurch die Haare dünner werden, die Wachstumsphase verkürzt wird und schließlich das Haar ausfällt. Auch das Tragen von engen Stirnbändern, täglich auf die gleiche Weise getragenen Haarreifen oder -spangen sowie starkes Ziehen durch häufige Anwendung von Glätteisen, Bürsten und Kämmen kann zu traktionsbedingtem Haarausfall führen.

Wann zum Arzt und wie wird die Diagnose gestellt?

Wenn man bemerkt, dass über einen längeren Zeitraum mehr als etwa 100 Haare pro Tag ausfallen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Ihr erster Ansprechpartner sollte ein Dermatologe (Hautarzt) sein, da Haarausfall mit einer Schädigung der Haarfollikel zusammenhängt, die sich in der Kopfhaut befinden.

In einigen Fällen, insbesondere wenn hormonelle Faktoren vermutet werden, kann auch ein Endokrinologe hinzugezogen werden. Die Diagnose beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Gespräch (Anamnese) mit dem Arzt. Dabei wird unter anderem ermittelt, seit wann das Problem besteht, ob es bereits in der Vergangenheit aufgetreten ist, ob die Patientin an chronischen Erkrankungen leidet oder bestimmte Medikamente einnimmt.

Im Anschluss folgt eine klinische Untersuchung der Kopfhaut, die mithilfe eines speziellen Mikroskops (Dermatoskopie) durchgeführt wird. Um den Zustand der Haarwurzeln zu analysieren und die Art des Haarausfalls zu bestimmen, kann auch eine Trichogramm-Untersuchung durchgeführt werden. Hierbei werden etwa 50 bis 70 Haare gezupft und die Haarwurzeln mikroskopisch untersucht.

Zusätzlich werden andere Körperbereiche wie Hände und Fingernägel untersucht, da dies Hinweise auf mögliche Grunderkrankungen liefern kann. Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über eventuelle Mangelerscheinungen oder Infektionen geben. In einigen Fällen kann auch eine Biopsie erforderlich sein, bei der eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht wird, um weitere Informationen zur Ursache des Haarausfalls zu erhalten.

Behandlung von Haarausfall bei Frauen

Die Art der Behandlung von Haarausfall richtet sich nach der Ursache bzw. der Art des Haarausfalls.

Erblich bedingter Haarausfall

Die bevorzugte Behandlungsoption ist hier Minoxidil, das in Form einer 2-prozentigen Lösung oder eines Schaums erhältlich ist. Dieses Präparat wird zweimal täglich auf die Kopfhaut aufgetragen und zeigt verschiedene stimulierende Effekte auf das Haarwachstum.

Studien haben gezeigt, dass Minoxidil bei den meisten Frauen das Fortschreiten des Haarausfalls stoppen kann. In einigen Fällen ist auch eine Verdichtung des Haarwuchses möglich. Wichtig ist, dass Minoxidil kontinuierlich angewendet werden muss, da das Absetzen dazu führen kann, dass die Haare erneut ausfallen. Es ist auch zu beachten, dass das Mittel vorübergehend zu einer Verschlimmerung des Haarausfalls führen kann, was jedoch auf eine erfolgreiche Therapie hinweisen kann.

Gelegentlich verschreibt der Arzt auch Anti-Androgene, die die Wirkung männlicher Sexualhormone blockieren. Bei Frauen vor den Wechseljahren geschieht dies oft in Kombination mit Östrogenen als Verhütungsmittel, um eine Schwangerschaft zu verhindern.

Diffuser Haarausfall

Die Behandlung von diffusem Haarausfall hängt von seiner jeweiligen Ursache ab.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn diffuser Haarausfall durch eine Grunderkrankung ausgelöst wird, wie z.B. eine Schilddrüsenerkrankung, dann ist es entscheidend, diese zu behandeln.
  • Medikamente: Wenn Medikamente als Auslöser identifiziert werden, kann der Arzt möglicherweise ein anderes Präparat verschreiben.
  • Nährstoffergänzung: Wenn ein Nährstoffmangel, beispielsweise aufgrund einer unausgewogenen Ernährung oder einer Essstörung, die Ursache ist, können bestimme Nahrungsergänzungsmittel das Haarwachstum verbessern.
  • Änderungen im Lebensstil: Manchmal kann eine Anpassung des Lebensstils, wie die Reduzierung von Stress, eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung, dazu beitragen, den Haarausfall zu verlangsamen und das Haar gesünder zu machen.
  • Haarpflege: Die Verwendung von schonenden Haarpflegeprodukten und das Vermeiden von Hitzeanwendungen oder aggressivem Styling können das Haar schützen und den Haarausfall minimieren.

Kreisrunder Haarausfall

Die Behandlung von kreisrundem Haarausfall kann vielfältig sein und hängt oft von der Schwere der Erkrankung ab. Hier sind zwei der gängigenTherapiemöglichkeiten:

  1. Behandlung mit Kortison oder Dithranol: In schwerwiegenderen Fällen kann Kortison auch in Tablettenform (systemische Kortisontherapie) verabreicht werden.
  2. Topische Immuntherapie mit DCP ( Dipenylcyclopropenon): Dipenylcyclopropenon ruft eine allergische Reaktion auf der Kopfhaut hervor. Dies soll das Immunsystem „ablenken“, damit es sich nicht mehr gegen die Haarfollikel richtet.

Vernarbendem Haarausfall

Bei vernarbendem Haarausfall muss die Grunderkrankung, die den Haarverlust auslöst therapiert werden. Zu den Erkrankungen, die vernarbenden Haarausfall verursachen können, gehören beispielsweise Lupus erythematodes, Knötchenflechte (Lichen ruber planus), Sklerodermie sowie Infektionen mit Pilzen oder Bakterien.

Traktionsbedingter Haarausfall

Um dem übermäßigen Zug auf die Haarwurzeln durch straffe Zöpfe, enge Stirnbänder usw. entgegenzuwirken, kann man selbst Maßnahmen ergreifen. Es ist ratsam, das Haar locker zu binden oder offen zu tragen und auf den Einsatz von Glätteisen sowie zu intensives Bürsten und Kämmen zu verzichten.

FAQ

Zur Unterstützung der Diagnostik können ein kleines Blutbild sowie die Bestimmung von Ferritin, Biotin, Zink, TSH, Testosteron, SHBG und Östradiol (bei Frauen) hilfreich sein. Damit können die häufigsten Störungen, die zu Haarverlust führen, erfasst werden.

Apfelessig, Brennesselextrakte, Kokosöl, Kaffee, Bier oder Arganöl sind beliebte Hausmittel, die auf die Kopfhaut aufgetragen, einmassiert und nach einer Einwirkzeit wieder ausgespült werden.

Häufige mögliche Ursachen für weiblichen Haarausfall sind erbliche Faktoren, hormonelle Veränderungen oder Störungen, Infekte, Nebenwirkungen von Medikamenten, Stress und Autoimmunreaktionen.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und im Jahr 2010 erhielt sie den Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

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