Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten (Pertussis)

Stand: Juni 2018
An Keuchhusten erkranktes Mädchen wird von einem Arzt untersucht.

Keuchhusten, eine Infektionserkrankung der oberen Atemwege, kann sich bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich äußern. Keuchhusten heilt meistens vollständig aus, bei bestimmten Bevölkerungsgruppen kann es jedoch zu gefährlichen Komplikationen kommen. Symptome, mögliche Begleiterkrankungen, Behandlung, Impfung - alles Wichtige über Keuchhusten lesen Sie hier.

Was ist Keuchhusten?

Bei Keuchhusten handelt es sich um eine Infektionskrankheit der oberen Atemwege. Die Erkrankung wird durch das Bakterium Bordetella pertussis verursacht und ist sehr ansteckend. Übertragen wird das Bakterium Bordetella pertussis durch eine Tröpfcheninfektion (Übertragung durch Sekrettröpfchen, die beim Sprechen, Husten und Niesen ausgestoßen und verteilt werden und von anderen Menschen bei der Atmung aus der Luft aufgenommen werden). Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Infektion mit dem Bakterium Bordetella pertussis und dem Auftreten der ersten Symptome/Ausbruch der Krankheit) beträgt etwa 6 bis 20 Tage.

Symptome

Der Krankheitsverlauf wird bei Keuchhusten in drei Stadien unterteilt.
Stadium catarrhale: Im ersten Stadium sind die Symptome noch unspezifisch (unspezifische Erkältung; Husten, Niesen, Halsschmerzen, laufende Nase). Betroffene sind jedoch hochansteckend. Nach etwa zwei Wochen kommt es zu einem immer schwerer werdenden Husten.
Stadium convulsivum: In diesem Stadium kommt es zu starken Hustenanfällen bis hin zu Luftnot. Die Hustenanfälle können sich bis zu 50 Mal täglich wiederholen, treten häufig nachts auf und können von Würge- und Brechreizen und Auswurf (Würgen von zähem Schleim) begleitet sein.
Stadium decrementi: Nach etwa vier bis sechs Wochen lassen die Hustenanfälle und Symptome allmählich nach, im Laufe der folgenden Wochen kommt es zum Ausheilen der Erkrankung. Eine Ansteckung ist in dieser Phase kaum noch möglich.

Die Auflistung der hier angeführten Anzeichen und Symptome kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei Keuchhusten auftreten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Darüber hinaus kann es zu verschiedenen Begleiterkrankungen und Komplikationen kommen, darunter Lungenentzündung und Mittelohrentzündung (durch Sekundärinfektionen mit Haemophilus influenzae oder Pneumokokken verursacht), Krampfanfälle, Gewichtsverlust (Keuchhusten geht oft mit Appetitverlust einher), Leisten- und Nabelbrüche (verursacht durch besonders starke Hustenattacken), Einblutungen in die Augenbindehaut und andere. Bei Säuglingen kann es zu lebensbedrohlichen Atemstillständen kommen.

Keuchhusten ist eine Infektionserkrankung mit altersspezifischen Krankheitsbildern. Je jünger ein Kind, desto gefährlicher ist die Erkrankung. Dies gilt vor allem für ein Kind im ersten Lebensjahr, da sich hier noch kein vollständiger Impfschutz aufgebaut hat. Bei Kleinkindern unter drei Monaten kommt es aufgrund der kleinen Atemwege und der noch fehlenden schützenden Immunität gehäuft zu einem Sauerstoffmangel und Lungenentzündungen, das typische Symptom, die anfallsartige Hustenattacke, wird seltener beobachtet. Im Regelfall heilt Keuchhusten ohne bleibende Schäden wieder vollständig aus, bei Menschen mit schwächerem Immunsystem und ohne Impfschutz, besonders bei Neugeborenen und Kleinkindern, kann die Erkrankung unbehandelt allerdings auch tödlich verlaufen.

Diagnose

Nach Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) erfolgt eine körperliche Untersuchung, um die Diagnose zu sichern werden Laboruntersuchungen veranlasst. Hierfür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung (direkter Erregernachweis mittels Rachenabstrich, Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Serumdiagnostik), die Art der zum Einsatz kommenden Untersuchungen hängt vom Krankheitsstadium, Alter, Impfstatus und von anderen Faktoren ab. Unter Umständen, etwa bei Verdacht auf Komplikationen und Folgeerkrankungen, können weitere Untersuchungen notwendig sein.

Therapie und Impfung

Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, ist allerdings nur in den ersten drei bis vier Wochen sinnvoll. Durch die antibiotische Therapie lässt sich die Ansteckungsfähigkeit verkürzen. Daneben gibt es allgemeine Maßnahmen, welche die Behandlung, je nach Alter und Beschwerden, unterstützen können. Bei Säuglingen sollte Keuchhusten stationär behandelt werden, ebenso kann bei Kindern und Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf ein stationärer Aufenthalt erforderlich sein.

Die Zahl der Keuchhusten-Fälle nimmt zu. Auch in Österreich kam es in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Pertussis-Melderate: 2015 wurden hierzulande 579 Fälle von Pertussis gemeldet, im Jahr 2016 waren es 1.274 und 2017 bereits 1.411 Fälle. Besonders häufig ist die Erkrankung bei Kindern, jedoch sind auch immer mehr Erwachsene betroffen. So zeigt sich bei den 15-20-Jährigen, 40-45-Jährigen und 65-70-Jährigen eine deutliche Zunahme von Krankheitsfällen, die u.a. darauf zurückzuführen sein kann, dass es einige Jahre nach der Impfung oder nach Durchmachen einer Erkrankung zu einem Verlust der Schutzwirkung kommt.

Eine Impfung kann vorbeugend gegen Keuchhusten schützen. Laut Österreichischem Impfplan erfolgt die Grundimmunisierung im Säuglingsalter im Rahmen einer 6-fach Impfung; aufgrund des häufigen Vorkommens der Erkrankung und des schweren Verlaufs bei Säuglingen sollte unmittelbar mit vollendetem zweiten Lebensmonat mit der Impfserie begonnen werden. Die Auffrischungsimpfung erfolgt im Schulalter (siebtes bis neuntes Lebensjahr, Kombinationsimpfung mit Diphtherie und Tetanus).

Wichtig zu wissen ist, dass die Grundimmunisierung nicht zu einer dauerhaften Immunisierung führt, weswegen sich Erwachsene nachimpfen lassen müssen, um den Impfschutz zu erhalten. Auch eine bereits durchgestandene Infektion führt nicht zu einer dauerhaften Immunisierung. Laut Österreichischem Impfplan sollten sich Erwachsene bis zum vollendeten 60. Lebensjahr alle zehn Jahre nachimpfen lassen, ab dem vollendeten 60. Lebensjahr alle fünf Jahre.

Keuchhusten – wer ist gefährdet?

Regelmäßige Auffrischungsimpfungen sind eine effektive Möglichkeit, um Keuchhusten vorzubeugen und gefährdete Bevölkerungsgruppen indirekt zu schützen. Gefährdet sind nicht geimpfte Personen, besonders Säuglinge und Kinder. Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz sind eine Infektionsquelle für Neugeborene in den ersten Lebenswochen, die noch nicht geimpft werden können. Der Impfschutz gegen Pertussis wird allen Personen empfohlen, ist jedoch u.a. besonders wichtig für:

  • Frauen mit Kinderwunsch (vor Eintritt der Schwangerschaft)
  • Schwangere Frauen ab dem zweiten Trimenon (bevorzugt im dritten Trimenon), wenn die letzte Pertussis-Impfung länger als zwei Jahre zum Geburtstermin zurückliegt
  • Personen im Umfeld eines Neugeborenen (Eltern, Großeltern, Geschwister, Babysitter etc.)
  • Mitarbeiter des Gesundheitswesens
  • Menschen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen, Spitälern, Altersheimen und Pflegeheimen tätig sind
  • Menschen, die einem Beruf mit verstärktem direkten Menschenkontakt nachgehen (z.B. Kosmetiker, Heimhilfen)
  • Menschen ab dem 60. Lebensjahr
  • Raucher
  • Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter Gefährdung aufgrund eines Grundleidens (z.B. Asthma, COPD, chronische Lungen-, Herz-, Kreislauferkrankungen, Immunsuppression)

Fact-Box

Keuchhusten (Pertussis): Infektionserkrankung der oberen Atemwege

Erreger: Bakterium Bordetella pertussis (selten auch B. parapertussis)

Übertragung: Tröpfcheninfektion

Inkubationszeit: Sechs bis 20 Tage

Krankheitsstadien: Stadium catarrhale, convulsivum, decrementi

Symptome: Zunächst unspezifisch (unspezifische Erkältung), später charakteristischer Keuchhusten, starke Hustenanfälle bis hin zu Luftnot, Würge-/Brechreiz, Auswurf, nächtliche Zunahme der Beschwerden u.a.

Ansteckungsfähigkeit: Höhepunkt während der ersten beiden Krankheitswochen, kann bis zu drei Wochen nach Beginn des Stadium convulsivum andauern

Gefährdet: Nicht geimpfte Personen, besonders Säuglinge und Kleinkinder

Behandlung: Antibiotische Therapie (nur sinnvoll in den ersten drei bis vier Erkrankungswochen), allgemeine Maßnahmen zur Beschwerdelinderung

Impfung: Grundimmunisierung im Säuglingsalter, Auffrischungsimpfung zwischen dem siebten und neunten Lebensjahr sowie bei Erwachsenen alle zehn Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle fünf Jahre

Autor:
Quellen:
Impfplan Österreich 2018, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz

Flick H. et al.; Pertussis - Klinik, Diagnostik und Therapie, Universum Innere Medizin 04/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Bonifer R.; Jugendliche und Erwachsene gegen Pertussis impfen - Interview mit Prof. Dr. med. Ulrich Heininger, Basel, Pädiatrie 01/2013, Rosenfluh Publikationen AG

Heininger U.; Pertussis - eine Kinderkrankheit wird erwachsen, ARS Medici 16/2010, Rosenfluh Publikationen AG

Riffelmann M et al.; Pertussis - nicht nur eine Kinderkrankheit, Dtsch Arztebl 2008; 105(37): 623-8, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Geissel W. et al.; Keuchhusten - Längst keine Kinderkrankheit mehr, Ärzte Zeitung, 19.04.2018, Springer Medizin Verlag GmbH, URL: https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/atemwegskrankheiten/article/961239/erwachsene-erkranken-keuchhusten-laengst-keine-kinderkrankheit.html

Keuchhusten (Pertussis), Robert Koch-Institut, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Pertussis.html

Keuchhusten (Pertussis), Bundeskanzleramt Österreich, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz, URL: https://www.bmgf.gv.at/home/Keuchhusten_Pertussis
ICD-10: A37

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