Depression – Symptome, Diagnose, Behandlung, Selbsthilfe

Depression – Symptome, Diagnose, Behandlung, Selbsthilfe

Stand: Oktober 2021

Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge leiden weltweit mehr als 350 Millionen Menschen an einer Depression. In Österreich sind zwischen zehn und 25 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben von einer Depression betroffen. Genaue Zahlen sind schwer zu ermitteln - nicht jede Depression wird als solche erkannt und behandelt. Lesen Sie hier, wie sich eine Depression bemerkbar macht, wie sich eine Depression von einer Verstimmung unterscheidet und wie Depressionen heutzutage behandelt werden.

Factbox – Depression

Depression: eine psychische Erkrankung, die sich durch eine gedrückte Stimmung, Interesse- und Freudlosigkeit sowie Antriebslosigkeit ausdrückt

Ursache: entsteht durch ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren: genetische Veranlagung, Stoffwechsel- und Funktionsstörungen im Gehirn, Entwicklungs- und Persönlichkeitsfaktoren. Daneben haben Frauen, Städter und Singles ein höheres Erkrankungrisiko, Arbeitslosigkeit, Cannabis- und Alkoholkonsum gelten ebenfalls als Risikofaktoren

Symptome: eine anhaltende gedrückte Stimmung, eine Hemmung von Antrieb und Denken, Interessenverlust sowie vielfältige körperliche Symptome, die von Schlaflosigkeit über Appetitstörungen bis hin zu Schmerzzuständen reichen, können u. a. mögliche Anzeichen einer Depression sein

Auswirkungen: Die Symptome belasten Familie, Partner und Freunde. Häufig kommt es zusätzlich zu Problemen am Arbeitsplatz. Ein Teil der Patienten entwickelt Suizidgedanken

Diagnose: wird durch einen geschulten Hausarzt, Psychiater oder auch anderen Fachärzten gestellt und basiert vor allem auf einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch

Therapie: Grundlage der Behandlung ist der Einsatz antidepressiver Medikamente, die Durchführung einer Psychotherapie oder die Kombination beider Maßnahmen. Daneben gibt e spezielle Therapieformen wie die Wachtherapie, Elektrokrampftherapie, Lichttherapie etc.

Symptome der Depression

In der Psychiatrie zählen Depressionen zu den sogenannten affektiven Störungen. Affektive Störungen, auch Affektstörungen genannt, bezeichnen eine Gruppe von psychischen Störungen, die u.a. durch eine klinisch relevante Veränderung der Stimmungslange charakterisiert sind. Die Depression ist eine Erkrankung der Psyche und geht mit Antriebslosigkeit, gedrückter Stimmungslage, Interessen- und Freudlosigkeit, Angstgefühlen, eingeschränktem Lustempfinden und eingeschränkter Leistungsfähigkeit einher. Im Vergleich zu Personen ohne Depression treten diese Symptome bei depressiven Menschen wesentlich intensiver und dauerhaft auf und sind auch weniger selbst beeinflussbar als bei Personen ohne Depression.

Zudem kann eine Depression mit einer Reihe von körperlichen Beschwerden einhergehen, darunter Kopfschmerzen, Rückenschmerzen, Verstopfung, Kreislaufstörungen, Müdigkeit, Energiemangel, Schlafstörungen oder ein Druckgefühl auf der Brust. Auch ein vermindertes Lustempfinden sowie Veränderungen des Appetits und entsprechende Gewichtsveränderungen können bei einer Depression vorkommen.

Typisch ist, dass sich die Betroffenen zu allem zwingen müssen – anfangs nur zu aufwändigeren und ungeliebten, später aber auch zu an sich leichten und angenehmen Tätigkeiten. Sie verfolgen auch keine Ziele mehr, da sie dafür keine Freude aufbringen können. Diese Antriebshemmung kann sich auch im äußerlichen Erscheinungsbild mit einer Verlangsamung der Reaktionen, Bewegungen und Sprache bemerkbar machen, Mimik und Gestik erscheinen starr. Im Extremfall reden oder bewegen sich Betroffene nur unter großer Mühe. Kreativität, Konzentrations- und Merkfähigkeit verschlechtern sich.

Die Mehrheit der Betroffenen hegt früher oder später Suizidgedanken, 10 bis 15% aller Patienten mit wiederkehrenden schwer ausgeprägten depressiven Phasen sterben durch Suizid.

Ursachen einer Depression

Eine Depression entsteht in der Regel aus dem Zusammenwirken vieler Faktoren. Welche Rolle erbliche (genetische) und umweltbedingte Faktoren spielen, ist individuell ganz unterschiedlich und im Einzelfall nicht leicht zu beantworten. Betroffene besitzen eine durch verschiedene Faktoren bedingte, geringere Toleranz gegenüber seelischen, körperlichen und biografischen Belastungsfaktoren als gesunde Menschen (Vulnerabilität).

Als Auslöser einer depressiven Episode wirken meist persönlich belastende Ereignisse oder Überforderungssituationen. Auf diese reagieren depressiv Veranlagte sensibler als andere Menschen. Die Ursachen für eine Depression sind so vielfältig wie die Symptome, mit welchen sich die Erkrankung bei Betroffenen bemerkbar macht. So können belastende Lebensereignisse jeder Art der Auslöser für eine Depression sein, darunter:

  •  Langanhaltende, berufliche und/oder private Konflikte
  •  Langfristige Überanstrengung
  •  Schwere körperliche Erkrankungen
  •  Verlusterlebnisse wie Trennung, Scheidung oder der Tod eines geliebten Menschen
  •  Entwurzelung
  •  Flucht
  •  Verlust des Arbeitsplatzes
  •  Traumatische Ereignisse in der Kindheit (körperlicher und/oder sexueller Missbrauch)

Als Risikofaktoren kommen auch folgende Parameter in Frage: Cannabiskonsum, Alkohol, Single-Dasein oder das Leben in der Stadt. Auch kann eine Depression körperliche Ursachen haben. In solchen Fällen ist von einer organischen Depression die Rede. Beispielsweise kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen zu einem depressionsähnlichen Zustand führen. Und ein Tumor im Frontalhirn bewirkt, dass Druck auf die im vorderen Teil des Gehirns lokalisierten Strukturen ausgeübt wird, welche eine stimmungsregulierende Funktion haben.

Obwohl Ursachen und Auslöser der Depression bis heute nicht vollständig erforscht sind, weiß man, dass die Gehirntätigkeit bei einer depressiven Person im Vergleich zu einer Person ohne Depression verändert ist. Bei einer Depression kommt es zu einer veränderten Funktion der Nervenzellen in bestimmten Gehirnregionen sowie zu Aktivitätsveränderungen der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin, Dopamin, Acetylcholin und Gamma-Aminobuttersäure. Neurotransmitter sind sogenannte Überträgersubstanzen im Gehirn, die Informationen zwischen den Nervenzellen übermitteln. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei einer Depression das Gleichgewicht an Signalstoffen im Gehirn gestört ist.

Darüber hinaus wurde mithilfe bildgebender Verfahren bei Betroffenen während einer depressiven Episode eine veränderte Aktivität des so genannten limbischen Systems im Gehirn festgestellt. Das limbische System, auch als stressregulierendes System bezeichnet, ist für das Empfinden und Verarbeiten von Gefühlen mitverantwortlich.

Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens eine Depression zu entwickeln, beträgt zwischen 7 und 18%. Frauen sind etwa doppelt so häufig wie Männer betroffen. Zudem ist das Risiko für die Erkrankung erhöht, wenn Blutsverwandte an einer Depression leiden bzw. gelitten haben.

Unterschied zwischen einer Depression und einer Verstimmung

Konflikte im Beruf, Spannungen in einer Beziehung, eine Trennung, Streit, finanzielle Probleme, ein Unfall oder der Verlust einer geliebten Person können bei jedem ein Stimmungstief auslösen. Erschöpfung, innere Unruhe, Trauer, Niedergeschlagenheit und Freudlosigkeit sind ganz normale Empfindungen. Jeder Mensch erlebt solche Reaktionen, einige häufiger als andere. Verstimmungen sind jedoch von einer Depression im medizinischen Sinn abzugrenzen und häufig eng mit einem belastendem Ereignis und/oder einer stressvollen Phase verbunden – lassen die Belastung und der Schmerz nach, hellt meistens auch die Stimmung wieder auf.

Definition der Depression

Laut ICD-10 (10. Ausgabe der International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems, deutsch Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) sind die Einschlusskriterien einer depressiven Episode erfüllt, wenn während mindestens zwei Wochen mindestens zwei der folgenden drei Symptome vorliegen:

  • Depressive Verstimmung, in einem für die Betroffenen deutlich ungewöhnlichen Ausmaß, die meiste Zeit des Tages, fast jeden Tag und im Wesentlichen unbeeinflusst von den Umständen
  • Interessen- oder Freudverlust an Aktivitäten, die normalerweise angenehm waren
  • Verminderter Antrieb oder schnelle Ermüdung

Zusätzlich muss mindestens eines der folgenden Symptome vorliegen:

  • Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls
  • Unbegründete Selbstvorwürfe oder ausgeprägte, unangemessene Schuldgefühle
  • Wiederkehrende Gedanken an den Tod oder an Suizid
  • Vermindertes Denk- oder Konzentrationsvermögen, Unschlüssigkeit oder Unentschlossenheit
  • Psychomotorische krankhafte Unruhe oder Hemmungen
  • Schlafstörungen jeder Art
  • Appetitverlust oder gesteigerter Appetit mit entsprechender Gewichtsveränderung

Der Übergang von einer Verstimmung zu einer krankhaften depressiven Episode wird von den meisten Menschen eher als fließend empfunden. Ein erfahrener Arzt kann jedoch eine Unterscheidung treffen.

Abstufung und Formen der Depression

Depressionen werden in drei Schweregrade unterteilt:

  • Leichte Depression: Es treten insgesamt mindestens drei der oben angeführten Symptome auf, zwei davon aus der ersten Kategorie (depressive Verstimmung, Interessen- oder Freudverlust, verminderter Antrieb). Der Patient fühlt sich krank und sucht ärztliche Hilfe, kann aber trotz Leistungseinbußen allen beruflichen und privaten Pflichten gerecht werden, sofern es sich um Routine handelt.
  • Mittelgradige Depression: Es treten insgesamt mindestens sechs der oben angeführten Symptome auf, zwei davon aus der ersten Kategorie. Berufliche oder private Pflichten können nicht mehr oder nur noch zeitweise bewältigt werden.
  • Schwere Depression: Es treten insgesamt mindestens acht der oben angeführten Symptome auf, darunter alle drei aus der ersten Kategorie. Bei einer schweren depressiven Episode ohne psychotische Symptome braucht der Patient ständige Betreuung. Bei einer depressiven Episode mit psychotischen Symptomen treten u.a. Wahngedanken, absurde Schuldgefühle und/oder Krankheitsbefürchtungen auf.

Zudem wird zwischen verschiedenen Formen der Depression unterschieden. Je nach Schweregrad, Ursachen und auftretenden Symptomen wird die Depression u.a. unterteilt in:

  • Unipolare Depression: Die unipolare Depression ist die am häufigsten auftretende Form der Depression. Sie beginnt sehr langsam, Betroffene zeigen erst nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten Symptome. In vielen Fällen verschwinden diese auch von alleine wieder.
  • Bipolare Depression: abwechselnd getrübte (depressive) und euphorische Stimmung (Manie).
  • Schwangerschaftsdepression: Laut Definition kann eine Schwangerschaftsdepression im Zeitraum von der Empfängnis bis zum ersten Geburtstag des Kindes auftreten. Frauen, die zuvor bereits an einer Form der Depression litten, haben ein erhöhtes Risiko von einer Schwangerschaftsdepression betroffen zu sein.
  • Saisonal abhängige Depressionen: Saisonal abhängige Depressionen treten seltener auf als andere Formen der Depression. Sie sind, wie der Name schon sagt, abhängig von einer bestimmten Saison (z.B. Winterdepression)

Abhängig vom Verlauf der Erkrankung und vom Therapieerfolg wird jede Depression weiters in eine depressive Episode (kann einmalig oder wiederholt auftreten) oder in eine chronische Depression (wenn die Symptome länger als zwei Jahre anhalten) unterteilt. Kommt es zu einer vollständigen Wiederherstellung der Gesundheit, ist von einer Remission die Rede. Ein Zustand, bei dem sich die Symptome deutlich bessern, aber nicht ganz verschwinden, wird als unvollständige Remission bezeichnet.

Winterdepression

Die Winterdepression tritt in der kalten und dunklen Jahreszeit auf. Sie betrifft Frauen viermal so häufig wie Männer und ist vor allem in skandinavischen und mitteleuropäischen Ländern zu beobachten. In südlichen Ländern ist die Winterdepression kaum verbreitet. Als Auslöser für die Winterdepression gelten der Mangel an natürlichem Tageslicht sowie die verminderte Lichtintensität im Winter und die abfallenden Temperaturen. Der Körper reagiert auf den Lichtmangel mit einer verstärkten Ausschüttung von Melatonin, einem Hormon, welches u.a. für den Schlafrhythmus verantwortlich ist. In weiterer Folge werden wir leichter müde und die Stimmung sinkt.

Typische Symptome einer Winterdepression sind ein gesteigertes Schlafbedürfnis, morgendliche Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Energielosigkeit, Unausgeglichenheit und gedrückte Stimmung. Da es dem Gehirn bei einer Winterdepression auch an Serotonin fehlt (Hormon, welches an der Regulation von Schlafrhythmus, Körpertemperatur, Sexualtrieb und Gemütszustand beteiligt ist), haben Personen die unter einer Winterdepression leiden zudem ein verstärktes Verlangen nach Süßigkeiten, da Zucker dem Gehirn hilft den Serotoninmangel wieder auszugleichen.

Diagnose einer Depression

Viele Menschen gehen aus falschen Schamgefühlen nicht zum Arzt oder verdrängen ihre Symptome. Dabei kann ein ärztliches Gespräch helfen die möglichen Ursachen für die Stimmungsänderungen zu ermitteln und mit einer geeigneten Behandlung zu beginnen.

Die Diagnose wird durch einen geschulten Hausarzt,Psychiater, aber auch durch andere Fachärzte gestellt und basiert vor allem auf einem ausführlichen Arzt-Patienten-Gespräch. In einigen Fällen wird zudem eine Blutprobe im Labor untersucht und eine computertomographische Untersuchung (CT) gemacht, um körperliche Veränderungen wie einen Mangel an Vitamin B12, hormonelle Veränderungen oder einen zu niedrigen Blutzuckerspiegel als Ursache für die Depression zu ermitteln bzw. auszuschließen.

Behandlung einer Depression

Basierend auf dem Arzt-Patienten-Gespräch und den Untersuchungsergebnissen wird anschließend ein passender Therapieplan erstellt. Depressionen können medikamentös und im Rahmen einer Psychotherapie behandelt werden. In vielen Fällen ist eine Kombination beider Therapien besonders zielführend. Wichtig ist sich vor Augen zu führen, dass die Therapie Geduld erfordert – eine Depression verschwindet selbst unter optimaler Betreuung nicht von heute auf morgen.

Antidepressiva

Medikamente, die zur Behandlung einer Depression verschrieben werden, werden als Antidepressiva bezeichnet. Antidepressiva wirken, indem sie in die unterschiedlichen Neurotransmitter-Systeme im Gehirn eingreifen und den Mangel an Neurotrasnmittern ausgleichen. Es gibt viele verschiedene Antidepressiva – heutige moderne Präparate wirken wesentlich gezielter als ältere Antidepressiva (z.B. Monoaminooxidasehemmer oder sogenannte trizyklische und tetrazyklische Antidepressiva) und haben auch weniger Nebenwirkungen. Medikamente, die heute zur Behandlung der Depression verhäuft zum Einsatz kommen sind u.a. selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI: blockieren im Gehirn jenes Molekül, welches Serotonin wieder in seine Speicher zurückbefördert), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI: hemmen den Rücktransport von Noradrenalin und Serotonin im Gehirn) und Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI: hemmen den Rücktransport von Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzellen im Gehirn).

Zu den Wirkstoffen moderner Antidepressiva zählen u.a. Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Fluvoxamin, Paroxetin, Sertralin, Duloxetin, Milnacipran, Venlafaxin, Levomilnacipran, Bupropion und Reboxetin. Je nach Antidepressivum kann es zwischen durchschnittlich acht Tagen und drei Wochen dauern, bis sich die Stimmungslage verbessert. Sollte die medikamentöse Therapie nicht den gewünschten Effekt mit sich bringen, wird der Arzt eine Dosisanpassung vornehmen oder ein anderes Antidepressivum zur Behandlung der Depression einsetzen.

Bei Begleitsymptomen wie z.B. Schlafstörungen, starker Angst oder Nervosität werden vom Arzt entsprechend weitere Medikamente verordnen.

Psychotherapie

Medikamente können zwar helfen den Mangel an Neurotransmittern im Gehirn auszugleichen, allerdings sind sie nicht in der Lage das Leben Betroffener von Grund auf zu ändern. Im Rahmen einer Psychotherapie können Personen mit einer Depression lernen mit (inneren) Konflikten und Emotionen besser umzugehen, Trennungen bewusster zu verarbeiten und soziale Konflikte zu lösen. Sind die Ursachen für das Stimmungstief unbekannt, können die Gespräche mit dem Psychotherapeuten helfen diese zu ermitteln. Es gibt viele verschiedene Arten der Psychotherapie. Bei einer psychodynamischen Therapie beispielsweise werden tief verwurzelte Probleme, die ihren Ursprung in der Kindheit haben, gemeinsam mit dem Therapeuten Schritt für Schritt aufgearbeitet.

Bei einer Verhaltenstherapie unterstützt der Psychotherapeut seinen Patienten dabei neue Verhaltensstrategien zu erarbeiten und für ihn negative Verhaltensweisen und Denkmuster abzulegen. Ein gutes Verhältnis zwischen Psychotherapeut und Patient ist für eine erfolgreiche Psychotherapie besonders wichtig. Ein ehrliches Vertrauensverhältnis ist unbedingt erforderlich, um alle Probleme in der Therapie uneingeschränkt thematisieren zu können.

Neben der medikamentösen Therapie und der Psychotherapie gibt es noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, darunter Wachtherapie (Schlafentzug), Bewegungstherapie, Elektrokrampftherapie und Lichttherapie. Letztere kommt vor allem zur Behandlung einer Winterdepression häufig zum Einsatz. Der Patient sitzt dabei vor einem Lichtapparat mit sechs oder mit acht Leuchtstoffröhren, welches fluoreszierendes Licht (ohne ultraviolettem Anteil) sendet. In seiner Intensität entspricht das ausgesendete Licht etwa dem Licht eines hellen Frühlingstages und beeinflusst bestimmte Strukturen im Gehirn positiv. Die tägliche empfohlene Dauer der Lichttherapie beträgt zwischen einer halben Stunde und vier Stunden. Dem Einsatz dieser und anderer Maßnahmen sollte immer ein ärztliches Gespräch vorausgehen.

Prognose

Die Heilungschancen sind gut. Die meisten depressiven Episoden bilden sich – bei entsprechender Behandlung – innerhalb weniger Monate zurück, 15 bis 20% der Fälle weisen jedoch eine Dauer von mindestens 12 Monaten auf.

Was man bei einer Depression selbst tun kann

  • Bewegung: Sport und/oder Spaziergänge an der frischen Luft wirken sich sehr positiv auf den Gemütszustand aus.
  • Ernährung: Gesunde und ausgewogene Ernährung beeinflusst nicht nur die körperliche Gesundheit positiv, sondern kann sich auch günstig auf die Stimmungslage auswirken.
  • Gesellschaft: Wer seine Freizeit aktiv gestaltet, Zeit mit der Familie und mit Freunden verbringt und sich nicht zurückzieht, tut sich selbst etwas Gutes.
  • Neues ausprobieren: Es gibt viele Möglichkeiten, um die Seele zu verwöhnen, so z.B. Massagen, Yoga, Sauna oder ein anderes Wohlfühlprogramm, welches Entspannung fördert und hilft Stress abzubauen.
  • Konsequent bleiben: Antidepressiva sollten nicht selbst abgesetzt werden, sobald sich die Stimmung hebt. Regelmäßige Arztbesuche und Therapiesitzungen sind wichtig für einen langanhaltenden Therapieerfolg.

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Autor:
Quellen:
Was ist eine Depression, Psychiater im Netz, https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/erkrankungen/depressionen/was-ist-eine-depression/; Zugriff: 6.10.2021

Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD, englisch International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), ICD-10, Version 2019, World Health Organization

Ass.-Prof. Dr. Brigitte Schmid-Siegel, Abteilung für Sozialpsychiatrie, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Medizinische Universität Wien; Die postpartale Depression, Spectrum Psychiatrie 03/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Univ.-Prof. DDr. Hans-Peter Kapfhammer, Universitätsklinik für Psychiatrie, Medizinische Universität Graz; „Organische Depression“ versus komorbide Depression bei somatischen Krankheiten, neuro Supplementum 03/2015, Österreichische Gesellschaft für Neurologie

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. mult. Florian Holsboer, CEO der HMNC GmbH, München; Depression: personalisierte Therapie, Clinicum Neuropsy 06/2014, Medizin Medien Austria GmbH

Univ.-Prof. DDr. Gabriele Sachs, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Wien; Kognition bei Depression, Clinicum Neuropsy 04/2014, Medizin Medien Austria GmbH

O. Univ.-Prof. Dr. h.c. mult. Dr. Siegfried Kasper, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Wien; Unipolare Depression, Clinicum Neuropsy 05/2011, Medizin Medien Austria GmbH
ICD-10: F32.0, F32.1, F32.2, F32.3, F32.8, F32.9