Junge Frau mit Winterdepression
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Winterdepression – Definition, Symptome, Behandlung

Die Winterdepression, eine saisonal auftretende Form der Depression, beginnt in den Herbstmonaten und verschwindet im Frühjahr, wenn die Tage wieder heller und länger werden. Sie macht u.a. durch Symptome wie gedrückte Stimmungslage, Antriebslosigkeit und vermehrtes Schlafbedürfnis bemerkbar.

Factbox – Winterdepression

Winterdepression: Saisonal auftretende Form der Depression

Ursachen: Mangel an natürlichem Tageslicht, verkürzte Sonneneinstrahlung, verminderte Lichtintensität

Symptome: Gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Unausgeglichenheit, Gereiztheit, verringerte Leistungsfähigkeit, Energiemangel, Vernachlässigung sozialer Kontakte, vermehrtes Schlafbedürfnis, morgendliche Müdigkeit, vermehrtes Verlangen nach Süßem – Gewichtszunahme

Behandlungsmöglichkeiten: Lichttherapie, medikamentöse Therapie mit Antidepressiva, Psychotherapie, Bewegung im Freien

Was ist eine Winterdepression?

Die Depression ist eine weit verbreitete psychische Erkrankung, unter welcher nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit über 350 Millionen Menschen leiden. Im Vordergrund der Erkrankung stehen u.a. gedrückte Stimmung, Interessen-, Freud- und Antriebslosigkeit.

Hierbei handelt es sich um Symptome, die wohl jeder Mensch kennt – fast jeder erlebt gelegentlich Phasen der Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, inneren Erschöpfung oder Freudlosigkeit, beispielsweise in Verbindung mit privaten und beruflichen Enttäuschungen und belastenden Ereignissen, in Folge einer Trennung, eines Verlusts oder einer anderen Stresssituation. Derartige Stimmungstiefs sind eine Reaktion der Psyche auf gewisse Erlebnisse und völlig normal, im Regelfall hellt die Stimmung nach einer gewissen Zeit auch wieder auf. Von einer behandlungsbedürftigen Depression ist die Rede, wenn die Symptome eine bestimmte Zeitdauer und Intensität überschreiten. Wesentliche Merkmale einer Major Depression – die häufigste Form depressiver Störungen – sind über mindestens zwei Wochen andauernde typische Symptome der Depression, hinzu kommen weitere von Mensch zu Mensch verschiedene Symptome wie Schlafstörungen, Konzentrationsstörungen, Energieverlust, Verlust des Selbstwertgefühls und andere. Mehr zum Thema Depression erfahren Sie hier.

Es werden verschiedene Formen der Depression unterschieden, darunter die bereits erwähnte Major Depression (auch unipolare Depression genannt), die bipolare Depression, die prä- und postnatale Depression (während der Schwangerschaft und im Jahr nach der Geburt) und die Winterdepression.

Die Winterdepression ist also eine von mehreren Formen der Depression. Es handelt sich um eine saisonal auftretende Depressionsform (Seasonal Affective Disorder, SAD), die zumeist in den Herbstmonaten bzw. im Winter beginnt und in den Frühjahrsmonaten wieder verschwindet. Die saisonal bedingte Depression kommt häufiger in Ländern mit kürzeren Tagen und längeren Phasen der Dunkelheit vor, in südlicheren Ländern mit milderem Winter leiden weniger Menschen unter Winterdepressionen als in kälteren Klimazonen. Frauen sind häufiger von einer Winterdepression betroffen als Männer.

Ursache und Auslöser

Ursache für die saisonal auftretende Depressionsform ist ein Mangel an natürlichem Tageslicht in Kombination mit der verkürzten Sonneneinstrahlung, der verminderten Lichtintensität im Winter und den abfallenden Temperaturen.

Sehr wahrscheinlich ist, dass der Neurotransmitter Serotonin und die Funktion der Zirbeldrüse des Gehirns an der Entwicklung einer Winterdepression beteiligt sind. Serotonin, häufig auch als „Glückshormon“ bezeichnet, hebt die Laune und spielt in Zusammenhang mit unserer Stimmung eine wichtige Rolle. In der Zirbeldrüse, einem kleinen Organ in einem Teil des Zwischenhirns, wird aus Serotonin das Hormon Melatonin („Schlafhormon“) produziert, welches den Tag-Nacht-Rhythmus/Schlafrhythmus steuert. Wird für die Melatoninproduktion Serotonin umgewandelt, sinkt der Serotoninspiegel.

Fällt im Herbst und im Winter zu wenig Licht auf die Netzhaut vom Auge, produziert die Zirbeldrüse tagsüber mehr Melatonin, welches die Laune trübt, und dem Gehirn fehlt Serotonin – durch die Nervenverbindung zwischen Auge bzw. Netzhaut und Zirbeldrüse erhält die Zirbeldrüse das Signal, dass es an Licht mangelt, wodurch die Produktion des Schlafhormons angeregt wird. Es wird vermehrt Melatonin ausgeschüttet, was dazu führt, dass die innere biologische Uhr außer Balance gerät und die Stimmung sinkt.

Symptome – wie äußert sich eine Winterdepression?

Das Gehirn versucht den Serotoninmangel auszugleichen. Zucker und Süßes helfen, dem Gehirn wieder mehr Serotonin zur Verfügung zu stellen, weswegen Betroffene zumeist ein vermehrtes Verlangen nach Süßem haben (Kohlenhydtratheißhunger), was häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden ist. Weitere charakteristische Symptome einer Winterdepression sind gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Energiemangel, Unausgeglichenheit, verringerte Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz, Vernachlässigung sozialer Kontakte, vermehrtes Schlafbedürfnis und morgendliche Müdigkeit.

Die Auflistung der hier angeführten Anzeichen und Symptome kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei einer Winterdepression auftreten. Eine mögliche Winterdepression sollte nicht selbst diagnostiziert, sondern stets ärztlich abgeklärt werden.

Diagnose der Winterdepression

Besonderheiten einer Winterdepression sind das Auftreten der Beschwerden ab Herbst/Winterbeginn, Abklingen der Beschwerden in den Frühjahrsmonaten, depressive Stimmungslage, die sich im Verlauf vom Winter weiter steigern kann und – im Gegensatz zur Major Depression, bei welcher es zumeist zu Schlafstörungen, Appetit- und Gewichtsverlust kommt – verstärktes Schlafbedürfnis und Heißhunger. Ein wiederkehrender Rhythmus dieser Beschwerden im Winter ist ausschlaggebend für die Diagnose.

Von der Winterdepression abzugrenzen ist der leichte „Winter Blues“, bei welchem zwar auch eine schlechtere Laune und Antriebslosigkeit vorliegen, richtig depressiv sind Betroffene allerdings nicht. Bei trüber Stimmungslage ist es ratsam, einen Facharzt für Psychiatrie/Neurologie und Psychotherapeutische Medizin aufzusuchen. Der Arzt kann einen Winter Blues von einer echten Winterdepression unterscheiden und andere mögliche Ursachen für die Beschwerden ausschließen.

Die Diagnose einer Winterdepression wird gestellt, wenn sich die charakteristischen Beschwerden in zwei Jahren wiederholen und es zwischenzeitlich nicht zu einer anderen depressiven Episode kommt. Der Arzt führt ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten, eine körperliche Untersuchung (Blutuntersuchung, Ultraschall u.a.) helfen, eine andere mögliche Ursache für die Beschwerden, beispielsweise einen Nährstoffmangel oder eine Schilddrüsenfehlfunktion, auszuschließen.

Behandlung

Bei getrübter Stimmungslage und Antriebslosigkeit ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Liegt eine Winterdepression vor, kann sich die depressive Stimmungslage im Verlauf des Winters verschlimmern und dazu führen, dass die emotionale Befindlichkeit, Leistungsfähigkeit und Lebensqualität eingeschränkt werden.

Für die Behandlung einer Winterdepression stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, allen voran die Lichttherapie. Hierbei handelt es sich um eine wirkungsvolle Therapie zur Milderung der Beschwerden mittels Zufuhr von UV-Licht („Lichtdusche“). Im Rahmen der Lichttherapie sitzen Patienten vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang vor einem Apparat mit Leuchtstoffröhren bzw. einer speziellen Lichtquelle, deren Lichtintensität am Auge eine Beleuchtungsstärke von mindestens 2.500 Lux hat. Durch diese Lichtdusche wird der Tag künstlich verlängert. Bei einer Lichtquelle mit etwa 2.500 Lux sollte das Lichtgerät jeweils maximal eine Stunde wirken, bei einer Lichtquelle mit einer Intensität von etwa 10.000 Lux sind 30 Minuten Lichtdusche täglich ausreichend. In vielen Fällen zeigt sich bereits nach einigen Tagen Lichttherapie eine Verbesserung der Stimmung.

Weiters kann eine medikamentöse Therapie mit Antidepressiva erfolgen. Bewährt haben sich sogenannte Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI). Auch eine Psychotherapie kann bei einer Winterdepression helfen.

Selbsthilfe und Vorbeugen einer Winterdepression

  • Getrübte Stimmung, Antriebslosigkeit, Traurigkeit und andere Gefühle ernst nehmen und nicht runterspielen.
  • Viel Bewegung im Freien, auch bei schlechtem Wetter – Licht hilft bei einer Winterdepression, regelmäßige Bewegung und frische Luft wirken sich positiv auf den Stoffwechsel und die Psyche aus.
  • Unter Umständen kann es sinnvoll sein, bereits zu Herbstbeginn mit einer Lichttherapie zu beginnen.
  • Eine ausgewogene und nährstoffreiche Ernährung stärkt das Immunsystem und fördert die Stimmung.
  • Johanniskraut: Johanniskraut ist eine Heilpflanze, die gegen leichte bis mittelschwere depressive Verstimmungen wirkt. Zudem steigert Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit. Vor der Anwendung eines natürlichen Heilmittels ist ein ärztliches Gespräch ratsam.
  • Ein zu niedriger Vitamin D-Spiegel im Blut kann sich negativ auf die Stimmung auswirken; vor allem in sonnenärmeren Monaten kommt es in unseren Breitengraden häufig zu einem Vitamin D-Mangel. Nach einer Überprüfung des Vitamin D-Status kann die ergänzende Einnahme eines Vitamin D-Präparats sinnvoll sein.
  • Auf regelmäßige Entspannung und Reduktion von Stress achten.
  • Aktivtäten mit der Familie und Freunden; sozialem Rückzug widerstehen

Doering S. et al.; Depression – Medikamentöse Therapie, CliniCum Neuropsy, Konsensus-Statement – State of the art, Sonderausgabe 11/2012, Medizin Medien Austria GmbH

Licht für die Seele, Apotheker Krone 20/2012, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Beesdo-Baum K. et al.; Depressive Störungen: Major Depression und Dysthymie, in: Wittchen H.-U., Hoyer J. (Hrsg.), Klinische Psychologie & Psychotherapie, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2011

Bonifer R.; Lichttherapie gegen Winterdepression, ARS Medici 18/2010, Rosenfluh Publikationen AG

Wirz-Justice A. et al.; Lichttherapie – nicht nur bei Winterdepression, Schweizer Zeitschrift für Psychiatrie & Neurologie 01/2008, Rosenfluh Publikationen AG

Serotoninmangel im Gehirn erklärt Winterdepression, Deutsches Ärzteblatt, Stand: 02.09.2008, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/33558/Serotoninmangel-im-Gehirn-erklaert-Winterdepression

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