Eichenprozessionsspinner Ausschlag
Foto: Nicole Lienemann/shutterstock

Eichenprozessionsspinner

Während der Eichenprozessionsspinner an sich ein harmloser Schmetterling ist, sind seine Raupen gesundheitsgefährdend. Ihre feinen Brennhaare sind giftig und können zu stark juckenden Hautausschlägen, Bindehautentzündungen bzw. bei Einatmen zu schweren Asthmaanfällen führen. Dazu müssen die Raupen nicht einmal berührt werden. Wenn ihre Haare abbrechen, werden sie durch den Wind in der Luft übertragen.

Factbox – Eichenprozessionsspinner

Merkmale: Anfangs gelbliche, später dunkelbraune, bis zu 5 cm lange Raupen mit vielen hellen Haaren.
Lebensraum: V.a. Eichen, aber auch Kiefern und Hainbuchen.
Gefahr: Die Brennhaare der Raupen sind giftig für Mensch und Tier und können Allergien und Asthma auslösen. Diese feinen Härchen können mit dem Wind über weite Strecken getragen werden und stellen so auch eine Gefahr da, wenn man sich nicht in unmittelbarer Nähe der befallenen Bäume befindet.
Was tun bei Befall: Behörden kontaktieren. Auf keinen Fall die Nester oder Raupen berühren!

Was ist ein Eichenprozessionsspinner?

Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein unauffälliger, braungrauer Nachtfalter, der in Eichenwäldern in Süd- und Mitteleuropa beheimatet ist. Er kommt allerdings auch in Parks und Gärten vor. Durch den Klimawandel ist er in immer nördlicheren Gebieten zu finden. Wie der Name des Falters schon sagt, werden vor allem Eichen befallen. Nur wenn zu viele Artgenossen vor Ort sind, weichen sie auf andere Bäume wie Kiefern oder Hainbuchen aus.

Vor allem im Juli und August findet die Paarung der Falter statt. Anschließend legen die Weibchen etwa 200 Eier auf einmal. Zum Schutz vor Feinden legen die Falter ihre Eier in Nestern am Stamm oder in Astgabeln ab. Daraus schlüpfen im Frühjahr während des Blattaustriebs die Eichenprozessionsspinner-Raupen.

Eichenprozessionsspinner Raupe
Foto: JD Fotografiert/shutterstock

Diese sind anfangs gelblich, später werden sie dunkelbraun, sind ist etwa drei bis fünf Zentimeter lang und sehr stark mit hellen Haaren behaart. Aus ihrem Nest wird nach und nach ein Gespinst zum Schutz vor Fressfeinden. Die Raupen verlassen dieses nur nachts in einer prozessionsartigen Linie – daher auch der Name – zur Futtersuche.

Verwechslungsgefahr besteht mit den harmlosen Gespinstmotten. Deren Raupen sind ebenfalls stark behaart, allerdings sind ihre Körper gelblich-weiß und ihre Nester sind zwischen Ästen und Blättern (und nicht anliegend am Stamm) zu finden.

Die natürlichen Feinde der Raupen sind einige Vogelarten wie die Meise und der Kuckuck, der die Larven sogar noch essen kann, wenn sie bereits die gefährlichen Brennhaare ausgebildet haben. Auch Schlupfwespen, Raupenfliegen und einige Käfer sind Fressfeinde. Der Falter wird von Fledermäusen und Vögeln, die gerne Falter fressen, gejagt.

Warum ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners verpuppen und häuten sich sechsmal, bis sie zum Falter werden. Ab dem dritten Larvenstadium, das sie Ende Mai erreichen, werden die für Mensch und Tier gefährlichen Brennhaare gebildet. Dabei handelt es sich nicht um die gut sichtbaren, langen weißen Haare, sondern um kaum sichtbare Härchen der Raupe. Diese haben Widerhaken und können sich so gut in Kleidung und Haut verankern.

In den Brennhaaren befindet sich das Nesselgift Thaumetopoein, das Immunreaktionen in Form von Ausschlag, Bindehautentzündung bis Asthma hervorruft. Diese Härchen brechen leicht ab und können über den Wind über Strecken von bis zu 200 m getragen werden, sich aber auch im Unterholz oder Gewächsen ablegen. Das darin enthaltene Nesselgift kann Monate bis Jahre aktiv bleiben.

Wie sieht der Ausschlag aus?

Raupendermatitis Eichenprozessionsspinner
Foto: Daniel Ullrich, Threedots

Die Raupendermatitis, die nach dem Kontakt mit den Brennhaaren Eichenprozessionsspinners auftreten kann, sieht auf den ersten Blick ähnlich wie Stiche von Bettwanzen aus. Typische Anzeichen sind starker Juckreiz, Hautrötungen, Quaddeln und Pusteln. Diese treten v.a. auf Körperstellen wie Gesicht, Nacken und Armen auf, die zum Zeitpunkt des Kontakts unbedeckt waren. Die feinen Härchen finden aber auch ihren Weg auf die Haut, wenn weite, luftige Kleidung getragen wurde.

Gelangen die Härchen in die Augen, können sie zu einer Bindehautentzündung (Konjunktivitis) führen.

Durch das Einatmen der Brennhaare kann es zu Husten und sogar Asthmaanfällen kommen. Anaphylaktische Schocks sind zwar nicht die Regel, sind aber ebenfalls schon vorgekommen.

Was tun, wenn man in Kontakt mit Eichenprozessionsspinnern gekommen ist?

Sollten Sie in Gebieten unterwegs gewesen sein, in denen Eichenprozessionsspinnern vorgekommen sind, sollten Sie folgende Sofortmaßnahmen ergreifen:

  • Ziehen Sie ihre Kleidung möglichst noch vor Betreten der Wohnung/des Hauses aus und waschen Sie sie bei 60 Grad Celsius, um das Nesselgift zu zerstören.
  • Reinigen Sie auch Ihre Schuhe außerhalb des Hauses – dabei Handschuhe tragen!
  • Duschen Sie sich gründlich und waschen Sie auch Ihre Haare.
  • Spülen Sie Ihre Augen mit kaltem Wasser aus.
  • Bei Ausschlägen und Bindehautentzündung wenden Sie sich bitte an Ihre/n Ärztin/Arzt. Es gibt Antihistaminika, Kortikosteroide und Augentropfen, die gegen die Beschwerden helfen können.
  • Bei Atembeschwerden sollten Sie ärztliche Hilfe bzw. eine Notfallambulanz aufsuchen.

(Vorbeugende) Maßnahmen gegen Eichenprozessionsspinner

Sollten Sie die Raupen des Eichenprozessionsspinners bei Ihnen im Garten finden, versuchen Sie nicht, diese selbst zu entfernen. Dadurch könnten Sie in Kontakt mit den giftigen Brennhaaren kommen! Außerdem dürfte ein Nest weder im Rest- noch im Biomüll entsorgt werden.

Besser ist es, professionelle Schädlingsbekämpfer zu rufen, die die geeignete Schutzausrüstung haben und wissen, wie die Raupen beseitigt werden können. Mögliche Sofortmaßnahmen bei einem Befall sind:

  • Absperren des betroffenen Gebiets
  • Absaugen mit speziellen Saugern
  • Abflammen

Die Kosten für die Entfernung muss allerdings der/die GrundstücksbesitzerIn selbst tragen.

Eine behördliche Meldepflicht besteht nicht. Wird aber ein Nest nicht selbst bemerkt, jedoch von z.B. Anrainern entdeckt und gemeldet, muss die zuständige Behörde dessen Vernichtung anordnen. Die Kosten trägt wiederum der/die GrundstücksbesitzerIn.

Auch der Einsatz von biotechnischen Mitteln kann sinnvoll zur Bekämpfung der Raupen sein. Allerdings müssen diese schon in frühen Stadien des Befalls eingesetzt werden, da ihre Wirkung erst zeitverzögert einsetzt.

 

Nabu, Wie gefährlich sind Eichenprozessionsspinner?, https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/schmetterlinge/nachtfalter/28380.html

Geo, Eichenprozessionsspinner: Was Sie über die giftigen Raupen wissen sollten, https://www.geo.de/wissen/gesundheit/21388-rtkl-giftige-raupen-das-sollten-sie-ueber-eichen-prozessionsspinner-wissen

Stadt Wien, Eichenprozessionsspinner – Schutzmaßnahmen und Meldung, https://www.wien.gv.at/gesundheit/strukturen/gesundheitsrecht/eichenprozessionsspinner.html

Das Land Steiermark, Eichenprozessionsspinner, https://www.agrar.steiermark.at/cms/beitrag/10435343/12110572/

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