Nasenbluten

Nasenbluten

Stand: August 2021

Da die Schleimhaut der Nase stark durchblutet ist und die feinen Gefäße leicht einreißen, kann es zu Blutungen aus einem oder beiden Nasenlöchern kommen. Das ist meist harmlos, kann aber bei wiederholtem Auftreten auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen. Bei besonders starken Blutungen, sichtbaren Verletzungen oder bei Blutungen, die sich nach 20 Minuten nicht stoppen lassen, droht hoher Blutverlust und man sollte eine Notaufnahme aufsuchen.

Factbox

Definition: Blutung aus einem oder beiden Nasenlöchern.

Synonym: Nasenbluten, Epistaxis

Ursachen: - lokal: kräftiges Schnäuzen oder Nasenbohren bei vorgeschädigter Nasenschleimhaut, äußere Einwirkung (Schlag, Sturz, Fremdkörper im Nasenloch), Veränderungen an der Nasenscheidewand (Abszess, kleine Risse oder Löcher in der Nasenscheidewand, Tumor);
- systemisch: bei Nierenerkrankungen, Bluthochdruck, fieberhaften Infektionen, Erkältungskrankheiten, Allergien, Bluterkrankheit, Leukämie, angeborener Funktionsstörung der Blutplättchen, Morbus Osler; bei Medikamenteneinnahme (Blutverdünner, Kumarine); bei starken Wachstumsschüben; in der Schwangerschaft

Sofortmaßnahmen: aufrecht hinsetzen oder zumindest den Kopf hochlagern, Kopf nach vorne hängen lassen, Zusammendrücken der Nasenflügel für einige Minuten

Therapie beim Arzt: Verödung der Blutgefäße und Nachbehandlung mit Salbe, Tamponade, Clip, operativer Eingriff, Behandlung der Grunderkrankung

Wie kommt es zu Nasenbluten?

Nasenbluten (Epistaxis) ist ein sehr häufiges und oft harmloses Gesundheitsproblem. Etwa 60 Prozent der Menschen sind davon betroffen, dass es plötzlich aus einem oder – seltener – auch aus beiden Nasenlöchern blutet. Das liegt daran, dass die Schleimhaut der Nase wie alle anderen Schleimhäute stark durchblutet ist und die feinen Gefäße dort leicht einreißen können, zum Beispiel dann, wenn die Nasenschleimhaut wegen einer Erkältung oder feuchtigkeitsarmer Heizungsluft ausgetrocknet ist, und man dann in der Nase bohrt oder sich kräftig schnäuzt. Die meisten Blutungen entstehen im vorderen Teil der Nase, dem so genannten Locus Kießelbachi und sind meist harmlos. Gefährliche Blutungen entstehen eher im hinteren Teil der Nase.

Experten unterscheiden lokale und systemische Ursachen von Epistaxis.

Lokale Ursachen:

  • kräftiges Schnäuzen oder Nasenbohren: Nasenbluten, das so ausgelöst wird, wird häufig durch eine vorgeschädigte Nasenschleimhaut begünstigt. Dazu kommt es zum Beispiel durch überheizte Räume, Klimaanlagen, Allergien oder die zu häufige Verwendung von Nasentropfen oder -sprays. Ist die Schleimhaut stark geschädigt, kann es auch zu Blutungen ohne ersichtlichen Auslöser kommen.
  • äußere Einwirkung: Ein Schlag oder Sturz kann auch dann, wenn das Nasenbein bzw. die Nasenscheidewand nicht gebrochen ist, Nasenbluten auslösen. Auch wenn ein Fremdkörper in die Nase gesteckt wird, was Kleinkinder oft tun, kann das die Nasenschleimhaut verletzen und die Ursache für die Epistaxis sein.
  • Veränderungen an der Nasenscheidewand: Das können etwa ein Abszess (Eiteransammlungen) oder kleine Risse bzw. Löcher in der Nasenscheidewand sein.
  • Tumor: In seltenen Fällen kann ein gut- oder bösartiger Tumor in der Nasenhöhle oder in der Nasennebenhöhle die Ursache für wiederholtes Nasenbluten sein.

Systemische Ursachen: 

  • Nasenbluten als Symptom einer Erkrankung: Vor allem Nierenerkrankungen und Gefäß-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Arteriosklerose können Nasenbluten auslösen. Auch fieberhafte Infektionen wie Grippe oder Masern führen zu einer verstärkten Durchblutung der Schleimhäute und können daher Epistaxis verursachen. Durch Erkältungskrankheiten und Allergien kann sich die Nasenschleimhaut entzünden, und das kann ebenfalls zu Nasenbluten führen. Schließlich neigen auch Patienten, die unter der Bluterkrankheit, Leukämie, einer angeborenen Funktionsstörung der Blutplättchen oder der seltenen Gefäßerkrankung Morbus Osler leiden, zu Nasenbluten.
  • Nasenbluten aufgrund einer Medikamenteneinnahme: Medikamente, die die Blutgerinnung im Körper hemmen, umgangssprachlich Blutverdünner genannt, führen zu erhöhter Blutungsneigung und daher manchmal auch zu Epistaxis. Solche Medikamente sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure und die Wirkstoffgruppe der Kumarine, die den Spiegel des Vitamin K, das zur Blutgerinnung benötigt wird, im Körper senken.
  • Nasenbluten aufgrund starker Wachstumsschübe: Bei Kindern und Jugendlichen kommt es oft auch ohne Fremdeinwirkung zu Blutungen im vorderen Teil der Nase. Das ist meist völlig harmlos.
  • Nasenbluten in der Schwangerschaft: Ebenfalls ungefährlich ist das Nasenbluten bei schwangeren Frauen. Es hat seine Ursache in der stärkeren Durchblutung aller Schleimhäute in der Schwangerschaft.

Wichtig zu wissen ist, dass man bei besonders starken Blutungen, bei sichtbaren Verletzungen der Nase oder bei Blutungen, die sich auch nach 20 Minuten (bei Kindern mit anhaltendem Nasenbluten noch früher) nicht stoppen lassen, die nächste Notaufnahme aufsuchen sollte, da der hohe Blutverlust sonst lebensbedrohlich sein könnte.

Sofortmaßnahmen bei Nasenbluten

Viele Menschen glauben irrtümlich, dass man bei Nasenbluten den Kopf in den Nacken legen soll. Das ist jedoch kontraproduktiv und kann sogar gefährlich werden, denn dadurch läuft das Blut nach hinten in den Rachenraum und durch die Speiseröhre in den Magen, was zu Übelkeit und Erbrechen führen kann. Zudem besteht die Gefahr, dass Blut in die Atemwege gerät.

Die richtige Vorgangsweise besteht darin, sich aufrecht zu setzen oder zumindest den Kopf hochzulagern, um den Blutdruck im Kopf zu verringern, und den Kopf nach vorne hängen zu lassen. Effektiv ist auch das Zusammendrücken der Nasenflügel für einige Minuten. Wenn sich die Blutung so nicht innerhalb von 20 Minuten (bei Kindern schon früher) stoppen lässt, muss man zum Arzt. Das gilt auch, wenn die Blutung außergewöhnlich stark ist oder wenn die Nase sichtbar verletzt ist.

Ein Arztbesuch ist auch dann angezeigt, wenn es aus dem oberen Teil der Nase blutet. Das merkt man daran, dass das Blut nicht vorne aus der Nase, sondern hauptsächlich hinten den Rachen hinunter läuft. Der Notarzt muss gerufen werden, wenn nach einer Schädelverletzung helle Flüssigkeit aus der Nase rinnt. Das könnte Hirnflüssigkeit sein. Bei wiederholtem Nasenbluten sollte man den HNO-Arzt konsultieren, um eine Abklärung durchführen zu lassen.

Behandlung von Nasenbluten beim Arzt

Bei einer leichten, eindeutig lokalisierbaren Blutung im vorderen Nasenbereich werden die Blutgefäße mit einer Säureätzung oder mit einer Elektro- oder Laserkoagulation verödet. Die Nachbehandlung des Naseninnenraums erfolgt mit einer Salbe. Gelingt das Stoppen der Blutung so nicht, wird beidseitig eine Tamponade mit salbengetränkten Gaze-Streifen oder Schaumstoff gelegt oder ein aufblasbarer Katheter aus Silikon eingeführt. So entsteht Druck auf die Blutgefäße und der Druck auf die Nasenscheidewand ist nicht einseitig.

Bei Nasenbluten aus dem hinteren Bereich und dem Nasen-Rachen-Raum wird häufig eine so genannte hintere Tamponade gelegt. Vordere Tamponaden, die länger als zwei Tage in der Nase bleiben, und hintere Nasen-Tamponaden bergen eine gewisse Infektionsgefahr. Deshalb wird dabei prophylaktisch ein Antibiotikum gegeben.
Bei heftigen, unstillbaren Blutungen aus dem oberen Nasenbereich können in letzter Konsequenz die versorgenden Gefäße mit einem Clip unterbunden oder verschlossen werden. Bei starkem Blutverlust und Kreislauf-Problemen braucht es eventuell eine Infusion oder sogar eine Bluttransfusion.

Was immer wiederkehrende Blutungen betrifft, so muss meist ein operativer Eingriff zum Einsatz kommen. Ist die Ursache der Epistaxis systemisch, so muss die Grunderkrankung behandelt werden, um langfristige Besserung zu erzielen. Wenn das Nasenbluten zum Beispiel durch Bluthochdruck verursacht wird, müssen blutdrucksenkende Mittel gegeben werden. Werden Blutungen durch eine Blutgerinnungsstörung verursacht, können Medikamente die Blutung stoppen.

An wen kann man sich wenden? 

Nasenbluten kann in vielen Fällen vom Hausarzt, oder im Akutfall, vom Notarzt versorgt werden. Wenn sich die Blutung nicht durch eine einfache Nasenflügelkompression stoppen lässt oder wenn die Blutungen immer wieder – etwa mehrmals pro Woche – auftreten, kann man sich auch an den HNO-Arzt wenden.

Autor:
Quellen:
Beck R, Sorge M, Schneider A, Dietz A: Current approaches to epistaxis treatment in primary and secondary care. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 12–22. DOI: 10.3238/arztebl.2018.0012
https://www.aerzteblatt.de/archiv/195549/Therapiekonzepte-der-Epistaxis-in-Praxis-und-Klinik, abgerufen Juni 2021

https://www.hno-aerzte-im-netz.de/krankheiten/nasenbluten/definition-und-haeufigkeit.html, abgerufen Juni 2021

https://www.amboss.com/de/wissen/Epistaxis, abgerufen Juni 2021

Witte, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen. Thieme 2006, http://www.hno-krankheiten.info/bilder/PDF/Nasenbluten.PDF, abgerufen Juni 2021
ICD-10: R04.0

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