Leukämie – Definition, Formen, Häufigkeit, Behandlung

Leukämie – Definition, Formen, Häufigkeit, Behandlung

Stand: März 2019
Leukämie Zelle 3D Illustration

Wie entsteht Leukämie?

Unser Blut besteht etwa zur Hälfte aus Flüssigkeit, dem Blutplasma, und zur Hälfte aus festen, zellulären Bestandteilen. Letztere werden zum größten Teil im roten Knochenmark gebildet, das sich im Inneren der Knochen befindet. Sie sind für unterschiedliche Aufgaben zuständig

  • die roten Blutkörperchen oder auch Erythrozyten für den Sauerstofftransport
  • die weißen Blutkörperchen oder auch Leukozyten für die Abwehr von Krankheitserregern
  • und die Blutplättchen oder auch Thrombozyten für die Blutgerinnung.

Die Bildung der Blutkörperchen erfolgt in einem komplizierten Prozess in zahlreichen Schritten. Aus den so genannten „Stammzellen“ entwickeln sich „Vorläuferzellen“. Das sind einerseits die „lymphatischen Zellen“ und andererseits die „myeloischen Zellen“. Aus Ersteren werden in der Folge Lymphozyten, das ist eine Unterart der weißen Blutkörperchen. Aus Letzteren entstehen rote Blutkörperchen und Blutplättchen sowie Granulozyten und Monozyten, das sind weitere Unterarten der weißen Blutkörperchen.
Bei einer Leukämie geraten die Regelkreise aus dem Gleichgewicht, welche die Bildung dieser Bestandteile des Blutes steuern. Es wird ein Übermaß an weißen Blutkörperchen gebildet, die zudem nicht vollständig heranreifen. Das sind die so genannten „Blasten“. Gleichzeitig werden die funktionstüchtigen Blutzellen von den Blasten verdrängt.
Die Ursachen von Leukämien sind nicht geklärt. Es gibt jedoch wissenschaftliche Belege dafür, dass verschiedene Einflüsse die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an einer Leukämie zu erkranken. Dazu zählen Belastungen durch radioaktive und Röntgen-Strahlen sowie durch bestimmte chemische Substanzen, wie etwa Benzol. Weiters wurde festgestellt, dass das Risiko für Leukämie erhöht ist, wenn in der Familie schon häufiger bösartige Erkrankungen aufgetreten sind.

Welche Formen von Leukämie gibt es?

Bei Leukämie oder umgangssprachlich „Blutkrebs“ ist der komplizierte Prozess der Blutbildung gestört. Weiße Blutkörperchen oder auch „Leukozyten“ vermehren sich unkontrolliert und reifen nicht vollständig heran. Je nachdem welcher Entwicklungsschritt betroffen ist, entstehen unterschiedliche krankhafte Zellen, und es wird zwischen lymphatischer und myeloischer Leukämie unterschieden. Zudem gibt es verschiedene Formen des Krankheitsverlaufs. Leukämie kann akut, also plötzlich auftreten und schnell lebensbedrohlich werden. Sie kann aber auch chronisch verlaufen, also nach und nach entstehen und dabei oft lange Zeit unbemerkt bleiben.
Davon ausgehend können im Wesentlichen vier Formen der Leukämie unterschieden werden:

Akute lymphatischen Leukämie (ALL)

Bei einer „akuten lymphatischen Leukämie“ oder kurz ALL werden rasch zu viele unreife, nicht funktionsfähige Lymphozyten gebildet. Wenn ein Kind oder ein Jugendlicher an Leukämie erkrankt, handelt es sich häufig um diese Form der Blutkrankheit. Pro Jahr sind in Österreich circa 60 Kinder und Jugendliche von einer akuten lymphatischen Leukämie betroffen. Heutzutage können mehr als 90 Prozent von ihnen dauerhaft geheilt werden. Die ALL macht auch etwa ein Drittel aller Krebserkrankungen von Kindern und Jugendlichen aus.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Die akute myeloische Leukämie hat einen Anteil von etwa 80 Prozent an allen akut auftretenden Leukämien bei Erwachsenen. Es gibt verschiedene Subtypen. Prinzipielles Kennzeichen der AML ist jedoch, dass sich beim Prozess der Blutbildung myeloische Vorläuferzellen krankhaft verändern. Diese so genannten „myeloischen Blasten“ reifen nicht zu funktionsfähigen Blutzellen heran.

Chronische myeloische Leukämie (CML)

Bei der chronischen myeloischen Leukämie sind ebenfalls myeloische Vorläuferzellen von der Krebserkrankung betroffen. Für CML ist zudem eine bestimmte Veränderung der Erbanlagen charakteristisch. Bei über 90 Prozent der Patienten kann das so genannte „Philadelphia-Chromosom“ nachgewiesen werden.

Chronisch lymphatische Leukämie (CLL)

Bei einer chronischen lymphatischen Leukämie verändern sich reife Lymphozyten. Da sich diese normalerweise in den Lymphknoten und im Gewebe befinden, wird die CLL von Fachleuten nicht den Leukämien sondern den „malignen Lymphomen“ zugeordnet, also den Formen von Lymphdrüsenkrebs.

Wie häufig ist Leukämie?

In Österreich erkranken laut dem Bericht „Krebserkrankungen in Österreich“ der Statistik Austria pro Jahr rund 40.000 Menschen an einer „malignen“ oder auch bösartigen Neubildung, also Krebs. Eine Leukämie wurde 2015 bei 1.025 Menschen diagnostiziert, das entspricht rund 2,5 Prozent aller Krebserkrankungen.
Die verschiedenen Formen von Leukämie treten in unterschiedlichen Altersgruppen unterschiedlich häufig auf. So gilt etwa die akute myeloische Leukämie (AML) als Erkrankung älterer Menschen. Die chronische myeloische Leukämie (CML) tritt ebenfalls vor allem im Erwachsenenalter auf, und auch das Risiko eine chronische lymphatische Leukämie (CLL) zu erleiden, erhöht sich mit zunehmenden Lebensalter. Patienten, bei denen eine CLL erstmals diagnostiziert wird, sind im Durchschnitt 72 Jahre alt. Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist hingegen bei Kindern unter 5 Jahren am häufigsten.

Welche Symptome bei Leukämie?

Es gibt vier unterschiedliche Formen der Leukämie. Diese sind durch einen unterschiedlichen Krankheitsverlauf gekennzeichnet, der akut oder chronisch sein kann. Außerdem sind entweder lymphatische oder myeloische Vorläuferzellen der zellulären Bestandteile des Blutes von der Krebserkrankung betroffen. Dementsprechend können unterschiedlichste Symptome auf eine Form der relativ seltenen schweren Erkrankung hinweisen. Dazu gehören unter anderem Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche, häufig auftretende Infektionen, eine erhöhte Blutungsneigung und Herzrasen sowie Blässe und Schwindel. Außerdem können bei einer Leukämie Gewichtsabnahme und Appetitverlust sowie Knochen- und Gelenkschmerzen auftreten. Lymphknotenschwellungen sind ebenfalls ein Symptom, das eine Form von Leukämie kennzeichnen kann, und das gilt auch für eine Vergrößerung von Milz und Leber.

Wie wird Leukämie diagnostiziert?

Wenn ein Verdacht auf Leukämie besteht, veranlasst die Ärztin oder der Arzt die notwendigen Untersuchungen. Diese umfassen neben der Anamnese, also dem Erfassen der Krankengeschichte, auch eine körperlichen Untersuchung sowie eine Analyse der Zusammensetzung des Blutes, ein so genanntes Blutbild. Im Weiteren können die Entnahme von Knochenmark und dessen histologische, also feingewebliche Analyse veranlasst werden. Moderne Laborverfahren wie die Immunphänotypisierung und zytogenetische Analysen ermöglichen es, genauer festzustellen, um welchen Typ von Leukämie es sich handelt. Das kann wesentlich sein, um die Therapie möglichst gut planen zu können.

Wie Leukämie behandeln?

Die Chemotherapie steht im Zentrum der Therapie von Leukämien. Das bedeutet, dass so genannte Chemotherapeutika oder Zytostatika angewendet werden. Dabei handelt es sich um zellwachstumshemmende Medikamente, die auf Zellen im ganzen Körper wirken. Sie wirken umso stärker, je schneller die Zellen wachsen. Durch die Chemotherapie sollen die Leukämiezellen vollständig zerstört oder möglichst weitgehend zurückgedrängt werden. Im Weiteren können je nach Form der Leukämie Bestrahlungen, Immuntherapien und Stammzelltransplantationen zielführend sein. Bei Letzterer werden gesunde Blutstammzellen von einem passenden Spender übertragen. Speziell bei chronischer myeloischer Leukämie (CML) können auch nur so genannte Tyrosinkinaseinhibitoren gegeben werden.

Wer behandelt Leukämie?

Erste Hinweise auf eine mögliche Leukämie findet häufig der Hausarzt oder Kinderarzt anhand von typischen Veränderungen des Blutbildes. Dieser überweist die Patientin oder den Patienten dann allenfalls an spezialisierte Fachärzte. Die Behandlung von Leukämien erfolgt letztlich durch Hämatologen und Onkologen. Das sind medizinische Expertinnen und Experten für Erkrankungen des Blutes sowie Krebs.

Fact-Box

Leukämie: oder auch „Blutkrebs“ ist eine bösartige Erkrankung, bei der die Bildung der weißen Blutkörperchen im Knochenmark gestört ist.

Ursache: Die Ursachen von Leukämien sind nicht geklärt. Verschiedene Einflüsse können jedoch die Wahrscheinlichkeit erhöhen, daran zu erkranken. Dazu zählen radioaktive und Röntgen-Strahlen sowie bestimmte chemische Substanzen, wie etwa Benzol.

Formen von Leukämie: Die vier Formen von Leukämie sind die „akutelymphatische Leukämie“, die akute myeloische Leukämie, die chronische myeloische Leukämie und die chronische lymphatische Leukämie.

Häufigkeit: 2015 wurde in Österreich bei 1.025 Menschen eine Leukämie diagnostiziert. Das entspricht rund 2,5 Prozent aller Krebserkrankungen.

Symptome: Unterschiedlichste Symptome können auf eine Form der relativ seltenen schweren Erkrankung hinweisen. Dazu gehören auch Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, häufige Infektionen, eine erhöhte Blutungsneigung, Herzrasen, Blässe und Schwindel.

Diagnose: Meist werden zunächst bei einer Blutanalyse, einem so genannten Blutbild, Auffälligkeiten festgestellt. In der Folge können die Entnahme von Knochenmark und weitere Untersuchungen veranlasst werden.

Behandlung: Die Chemotherapie steht im Zentrum der Therapie von Leukämien. Im Weiteren können je nach Form der Leukämie Bestrahlungen, Immuntherapien und Stammzelltransplantationen sowie die Gabe so genannter Tyrosinkinaseinhibitoren zielführend sein. Leukämien werden durch Hämatologen und Onkologen behandelt.

Autor:
Quellen:
Deutsches Krebsforschungszentrum: „ABC der Fachbegriffe und Fremdwörter in der Krebsmedizin“, Juni 2015
Deutsche Krebshilfe: „Leukämie bei Erwachsenen“, Band 20 der Reihe „Die blauen Ratgeber“, 2016
Marlies Michl: „Basics Hämatologie“, Urban und Fischer, 4. Auflage, 2016
Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe: Broschüre „Akute lymphoblastische Leukämie“, Wien, 2014
Österreichische Kinder-Krebs-Hilfe: „Krebs und was nun? – Die unverzichtbare Broschüre für junge Menschen“, 2009
Statistik Austria: Krebserkrankungen in Österreich 2018
ICD-10: C92.0, C91.0