Lungenembolie – Lungeninfarkt

Lungenembolie – Lungeninfarkt

Stand: Januar 2021

Die Lungenembolie zählt neben Herzinfarkt und Schlaganfall zu den dritthäufigsten Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und stellt einen kardiovaskulären Notfall dar. In Österreich sterben jährlich rund 4000 Menschen am sogenannten Sekundenherztod.

Was ist eine Lungenembolie?

Bei einer Lungenembolie sind die Lungenarterien partiell (teilweise) oder vollständig verschlossen. Der Verschluss führt zu einer akuten Beeinträchtigung der pulmonalen Zirkulation, die mit einer Rechtsherzbelastung und einer Störung des Gasaustausches einhergeht. Als erstes Symptom tritt daher häufig Atemnot oder Kurzatmigkeit ein.

In ca. 95% der Fälle ist ein Gefäßverschluss durch ein wanderndes Blutgerinnsel für eine Lungenembolie verantwortlich. Eine akute Lungenembolie ist lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden.

Thrombose oder Embolie?

Thrombose: Bei einer Thrombose wächst ein Blutgerinnsel (Thrombus) immer weiter an und führt an dieser Stelle schließlich zum Verschluss eines Gefäßes.
Embolie: Eine Embolie entsteht dadurch, dass eine Blutgerinnsel über die Blutbahn in andere Körperregionen gelangt und dort ein Gefäß verschließt.

Welche Symptome können auftreten?

Die Symptome, die bei einer Lungenembolie auftreten können, sind oftmals sehr unspezifisch. Deshalb ist die Krankheit in vielen Fällen nicht gleich als solche zu erkennen.

Zu den häufigsten Beschwerden zählen:

  • Plötzlich auftretende Atemnot, Kurzatmigkeit
  • Stechende Brustschmerzen
  • Blutdruckabfall
  • Instabiler Kreislauf
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Schweißausbrüche
  • Husten mit blutigem Auswurf
  • Angstzustände
  • Beklemmungsgefühle
  • Ohnmacht (Synkope)
  • Schock

Kleine Lungenembolien verlaufen oft mit wenigen bis keinen Beschwerden. Im Gegensatz dazu können große Gerinnsel auch akut zum Tod führen (Sekundenherztod).

Welche Ursachen hat eine Lungenembolie?

In über 90% der Fälle wird die Lungenembolie durch ein aus den Becken- oder Beinvenen in ein Lungengefäß verschlepptes Blutgerinnsel (Thrombus) verursacht.

Das Blutgerinnsel löst sich von der Venenwand ab und gelangt mit dem Blutstrom in die rechte Herzkammer und von dort weiter in die Lunge. Aufgrund der feinen Verästelungen der Lungenarterien bleibt das Gerinnsel dann irgendwann einmal stecken und verschließt die Lungengefäße. Dadurch steigt der Blutdruck im Lungenkreislauf an. Die Folge: Eine lebensbedrohliche Rechtsherzüberlastung.

Selten aber doch kann eine Lungenembolie auch durch Fettpartikel (Fettembolie), Luftblasen (Luftembolie) oder Fruchtwasser (Fruchtwasserembolie) ausgelöst werden.

Durch welche Risikofaktoren wird die Entstehung einer Lungenembolie begünstigt?

  • Operationen
  • Traumata
  • Höheres Lebensalter
  • Längere Immobilisation (z.B. lange Auto- oder Flugreisen)
  • Bettlägerigkeit
  • Chronische Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen
  • Chronische Entzündungen
  • Schwangerschaft und Wochenbett
  • Übergewicht
  • Varizen (Krampfadern)
  • Chronisch-venöse Insuffizienz
  • Nikotinabusus (Nikotinmissbrauch)
  • Familiäre Vorbelastung (z.B. vererbte Blutgerinnungsstörung)
  • Ungesunder Lebensstil
  • Maligne Grunderkrankung (u.a. Tumor)
  • Pille (in Kombination mit Rauchen)
  • Hormonersatztherapie
  • Drogenkonsum

Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?

Die richtige Diagnose ist bei einer akuten Lungenembolie von essenzieller Bedeutung. Sie entscheidet im Notfall über das Leben oder den Tod des Patienten. Dennoch gestaltet sich die Diagnosestellung in vielen Fällen aufgrund der oftmals unspezifischen Symptome als sehr schwierig.

Eine körperliche Untersuchung kann erste wichtige Hinweise auf eine Lungenembolie geben. Dabei wird besonders auf die Beine geachtet, um die Zeichen einer tiefen Beinvenenthrombose zu erkennen.

Bei Verdacht auf eine akute Lungenembolie wird die hämodynamische Stabilität (den Blutfluss betreffende Faktoren des Blutes) des Patienten beurteilt. Eruiert wird etwa, ob ein kardiogener Schock oder eine arterielle Hypotension vorliegt. So lässt sich feststellen, ob es sich um eine akute, lebensbedrohliche Situation (Hochrisikopatient) handelt oder nicht. In Folge wird die diagnostische Strategie an die Dringlichkeit der Situation angepasst.

Die derzeit sicherste Methode zum Nachweis einer Lungenembolie ist die hochauflösende Spiral-Computertomografie. Das bildgebende Verfahren erfolgt mit Kontrastmittel und ermöglicht die detaillierte Darstellung der Lungengefäße. Zudem können bestimmte Blutwerte den Verdacht auf eine Lungenembolie erhärten. Mit dem D-Dimer Test kann z.B. nachgewiesen werden, ob irgendwo im Körper der Abbau eines Blutgerinnsels stattfindet. Die D-Dimer Bestimmung sollte dabei immer mit dem sogenannten Wells-Score kombiniert werden, mit dem sich die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie in Form eines Punktesystems beschreiben lässt.

Ein weiteres Diagnoseverfahren stellt der Herzultraschall (Echokardiografie) dar. Mit einer Herzultraschalluntersuchung kann z.B. eine Erweiterung des rechten Herzvorhofes und der rechten Herzkammer erkannt werden. Eine Röntgenaufnahme der Lunge gibt Aufschluss darüber, ob bestimmte Bereiche der Lunge schlechter durchblutet werden bzw. wo sich der Embolus (Gefäßpfropf) festgesetzt hat.

Wie wird eine Lungenembolie behandelt?

Bei Verdacht auf eine Lungenembolie muss der Patient sofort ins Krankenhaus gebracht werden. Die Therapie ist vom Schweregrad der Lungenembolie abhängig. Im Mittelpunkt der Behandlung steht die hämodynamische Stabilität des Patienten.

Die akute Erstversorgung erfolgt meist in Form einer Sauerstoffgabe über Nasensonde oder Gesichtsmaske (notfalls auch Intubation und Beatmung) sowie strikter Bettruhe, da sich durch Bewegung weitere Thrombosen lösen könnten. Zudem muss eine Hemmung der Blutgerinnung mit geeigneten gerinnungshemmenden Wirkstoffen (u.a. Heparine, Cumarine) durchgeführt werden. Besteht eine Rechtsherzbelastung mit Schocksymptomen, sind kreislaufstabilisierende Maßnahmen notwendig.

Bei Patienten mit einem instabilen hämodynamischen Status gilt zusätzlich die Thrombolyse als effektivste Therapie. Durch die Gabe sogenannter Fibrinolytika wird das körpereigene System zur Auflösung der Thromben (Blutgerinnsel) aktiviert. Ziel einer Lysetherapie ist die schnelle Wiedereröffnung der pulmonalen Strombahn und eine verbesserte Durchblutung der Lunge.

In schweren Fällen einer Lungenembolie besteht auch die Möglichkeit, das Blutgerinnsel chirurgisch zu entfernen.

Nicht alle Patienten mit Lungenembolie sind schwer krank: Mehr als 95 Prozent sind zum Zeitpunkt der Diagnose stabil. Einige von ihnen kommen, insbesondere wenn sie eine gute Herz- und Lungenfunktion und keine schweren Begleiterkrankungen haben, für eine ambulante Behandlung in Frage.

Im Anschluss an die Akuttherapie wird in der Regel die Behandlung mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten über einen Mindestzeitraum von sechs Monaten fortgesetzt. Damit soll der Bildung weiterer Blutgerinnsel vorgebeugt werden.

Wenn sich trotz dieser Maßnahme neue Thromben bilden (Rezidiv), kann ein sogenannter Cavaschirm in die untere Hohlvene (Vena cava inferior) eingesetzt werden. Der schirmförmige Kunststofffilter wirkt wie ein Sieb und verhindert, dass die Blutgerinnsel in die Lunge eingeschwemmt werden. Der Schirm, der kathetergestützt implantiert wird, bleibt in Folge dauerhaft oder nur über einen gewissen Zeitraum in der Vene.

Welche Folgen kann eine Lungenembolie haben?

Eine Lungenembolie stellt meistens einen medizinischen Notfall mit Schocksymptomatik dar. In rund 10% der Fälle stirbt der Patient innerhalb weniger Stunden nach Auftreten der ersten Beschwerden. Überlebt der Patient, kann das körpereigene System die Blutgerinnsel innerhalb eines Monats abbauen. Häufig bleiben keine Folgeschäden zurück. Bei einigen Patienten können jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt schwerwiegende Komplikationen als Folge einer Lungenembolie auftreten.

Dazu zählen:

  • Lungenhochdruck (pulmonale Hypertonie)
  • Rechtsherzinsuffizienz (Pumpschwäche der rechten Herzhälfte)
  • Rechtsherzversagen (plötzlicher Ausfall der Funktion des rechten Herzteiles)
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herz-Kreislauf Versagen
  • Lungeninfarkt (Absterben von Lungengewebe)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Lungenfellentzündung (Entzündung der Haut, die die Lungen überzieht)
  • Pleuraerguss (krankhafte Flüssigkeitsansammlung zwischen Lunge und Brustkorb)

Wie kann man einer Lungenembolie vorbeugen?

Eine Lungenembolie lässt sich am besten vorbeugen, indem man das Risiko für eine tiefe Becken- und Beinvenenthrombose verringert.

Folgende Maßnahmen tragen dazu bei, das Thromboserisiko zu vermindern und somit einer Lungenembolie vorzubeugen:

  • Ausreichend trinken (Wasser, ungesüßte Kräutertees, kein Alkohol)
  • Regelmäßig bewegen
  • Wechselnde Anspannung von hinterer und vorderer Wadenmuskulatur
  • Abbau von vorhandenem Übergewicht
  • Bewegungspausen bei längeren Autoreisen
  • Nicht rauchen
  • Langes Sitzen ohne Unterbrechung vermeiden
  • Beine beim Sitzen hochlagern
  • Tragen von Kompressionsstrümpfen nach Operationen
  • Medikamentöse Vorbeugung bei längeren Flugreisen
  • Frühzeitige Behandlung von bestehenden Herzerkrankungen und stark ausgeprägten Krampfadern.

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Autor:
Quellen:
Wieser V.; Die Lungenembolie, Medizinische Universität Graz, Bachelorarbeit 06/2013

Dr. med. Schellhaaß A.; Diagnostik und Therapie bei akuter Lungenembolie, Dtsch Arztebl Int 2010; 107(34-35): 589-95; DOI: 10.3238/arztebl.2010.0589, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Dr. med. Schellong S.M.; Lungenembolie: Symptome, Ursachen, Behandlung, apotheken-umschau.de 07/2015, Wort & Bild Verlag

Was ist zu tun bei akuter Lungenembolie? Lungenärzte im Netz, Deutsche Lungenstiftung e.V. letzter Zugriff 25. Jan.2021
ICD-10: I26.0, I26.9