Mann greift sich ans Herz, darüber eine Herzfunktion-Grafik
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Angina pectoris – Brustenge

Angina pectoris (Brustenge) ist ein Beschwerdebild, das anfangs unter starker körperlicher Belastung, später auch unter leichter Belastung und schließlich in Ruhe anfallsartige Schmerzen im Brustkorb bezeichnet. Diese Symptome werden durch Verengungen der Blutgefäße des Herzens verursacht. Verantwortlich dafür ist meist eine Koronare Herzkrankheit (KHK).

Factbox – Angina pectoris

Synonym: Angina pectoris, Brustenge, stabile Angina pectoris, instabile Angina pectoris, Herzenge, Stenokardie

Definition: anfallsartig auftretende Schmerzen und ein Engegefühl im Brustbereich, oft in Zusammenhang mit körperlicher Belastung oder Stress, aber auch in Ruhe, verursacht meist durch eine Verengung der Koronararterien des Herzens (KHK)

Ursachen: nicht beeinflussbare Risikofaktoren: Arteriosklerose, familiäre Disposition;
beeinflussbare Risikofaktoren: Rauchen, hoher Blutdruck (über 140/90 mmHg), Bewegungsmangel, Stress, Übergewicht, hohes LDL-Cholesterin

Symptome: Schmerzen im Brustbereich, teilweise ausstrahlend; Atemnot bei Anstrengung

Diagnose: Anamnese, Blutdruckmessung, Abhören, Abtasten, Blutbild, Belastungs-EKG, Herzultraschall, Stress-MRT, ggf. Myokardszintigraphie und Provokationstest

Behandlung: Medikamente: bei Anfall schnell wirksame Nitropräparate, für Dauertherapie Thrombozytenaggregationshemmer, Betablocker, Vasodilatatoren, Calciumantagonisten,  ggf. Blutdrucksenker, Statine; Operation: Stents und Bypässe

Was ist Angina pectoris?

Wenn man unter Angina pectoris (bekannt auch als Brustenge, Herzenge oder Stenokardie) leidet, treten anfangs nur unter starker körperlicher Belastung, später auch unter leichter Belastung und schließlich sogar in Ruhe anfallsartige Schmerzen und ein Enge-/Druckgefühl im Brustkorb auf. Verantwortlich dafür ist meist eine Koronare Herzkrankheit (KHK). Sie wiederum entsteht aufgrund vielfältiger Faktoren, die hohen Blutdruck, einen hohen Spiegel an „schlechtem“ HDL-Cholesterin, Nikotinkonsum, Diabetes mellitus, wenig Bewegung und starkes Übergewicht umfassen. All das schadet den Blutgefäßen. Mittelfristig bilden sich Ablagerungen (Plaques) aus Fetten, Kalk und Bindegewebe in den Gefäßwänden. Schließlich verengen die betroffenen Gefäße.

Bei der KHK sind die  Koronararterien (Herzkranzgefäße) von diesen Ablagerungen betroffen. Diese Gefäße verengen sich in einem schleichenden Prozess. Dadurch wird der Herzmuskel zu wenig mit sauerstoffreichem Blut versorgt. Das wiederum führt zu Beschwerden wie Schmerzen im Brustkorb. Die meisten Patienten beschreiben diese Schmerzen als brennend, einengend oder drückend. Die Angina pectoris ist „nur“ ein Symptom der dahinterliegende Erkrankung.

Experten unterscheiden eine stabile und eine instabile Angina pectoris:

  • Stabile Angina pectoris: Dabei treten die Beschwerden nur unter Belastung auf, zum Beispiel beim Treppensteigen, in Stress-Situationen, nach einer üppigen Mahlzeit oder in der Kälte. Die Beschwerden ändern sich zunächst nicht in ihrer Intensität, und kurze Ruhepausen oder Medikamente wie ein gefäßerweiterndes Nitrospray bringen rasch Linderung. Die stabile Angina pectoris muss zwar ärztlich abgeklärt, überwacht und behandelt werden, ist aber nicht lebensbedrohlich.
  • Instabile Angina pectoris: Bei der instabilen Angina pectoris hingegen treten die Beschwerden schon bei der kleinsten Belastung oder in Ruhe auf und sind auch länger anhaltend. Betroffene benötigen rasche ärztliche Hilfe, denn die instabile Angina pectoris deutet auf einen bevorstehenden Herzinfarkt hin: Wenn etwa Plaques einreißen, können Blutgerinnsel entstehen, welche die Koronararterie innerhalb von Sekunden vollständig verschließen, und ohne Blutzufuhr gehen Zellen im Herzmuskel sehr rasch zugrunde.

Neben der stabilen und der instabilen Angina pectoris gibt es noch einige Sonderformen:

  • Prinzmetal-Angina: Dabei löst ein Krampf in Blutgefäßen Durchblutungsstörungen des Herzmuskels aus. Charakteristisch ist ein starker Schmerz, der für wenige Sekunden bis Minuten in der Brustregion in Ruhe auftritt. Die Erkrankung ist selten, aber gefährlich, denn sie kann zu einem Herzinfarkt führen.
  • Walk-Through-Angina: Dabei klingen die typischen Angina-pectoris-Symptome unter Belastung wieder ab, wenn man den Körper weiter beansprucht.
  • Mikrovaskuläre Angina pectoris (Syndrom X): Dabei sind zwar keine großen Herzkranzgefäße auffällig, aber feine Gefäße im Herzmuskel sind verengt (Mikrovaskulatur).

Was sind die Ursachen einer Angina pectoris?

Lebensstilfaktoren und andere, nicht beeinflussbare Faktoren können eine Koronare Herzkrankheit entstehen lassen. Dann verengen sich Herzkranzgefäße, und der Herzmuskel wird schlechter durchblutet. Das führt letztlich zur KHK und zur Angina pectoris.

Nicht beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Arteriosklerose: Im Laufe des Lebens verlieren die Blutgefäße an Elastizität. Ihr Durchmesser verringert sich, und der Blutfluss wird erschwert. Das bedeutet auch, dass die Arterien verkalken.
  • familiäre Disposition: Bei der KHK gibt es auch genetische Einflüsse. Man spricht von einer genetischen Veranlagung, wenn Familienmitglieder an der Koronaren Herzkrankheit leiden oder sogar einen Herzinfarkt hatten, und das individuelle Risiko dadurch höher ist.
  • Unabhängig davon sind Männer schon ab dem 45. Lebensjahr, Frauen erst ab dem 55. Lebensjahr gefährdet. Dieser geschlechtsspezifische Unterschied lässt sich durch hormonelle Unterschiede erklären.

Beeinflussbare Risikofaktoren:

  • Rauchen
  • hoher Blutdruck (über 140/90 mmHg)
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Übergewicht
  • Cholesterin: Obergrenze beim „schädlichen“ LDL-Cholesterin sollte bei ansonsten gesunden Menschen < 115 mg/dl (3,0 mmol/l) sein

Wie macht sich Angina pectoris bemerkbar?

Patientinnen und Patienten, die unter Angina pectoris leiden, empfinden Schmerzen und ein Engegefühl im Brustkorb. Zudem quält viele Betroffene Atemnot. Davon abgesehen gibt es noch weitere Symptome der Angina pectoris bzw. KHK.

Die Symptome im Einzelnen:

  • Schmerzen im Brustkorb: brennend, einengend, dumpf, ziehend, teilweise bis in den Oberbauch, die Arme, den Unterkiefer, den Nacken, den Hals oder die Schultern ausstrahlend
  • Atemnot bei Anstrengung

Achtung:

Bei Frauen und Menschen über 75 Jahre treten die typischen Beschwerden in den Hintergrund, und sie berichten eher über Atemnot und eine schnelle Erschöpfung bei körperlichen Arbeiten.

Bei Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus kann es sein, dass die typische Angina-pectoris-Symptomatik aufgrund einer eventuell bestehenden Neuropathie (geschädigte Nerven) deutlich schwächer wahrgenommen wird.

Wie wird Angina pectoris diagnostiziert?

Für die Diagnostik einer Angina pectoris als Hinweis auf eine zugrunde liegende KHK werden im Anamnesegespräch alle Beschwerden und Risikofaktoren abgefragt. Weiters wird der Blutdruck gemessen, die Patientin/der Patient wird mit dem Stethoskop abgehört und der Körper abgetastet. Ein Blutbild gibt Aufschluss über diverse Laborwerte wie etwa Cholesterin oder Blutfette. Auch Entzündungsmarker oder Marker, die Störungen der Blutgerinnung anzeigen, werden bestimmt.

Verdichtet sich der Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit und damit auf Angina pectoris folgen Belastungs-EKG, Herzultraschall und Stress-MRT. Diese bildgebende Untersuchung zeigt, ob jemand an einer Minderdurchblutung des Herzmuskels leidet. Eine andere diesbezügliche Möglichkeit ist die Myokardszintigraphie: Dabei werden geringe Mengen einer schwach radioaktiven Substanz in die Vene gespritzt. Dieser Marker reichert sich – je nach Durchblutung – im Herzmuskel unterschiedlich stark an, und der Arzt kann erkennen, ob eine Durchblutungsstörung des Herzens vorliegt.

Selten, aber doch kommt es vor, dass Menschen zwar typische Symptome einer Angina pectoris haben, die oben genannten Untersuchungen aber ohne Befund bleiben. In diesem Fall kann eine Prinzmetal-Angina vorliegen, für deren Diagnose es einen Provokationstest gibt. Dabei wird Acetylcholin direkt in die Koronararterien verabreicht. Wenn dann ein Gefäßkrampf erfolgt, ist die Diagnose gesichert.

Angina pectoris – Behandlung

Heute gibt es zahlreiche Medikamente, die es erlauben, eine Angina pectoris im Akutfall, aber auch langfristig zu behandeln. Zudem kann man stark verengte Blutgefäße im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung erweitern oder in einer Operation Bypässe legen.

Medikamente bei Anfällen:

Bei erstmaligem Auftreten eines Angina-pectoris-Anfalls ist sofort der Notarzt zu verständigen und Erste Hilfe muss geleistet werden. Treten die Symptome immer wieder und in ähnlichen Situationen auf, so werden bei einer stabilen Angina pectoris schnell wirksame Nitropräparate gegeben, um die Herzkranzgefäße zu erweitern.

Angina-pectoris-Dauertherapie:

Neben den für den Akutfall notwendigen Präparaten kommen auch folgende Medikamente zum Einsatz:

  • Thrombozytenaggregationshemmer: Sie verringern die Verklumpungsneigung der Blutplättchen. Besonders häufig handelt es sich dabei um Acetylsalicylsäure oder Clopidogrel.
  • Betablocker: Sie verringern die Herzfrequenz und senken den Blutdruck unter Belastung.
  • Vasodilatatoren: etwa lang wirksame Nitrate. Sie erweitern die Gefäße.
  • Calciumantagonisten: Auch sie erweitern die Blutgefäße.
  • ggf. Blutdrucksenker, Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels (Statine)

Stents und Bypässe:

Bei stärkeren Verengungen der Herzkranzgefäße versucht man, die Engstelle im Herzkatheterlabor mittels Stents oder Bypässen zu erweitern.

Vorbeugende Maßnahmen bei Angina pectoris

Betroffenen wird geraten, nicht nur ihre Medikamente einzunehmen bzw. ggf. einen Eingriff vornehmen zu lassen sondern auch grundlegende Lebensstil-Maßnahmen einzuhalten. Dazu zählen:

  • Verzicht auf Nikotin
  • wenig bis kein Alkohol
  • gesunde Ernährung
  • viel Bewegung
  • Normalisierung des Körpergewichts

Bundesärztekammer (BÄK)et al (Hg): Nationale VersorgungsLeitlinie: Chronische KHK, Langfassung, 5. Auflage, 2019, Version 1 AWMF-Register-Nr.: nvl-004, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-004l_S3_KHK_2019-04.pdf, Juni 2022

Patientenleitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie: Chronische Koronare Herzkrankheit: KHK 3.Auflage, 2019 Version 1, https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/nvl-004p_S3_KHK_2019-08.pdf, Juni 2022

https://www.herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/angina-pectoris, Juni 2022

https://www.ratgeber-herzinsuffizienz.de/herzinsuffizienz/ursachen-risikofaktoren/angina-pectoris, Juni 2022

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/herz-kreislauf/herzinfarkt/angina-pectoris, Juni 2022

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