Zeichnung eines Magens mit gastroösophagealem Reflux
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Gastroösophagealer Reflux

Gastroösophagealer Reflux liegt vor, wenn es zum Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre kommt. Geschieht das regelmäßig, so spricht man von der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Ihr Leit-Symptom ist Sodbrennen. Es ist wichtig, eine GERD zu behandeln, denn andernfalls kann es zu teilweise schwerwiegenden Komplikationen kommen.

Factbox – Gastroösophagealer Reflux

Synonym: Gaströsophagealer Reflux, Gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD, Reflux

Definition: Zustand, bei dem der Reflux von Mageninhalt störende Symptome und/oder Komplikationen verursacht

Ursachen und Risikofaktoren: Erschlaffung des Ösophagussphinkter, Ernährungsfaktoren, Adipositas, Stress, Zwerchfellbruch, His-Winkel >60°, Schwangerschaft, bestimmte Erkrankungen des Magens, Darms und Bindegewebes

Symptome: Leit-Symptom Sodbrennen, weiters Druckgefühl hinter der Brust, Luftaufstoßen, Rückfluss von Speisebrei aus dem Ösophagus in den Mund, Schluckbeschwerden, chronischer Reizhusten, nächtlicher Hustenreiz, Übelkeit, Erbrechen, Mundgeruch

Behandlung: Lebensstilmaßnahmen, Gewichtsnormalisierung, Medikamente: Protonenpumpeninhibitoren (PPI), Antazida, H2-Rezeptor-Antagonisten, Antidepressiva. Operation: laparoskopische Fundoplikatio

Was ist gastroösophagealer Reflux?

Gelegentliches Sodbrennen, das entsteht, wenn Magensaft in die Speiseröhre zurückfließt und sich als unangenehmes Brennen hinter dem Brustbein bemerkbar macht, kennen viele Menschen. Wenn man aber regelmäßig unter Aufstoßen von Mageninhalt oder Sodbrennen leidet, spricht man von der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD). Definitionsgemäß ist GERD ein Zustand, bei dem der Reflux von Mageninhalt störende Symptome und/oder Komplikationen verursacht. Dadurch kann es zu Schädigungen der Speiseröhre kommen, die sich als Entzündungen, Geschwüre, chronischer Schleimhautumbau, Verengungen und im schlimmsten Fall als Speiseröhrenkrebs äußern.

Experten unterscheiden verschiedene Formen der Erkrankung:

  • NERD (Non-Erosive Reflux Disease): Bei dieser Form der Erkrankung ist die Speiseröhrenschleimhaut durch das Aufsteigen der Magensäure (noch) nicht nachweisbar geschädigt.
  • ERD (Erosive Reflux Disease): Bei dieser Form ist die schützende Schleimhaut der Speiseröhre sichtbar verletzt.
  • Barrett-Ösophagus: Dabei verändert sich die Schleimhaut, wobei schleimproduzierende Zellen entstehen, die widerstandsfähiger gegenüber der Magensäure sind. Diese Zellveränderungen erhöhen aber das Risiko für Speiseröhrenkrebs.
  • Hypersensitiver Ösophagus: Bei dieser Form der Erkrankung ist der Reflux noch innerhalb der Norm, aber Betroffene leiden an Sodbrennen und empfinden vermehrt Schmerzen.
  • extraösophageale Manifestationen: Dazu zählen unter anderem die Laryngitis (Kehlkopfentzündung), chronischer Husten, Asthma und Zahnschmelzerosionen.
  • Funktionelle Refluxbeschwerden: Dabei haben Betroffene Symptome wie etwa Sodbrennen, aber es kann kein krankhafter Reflux festgestellt werden. Eine säurehemmende Therapie bleibt in diesem Fall wirkungslos.

Der gastroösophageale Reflux ist in westlichen Industrieländern eine sehr häufige Erkrankung, unter der rund 20 Prozent der Bevölkerung leiden. Wenn sie nicht behandelt wird, kann es aufgrund der dauernden Säurebelastung zu verschiedenen Komplikationen kommen, aber es gibt Maßnahmen und Therapien, durch die sich die Beschwerden in der Regel gut in den Griff bekommen lassen.

Wodurch wird der Reflux verursacht? 

Normalerweise sorgt der Ösophagussphinkter (ein Muskel am Ende der Speiseröhre) dafür, dass die vom Magen produzierte Säure nicht nach oben fließt. Verschließt dieser Muskel den Durchgang aber nicht ausreichend,  kommt es zum Reflux. Abhängig davon, ob die Entstehungsursache dafür unbekannt oder bekannt ist, unterscheiden Mediziner die primäre und die sekundäre GERD.

Bei der primären GERD ist die Genese der Insuffizienz häufig unklar, es gibt aber verschiedene Faktoren, die eine vermehrte Magensäureproduktion und eine Erschlaffung des Ösophagussphinkter verursachen und die Refluxkrankheit begünstigen. Dazu zählen:

  • Ernährungsfaktoren wie Rauchen, Kaffee, Alkohol, große Mahlzeiten am Abend, fette und süße Speisen
  • Adipositas
  • Stress
  • Zwerchfellbruch
  • ein His-Winkel (Winkel zwischen Ösophagus und Magenfundus), über 60°

Bei der sekundären GERD sind die Ursachen für die Störung des unteren Ösophagussphinkters eruierbar. Diese sind vor allem:

  • Schwangerschaft
  • iatrogene (durch eine ärztliche Behandlung verursacht) Ursachen: (z.B. nach Gastrektomie)
  • Pylorusstenose (angeborene Verengung des Magenausgangs)
  • Duodenalstenose (Verengung des Dünndarms)
  • Sklerodermie (Erkrankung des Bindegewebes)

Symptome der Erkrankung

Das Leit-Symptom der gaströsophagealen Refluxkrankheit ist Sodbrennen, das vor allem im Liegen und nach dem Essen auftritt. Meistens geht es auch mit einem Druckgefühl hinter der Brust, mit Luftaufstoßen, dem Rückfluss von Speisebrei aus dem Ösophagus in den Mund, Schluckstörungen, chronischem Reizhusten und nächtlichem Hustenreiz einher. Auch Übelkeit, Erbrechen und Mundgeruch können Symptome sein. Zu all diesen Beschwerden kommt es insbesondere bei Körperlageänderungen, nach Alkoholkonsum und bei Stress, und Patienten mit gastroösophagealem Reflux leiden auch häufig an einer Einschränkung ihrer Lebensqualität.

Mögliche Komplikationen der Refluxerkrankung

Das Zurückfließen von Säure im unteren Abschnitt der Speiseröhre kann, wenn es über längere Zeit hinweg auftritt, zu Komplikationen führen. Diese sind:

  • Speiseröhrenentzündung (Ösophagitis)
  • Geschwüre in der Speiseröhre
  • Verengung der Speiseröhre
  • fehlgebildete Zellen in der Speiseröhre, die entarten können

Wie erfolgt die Diagnose?

Für die Diagnose ist zunächst eine Anamnese notwendig, bei der vor allem Refluxbeschwerden und Reflux-assoziierte Symptome eruiert werden sollten. Wichtig ist auch die Medikamentenanamnese, denn die GERD kann durch Medikamente verursacht oder verstärkt werden. Zu diesen Medikamenten zählen vor allem Kalziumantagonisten, Nitropräparate, Theophylline, Aminophylline und Benzodiazepine.

Weitere Untersuchungen sind in der Regel nur dann notwendig, wenn die Diagnose nicht eindeutig ist, wenn eine Behandlung die Symptome nicht unter Kontrolle bringt oder wenn Symptome über einen langen Zeitraum hinweg bestehen.

Zum Einsatz kommen dabei die Endoskopie der Speiseröhre, bei der der Arzt auch Gewebe entnehmen kann (Biopsie), um es anschließend unter dem Mikroskop untersuchen zu lassen. Wenn diese Ergebnisse trotz starker GERD- typischer Symptome normal sind, wird häufig ein pH-Test der Speiseröhre durchgeführt, bei der der Säuregehalt gemessen werden kann.

Schließlich können auch noch Druckmessungen am unteren Ösophagussphinkter mittels Manometrie Informationen darüber liefern, wie stark die Speiseröhrenmuskulatur ist.

Gastroösophagealer Reflux: Behandlung

Die Therapie der gastroösophagealen Refluxkrankheit zielt darauf ab, eine zufriedenstellenden Symptomkontrolle zu erreichen, für die Abheilung endoskopisch sichtbarer Refluxösophagitis-Verletzungen zu sorgen und GERD-Komplikationen wie Blutungen, eine Verengung oder ein Karzinom zu verhindern.

Dabei spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine Rolle. So sollten etwa übergewichtige Patienten eine Gewichtsnormalisierung anstreben, und grundsätzlich können eine Ernährungsumstellung, das Hochstellen des Kopfendes am Bett sowie der Verzicht auf Spätmahlzeiten unterstützend wirken.

Was die medikamentöse Therapie betrifft, so werden in der Regel Protonenpumpeninhibitoren (PPI) eingesetzt. Andere Medikamente wie etwa Antazida und H2-Rezeptor-Antagonisten können in leichteren Fällen ebenfalls angewendet werden, sind aber nicht so wirksam wie PPIs.

Beim hypersensitiven Ösophagus oder bei funktionellem Sodbrennen können Antidepressiva allein oder in Kombination mit einem PPI helfen.

Was das Barrett-Syndrom betrifft, so spricht es nur selten auf die Behandlung mit einem PPI an. Es kann aber im Rahmen einer Endoskopie mit Methoden der Radiofrequenzablation, extremer Kälte oder Laser behandelt werden bzw. kann man das veränderte Gewebe auch operativ entfernen. Trotzdem bleibt die regelmäßige endoskopische Untersuchung für Patienten mit Barrett-Syndrom eine wichtige Maßnahme, mit der sicher festgestellt werden kann, dass sich kein Krebs entwickelt.

Eine Speiseröhrenverengung kann durch mehrmalige Aufdehnung mit Ballonsonden oder Schläuchen behandelt werden.

Wenn betroffene Patienten Medikamente nicht vertragen oder nicht jahrelang einnehmen wollen, wenn sie unter großen Rückflussmengen leiden, die zwar nicht sauer sind, aber Symptome verursachen oder wenn Geschwüre, Blutungen, große Hernien oder eine schwere Speiseröhrenentzündung vorliegen, kann eine Operation Linderung verschaffen. Der chirurgische Eingriff erfolgt minimalinvasiv mit einem Laparoskop (Fundoplikatio). Danach können unter Umständen Nebenwirkungen wie Schluckbeschwerden, Blähungen und Bauchschmerzen nach dem Essen auftreten.

Grundsätzlich kann die Refluxkrankheit gut therapiert werden, und in 90 Prozent der Fälle kommt es unter einer Therapie mit PPI zur Ausheilung der Refluxösophagitis. Allerdings drohen bei Absetzen der Therapie Rezidive (Rückfälle). In jedem Fall ist es wichtig, eine GERD zu behandeln. Geschieht dies nicht, kann es zu den oben  beschriebenen Komplikationen kommen, die teilweise sehr schwerwiegend sind und auch die Lebensqualität deutlich beeinflussen.

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