Zusammenfassung
ADHS
Bezichnung: ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung)
Definition: Eine neurologische Entwicklungs- und Verhaltensstörung, die Aufmerksamkeit, Impulskontrolle und Aktivitätsniveau beeinflusst.
Wer ist betroffen? Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die Symptome beginnen meist im Kindesalter und können bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben.
Ursachen und Risikofaktoren: genetische Veranlagung, Veränderungen in der Gehirnentwicklung, Einflüsse während der Schwangerschaft und frühen Kindheit
Typische Symptome: Unaufmerksamkeit, Überaktivität, Impulsivität
Diagnose: ausführliche Anamnese, Gespräche mit Betroffenen und Bezugspersonen, Verhaltensbeobachtungen, standardisierte Fragebögen sowie körperliche und psychologische oder psychiatrische Untersuchungen
Behandlung: Kombination verschiedener Therapien; Aufklärung und Beratung, Elterntraining, Familientherapie, Verhaltenstherapie, angemessene Unterstützung in der Schule, Coaching, medikamentöse Therapie, Ergotherapie, Neurofeedback, regelmäßige Bewegung und weitere unterstützende Maßnahmen
Was ist ADHS?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Sie ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die meist im Kindesalter beginnt. Bei vielen Betroffenen bleiben die Symptome bis ins Erwachsenenalter bestehen.
Weltweit haben etwa 5 von 100 Kindern und Jugendlichen ADHS. Jungen erhalten die Diagnose deutlich häufiger als Mädchen. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass ADHS bei Mädchen häufiger übersehen oder später erkannt wird.
Welche Ursachen und Risikofaktoren hat ADHS?
Die genauen Ursachen von ADHS sind noch nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Wissensstand entsteht ADHS durch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Dazu gehören vor allem genetische Einflüsse sowie verschiedene Umwelt- und Entwicklungsfaktoren.
Wichtige Faktoren sind:
- Familiäre Veranlagung: ADHS tritt in manchen Familien gehäuft auf. Studien gehen von einer Erblichkeit von etwa 70 Prozent aus.
- Veränderungen im Gehirn: Bei Menschen mit ADHS wurden Unterschiede in Aufbau und Funktion bestimmter Gehirnbereiche festgestellt.
- Einflüsse während der Schwangerschaft: Faktoren wie Rauchen, Alkohol- oder Drogenkonsum während der Schwangerschaft werden mit einem erhöhten ADHS-Risiko beim Kind in Verbindung gebracht.
Wichtig: ADHS entsteht nach heutigem Wissen durch ein komplexes Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Ein einzelner Auslöser lässt sich in der Regel nicht feststellen und wie diese Faktoren genau zusammenspielen, wird weiterhin erforscht.
Welche ADHS-Typen gibt es?
ADHS kann sich sehr unterschiedlich zeigen. Expert:innen unterscheiden häufig in drei Haupttypen, je nachdem, welche Symptome am stärksten ausgeprägt sind.
Vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ
Personen mit diesem Typ sind häufig sehr unruhig. Sie haben Schwierigkeiten, ruhig sitzen zu bleiben oder abzuwarten und es liegt ein starker Bewegungsdrang vor. Oft handeln sie spontan, ohne über die Folgen nachzudenken. Im Erwachsenenalter kann die ausgeprägte körperliche Unruhe abnehmen und sich eher als innere Unruhe oder ständiges Gefühl des Getriebenseins zeigen.
Vorwiegend unaufmerksamer Typ
Bei diesem Typ steht die Unaufmerksamkeit im Vordergrund. Man spricht hier auch von ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Störung). Betroffene haben in der Regel oft Schwierigkeiten:
- sich längere Zeit zu konzentrieren
- Aufgaben zu planen und zu organisieren
- auf Details zu achten
- Aufgaben zu Ende zu bringen
Mischtyp
Beim Mischtyp treten sowohl Unaufmerksamkeit als auch Hyperaktivität und Impulsivität deutlich auf. Betroffene haben beispielsweise Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren und Aufgaben zu organisieren, sind gleichzeitig aber auch unruhig und impulsiv.
Wichtig: Die Symptome können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und sich im Laufe des Lebens verändern.

Welche Symptome hat ADHS?
Die Symptome bei ADHS betreffen vor allem drei Bereiche:
- Unaufmerksamkeit
- Hyperaktivität
- Impulsivität.
Betroffene können beispielsweise Schwierigkeiten haben, sich länger zu konzentrieren, ihre Aufmerksamkeit gezielt zu steuern oder Aufgaben zu Ende zu bringen. Hyperaktivität zeigt sich häufig durch körperliche Unruhe und einen starken Bewegungsdrang. Impulsivität bedeutet unter anderem, dass Betroffene spontan handeln oder Schwierigkeiten haben, abzuwarten.
Welche Symptome auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche Betroffene haben vor allem Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit, bei anderen stehen Hyperaktivität und impulsives Verhalten stärker im Vordergrund. Auch Alter und Lebenssituation können beeinflussen, wie sich die Beschwerden zeigen.
Wann spricht man von ADHS?
Unaufmerksam, unruhig oder impulsiv zu sein, bedeutet noch nicht automatisch, ADHS zu haben. Solche Verhaltensweisen kommen auch bei Menschen ohne ADHS vor – insbesondere bei Kindern.
Von ADHS spricht man, wenn die Symptome:
- über einen längeren Zeitraum bestehen
- deutlich ausgeprägt sind und in mindestens zwei Lebensbereichen auftreten, zum Beispiel in der Schule oder bei der Arbeit, in der Familie oder im Umgang mit anderen Menschen
- den Alltag deutlich beeinträchtigen
Wie sich ADHS zeigt, kann sich im Laufe des Lebens verändern. Bei jüngeren Kindern stehen häufig körperliche Unruhe und ein starker Bewegungsdrang im Vordergrund.
Im Jugend- und Erwachsenenalter kann die sichtbare Hyperaktivität abnehmen und eher als innere Unruhe oder Getriebensein wahrgenommen werden. Probleme mit Aufmerksamkeit, Organisation und Impulskontrolle können dagegen weiterbestehen.
ADHS tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen Störungen oder Erkrankungen auf. Welche Begleiterkrankungen besonders häufig sind, unterscheidet sich teilweise je nach Alter.
Begleiterkrankungen bei ADHS
ADHS tritt häufig gemeinsam mit anderen psychischen oder neurologischen Erkrankungen auf. Welche Begleiterkrankungen auftreten, kann sich je nach Alter unterscheiden. Sie können die Beschwerden zusätzlich verstärken und die Diagnose erschweren.
Zu den häufigen Begleiterkrankungen gehören zum Beispiel:
- Störungen des Sozialverhaltens
- Leserechtschreibstörung
- Lern-, Sprach- oder motorische Entwicklungsstörungen
- Tic-Störungen
- Angststörungen
- Depressionen
- Autismus-Spektrum-Störungen
Bei der Diagnose ist es deshalb wichtig, nicht nur die typischen ADHS-Symptome zu betrachten, sondern auch mögliche Begleiterkrankungen und andere Ursachen für ähnliche Beschwerden zu berücksichtigen. Das ist auch für die Wahl der Behandlung wichtig.
Was passiert, wenn man ADHS nicht behandelt?
Bleibt ADHS unerkannt oder wird nicht ausreichend behandelt, können die Beschwerden Schule, Ausbildung, Beruf, Beziehungen und den Alltag langfristig beeinträchtigen. Wie stark die Auswirkungen sind, ist individuell sehr unterschiedlich.
Mögliche Folgen sind zum Beispiel schlechtere schulische oder berufliche Leistungen, Schwierigkeiten in Beziehungen sowie ein erhöhtes Risiko für Unfälle, psychische Begleiterkrankungen und Suchterkrankungen.
Eine frühzeitige Diagnose und eine passende Behandlung oder Unterstützung können dazu beitragen, die Beschwerden und ihre Folgen zu verringern. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt unter anderem vom Alter, der Ausprägung der Symptome und möglichen Begleiterkrankungen ab.
Wie verändern sich ADHS-Symptome mit dem Alter?
Babys
Bei Säuglingen lässt sich ADHS noch nicht zuverlässig erkennen. Manche Kinder, die später eine ADHS entwickeln, fallen bereits früh durch starke Unruhe, Schlafprobleme oder Schwierigkeiten bei der Selbstregulation auf. Solche Anzeichen sind jedoch unspezifisch und kommen auch bei vielen Kindern ohne ADHS vor.
Klein- und Vorschulkindern
Im Vorschulalter können vor allem ausgeprägte motorische Unruhe, Impulsivität und Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit länger auf eine Tätigkeit zu richten, auffallen. Kinder wechseln beispielsweise häufig zwischen Aktivitäten, können schwer abwarten oder reagieren sehr spontan.
Da viele dieser Verhaltensweisen auch bei anderen Kindern vorkommen, kommt es darauf an, wie stark und dauerhaft sie ausgeprägt sind und wie sehr sie den Alltag beeinträchtigen.
Schulalter
ADHS-Symptome im Volksschulalter können vielfältig sein. Häufig treten zum Beispiel folgende Beschwerden auf:
- leichte Ablenkbarkeit
- verminderte Frustrationstoleranz
- Vergesslichkeit
- häufiges Stören des Unterrichts
- Teilleistungsstörungen wie Legasthenie, Lese- oder Rechenschwäche treten oft auf
- innerliche Unruhe
- impulsives Verhalten wie Wutanfälle
- geringe Frustrationstoleranz
Erwachsenen
ADHS ist bei Erwachsenen oft weniger offensichtlich als bei Kindern und es ändern sich die Symptome. Die sichtbare körperliche Unruhe nimmt oft ab und wird eher als innere Unruhe oder Getriebensein wahrgenommen.
Typische Beschwerden sind:
- Probleme, den Alltag oder die Arbeit zu organisieren
- Konzentrationsprobleme (vor allem wenn eine längere Aufmerksamkeitsspanne erforderlich ist)
- Impulsivität
- innere Unruhe
- leichte Reizbarkeit
- niedrige Frustrationstoleranz
- geringes Selbstwertgefühl

Wie wird ADHS diagnostiziert?
Die Diagnose von ADHS ist sehr komplex und erfolgt in mehreren Schritten. Dazu gehören:
- ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte
- eine körperliche Untersuchung
- eine psychologische oder psychiatrische Untersuchung
- Gespräche mit Angehörigen oder anderen Bezugspersonen
- Verhaltensbeobachtungen
- standardisierte Fragebögen und Checklisten
Außerdem müssen andere Erkrankungen und Störungen ausgeschlossen werden. Der genaue Ablauf der Diagnose hängt von der individuellen Situation ab. Eine sorgfältige Diagnose ist wichtig, um die passende Behandlung und Unterstützung zu planen.
Was ist der Unterschied zwischen ADS und ADHS?
Sowohl bei ADS als auch bei ADHS haben Betroffene Schwierigkeiten dabei, sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein. Bei ADHS tritt zusätzlich Hyperaktivität und Unruhe auf. Bei ADS ist Hyperaktivität kaum oder gar nicht vorhanden.
Menschen mit ADS lassen sich leicht ablenken und haben häufig Schwierigkeiten, ihre Aufmerksamkeit über längere Zeit auf eine Aufgabe zu richten. Die Unruhe zeigt sich oft eher innerlich als durch auffälliges Verhalten. Deshalb wird ADS häufig später oder gar nicht erkannt.
Wie wird ADHS behandelt?
Die Behandlung von ADHS ist komplex und wird individuell an die betroffene Person angepasst. Die Therapie richtet sich nach dem Alter und dem genauen Störungsbild. Dieses wird unter anderem durch die Ausprägung der Symptome, den Leidensdruck, die Beeinträchtigungen und mögliche Begleiterkrankungen beeinflusst. Oft werden mehrere Behandlungsformen miteinander kombiniert. Fachleute sprechen von einer multimodalen Therapie.
Zu den möglichen Therapiebausteine gehören:
- Aufklärung und Beratung: Ein wichtiger erster Schritt ist die Aufklärung über ADHS. Dabei sollten nicht nur das betroffene Kind und dessen Eltern informiert werden, sondern auch Lehrkräfte oder Erzieher:innen des Kindes. Ziel ist es, die Erkrankung besser zu verstehen und hilfreiche Strategien für den Alltag zu entwickeln.
- Beratung der Eltern und strukturiertes Elterntraining: Vor allem bei jüngeren Kindern sind Elterntrainings ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Eltern lernen dabei, wie sie ihr Kind im Alltag besser unterstützen und schwierige Situationen bewältigen können.
- Unterstützung in Kindergarten und Schule: Kinder mit ADHS profitieren häufig von einer guten Zusammenarbeit zwischen Eltern, Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften. Gemeinsam können Maßnahmen entwickelt werden, die das Lernen und den Alltag erleichtern.
- Psychotherapie: In der Verhaltenstherapie lernen Betroffene, besser mit den Herausforderungen der ADHS umzugehen. Gemeinsam mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten werden konkrete Lösungen für schwierige Alltagssituationen erarbeitet. Ziele der Therapie sind zum Beispiel:
- die Stärkung sozialer Kompetenzen
- Probleme selbstständig zu lösen
- Impulse besser zu kontrollieren
- die Aufmerksamkeit zu verbessern
- Medikamente: In manchen Fällen können Medikamente eine Behandlung sinnvoll ergänzen. Medikamente zur Behandlung der Symptome von ADHS können ab einem Alter von sechs Jahren in Erwägung gezogen werden, nachdem eine umfassende Aufklärung stattgefunden hat. Häufig werden sogenannte Psychostimulanzien eingesetzt. Der bekannteste Wirkstoff ist Methylphenidat. Er kann die Konzentration verbessern sowie Hyperaktivität und Impulsivität verringern. Je nach Situation kommen auch andere Wirkstoffe wie Lisdexamfetamin, Atomoxetin oder Guanfacin infrage. Die medikamentöse Therapie gilt als sicher, sollte aber immer ärztlich begleitet und regelmäßig kontrolliert werden. Langzeitnebenwirkungen oder Abhängigkeiten sind nicht bekannt.Medikamente werden meist eingesetzt, wenn:
- die ADHS-Symptomatik stark ausgeprägt ist
- ADHS den Alltag deutlich beeinträchtigt
- die Verhaltenstherapie nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt
- Ergänzende Maßnahmen: Je nach Bedarf können weitere Maßnahmen hilfreich sein, zum Beispiel:
- Ergotherapie
- soziales Kompetenztraining, um den Umgang mit anderen Menschen zu verbessern
- Einzel- und Gruppenpsychotherapie können dazu beitragen, das Selbstwertgefühl zu stärken und Probleme mit Gleichaltrigen zu bewältigen.
- Neurofeedback kann helfen, Aufmerksamkeit und Konzentration zu trainieren. Dabei werden Körpersignale und Hirnaktivitäten über einen Bildschirm den Betroffenen rückgemeldet.
- regelmäßige Bewegung
Wie können Eltern ein Kind mit ADHS im Alltag unterstützen?
Ein Kind mit ADHS im Alltag zu begleiten, kann für die ganze Familie herausfordernd sein. Betroffene Kinder zeigen oft auffällige Unruhe und manchmal auch unkontrolliertes Verhalten. Dies führt häufig zu Auseinandersetzungen in der Familie und Problemen in der Schule oder im Kindergarten.
Folgende Strategien können im Familienalltag hilfreich sein:
- Tagesstruktur festlegen: Regelmäßige Routinen geben dem Kind Orientierung und mehr Sicherheit im Alltag.
- Klare Regeln vereinbaren: Das Kind sollte wissen, welche Regeln gelten und welche Folgen ein bestimmtes Verhalten hat.
- Eindeutige Anweisungen geben: Aufgaben sollten konkret benannt werden, damit das Kind genau weiß, was es zu tun hat.
Lob aussprechen: Es ist wichtig, das Kind immer wieder zu loben, wenn es etwas gut gemacht hat. Positive Rückmeldungen stärken das Selbstvertrauen. - Reizüberflutungen und Überforderungen vermeiden: Eltern sollten darauf achten, welche Reize oder Situationen das problematische Verhalten auslösen. Dem Kind sollte dann die Möglichkeit gegeben werden, eine Pause einzulegen oder die Situation zu verlassen. Es ist ratsam, in ruhigeren Momenten mit dem Kind darüber zu sprechen.
- Realistische Erwartungen setzen: Schwierigkeiten sollten Schritt für Schritt angegangen werden. Zu viele Anforderungen auf einmal können das Kind überfordern.
- Eigene Bedürfnisse beachten: Wenn der Familienalltag dauerhaft sehr belastend ist, können Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder therapeutische Unterstützung entlasten.
FAQ
Ja, ADHS kann weitervererbt werden. Eine internationale Studie aus dem Jahr 2023 identifizierte 27 Genregionen, die mit der Entstehung von ADHS in Zusammenhang stehen und man geht davon aus, dass die Veranlagung für ADHS zu etwa 70 bis 80 Prozent erblich ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder von betroffenen Eltern zwangsläufig ADHS entwickeln. Neben der genetischen Veranlagung spielen auch weitere biologische Faktoren und Umwelteinflüsse eine Rolle.
ADHS gilt nach heutigem Wissensstand nicht als heilbar. Die Symptome können jedoch mit einer passenden Behandlung deutlich gebessert werden.
Menschen mit ADHS reagieren häufig empfindlich auf Situationen, in denen viel Aufmerksamkeit, Selbstorganisation oder Impulskontrolle gefragt ist.
Dazu gehören zum Beispiel:
- eine reizüberflutete oder sehr laute Umgebung
- langes, monotones Arbeiten ohne Pausen
- unklare Strukturen oder fehlende Tagesabläufe
- Zeitdruck und Multitasking
- Schlafmangel und starker Stress
Diese Situationen müssen deshalb nicht grundsätzlich vermieden werden. Häufig helfen feste Routinen, regelmäßige Pausen und eine möglichst strukturierte Umgebung.
Es gibt keinen einzelnen Test, mit dem ADHS sicher festgestellt werden kann.
Die Diagnose wird von einer Fachärztin, einem Facharzt oder einer psychologischen Psychotherapeutin beziehungsweise einem Psychotherapeuten gestellt. Dazu gehören unter anderem:
- ein ausführliches Gespräch zur Krankengeschichte
- standardisierte Fragebögen
- Gespräche mit Angehörigen oder anderen Bezugspersonen
- Verhaltensbeobachtungen
- körperliche und psychologische Untersuchungen
Ziel ist es außerdem, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen.
Ja, ADHS kann sich bei Männern und Frauen unterschiedlich äußern. Die Hauptsymptome – Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität – sind dieselben, ihre Ausprägung kann sich jedoch unterscheiden.
Jungen und Männer zeigen häufiger auffällige Hyperaktivität und impulsives Verhalten. Dadurch wird ADHS bei ihnen oft früher erkannt.
Mädchen und Frauen haben dagegen häufiger den vorwiegend unaufmerksamen Typ. Typische Anzeichen sind Konzentrationsschwierigkeiten, Vergesslichkeit, innere Unruhe und Probleme mit der Organisation des Alltags.
Da diese Symptome oft weniger auffallen, wird ADHS bei Mädchen und Frauen häufiger erst im Jugend- oder Erwachsenenalter diagnostiziert. Auch psychische Begleiterkrankungen wie Angststörungen oder Depressionen können bei Frauen mit ADHS eine Rolle spielen und die Diagnose erschweren. Grundsätzlich gilt: ADHS kann sich von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich zeigen – unabhängig vom Geschlecht.
Medikamente können die Behandlung von ADHS sinnvoll ergänzen. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn die Symptome den Alltag stark beeinträchtigen und andere Maßnahmen, wie Verhaltenstherapie oder Unterstützung im Alltag, nicht ausreichen.
Es gibt zwei Hauptgruppen von ADHS-Medikamenten:
- Stimulanzien (z. B. Methylphenidat oder Lisdexamfetamin) sind die Medikamente der ersten Wahl. Sie verbessern bei vielen Betroffenen die Aufmerksamkeit und Konzentration und können Hyperaktivität sowie Impulsivität verringern.
- Nicht-Stimulanzien (z. B. Atomoxetin oder Guanfacin) werden eingesetzt, wenn Stimulanzien nicht ausreichend wirken, nicht vertragen werden oder aus medizinischen Gründen nicht geeignet sind.
Wie jedes Medikament können auch ADHS-Medikamente Nebenwirkungen verursachen. Häufig sind verminderter Appetit, Schlafprobleme, Kopfschmerzen oder Bauchschmerzen. Deshalb sollten sie immer unter ärztlicher Aufsicht eingenommen und regelmäßig kontrolliert werden.
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