Nagelpilz: Erkennen und Behandeln

Nagelpilz: Erkennen und Behandeln

Stand: April 2016

Nagelpilz ist ein lästiges Leiden und nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine Infektion, die unbehandelt zur Zerstörung des Nagelbetts führen kann. Die Infektion kann jeden treffen, besonders häufig betroffen sind Menschen mit körperlich aktivem Beruf, Sportler, Diabetiker und ältere Personen. Da Pilzinfektionen der Finger- und Fußnägel nicht von alleine wieder verschwinden, ist es wichtig, dass Betroffene einen Arzt aufsuchen und rasch mit einer geeigneten medikamentösen Behandlung beginnen. Woran Sie Nagelpilz erkennen und wie Sie einer Nagelpilzinfektion vorbeugen können, lesen Sie hier.

Aufbau und Funktion des Nagels

Nägel bestehen aus verhornten und dicht nebeneinander liegenden Zellen der Oberhaut und zählen zu den Anhangsgebilden der Haut. Im Wesentlichen besteht ein Nagel aus der Nagelwurzel, dem Nagelfalz, dem Nagelbett und der Nagelplatte. Der halbmondförmige weiße Bereich des Nagels wird als Lunula oder Nagelmond bezeichnet, der vorderste Teil des Nagels überragt die Finger- bzw. Zehenkuppe und wird freier Rand genannt.

Der sichtbare Teil des Nagels, die Nagelplatte, ist an den Seiten sowie am Ende vom Nagelfalz, einer Hautfalte, umgeben. Der Nagelfalz bildet eine kleine Nageltasche aus welcher an der Oberfläche des Nagels eine dünne Hautschicht entsteht, die vor dem Eindringen von Fremdkörpern schützt. Die Nagelplatte ist durchsichtig, schimmert jedoch aufgrund der Blutkapillaren des darunter liegenden Nagelbetts leicht rosa.

Nägel wachsen, weil sich die oberen Zellen in verhornte Nagelzellen umwandeln. Der Nagel schiebt sich dabei vom Nagelmond aus nach vorne bis zum freien Rand. Pro Woche wächst ein Fingernagel um etwa 0,5 bis einen Millimeter. Es dauert etwa drei bis vier Monate, bis ein verlorener Fingernagel ganz nachwächst. Zehennägel wachsen deutlich langsamer als Fingernägel.

Nägel schützen die Finger- und Zehenkuppen vor Verletzungen. Fingernägel erleichtern zudem den Umgang mit kleineren Gegenständen sowie die allgemeine Grifffunktion.

Was ist Nagelpilz?

Bei Nagelpilz (Nagelmykose, Onychomykose, Tinea unguium) handelt es sich um eine chronische, langsam fortschreitende und durch Pilze verursachte Infektion der Fuß- und Fingernägel, die unbehandelt zu einer Zerstörung der Nagelplatte führt. Der Nagelpilzinfektion geht häufig ein Fußpilz voraus.

Vor allem ältere Menschen sind häufig von einer Infektion betroffen. Weiters besteht ein erhöhtes Risiko bei Sportlern, Rauchern, Menschen mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Psoriasis (Schuppenflechte), Menschen mit Durchblutungsstörungen und mit Ekzemen im Fußbereich. Auch das Tragen von zu engem Schuhwerk, übermäßiges Schwitzen und das Benutzen von öffentlichen Sanitäreinrichtungen erhöhen das Risiko für eine Pilzinfektion.

Bei Sportlern ist das Risiko für die Infektion aufgrund der permanenten Reibung zwischen Fuß und Schuh erhöht, durch welche es zu kleinen Verletzungen im Nagelbereich kommen kann. Dadurch wird der Nagel weniger widerstandsfähig und Erreger können leichter ins Nagelinnere vordringen.

Ein Nagelpilz kann sich an jedem Nagel entwickeln, allerdings sind Infektionen der Fußnägel etwa viermal häufiger anzutreffen als Infektionen der Fingernägel. Bei den Fußnägeln beginnt die Infektion zumeist an der großen Zehe und geht dann auf die Nägel der kleineren Zehen über.

Die Infektion kann durch unterschiedliche Pilzerreger verursacht werden, darunter Trichophyton rubrum, Trichophyton interdigitale, Trichophyton mentagrophytes, Epidermophyton floccosum, diverse Microsporum-Arten sowie unterschiedliche Schimmel- und Sprosspilze.

Ausgehend von einer Infektion der umgebenden Haut dringt der Pilz von außen in das Innere des Nagels (Nagelbett) vor. Vor allem bei kleineren Einrissen und Verletzungen des Nagels kann der Pilz leicht in den Nagel eindringen.

Nagelpilz erkennen

Bei einer Nagelpilzinfektion ist die Haut um den betroffen Nagel meistens gerötet. Dringt der Pilz langsam in das Innere des Nagels vor, wird die Nagelplatte leicht angehoben. Außerdem kommt es – abhängig vom verantwortlichen Erreger – zu weißlichen, graugelben und/oder grün-bläulichen Verfärbungen der Nagelplatte. Im weiteren Verlauf wird die Nagelplatte durch die Infektion immer dicker und beginnt sich in kleinste Stücke aufzulösen. Unbehandelt geht die Infektion schließlich auch auf die Nagelwurzel und das Nagelbett über. Die veränderte Nageldicke kann zu Schmerzen und Eiterungen im Bereich des Nagelbetts führen.

Häufige Anzeichen einer Pilzinfektion auf einen Blick:

  • Farbveränderungen am Nagelrand
  • Farbige Flecken im Nagel
  • Verdickungen der Nagelplatte
  • Stumpfe, ausgetrocknete, brüchige und bröselige Nagelstruktur

Nagelpilz stellt kein Risiko für die Gesundheit dar, ist Betroffenen jedoch meistens sehr unangenehm und wird kosmetisch als störend empfunden. Nur in seltenen Fällen kommt es durch die Pilzinfektion zu anderen Entzündungen wie einer Wundrose.

Diagnose beim Arzt

Nagelpilz heilt nicht von alleine wieder ab. Menschen mit auffälligen Veränderungen am, im oder rund um den Nagel sollten sich an ihren Hausarzt bzw. an einen Dermatologen wenden, um rasch mit einer entsprechenden Behandlung beginnen zu können.

Ein erfahrener Arzt erkennt Nagelpilz meistens bereits durch eine Blickdiagnose. Dabei sieht sich der Arzt den infizierten Nagel und die umgebende Haut genau an – da Nagelverfärbungen und andere Veränderungen an der Nagelplatte allerdings nur ein Hinweis auf den Pilzbefall sind, jedoch keine genauen Informationen zur Erregerart geben, die für die Infektion verantwortlich sind, muss für eine exakte Diagnose eine Bestimmung der Erreger-Spezies durchgeführt werden. Hierfür werden verdächtige Teile der Nageloberfläche vorsichtig abgeschabt und unter dem Mikroskop untersucht. Um den Erreger genau bestimmen zu können, wird der Pilz in einer Kultur angezüchtet. Eine schnellere, jedoch teurere Möglichkeit ist der Erregernachweis mithilfe von PCR (Polymerase-Kettenreaktion).

Weiters desinfiziert der Arzt den infizierten Nagel mit einer speziellen Lösung und schneidet bzw. schabt befallene Bereiche des Nagels behutsam ab.

Die Behandlung von Nagelpilz orientiert sich am jeweiligen Erreger. Eine exakte Diagnose ist allerdings auch wichtig, um andere mit ähnlichen Anzeichen wie Nagelpilz einhergehende Nagelerkrankungen auszuschließen (Differentialdiagnose), darunter u.a.:

  • Nagelfehlbildungen: Nagelveränderungen wie Achsenabweichungen des Großzehennagels sind häufig angeboren und müssen symptomatisch behandelt werden.
  • Nagelpsoriasis: Psoriasis kann generalisiert oder nur an den Nägeln auftreten. Letzteres wird als isolierte Nagelpsoriasis bezeichnet. Wie andere Hauterkrankungen, darunter Ekzeme, Lichen ruber planus und Neurodermitis, kann isolierte Nagelpsoriasis bei ungenauer Betrachtung leicht mit Nagelpilz verwechselt werden.
  • Yellow-Nail-Syndrom: Gelbfärbung des Nagels
  • Melanonychie: Braun- oder Schwarzfärbung des Nagels

Behandlung von Nagelpilz

Die Behandlung von Nagelpilz erfordert viel Geduld. Es stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, um Nagelpilz zu beseitigen, darunter lokale Behandlungen, systemische Behandlungen, die photodynamische Therapie und die atraumatische Nagelentfernung. Wichtig ist, dass die Infektion von Betroffenen ernst genommen wird, da sie von alleine nicht wieder abklingt.

  • Lokale Behandlung der Pilzinfektion

Bei einer lokalen Nagelpilz-Behandlung werden sogenannte topische Antimykotika eingesetzt. Bei Antimykotika handelt es sich um Arzneimittel zur Behandlung einer Pilzinfektion. Bei der Behandlung werden regelmäßig spezielle Lacke bzw. Lösungen mit den Wirkstoffen Bifonazol, Amorolfinhydrochlorid oder Ciclopirox auf den betroffenen Nagel aufgetragen.

Eine lokale Behandlung ist allerdings nur dann sinnvoll, wenn sich die Infektion nicht auf den ganzen Nagel ausgebreitet hat. Zudem muss die Behandlung regelmäßig durchgeführt werden, um langfristig erfolgreich zu sein.

  • Systemische Behandlung der Pilzinfektion

Bei einer systemischen Behandlung erhält der Patient Antimykotika zur oralen Einnahme. Die Kapseln oder Tabletten enthalten den Wirkstoff Terbinafinhydrochlorid, Fluconazol oder Itraconazol. Mögliche Nebenwirkungen sind u.a. Magen-Darm-Erkrankungen, Hautveränderungen und allergische Reaktionen.

Systemische und lokale Behandlungen können kombiniert werden. Lokale Behandlungen sind in vielen effektiver, wenn sie zeitgleich mit einer systemischen Therapie durchgeführt werden.

  • Photodynamische Therapie bei Nagelpilz

Bei einer photodynamischen Therapie werden die organische Säure 5-Aminolävulinsäure (ALA) oder Methyl-Amino-Oxo-Pentanoat (MAOP) auf den infizierten Nagel aufgetragen. Anschließend wird der Nagel mit Rotlicht bestrahlt. Während der Rotlichtbestrahlung entsteht aggressiver Sauerstoff, der zur Schädigung des Pilzerregers führt.

  • Atraumatische Nagelentfernung

Die atraumatische Nagelentfernung ist eine Behandlung, bei welcher das angegriffene Nagelmaterial durch hoch konzentrierte Harnstoffzubereitungen (20 bis 40 Prozent) aufgeweicht wird. Der Nagel löst sich bei der Behandlung langsam auf. Die gesunde Nagelsubstanz wird durch die Behandlung nicht angegriffen. Neben Harnstoff kann auch Kalium iodatum (35 Prozent) verwendet werden.

Wie lange eine Behandlung dauert ist von Patient zu Patient unterschiedlich, wobei sowohl bei Fingernagelmykosen als auch bei Fußnagelmykosen von mehreren Monaten auszugehen ist. Die Therapie eines Fußnagelpilzes dauert meistens länger, da Zehennägel wesentlich langsamer wachsen als Fingernägel.

Ergänzende Maßnahmen

Hygiene ist eine Grundvoraussetzung, um Nagelpilz loszuwerden bzw., um eine weitere Infektion zu verhindern. Pilzerreger bevorzugen eine feuchte und warme Umgebung – verschwitzte Schuhe sind ein wahres Paradies für Pilze und bieten ideale Voraussetzungen, dass sich diese schnell ausbreiten können.

Bei Nagelpilz müssen alle Schuhe sorgfältig mit antiseptischen Sprays aus der Apotheke desinfiziert werden. Socken und Stümpfe sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Im Zweifelsfall lohnt es sich ältere Socken durch neue Socken zu ersetzen.

Hausmittel bei Nagelpilz

Die Behandlung von Nagelpilz erfolgt im Regelfall medikamentös. Da es sich bei Nagelpilz nicht bloß um ein kosmetisches Problem handelt, sollten sich Betroffene an einen Arzt wenden, sobald sie erste Veränderungen am Nagel feststellen. Je früher mit einer Therapie begonnen wird, desto kürzer ist die Behandlungszeit. Neben Medikamenten gibt es einige Hausmittel, die bei Nagelpilz wirksam sein können. Diese ersetzen jedoch nicht die medikamentöse Behandlung und sollten lediglich ergänzend zu einer solchen eingesetzt werden bzw. eine erste Behandlungsmaßnahme bis zur Diagnose und Behandlung durch den Arzt darstellen. Es ist medizinisch nicht belegt, dass folgende Hausmittel bei Nagelpilz tatsächlich helfen:

  • Teebaumöl: Teebaumöl gilt aufgrund seiner Verbindungen Terpinen und Cineol als Alleskönner unter Hausmitteln und wird dank seiner entzündungshemmenden und wundheilenden Eigenschaften u.a. zur Behandlung von Hautproblemen wie Akne und Warzen empfohlen. Zudem wird Teebaumöl eine – medizinisch nicht nachgewiesene – pilzabtötende Wirkung bei Nagelpilz nachgesagt.
  • Essig: Essig mit einem Säuregehalt von fünf bis 25 Prozent wirkt pilzabtötend und soll eine ähnliche Wirkung haben wie manche Antimykotika. Wie bei Teebaumöl ist die Wirkung wissenschaftlich nicht nachgewiesen.
  • Backpulver: Backpulver zählt ebenfalls zu den Hausmitteln bei Nagelpilz. Das Backpulver muss für die Behandlung mit Wasser verrührt und anschließend direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.

Da diese Hausmittel im Regelfall keinen zusätzlichen Schaden bewirken, kann es sich lohnen sie – vorzugsweise nach Absprache mit einem Arzt oder Apotheker – unterstützend zu einer medikamentösen Therapie anzuwenden.

Nagelpilz vorbeugen

Mit folgenden einfachen Maßnahmen können Sie Nagelpilz vorbeugen:

  • Tragen Sie Schuhe aus Baumwolle, Leder oder Leinen. Schuhe aus nicht-atmungsaktiven synthetischen Stoffen fördern die Ausbreitung von Pilzen.
  • Ziehen Sie Straßenschuhe in der Wohnung/im Haus immer aus.
  • Wechseln Sie Ihre Socken täglich.
  • Waschen Sie Socken bei mindestens 60 Grad. Manche Erreger werden bei Temperaturen unter 60 Grad nicht abgetötet.
  • Gehen Sie in Schwimmbädern, in der Sauna, im Fitnesscenter sowie in öffentlichen Sanitärbereichen niemals barfuß.
  • Vergessen Sie beim Abtrocknen nach dem Duschen nicht auf die Zehenzwischenräume und benutzen Sie stets ein eigenes Handtuch.
  • Tragen Sie beim Anprobieren von neuen Schuhen immer Socken oder Strümpfe. Dies gilt auch beim Kauf von neuen Sandalen und Flip Flops.
  • Tragen Sie nicht die Schuhe einer anderen Person.
  • Tragen Sie Ihre Nägel kurz und achten Sie auf eine regelmäßige Fuß- und Handpflege.
  • Gehen Sie zum Arzt, sobald Sie Auffälligkeiten an Fuß- und/oder Fingernägeln bemerken.
Autor:
Quellen:
Eva Owesny, Dr. Claudia Heller-Vitouch, Ärztliche Leiterin Pilzambulatorium Hietzing, Wien; Beratungsleitfaden 08/2015 Fuß- und Nagelpilz, Apotheker Krone 08/2015, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Lienhard A.; Nagelmykosen und farbige Nägel - Behandlung von Nagelerkrankungen in der Praxis, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie 05/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Dr. Claudia Heller-Vitouch, Ärztliche Leiterin Pilzambulatorium Hietzing, Wien; Mykosen – die häufigsten Infektionskrankheiten, Spectrum Dermatologie 01/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Univ.-Prof. Dr. Birgit Willinger, Klinische Abteilung für Mikrobiologie, Klinisches Institut für Labormedizin, Medizinische Universität Wien; Klinik, Prognose, Therapie – Dermatomykosen, Diabetes Forum 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Moser J.; Oberflächliche und systematische Mykosen – Risikofaktoren, Trends und Newcomer, Klinik 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH
ICD-10: B35.1

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