Das Leitsyndrom einer Präeklampsie ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft
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Präeklampsie

Eine Präeklampsie ist ein Bluthochdruck, der neu während der Schwangerschaft auftritt und mit zusätzlichen Anzeichen für Organschädigungen wie eine Proteinurie und Ödeme einhergeht. Schwere Formen sind die Eklampsie und das HELLP-Syndrom, die potenziell lebensbedrohlich für Mutter und Kind sind.

Fact-Box Präeklampsie

Definition: Hypertensive Erkrankung der Schwangerschaft mit dem Hauptsyndrom Bluthochdruck

Symptome: Hypertonie, Proteinurie, erhöhte Leberwerte, Ödeme an Füßen, Händen und Gesicht, verminderte Urinmenge, Kopf- und Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen

Schwerer Verlauf: Eklampsie und HELLP-Syndrom

Veraltete Bezeichnungen: Gestose und Schwangerschaftsvergiftung

Behandlung: Ruhe, blutdrucksenkende Mittel, bei schweren Verläufen eine möglichst frühe Beendigung der Schwangerschaft

Was ist eine Präeklampsie?

Die Präeklampsie zählt zu den hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen. Hauptsymptom ist eine Hypertonie (erhöhter Blutdruck). Treten zusätzlich zum hohen Blutdruck Zeichen von Organschädigungen auf, die sich in Form von Proteinurie (vermehrte Eiweißausscheidung durch die Niere) oder Erhöhung der Leberwerte im Blut zeigen, wird von einer Präeklampsie gesprochen.

Als frühe Präeklampsie wird das Auftreten vor der 34. Schwangerschaftswoche bezeichnet. Treten die Symptome erst danach auf, handelt es sich um eine späte Form der Erkrankung. Kommt es zu einem frühen Auftreten, kann es zu einer Unterversorgung des Fötus (Fötale Wachstumsrestriktion) durch die Plazenta kommen, wodurch die Kinder zu klein auf die Welt kommen und öfter auf Neugeborenenstationen versorgt werden müssen. Im schlimmsten Fall kann es auch zu einem Absterben des Fötus kommen

Wie entsteht Präeklampsie?

Meist tritt sie erst in der zweiten Schwangerschaftshälfte auf, dürfte ihre Ursachen aber in der Fehlleitung bestimmter Botenstoffe der Plazenta, die die Gefäßbildung steuern (angiogenetische Faktoren) haben. Dadurch werden verschiedene mütterliche Gefäße und Organe geschädigt.

Auch die Prädisposition (Eigenschaften, die zur Entwicklung einer Krankheit beitragen) der Mutter ist entscheidend für die Entwicklung eines Bluthochdrucks während der Schwangerschaft. Als Risikofaktoren gelten u.a. ein bereits vor der Schwangerschaft erhöhter Blutdruck, eine Präeklampsie in einer vorangegangenen Schwangerschaft, Diabetes, Nierenerkrankungen, Adipositas, Autoimmunerkrankungen oder auch Mehrlingsschwangerschaften. Ein Alter der Schwangeren unter 18 und über 35 Jahren sowie eine künstliche Befruchtung zählen ebenso zu den Risikofaktoren

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Liegen Risikofaktoren bei der Mutter vor, kann die Einnahme von niedrig-dosierter Acetylsalicylsäure (ASS, 150 mg/Tag) schon vor der 16. Schwangerschaftswoche bis zur 37. Woche das Risiko für die Entwicklung einer Präeklampsie um bis zu 60 Prozent vermindern.

Wie wird eine Präeklampsie festgestellt?

Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wird auch auf Anzeichen eines Schwangerschaftsbluthochdrucks und anderer Erkrankungen geachtet. Schwangeren Frauen ist daher anzuraten, der Ärztin/dem Arzt von jeglichen ungewöhnlichen Veränderungen im Körper zu berichten. Auch wenn sich die vermeintlichen Krankheitssymptome als harmlos herausstellen, ist es auch für die Frau selbst beruhigend zu wissen, ob alles in Ordnung ist.

Typische Symptome sind:

  • Erhöhter Blutdruck (mehr als 140/90 mm mmHg). Dieser tritt aufgrund der Engerstellung der Gefäße auf, die auch zu einer schlechteren Versorgung der Plazenta führt.
  • Proteinurie, also die vermehrte Eiweißausscheidung über den Urin (> 300 mg in 24 Stunden), ist Zeichen für eine gestörte Nierenfunktion.
  • Ödeme: Diese Wassereinlagerungen im Gewebe, die sich durch geschwollene Hände und Füße deutlich bemerkbar machen, treten zwar unabhängig von der Präeklampsie bei etwa 80 Prozent der Schwangeren im letzten Trimester auf, doch sie können auch ein Hinweis auf eine Nierenfunktionsstörung und Hypertonie sein. Treten sie auch im Gesicht auf und sind mit einer starken Gewichtszunahme (³ 1 kg/Woche im letzten Trimester) verbunden, können sie ein Hinweis auf eine Präeklampsie sein.
  • Auch eine verminderte Harnmenge trotz normaler Flüssigkeitsaufnahme ist Anzeichen dafür, dass die Nieren nicht störungsfrei arbeiten.
  • Weitere Symptome sind Sehstörungen (verschwommenes oder getrübtes Sehvermögen und Augenflimmern), starke Oberbauch- und Kopfschmerzen sowie Übelkeit und Erbrechen können Warnsignale sein.

Neben der Erhebung der Symptome wie Hypertonie, Proteinurie etc. kann auch anhand bestimmter Werte im Blut (angiogene und anti-angiogene Marker) festgestellt werden, ob eine Präeklampsie vorliegt oder sich entwickeln könnte. Dazu gehören vor allem die Faktoren PlGF sowie sFlt-1.

Exkurs: Der sFlt-1/PlGF-Test

Bei normal verlaufenden Schwangerschaften steigt PlGF (Placental Growth Factor) normalerweise während der ersten beiden Trimester an und fällt zum Ende hin ab. Der Anti-Angiogenesefaktor sFlt-1 (soluble Fms-like Tyrosinkinase-1), der Gefäßbildungen unterdrückt, steigt hingegen erst gegen Ende der Schwangerschaft, zuvor bleibt er konstant.

Liegt eine Präeklampsie vor, sind die PlGF-Werte erniedrigt und die sFlt-1-Werte erhöht. Die Berechnung des Quotienten aus den beiden Faktoren macht eine zuverlässige Diagnose der Präeklampsie möglich. Da diese Dysbalance schon am Ende des 1. und im 2. Trimester im Blut nachweisbar sind, noch bevor Symptome auftreten, eignen sich die Faktoren, um eine präventive Behandlung mit Aspirin einzuleiten.

Was ist eine Eklampsie?

Eine Eklampsie ist eine lebensbedrohliche Komplikation der Präeklampsie, die zu einem generalisierten Krampfanfall führt. Tritt eine Eklampsie auf, muss die Schwangere sofort in ein Krankenhaus gebracht werden. Weitere Komplikationen sind Hirnödeme, Thrombosen, Netzhautschäden und Hirnblutungen. Da eine Eklampsie lebensbedrohlich für Mutter und das ungeborene Kind ist, wird die Schwangerschaft nach Möglichkeit rasch durch einen Kaiserschnitt beendet.

Was ist das HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Syndrom tritt bei ein bis zwei von zehn Frauen mit schwerer Präeklampsie und Eklampsie auf. Es kann sich binnen einer Stunde voll ausprägen. Oft geht ein Anstieg des Blutdrucks voran, es kann aber in seltenen Fällen auch ohne Bluthochdruck auftreten.

Die typischen Symptome eines HELLP-Syndroms sind Übelkeit, Erbrechen, sehr starke Schmerzen im Oberbauch und eventuell Durchfall.

Das HELLP-Syndrom lässt sich anhand charakteristischer Laborveränderungen diagnostizieren, die auch namensgebend sind:

  • Hämolyse (Blutzerfall): Dabei kommt es zu einem vermehrten Abbau roter Blutkörperchen
  • Erhöhte Werte von Leberenzymen (englisch: Elevated Liver function tests): diese deuten auf Leberschäden hin
  • Geringe Thrombozytenzahl (englisch: Low Platelet counts): Die Anzahl der Blutplättchen ist vermindert, wodurch auch die Gerinnungsfähigkeit des Blutes mangelhaft ist. Dadurch besteht ein stärkeres Blutungsrisiko vor und während der Geburt.

Wie wird eine Präeklampsie behandelt?

Zunächst wird versucht, mittels körperlicher Ruhe und Schonung bzw. durch eine Lebensumstellung eine Besserung der Werte zu erreichen. Auch die Einnahme von blutdrucksenkenden Mitteln kann erforderlich sein.

Steigt der Blutdruck allerdings weiter an (> 150/100 mmHg), sollte die Behandlung im Krankenhaus fortgesetzt werden, um das Risiko für Mutter und Kind zu minimieren. Die Patientin sollte in einer reizarmen Umgebung liegen und bekommt Medikamente zur Senkung des Blutdrucks. Auch eine hochdosierte Magnesium-Infusion kann gegeben werden, wenn die Gefahr von Krämpfen zu hoch ist.

Im Falle einer schweren Form der Präeklampsie muss auch über eine Beendigung der Schwangerschaft nachgedacht werden, da die Erkrankung für Mutter und Kind lebensbedrohlich werden kann. Nach der 37. Schwangerschaftswoche wird in der Regel zu einer Entbindung geraten. Mit Beendigung der Schwangerschaft verschwinden auch die Symptome innerhalb weniger Tage.

Dank der Vorsorgeuntersuchungen und der frühen Behandlung von Müttern mit Symptomen sind Schäden an den betroffenen Kindern sehr selten geworden. Daher ist es umso wichtiger, alle Untersuchungstermine in der Schwangerschaft wahrzunehmen, um das Risiko für sich selbst und das Ungeborene zu minimieren.

Achtung: Wann muss eine Schwangere ins Krankenhaus?

Treten folgende Symptome auf, sollte sofort ein Krankenhaus aufgesucht werden:

  • starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit/Erbrechen
  • Schwindel
  • Lichtempfindlichkeit
  • Sehstörungen
  • Verwirrtheit, Schläfrigkeit oder Rastlosigkeit
  • Krampfanfälle bis hin zum Koma
  • Schmerzen im rechten Oberbauch
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