Frau nimmt Pille danach ein
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Pille danach – Funktion und Anwendung

Die Pille danach ist eine Methode der Notfallverhütung, sozusagen eine "erste Hilfemaßnahme" nach einem Verhütungsfauxpas. Ihre Einnahme in den ersten Tagen nach dem Geschlechtsverkehr kann eine ungewollte Schwangerschaft verhindern. Wie sie wirkt und wann sie nicht wirkt, wann die Pille danach geeignet ist und wann nicht, wo sie erhältlich ist und was nach der Einnahme beachtet werden sollte, lesen Sie hier.

Factbox – die Pille danach

Pille danach: Methode der Notfallverhütung (keine Abtreibungspille)

Wirkstoffe: Levornogestrel (Präparate wirken bis zu 72 Stunden/drei Tage nach dem Sex) und Ulipristalacetat (wirkt bis zu 120 Stunden/fünf Tage nach dem Sex)

Wirkungsweise: Verschiebt/Unterdrückt den Eisprung, nur wirksam bei Einnahme bevor der Eisprung stattfindet

Mögliche Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Schmerzen im Unterleib u. a.

Zusätzliche Verhütung nach Einnahme notwendig: Ja – bei Geschlechtsverkehr zu einem späteren Zeitpunkt im Zyklus muss zusätzlich verhütet werden

Rezeptpflichtig: Nein

Erhältlich: Rezeptfrei in Apotheken

Als dauerhafte Verhütungsmethode geeignet: Nein

Was ist die Pille danach?

Die Pille danach wird eingenommen, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Durch die Einnahme wird der Eisprung aufgehalten und auf einen späteren Zeitpunkt verschoben und eine Befruchtung und folglich eine Schwangerschaft werden verhindert. „Verhindert“ ist ein wichtiges Schlüsselwort in diesem Zusammenhang – durch die Einnahme der Pille danach kommt es nicht zu einer Schwangerschaft, die Pille danach ist also keine Abtreibungspille und nicht mit einem Schwangerschaftsabbruch gleichzusetzen. Es stehen zwei verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung, darunter Levornogestrel und Ulipristalacetat. Eine weitere Möglichkeit der Notfallverhütung ist die Spirale danach. Die Pille danach ist eine Maßnahme für den Notfall, nicht für die Langzeitverhütung.

Was ist der Unterschied zwischen den beiden Wirkstoffen?

Levonorgestrel ist ein synthetisches Gestagen, welches zur hormonellen Schwangerschaftsverhütung verwendet wird. Die Pille danach mit dem Wirkstoff Levornogestrel führt dazu, dass die Produktion von LH (Luteinisierendes Hormon; mitbeteiligt an der Regulation des Monatszyklus) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon; stimuliert die Follikelreifung) gehemmt wird, in weiterer Folge werden die Follikelreifung und der Eisprung verzögert.

Die LH-Konzentration steigt etwa zwei Tage vor dem Eisprung. Dies ist auch jene Zeit, in welcher das Empfängnisrisiko, also die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft, am größten ist. Sobald die LH-Konzentration steigt kann Levornogestrel den weiteren Anstieg und folglich den Eisprung nicht mehr verhindern. Auch der Wirkstoff Ulipristalacetat führt zu einer Hemmung von LH und FSH, im Gegensatz zu Levonorgestrel kann Ulipristalacetat den Eisprung aber noch aufhalten während der LH-Spiegel ansteigt. Ulipristalacetat ist ein sogenannter Progesteron-Rezeptor-Modulator und blockiert als solcher die Zellandockstelle (den Rezeptor) für Progesteron (Geschlechtshormon); es hemmt also die Bindung von Progesteron an den Rezeptor und verhindert so den Eisprung.

Die Pille danach hat keine Auswirkungen auf die generelle Fruchtbarkeit. Mögliche Nebenwirkungen sind u. a. Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit und Schmerzen im Unterleib, außerdem kann die nachfolgende Regelblutung unregelmäßig und stärker als üblich ausfallen. Bei starken Blutungen, starken Schmerzen und/oder anderen schweren Nebenwirkungen sollte eine gynäkologische Abklärung erfolgen.

Wie wird die Pille danach angewendet und was ist nach der Einnahme zu beachten?

Durch die Einnahme der Pille danach wird der Eisprung um ein paar Tage hinausgezögert bzw. unterdrückt. Die Pille danach kann also nur wirken, wenn die Einnahme vor dem Einsprung erfolgt. Wird die Pille eingenommen nachdem der Eisprung stattgefunden hat, dann kann es trotzdem zu einer Schwangerschaft kommen, die Notfallverhütung hat dann keine Wirkung.

Ferner zu beachten ist, dass bei Geschlechtsverkehr zu einem späteren Zeitpunkt im gleichen Zyklus verhütet werden muss, um eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Die Pille danach ist also kein „Freifahrschein“ für ungeschützten Geschlechtsverkehr für den Rest des Zyklus, bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr kann es auch nach Einnahme der Pille danach noch im selben Zyklus zu einer Schwangerschaft kommen. Wird ansonsten mit der Antibabypille verhütet, dann muss bis Zyklusende eine zusätzliche Verhütungsmethode (z. B. Kondom) angewendet werden.

Die Pille danach sollte so bald wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr geschluckt werden – je früher die Einnahme, desto eher kann der Eisprung verschoben werden. Präparate mit Levonorgestrel wirken bis zu spätestens 72 Stunden (drei Tage) nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr, solche mit Ulipristalacetat maximal innerhalb von 120 Stunden (fünf Tage) danach. Es besteht also kein Grund zur Panik, wenn man die Notfallverhütung nicht gleich bei der Hand hat und die Pille nicht innerhalb der ersten Stunde nach dem Sex eingenommen werden kann. Prinzipiell gilt allerdings, dass die Chance für das Verhindern einer ungewollten Schwangerschaft umso größer ist, je früher die Einnahme nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt.

Die Pille danach macht dann Sinn, wenn…

es zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr bzw. einer Verhütungspanne gekommen ist und eine ungewollte Schwangerschaft verhindert werden soll. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn beide Partner nicht ans Verhüten gedacht haben, wenn man vergessen hat die Antibabypille zu nehmen, wenn die Sicherheit der Antibabypille aufgrund von Durchfall oder Erbrechen nicht in vollem Umfang gegeben ist, wenn das Kondom gerissen oder abgerutscht ist oder vor Anwendung des Kondoms Samenflüssigkeit in die Vagina gelangt ist oder wenn man beim Verhüten nach der Temperatur- oder Kalendermethode während der fruchtbaren Zeit ungeschützten Verkehr hatte.

Die Pille danach ist nicht geeignet, wenn…

  • der Eisprung bereits stattgefunden hat,
  • der Verdacht auf eine Schwangerschaft besteht,
  • bei bestehender Schwangerschaft,
  • wenn eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile des jeweiligen Präparats besteht,
  • bei Frauen mit einer schweren Leberfunktionsstörung,
  • bei Frauen mit schwerem Asthma,
  • bei bestimmten Malabsorptionen und wenn bestimmte Medikamente zur Behandlung von Epilepsie und einer HIV-Infektion, Johanniskraut,
  • bestimmte Antibiotika und bestimmte andere Medikamente eingenommen werden, da es mit den Wirkstoffen der Pille danach zu Wechselwirkungen kommen kann.

Ferner können noch weitere Kriterien vorliegen, die gegen eine Anwendung der Pille danach sprechen, weswegen es ratsam ist, sich vor der Einnahme der Notfallverhütung ausführlich zu informieren und beraten zu lassen. Unter Umständen ist es möglich, auf eine andere Pille danach auszuweichen, alternativ auf die Spirale danach.

Stillzeit

Die Pille danach kann auch während der Stillzeit eingenommen werden. Nach dem Schlucken eines Präparats mit Levonorgestrel sollte acht Stunden nicht gestillt werden, bei Einnahme eines Präparats mit Ulipristalacetat wird eine Stillpause von einer Woche empfohlen.

Wo bekommt man die Pille danach?

Die Pille danach ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Präparate mit dem Wirkstoff Levonorgestrel kosten etwa 14,00 Euro, das Präparat mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kostet etwa 32,00 Euro*.

*Angaben ohne Gewähr

  • Autor

    Katharina Miedzinska, MSc

    Medizinjournalistin

    Katharina Miedzinska-Baran ist eine freie Medizinjournalistin, Biologin und Diätologin mit umfangreicher Expertise in der Erstellung medizinischer Inhalte sowie großem Interesse an Gesundheitsthemen.

Richter-Kuhlmann E.; Pille danach: Die neue Freiheit, Medizin Studieren 01/2015:22, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Bas H.; Kontrazeption im steten Wandel – Noch fehlen optimale Verhütungsmethoden für junge Frauen, Frauen mit chronischen Krankheiten und für Männer, Congress Selection 09/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Merki-Feld G.S.; Notfallkontrazeption – Neues zu Medikation, Anwendung und Beratung, Gynäkologie 05/2014, Rosenfluh Publikationen AG

Munkhambwa E.; Hoher Aufklärungsbedarf bei der Notfallkontrazeption, Apotheker Krone 04/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Dörfler D.; Aktuelle Optionen und Checklisten für die Beratung – Notfallverhütung – wann doch ärztliche Konsultation?, Gyn-Aktiv 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Lex P.; Abriss zu aktuellen Optionen – Notfallkontrazeption in Österreich, Gyn-Aktiv 01/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

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