Violettes Band als Zeichen für Bauchspeicheldrüsenkrebs
Foto: SewCream/Shutterstock

Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bauchspeicheldrüsenkrebs ist eine Tumorerkrankung der Pankreas (Pankreaskarzinom). Er steht bei Frauen an sechster, bei Männern an zehnter Stelle der häufigsten, neuaufgetretenen Krebserkrankungen. Die Krebsart ist mit einer hohen Mortalität verbunden. Unter anderem deshalb, da er in frühen Stadien kaum Symptome macht und oft nicht rechtzeitig erkannt wird. Eine Heilung ist nur durch eine umfangreiche Operation möglich.

Factbox – Pankreaskarzinom

Synonym: Bauchspeicheldrüsenkrebs, Pankreaskarzinom

Definition: bösartige Tumorerkrankung der Bauchspeicheldrüse

Ursachen und Risikofaktoren: gesicherte Risikofaktoren: Rauchen, hoher Alkoholkonsum, Genetik. Mögliche Risikofaktoren: bestimmte Vorerkrankungen, Ernährung, Umwelteinflüsse

Symptome: frühe Stadien: Schmerzen in Oberbauch oder Rücken, Appetitmangel und ungewollter Gewichtsverlust, Gelbsucht, Störungen der Insulinproduktion (Diabetes mellitus); spätere Stadien: unspezifische Schmerzen und Verdauungsstörungen, Wasseransammlungen im Bauchraum, ursächlich ungeklärte Entzündung der Bauchspeicheldrüse, gestörte Blutgerinnung

Diagnose: Anamnesegespräch, klinische Untersuchung, Bestimmung der Tumormarker, (endoskopische) Ultraschalluntersuchung, CT, MRT, Spiegelung von Bauchspeicheldrüsen- und Gallengang (ERCP), PET

Behandlung: Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, Schmerztherapie

 

Bauchspeicheldrüsenkrebs – was ist das?

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs handelt es sich um eine bösartige Tumorerkrankung der Bauchspeicheldrüse (Pankreas). Mediziner sprechen hier auch vom Pankreaskarzinom.

Die Bauchspeicheldrüse hat zwei lebenswichtige Funktionen für den Menschen: Sie produziert die Verdauungssäfte, die für die Verarbeitung der Nahrung im Darm notwendig sind, und sie bildet die Hormone Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel regulieren. Um diese Funktionen erfüllen zu können, hat das Pankreas zwei Gewebe: das exokrine (nach außen abgebende Drüse) und das endokrine (nach innen abgebend). Im exokrinen Gewebe werden Verdauungssäfte gebildet, die über Pankreasgänge in den Darm geleitet werden. Im endokrinen Gewebe liegen hormonbildende Zellen, die etwa Insulin und Glucagon, welche den Blutzuckerspiegel regulieren, herstellen. Tumore können in beiden Geweben entstehen, wobei die allermeisten im exokrinen Teil der Bauchspeicheldrüse entstehen. Die Experten sprechen hier vom exokrinen duktalen Adenokarzinom.

Die Erkrankung Bauchspeicheldrüsenkrebs ist relativ selten, aber besonders heimtückisch. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter an. In frühen Stadien der Erkrankung treten eher selten Symptome auf. Das ist auch der Grund dafür, warum die meisten Patienten ihre Diagnose erst in einem fortgeschrittenen Stadium erhalten und die Prognose eher ungünstig ist. Was die Therapie betrifft, so hängt sie von der Ausbreitung des Tumors und dem Allgemeinzustand des oder der Betroffenen ab. Grundsätzlich kommen eine operative Entfernung des Tumors, eine Strahlen- oder eine Chemotherapie als Behandlungsoptionen in Frage.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs sind bis dato nicht bekannt. Man weiß aber, dass es bestimmte Faktoren gibt, die das Erkrankungsrisiko erhöhen können. Diese sind:

  • Rauchen: Raucher haben Schätzungen zufolge ein 3,5-fach erhöhtes Risiko zur Entwicklung eines Pankreaskarzinoms. In Kombination mit einem hohem Alkoholkonsum erhöht sich das Risiko weiter. Auch Passivrauchen scheint ein Risikofaktor zu sein.
  • Alkoholkonsum: Starker Alkoholkonsum erhöht das Erkrankungsrisiko um das 2,5-fache. In Kombination mit Rauchen scheint sich das Risiko weiter zu erhöhen.
  • Vorerkrankungen: Wer etwa wegen eines Magengeschwürs eine Magenoperation durchführen lassen musste, hat ein drei- bis siebenfach erhöhtes Risiko. Weitere Erkrankungen, die das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen, sind vor allem Diabetes mellitus  oder Pankreatitiden (Entzündungen der Bauchspeicheldrüse). Pankreaskarzimone können auch durch zuvor erfolgte Behandlungen anderer Tumore im Bauchraum hervorgerufen werden.
  • Ernährung: Es wird angenommen, dass der häufige Konsum von Zucker, geräucherten oder gegrillten Speisen das Risiko für die Entstehung eines Pankreaskarzinoms erhöht.
  • Umwelteinflüsse: Der häufige Kontakt mit Chemikalien und Giftstoffen wie Nickel, Chrom, chlorierten Kohlenwasserstoffen, Herbiziden, Pestiziden und Lösungsmitteln scheint das Risiko für die Entwicklung des Tumors  zu erhöhen.
  • Genetik: Schätzungen zufolge sind zwei bis drei Prozent der Erkrankungsfälle auf eine genetische Vorbelastung zurückzuführen
  • Übergewicht (Adipositas)

Symptome der Erkrankung

In frühen Stadien der Erkrankung sind oft keine Symptome oder Beschwerden feststellbar. Das Pankreaskarzinom macht sich häufig erst dann bemerkbar, wenn es bereits weiter fortgeschritten ist.

Zu den möglichen frühen Symptome zählen:

  • Schmerzen in Oberbauch oder Rücken
  • Appetitmangel und ungewollter Gewichtsverlust
  • Gelbsucht
  • Fettstühle: hellerer, schmieriger, klebriger oder glänzender Stuhl
  • Störungen der Insulinproduktion: Diabetes mellitus kann sich entwickeln

Achtung: Diese eher unspezifischen Symptome können auch bei anderen Erkrankungen des Bauchraums auftreten.

Zu den möglichen später auftretenden Symptomen zählen:

  • unspezifische Schmerzen und Verdauungsstörungen
  • Wasseransammlungen im Bauchraum (Aszites)
  • ursächlich ungeklärte Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
  • gestörte Blutgerinnung

Pankreaskarzinom – Diagnose

Für die Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs wird der Patient bei der Anamnese nach Art, Dauer und Stärke von Beschwerden, Vorerkrankungen und Medikamenten gefragt. Auch Risikofaktoren werden erhoben, eine klinische Untersuchung mit besonderer Beachtung des Bauchraums wird durchgeführt, und Blut wird abgenommen, um die Tumormarker zu bestimmen. (Achtung: Mit einer Untersuchung des Blutes auf Tumormarker wie CA 19-9 kann man Bauchspeicheldrüsenkrebs zwar nicht nachweisen, aber der Tumormarker gibt wichtige Hinweise für das weitere ärztliche Vorgehen und den Krankheitsverlauf.)

Weiters kann eine endoskopische Ultraschalluntersuchung des Bauchs zum Einsatz kommen. Dabei kann der Arzt Gewebeproben entnehmen, die anschließend unter dem Mikroskop histologisch auf Zellen von Bauchspeicheldrüsenkrebs untersucht werden. Computertomographie (CT) und Kernspintomographie (MRT) können die inneren Organe im Bauch- und Brustraum, die Gangsysteme von Pankreas und Galle, das Schädelinnere und auch vergrößerte Lymphknoten sehr gut darstellen. Manchmal kommt auch eine Spiegelung von Bauchspeicheldrüsen- und Gallengang (ERCP) zum Einsatz. Damit lassen sich  die Bauchspeicheldrüsen- und Gallengänge unter Röntgenkontrolle mit Kontrastmittel füllen und darstellen, wobei Engstellen oder Verschlüsse im Gangsystem darauf hinweisen, dass ein Tumor im Bereich des Pankreas liegen könnte. Eventuell kommen auch Skelettszintigramm und Positronenemissionstomographie (PET) zum Einsatz, um feststellen zu können, ob Metastasen und Knochenbefall vorhanden sind.

Bauchspeicheldrüsenkrebs – Behandlung

Eine Heilung von Bauchspeicheldrüsenkrebs ist nur durch eine Operation möglich. Allerdings kommt diese nur bei fünfzehn bis 20 Prozent der Betroffenen in Frage, dann nämlich, wenn das umliegende Gewebe noch krebsfrei ist. Die weiteren Therapien dienen dazu, die Beschwerden der Patienten zu lindern und eine Ausbreitung des Tumors zu verlangsamen oder zu stoppen.

Operation
Sitzt der Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse, kommt eine Operation nach den Chirurgen Kausch und Whipple zum Einsatz. Dabei werden der Tumor, ein Teil der Bauchspeicheldrüse und des Magens, der Zwölffingerdarm und die Gallenblase mit Gallengang entfernt. In manchen Fällen muss die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden. In diesem Fall sind nach der Operation das Verdauungssystem und die Nahrungsaufnahme deutlich gestört, und das System muss in einem zweiten operativen Teil chirurgisch wiederhergestellt werden. Bei der Operation werden zusätzlich auch benachbarte Lymphknoten entfernt. Sind diese nicht von Krebszellen befallen, ist dies ein Hinweis darauf, dass der Tumor noch nicht gestreut hat.

Chemotherapie
Nach der Operation kommt in der Regel eine Chemotherapie mit Zytostatika zum Einsatz. Die Medikamente sollen die Vermehrung der Krebszellen verhindern bzw. sollen sie dadurch beseitigt werden. Wenn keine Operation möglich war, weil der Tumor bereits fortgeschritten ist, wird ebenfalls Chemotherapie gegeben. Man spricht hier von palliativer Chemotherapie, deren Ziel es ist, die Überlebenszeit der Betroffenen zu verlängern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Strahlentherapie
Grundsätzlich wird die Strahlentherapie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs nicht generell empfohlen und wird meist nur im Rahmen von kontrollierten Studien gegeben. Meist kommt sie in Kombination mit Chemotherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs, die nicht operiert werden können, zum Einsatz. Die Bestrahlung kann auch Beschwerden wie etwa Tumorschmerzen lindern.

Weitere Therapien
Chemotherapien werden meist kombiniert mit einem Tyrosinkinasehemmer eingesetzt. Dieser blockiert  Wachstumsfaktoren der Krebszellen und hemmt damit deren Ausbreitung. Neuere Therapieansätze wie zielgerichtete Therapien oder Immuntherapien zeigen bisher nur eingeschränkt Erfolge.

Schmerztherapie
Viele Patienten mit Pankreaskarzinom leiden unter Schmerzen. Sie benötigen, ebenso wie Patienten mit anderen Karzinomen auch, eine gute Schmerztherapie unter Aufsicht eines spezialisierten Arztes.

Nachsorge
Bei vielen Patienten mit Pankreaskarzinom wächst der Krebs nach einiger Zeit wieder. Man spricht hier von einem Rezidiv. Sind nur einzelne Krebsherde vorhanden, kann man versuchen, erneut zu operieren oder eine Bestrahlung vorzunehmen.
In jedem Fall ist die Nachsorge bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr wichtig, denn nur so kann ein etwaiges Rezidiv oder Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen der Therapien rechtzeitig erkannt werden. Bei den  Nachsorgeuntersuchungen kommen häufig Ultraschall und/oder Computertomographie sowie eine Bestimmung der Tumormarker zum Einsatz.

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