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Frau mit leichtem Übergewicht vor einer Waage
Foto: Lee Charlie/shutterstock

Antidepressiva und Gewichtszunahme: Welche Medikamente das Gewicht beeinflussen

Antidepressiva gehören zu den wichtigsten Medikamenten zur Behandlung von Depressionen und kommen auch bei anderen psychischen Erkrankungen zum Einsatz. Je nach Wirkstoff können sie sich unterschiedlich auf Appetit, Stoffwechsel und Körpergewicht auswirken. Einige Präparate sind dabei häufiger mit einer Gewichtszunahme verbunden als andere. Welche Antidepressiva besonders häufig mit Gewichtsveränderungen verbunden sind, warum diese entstehen können und was sich gegen eine unerwünschte Gewichtszunahme tun lässt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Zusammenfassung

Antidepressiva und Gewicht

Antidepressiva beeinflussen nicht nur Stimmung und Antrieb, sondern auch Parameter wie Appetit, Nahrungs- und Energieverwertung.

Ursachen: Desensibilisierung des 5-HT2-Rezeptors, Hemmung von Dopamin, Ungleichgewicht bei den Sättigungs- und Hungerhormonen; Genetische Veranlagungen, Ausgangsgewicht, emotionales Essen, bewegungsarmer Lebensstil

Antidepressiva, die häufig zu Gewichtszunahme führen: Mirtazapin, Amitriptylin; Escitalopram, Paroxetin

Antidepressiva, die eher zu Gewichtsabnahme führen: Bupropion, Fluoxetin

Management: Gewicht im Auge behalten, strukturierte Mahlzeiten, bewusste Portionsgrößen, ausreichend Ballaststoffe und Protein, Schlaf- und Stressmanagement;
Kein abruptes eigenmächtiges Absetzen!

Warum können Antidepressiva das Körpergewicht verändern?

Antidepressiva werden vor allem zur Behandlung von Depressionen eingesetzt, kommen aber auch bei Angst- und Panikstörungen, Zwangsstörungen, bestimmten Schlaf- und Essstörungen sowie chronischen Schmerzen zum Einsatz. Je nach Wirkstoff beeinflussen sie unterschiedliche Botenstoffsysteme im Gehirn. Dadurch können sie nicht nur Stimmung und Antrieb verändern, sondern auch Prozesse, die an der Regulation von Appetit, Nahrungsaufnahme und Energiehaushalt beteiligt sind.

Eine Gewichtszunahme ist deshalb bei einigen Antidepressiva eine mögliche Nebenwirkung, vor allem bei längerer Einnahme. Wie häufig und wie stark sie ausfällt, hängt unter anderem vom verwendeten Wirkstoff und von individuellen Faktoren ab. Unerwünschte Gewichtsveränderungen können die Therapietreue beeinträchtigen und dazu führen, dass Medikamente eigenständig abgesetzt werden.

Die genauen Ursachen einer Gewichtszunahme sind noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich wirken mehrere Mechanismen zusammen. Dazu gehören unter anderem Veränderungen an Serotonin- und Histaminrezeptoren, ein gesteigerter Appetit oder Heißhunger sowie mögliche Veränderungen von Sättigungssignalen und Energieverbrauch. Zusätzlich können individuelle Faktoren wie genetische Veranlagung, ein höherer Ausgangs-BMI, emotionales Essen und ein bewegungsarmer Lebensstil das Risiko für eine Gewichtszunahme erhöhen.

Antidepressiva Depression
Foto: TanyaJoy/shutterstock

Welche Folgen hat die Antidepressiva-induzierte Gewichtszunahme?

Eine deutliche Gewichtszunahme kann nicht nur als belastend empfunden werden, sondern auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen. Sie kann eine Insulinresistenz begünstigen oder verstärken und damit langfristig das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann steigen. Eine unerwünschte Gewichtszunahme kann zudem dazu führen, dass Betroffene ihre Behandlung eigenständig abbrechen. Dadurch kann sich der Behandlungserfolg verschlechtern und das Risiko für einen Rückfall steigen. Werden Antidepressiva abrupt abgesetzt, können außerdem Absetzsymptome wie Schwindel, Übelkeit, Schlafstörungen, Ängstlichkeit oder Stimmungsschwankungen auftreten.

Verursachen Antidepressiva immer eine Gewichtszunahme?

Nein. Nicht immer verursachen Antidepressiva eine Gewichtszunahme. Manche Wirkstoffe sind eher gewichtsneutral, andere führen häufig zu einer Zunahme von Körpergewicht. Dazu zählen insbesondere einige trizyklische Antidepressiva sowie Mirtazapin. Wie stark sich das Gewicht verändert, unterscheidet sich jedoch von Person zu Person. Auch individuelle Faktoren spielen eine Rolle.

Genetische Veranlagung, ein höherer Ausgangs-BMI, Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel können das Risiko für eine Gewichtszunahme beeinflussen. Zudem kann eine Gewichtszunahme teilweise mit der Besserung der Depression zusammenhängen. Bei manchen Betroffenen geht eine depressive Episode mit vermindertem Appetit und Gewichtsverlust einher. Bessert sich das Krankheitsbild dann aufgrund einer Therapie mit Antidepressiva, normalisiert sich oft auch der Appetit, und es kommt zu einer Gewichtssteigerung.

Frau auf einer Waage stehend
Foto: mojo cp/shutterstock

Welche Antidepressiva führen häufiger zu einer Gewichtszunahme?

Um herauszufinden, wie Antidepressiva mit Gewichtszunahme zusammenhängen und welche davon häufiger zu dieser unerwünschten Nebenwirkung führen, wurden bereits zahlreiche wissenschaftliche Studien erstellt. Laut einer rezenten großen Metaanalyse von Studien zu diesem Thema sind es vor allem trizyklische Antidepressiva wie etwa Amitriptylin und das tetrazyklische Antidepressivum Mirtazapin, die häufig zu einer signifikanten Gewichtszunahme führen. Demgegenüber erweisen sich die heute häufig verschriebenen SSRI wie Fluoxetin oder Sertralin vor allem in der Anfangsphase als gewichtsneutral, wobei es aber bei längerer Einnahme auch zu einer Gewichtszunahme kommen kann.

Eine große Beobachtungsstudie aus dem Jahr 2024 verglich acht häufig eingesetzte Antidepressiva hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das Körpergewicht. Analysiert wurden Daten von mehr als 183.000 Patient:innen, die mit Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Duloxetin, Venlafaxin oder Bupropion behandelt wurden. Sertralin diente dabei als Vergleichssubstanz. Nach sechs Monaten zeigten sich zwischen den einzelnen Wirkstoffen zwar Unterschiede, diese waren im Durchschnitt jedoch relativ gering.

Wirkstoff
Durchschnittliche Gewichtszunahme nach 6 Monaten

Escitalopram

+ 0,41 kg

Paroxetin

+ 0,37 kg

Duloxetin

+ 0,34 kg

Venlafaxin

+ 0,17 kg

Citalopram

+ 0,12 kg

Fluoxetin

– 0,07 kg

Bupropion

– 0,22 kg

Können Antidepressiva auch zu einem Gewichtsverlust führen?

Ja, einige Antidepressiva können mit einer Gewichtsabnahme verbunden sein. Das gilt insbesondere für Bupropion. Der Wirkstoff wird zur Behandlung von Depressionen und zur Unterstützung der Raucherentwöhnung eingesetzt. In Kombination mit Naltrexon ist Bupropion zudem zur Gewichtsreduktion bei bestimmten Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas zugelassen.

Auch bei Agomelatin zeigen Studien im Vergleich zu anderen Antidepressiva eine eher günstige Entwicklung des Körpergewichts. Eine Gewichtsabnahme ist jedoch weder bei Bupropion noch bei Agomelatin garantiert und sollte nicht der alleinige Grund für die Wahl eines Antidepressivums sein.

Was hilft gegen eine Gewichtszunahme durch Antidepressiva?

Antidepressiva führen im Vergleich zu vielen Antipsychotika meist zu einer eher moderaten Gewichtszunahme. Wichtig ist, das Medikament wegen einer Gewichtszunahme nicht eigenmächtig abzusetzen oder die Dosis zu verändern. Um einer weiteren Gewichtszunahme entgegenzuwirken, können verschiedene Maßnahmen helfen:

  • Kontrollieren Sie Ihr Gewicht regelmäßig, aber nicht übermäßig häufig.
  • Achten Sie auf regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten und ein bewusstes Essverhalten.
  • Wählen Sie Portionsgrößen bewusst.
  • Achten Sie auf eine ausreichende Zufuhr von Ballaststoffen und Eiweiß.
  • Integrieren Sie regelmäßige Bewegung in Ihren Alltag.
  • Achten Sie auf ausreichend Schlaf und einen guten Umgang mit Stress.
  • Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn die Gewichtszunahme deutlich oder belastend ist. Je nach Situation kann eine Ernährungs- oder Bewegungsberatung oder ein Wechsel auf ein Antidepressivum mit geringerem Einfluss auf das Körpergewicht sinnvoll sein.
Poke Bowl mit rohem Lachs, Edamame, Reis und Mango
Foto: Cook Shoots Food/shutterstock

Nimmt man nach dem Absetzen wieder ab?

Nach dem Absetzen eines Antidepressivums, das zu einer Gewichtszunahme geführt hat, nimmt man nicht automatisch wieder ab. Bei manchen Betroffenen kann das Gewicht wieder sinken, bei anderen bleibt ein Teil der Gewichtszunahme bestehen. Wie sich das Gewicht entwickelt, hängt unter anderem vom verwendeten Wirkstoff, der Dauer der Behandlung und individuellen Faktoren ab. Auch genetische Veranlagung, Ausgangsgewicht, Ernährung, körperliche Aktivität und andere Erkrankungen, etwa eine Schilddrüsenfunktionsstörung, können beeinflussen, ob und wie schnell Gewicht wieder verloren wird.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Wenn Sie unter der Behandlung mit Antidepressiva deutlich zunehmen oder die Gewichtszunahme als psychisch belastend empfinden, sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen. Auch bei Problemen während einer Dosisreduktion oder beim Absetzen ist ärztlicher Rat sinnvoll. Was man keinesfalls tun sollte, ist das Antidepressivum eigenmächtig abzusetzen, denn dann kann es zu Rückfällen kommen, und es besteht die Gefahr, dass Absetzsymptome auftreten.

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt,

  • wenn Sie das Antidepressivum absetzen möchten,
  • wenn während der Dosisreduktion stärkere oder anhaltende Beschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Ängstlichkeit oder Unruhe auftreten,
  • wenn Sie vermuten, dass sich Ihre Depression nach dem Absetzen wieder verschlechtert. Ärztlich lässt sich besser einschätzen, ob es sich um einen Rückfall oder um Absetzsymptome handelt.

Wichtig: Bei Suizidgedanken oder Impulsen zur Selbstverletzung ist rasche professionelle Hilfe wichtig. Bei akuter Suizidgefahr rufen Sie in Österreich die Rettung unter 144 oder wenden Sie sich an eine psychiatrische Ambulanz. Die Telefonseelsorge 142 ist rund um die Uhr erreichbar.

FAQ

Besonders häufig mit einer Gewichtszunahme verbunden sind trizyklische Antidepressiva wie Amitriptylin sowie Mirtazapin. Auch bei Monoaminoxidase-Hemmern (MAO-Hemmern) kann das Gewicht stärker zunehmen. Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Fluoxetin, Sertralin oder Citalopram beeinflussen das Gewicht meist weniger stark. Bei längerer Einnahme kann jedoch auch unter SSRI eine Gewichtszunahme auftreten.

Ja. Auch während einer Behandlung mit Antidepressiva ist eine Gewichtsabnahme grundsätzlich möglich. Wichtig sind realistische Ziele und ein langfristig umsetzbarer Ansatz. Crash-Diäten sind dagegen wenig geeignet, da sie Heißhunger begünstigen und zusätzlichen Stress verursachen können.

Hilfreich sind eine ausgewogene, energiebewusste Ernährung mit ausreichend Eiweiß und Ballaststoffen sowie regelmäßige Bewegung. Auch Krafttraining kann sinnvoll sein, weil es hilft, Muskelmasse zu erhalten oder aufzubauen. Ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress können die Gewichtskontrolle zusätzlich unterstützen.

Wenn die Gewichtsabnahme trotz entsprechender Maßnahmen nicht gelingt oder die Gewichtszunahme stark belastet, kann eine ärztlich oder ernährungsmedizinisch begleitete Gewichtsreduktion sinnvoll sein.

Nicht unbedingt. Ob das zusätzlich zugenommene Gewicht nach einer Dosisanpassung, einem Wechsel des Antidepressivums oder nach dem Absetzen wieder verloren geht, ist individuell sehr unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen kann sich das Gewicht wieder reduzieren, bei anderen bleibt ein Teil der Gewichtszunahme bestehen.

Dabei spielen unter anderem der verwendete Wirkstoff, die Dauer der Behandlung, Ernährung, Bewegung, Ausgangsgewicht und individuelle Stoffwechselfaktoren eine Rolle. Eine verlässliche Zeitspanne, innerhalb der sich das Gewicht wieder normalisiert, lässt sich daher nicht angeben. Änderungen der Dosis oder des Medikaments sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.

Ob Frauen unter Antidepressiva stärker zunehmen als Männer, ist nicht eindeutig geklärt. Einzelne Studien haben bei Frauen häufiger eine Gewichtszunahme beobachtet. Die bisherigen Daten reichen jedoch nicht aus, um daraus einen allgemeinen Geschlechtsunterschied abzuleiten. Wahrscheinlich spielen der verwendete Wirkstoff, Ausgangsgewicht, Behandlungsdauer, Stoffwechsel und Lebensstil eine größere Rolle.

Regelmäßige Bewegung kann dabei helfen, einer Gewichtszunahme unter Antidepressiva entgegenzuwirken. Sowohl Ausdauertraining als auch Krafttraining erhöhen den Energieverbrauch und unterstützen Stoffwechsel und Gewichtskontrolle. Krafttraining hilft zusätzlich dabei, Muskelmasse zu erhalten oder aufzubauen.

Ein zusätzlicher Vorteil: Regelmäßige körperliche Aktivität kann depressive Symptome lindern und die Behandlung einer Depression unterstützen. Sowohl Ausdauer- als auch Krafttraining zeigen dabei positive Effekte.

Ob und wann der Heißhunger verschwindet, ist stark vom Wirkstoff des eingenommenen Antidepressivums abhängig, denn bestimmte Wirkstoffe wie Mirtazapin oder Amitriptylin lösen durch eine spezifische Rezeptorblockade die typischen Heißhungerattacken aus, und dieser Effekt bleibt meist solange bestehen, wie man das Medikament einnimmt. Unter einer Therapie mit SSRI oder SNRI tritt dieses Phänomen oft nur in den ersten Wochen auf, und wenn sich der Körper an die neuen Gegebenheiten anpasst, flacht der Heißhunger bei vielen wieder ab.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und 2009 erhielt sie den Prälat Leopold Ungar Journalistinnen Anerkennungspreis.

Falkai P et al (Hg): Duale Reihe Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. 7. Aufl., Stuttgart: Thieme 2022.

Mouawad M et al: Impact of Antidepressants on Weight Gain: Underlying Mechanisms and Mitigation Strategies. Arch Clin Biomed Res. 2025;9(3):183-195.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12121960/, Abruf August 2026

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https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38950403/, Abruf August 2026

Pillinger T et al: The effects of antidepressants on cardiometabolic and other physiological parameters: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet, 2025; 406, 2063-2077
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(25)01293-0/fulltext, Abruf August 2026

https://der-arzneimittelbrief.com/artikel/2020/antidepressiva-und-antipsychotika-auswirkungen-auf-koerpergewicht-und-metabolismus, Abruf August 2026

https://link.springer.com/article/10.1007/s11298-019-7123-9, Abruf August 2026

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