Psoriasis (Schuppenflechte) – Definition, Ursache, Behandlung

Psoriasis (Schuppenflechte) – Definition, Ursache, Behandlung

Stand: September 2018
Schuppenflechte, linker Ellenbogen

Die Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine weit verbreitete Hauterkrankung. Typisch für Psoriasis vulgaris, die häufigste Form, sind gerötete schuppende Stellen im Bereich der Ellenbogen, Knie und an anderen Körperstellen. Die Krankheit verläuft chronisch und in wiederkehrenden Schüben und kann das körperliche und psychische Wohlbefinden Betroffener stark beeinträchtigen. Was löst Psoriasis und Krankheitsschübe aus? Wie wird Psoriasis behandelt und was können Betroffene selbst tun um zum Gelingen der Therapie beizutragen? Antworten auf diese Fragen und weitere wichtige Informationen zum Thema finden Sie hier.

Was ist Psoriasis?

Psoriasis (Schuppenflechte) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Haut mit verschiedenen Erscheinungs- und Verlaufsformen. Als Systemerkrankung kann sie neben der Haut auch die Gelenke und andere Organe betreffen. Psoriasis ist eine sehr häufige Hauterkrankung, in den westlichen Industrienationen sind etwa 1,5 bis zwei Prozent* der Bevölkerung betroffen, in Österreich leiden etwa 250.000 bis 300.000* Menschen unter Schuppenflechte. Die Ausprägung der Erkrankung kann sehr stark variieren, typisch sind u.a. scharf abgegrenzte rötliche und mit mehr oder minder silbrig-weißen Schuppen bedeckte Flecken. In aller Regel verläuft die Krankheit chronisch und mit wiederkehrenden Schüben. Ein Schub kann unterschiedlich lange dauern, ebenso variieren kann das erscheinungsfreie Intervall, also die Zeit ohne Erscheinungen zwischen Krankheitsschüben. Psoriasis ist derzeit nicht heilbar, aber in vielen Fällen gut behandelbar – zwischen den Krankheitsschüben kann es längere Phasen mit völliger Beschwerdefreiheit geben, mithilfe einer umfassenden Therapieplanung ist es oftmals möglich, eine weitgehende Erscheinungsfreiheit und Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Die Erkrankung ist nicht lebensbedrohlich und nicht ansteckend. Aufgrund der mit ihr einhergehenden Beschwerden kann sie das Wohlbefinden und die Lebensqualität Betroffener sehr stark beeinträchtigen.

Ursachen und Triggerfaktoren

Die Ursachen der Erkrankung sind bislang nicht endgültig bekannt. Sicher ist, dass es eine genetische Veranlagung gibt, wobei eine genetische Veranlagung alleine nicht bedeutet, dass man mit Sicherheit erkrankt. Wichtiger Akteur in Zusammenhang mit der Entzündungsreaktion ist das Immunsystem, welches fehlgeleitet ist und bei einem Krankheitsschub wie bei einer Verletzung reagiert. Es bilden sich ständig übermäßig viele neue Hautzellen. Diese wachsen in Richtung der Hautoberfläche, wo sie absterben und als Schuppen in Erscheinung treten – für gewöhnlich erneuert sich die Oberhaut innerhalb von etwa vier Wochen, bei Psoriasis sind es etwa drei bis fünf Tage.

Für das Auftreten der Erkrankung spielen Triggerfaktoren eine entscheidende Rolle – mittlerweile wurden zahlreiche Faktoren identifiziert, die eine Schuppenflechte oder einen Psoriasis-Schub auslösen können. Zu diesen zählen u.a. physikalische, chemische und entzündliche Hautreizungen wie Verletzungen und lokale Hautschäden, Reibung, Kratzen, Druck oder Sonnenbrand, Infektionen (z.B. Streptokokken), die Einnahme bestimmter Medikamente, hormonelle Veränderungen und Umstellungen, Alkohol und Stress. Psoriasis ist also eine durch äußere oder innere Einflüsse provozierbare systemische chronisch entzündliche Erkrankung mit immungenetischer Basis. Die Neigung auf die hier genannten und anderen Triggerfaktoren zu reagieren ist unterschiedlich stark ausgeprägt.

Einteilung und Symptome

Abhängig vom Krankheitsbeginn werden zwei Psoriasis-Typen unterschieden. Typ I tritt vor dem 40. Lebensjahr auf, Typ II, die zumeist eher mildere Verlaufsform, tritt nach dem 40. Lebensjahr auf. Die häufigste Erkrankungsform ist die Psoriasis vulgaris (Plaque Psoriasis). Charakteristisch für Psoriasis vulgaris sind gerötete scharf abgegrenzte und leicht erhabene Flecken, die mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt sind (Plaques). Die Größe der Herde variiert von klein und punktförmig bis hin zu mehreren größeren betroffenen Hautbezirken. Die Hautveränderungen können ansonsten symptomlos sein, ebenso aber auch schmerzen oder stark jucken. Bevorzugt betroffen sind u.a. Körperpartien wie die Ellenbogen, Knie, Kopfhaut und der untere Rückenbereich. Die Psoriasis kann sich auch im Bereich der Finger- und Zehennägel zeigen.

Etwa 20 Prozent der Betroffenen entwickeln in Zusammenhang mit der Psoriasisveranlagung eine Psoriasis-Arthritis (Gelenkentzündung). Bei einer Psoriasis-Arthritis springt die Entzündung sozusagen auf die Gelenke über. Prinzipiell kann bei einer Psoriasis-Arthritis jedes Gelenk von der Entzündungsreaktion betroffen sein, bevorzugt betroffen sind die Gelenke im Bereich der Finger und Zehen. Es kommt zu Schwellungen, Schmerzen und eingeschränkter Beweglichkeit. Ferner kommen auch andere Erkrankungen, darunter u.a. Diabetes mellitus, Adipositas, Bluthochdruck und Herzerkrankungen, bei Menschen mit Psoriasis häufiger vor. Weitere Formen der Erkrankung sind u.a. Psoriasis pustulosa, die durch flüssigkeitsgefüllte Bläschen auf der Haut charakterisiert ist, und Psoriasis erythrodemica, bei welcher die gesamte Körperoberfläche verdickt und gerötet ist.

Die Auflistung der hier angeführten Anzeichen und Symptome kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos sein, auch kann ein Symptom auf eine andere Erkrankung hindeuten. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Psychische Auswirkungen

Wie bestimmte andere Hauterkrankungen (z.B. schwere Akne, Neurodermitis) kann sich Psoriasis negativ auf das psychische Wohlbefinden Betroffener auswirken und seelisch sehr belastend sein. Häufig fühlen sich Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung “weniger attraktiv” und leiden zusätzlich zu den körperlichen Beschwerden auch unter Schamgefühlen und psychischen Belastungen, nicht selten erleben sie Stigmatisierung und Ausgrenzung. Unaufgeklärte Menschen begegnen Psoriatikern oftmals mit Ablehnung oder sogar Ekel (Psoriasis ist eine nicht ansteckende Hauterkrankung). All dies kann u.a. dazu führen, dass sich Betroffene zurückziehen und soziale und andere Aktivitäten meiden. Stress und psychische Belastungen können wiederum dazu führen, dass sich die Schuppenflechte verschlimmert. Spezielle Patientenschulungen, das Erlernen von Entspannungstechniken, psychologische Unterstützung und andere Maßnahmen können Betroffenen beim Umgang mit der Hauterkrankung und den damit einhergehenden psychischen Belastungen helfen.

Diagnose

Wegweisend für die Diagnose sind das klinische Bild und die Anamnese, üblicherweise lässt sich die Erkrankung an den charakteristischen Veränderungen im Bereich der Haut und Nägel erkennen. Beim Abkratzen der oberflächlichen Schuppen in einem betroffenen Hautareal kommt man zu einer dünnen Hautschicht, wo die Schuppen etwas fester sitzen. Wird auch diese Schuppenschicht entfernt, dann kommt es zum Auftreten einer punktförmigen Blutung (Auspitz-Phänomen). In manchen Fällen kann eine Gewebeentnahme notwendig sein, um die Diagnose mittels feingeweblicher Untersuchung zu sichern. Ein häufig eingesetztes Verfahren, um den Schweregrad der Erkrankung und die Krankheitslast der psoriatischen Hautveränderungen zu bestimmen ist der Psoriasis Area and Severity Index (PASI; Score-Verfahren, Bewertungsindex).

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach der Form und dem Schweregrad der Erkrankung und anderen individuellen Faktoren. Sie wird individuell auf den Patienten abgestimmt und bei Bedarf angepasst (Stufentherapie).

Moderne Therapieansätze zielen nicht nur auf eine Verbesserung der Hautveränderungen ab, sondern auch auf etwaige Begleiterkrankungen. Es stehen verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die eine individualisierte Behandlung ermöglichen und mit Hilfe welcher ein milderer Verlauf der Schuppenflechte und eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden können. Dazu zählen u.a. die richtige Hautpflege als Basisbehandlung, lokale Therapiemaßnahmen, Phototherapie (Behandlung der Haut mit UV-Licht) und die systemische (innerliche) medikamentöse Therapie mit Tabletten oder Injektionen.

Sehr wichtig ist die richtige Hautpflege mit rückfettenden und hautpflegenden Cremes, Salben, Lotionen und Duschölen. Diese Basistherapie stellt einen essentiellen Bestandteil eines jeden Therapiekonzepts bei Schuppenflechte dar. Die Behandlung beginnt mit einer topischen (lokalen) Therapie (z.B. Corticosteroide, Vitamin-D-Derivate, Dithranol), bei stärkerer Ausprägung kann die lokale Behandlung mit anderen Therapiemaßnahmen kombiniert werden. Leidet ein Patient an einem ausgedehnterem Befall oder zeigt sich kein ausreichendes Ansprechen auf die Lokaltherapie, dann kann die Behandlung um eine Phototherapie ergänzt werden. Bei nicht ausreichendem Ansprechen auf diese Therapiemaßnahmen oder schwerem Verlauf kann eine systemische Therapie notwendig sein, für welche verschiedene Medikamente zur Verfügung stehen (Retinoide, Methotrexat, Ciclosporin A, Biologika u.a.).

Außerdem sehr wichtig ist ein gesunder Lebensstil. Jeder Patient kann selbst wesentlich zum Gelingen der Therapie beitragen. Wichtige Maßnahmen sind das Einhalten der verordneten Therapie, Reduktion von Übergewicht, eine gesunde Ernährung, ausreichend körperliche Aktivität, Rauchstopp, die Reduktion von Alkohol, Stressreduktion, das Meiden von mechanischen Belastungen der Haut und ein gewissenhafter Umgang mit der Sonne (Vermeiden von Sonnenbränden).

Fact-Box

Psoriasis: Chronisch-entzündliche nicht ansteckende Hauterkrankung

Ursachen: Bislang nicht endgültig geklärt; genetische Veranlagung, fehlgeleitetes Immunsystem, Triggerfaktoren (z.B. physikalische, chemische, entzündliche Hautreizungen, Infektionen, Stress) u.a.

Häufigste Form: Psoriasis vulgaris (Plaque Psoriasis)

Gekennzeichnet durch: Gerötete scharf abgegrenzte und leicht erhabene mit silbrig-weißen Schuppen bedeckte Flecken, Juckreiz u.a.; häufig betroffene Körperpartien: Ellenbogen, Knie, Kopfhaut, unterer Rückenbereich. Die Psoriasis kann sich auch im Bereich der Nägel zeigen.

Weitere Formen: Psoriasis pustulosa, Psoriasis erythrodemica u.a.

Diagnose: Anamnese, Untersuchung der Haut, bei Bedarf Biopsie u.a.

Behandlung: Richtige Hautpflege (Basistherapie), lokale Therapie, Phototherapie, systemische medikamentöse Therapie, gesunder Lebensstil

Quellen:
Lienhard A.; Systemische Therapie der Psoriasis, ARS Medici 09/2017, Rosenfluh Publikationen AG

Sator P.-G.; Psoriasis, Spectrum Dermatologie 01/2017, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Global report on psoriasis, World Health Organization, 2016

Wolf P.; Psoriasis: Forschung und Weiterentwicklung der Therapie, Spectrum Dermatologie 02/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Holzer G. et al.; Psoriasis und Komorbiditäten, Universum Innere Medizin 10/2012, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Philipp S.; Therapie der Psoriasis - nicht nur auf die Haut achten!, ARS Medici 09/2012, Rosenfluh Publikationen AG

Psoriasis-Patienten leiden unter Stigmatisierung, 27.10.2017, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/sw/Psoriasis?nid=83138
ICD-10: L40, L40.0, L40.1, L40.2, L40.3, L40.4, L40.8, L40.9

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