Behandlung einer Sinusitis – Nebenhöhlenentzündung

Behandlung einer Sinusitis – Nebenhöhlenentzündung

Stand: Juni 2014

Eine Nebenhöhlenentzündung kann hartnäckig sein, weshalb es sich lohnt, mit Geduld verschiedene Behandlungsmöglichkeiten auszuprobieren bzw. miteinander zu kombinieren. In jedem Fall sollten Sie sich körperlich schonen und bei Fieber auf alle Fälle das Bett hüten. Sind die Symptome nach zwei bis drei Wochen nicht abgeklungen bzw. ist noch immer keine merkliche Besserung in Sicht, sollten Sie einen HNO-Facharzt aufsuchen. Eine Untersuchung auf anatomische Anomalien (Polypen, Verkrümmung der Nasenscheidewand) bzw. der Ausschluss von Allergien sind dann angezeigt.

Abschwellende Medikamente

Medikamente, die die Schleimhäute der Nase und der Nebenhöhlen abschwellen, erleichtern das Abfließen des Sekretes. Es gibt sie in Form von Nasensprays, Nasentropfen sowie in Tabletten- und Pulverform, oft auch in Kombination mit Schmerzmitteln. Inwiefern sie zur Heilung beitragen bzw. ob sie die Dauer einer Sinusitis verkürzen können, ist nicht klar. Sie reduzieren aber eindeutig die Symptome, wenn auch kurzfristig, und können so u.a. das Einschlafen erleichtern. Wichtig ist, Nasensprays und Nasentropfen nicht länger als einige Tage anzuwenden, da die Nase sonst wieder vermehrt zuschwillt.

Schmerzmittel

Um die Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich zu lindern, können Sie Schmerzmittel wie Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen einnehmen.

Inhalieren

Aufgrund von Studienergebnissen beim banalen Schnupfen dürfte die Inhalation warmer Dämpfe (42-45°C) auch bei der Sinusitis zumindest eine symptomatische Linderung bringen. Öl-Zusätze wie Menthol, Kampfer oder Eukalyptus erzeugen eine angenehm kühlende, abschwellende Empfindung, wenngleich es zu keiner messbaren Abschwellung kommt.

Antibiotika

Die Auswertung groß angelegter Studien zeigt, dass sich die Symptome bei den allermeisten Menschen mit einer Sinusitis binnen zwei Wochen verbessern. Ob mit oder ohne Antibiotika, macht kaum einen Unterschied: Weniger als zehn von 100 Patienten mit akuter Sinusitis haben durch die Einnahme von Antibiotika einen Benefit. Dem gegenüber stehen die Nebenwirkungen der Antibiotika wie Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschläge und Scheidenpilzinfektionen. Auch die Länge der Antibiotika-Einnahme macht keinen Unterschied: Die Einnahme von Antibiotika über 6-10 Tage ist genauso wenig erfolgreich wie die Einnahme über 3-5 Tage.

Dennoch verschreiben Ärzte in der Mehrzahl der akuten Sinusitis-Fälle nach wie vor Antibiotika. Durch den zu häufigen Einsatz der Medikamente bei milden Verlaufsformen haben sich im letzten Jahrzehnt zunehmend widerstandsfähige Krankheitserreger gebildet, gegen die Antibiotika nichts mehr ausrichten können.

Angezeigt sind Antibiotika meistens bei schweren Verlaufsformen der Nasennebenhöhlenentzündung, bei der Ausweitung der Entzündung auf andere Kopf- und Gesichtsbereiche sowie bei der chronischen Sinusitis.

Salzlösungen

Isotone Lösungen, also Salzwasserzubereitungen, können in Form von Nasensprays, Nasenspülungen, fertigen Nasenduschen oder Verdampfungen angewendet werden. Dass sie die Symptome bessern, konnten Studien bislang nur bei der chronischen Sinusitis zeigen.

Kortison

Kortisonhaltige Nasensprays oder Kortisontabletten sollen der Entzündung entgegenwirken. Allerdings braucht es einige Tage, bis sie ihre Wirkung entfalten. Ähnlich wie bei den Antibiotika haben etwa 10 von 100 Patienten einen Benefit davon, indem sich die Symptome merklich bessern. Zu den Nebenwirkungen zählen u.a. Kopfschmerzen und Nasenbluten. In Form von lokal anwendbaren Sprays sind die Nebenwirkungen geringer, als wenn Kortison in Tablettenform eingenommen wird.

Akupunktur

Die Akupunktur hat zum Ziel, das Abfließen des Nasensekrets zu erleichtern und Schmerzen zu reduzieren. Es gibt mittlerweile sogar Studien, die belegen, dass Kopfschmerzen bei Sinusitis durch Akupunktur reduziert werden können.

Antihistaminika

Antihistaminika haben entzündungshemmende und antiallergische Wirkmechanismen. Inwiefern sie bei einer akuten Sinusitis helfen, ist nicht ganz klar. Sie sind aber vor allem dann angezeigt, wenn eine Sinusitis vorliegt, die durch eine Allergie begünstigt wird.

Behandlung der chronischen Sinusitis

Bei einer Chronifizierung der Nebenhöhlenentzündung liegen des öfteren Bakterien vor, weshalb der Einsatz von Antibiotika hier sinnvoller ist als bei der akuten Form der Erkrankung. Auch Kortison ist eher bei einer chronischen Sinusitis angezeigt als bei einer akuten.

Gestaltet sich der Leidensweg lange und bringen gängige Behandlungsmethoden nicht den gewünschten Erfolg, steht mit der funktionellen endoskopischen Nasennebenhöhlenoperation (FESS) eine bereits seit längerem erprobte Operation als Behandlungsmethode zur Verfügung. Dabei werden Engstellen in den Nasennebenhöhlen mithilfe eines Endoskops (kleines, schlauchförmiges Gerät) erweitert. Schwerwiegende Komplikationen ereignen sich dabei in etwa 0,5% der Fälle.

Ein neueres operatives Verfahren ist die sogenannte Ballondilatation der Nasennebenhöhlen. Dabei wird ein Kathether in die Nase eingeführt und am Eingang der Nebenhöhlen ein Ballon langsam aufgeblasen.

Beide Methoden haben zum Ziel, die Nebenhöhlen durchgängiger zu machen und somit den Sekretabfluss zu erleichtern, das Riechvermögen zu verbessern und die Wirksamkeit lokaler Medikamente zu verbessern. Oft muss die Therapie mit Kortisonsprays nach einer Operation weitergeführt werden.

Zusammenfassen lässt sich sagen, dass die Therapie der chronischen Sinusitis ein langwieriges Verfangen ist und es bisher keine Therapiemethode gibt, mit der die Symptome rasch abklingen.

Wie können Sie einer Sinusitis vorbeugen?

Achten Sie auf ausreichend Schlaf und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
Machen Sie viel Bewegung im Freien und ziehen Sie sich dabei der Witterung entsprechend an.
Vermeiden Sie Zugluft, etwa durch eine Klimaanlage im Büro oder im Auto
Wenn Sie erkältet sind:

  • Bleiben Sie mit erhöhter Temperatur/Fieber im Bett!
  • Trinken Sie mindestens 2l Flüssigkeit am Tag, am besten warmen Tee!
  • Schnäuzen Sie sich nicht zu kräftig, und halten Sie dabei immer ein Nasenloch zu!

Lesen Sie weiter: +++ Ursachen der Sinusitis +++

 

Quellen:
Clinical Evidence http://clinicalevidence.bmj.com/x/systematic-review/0511/key-points.html

AWMF-Leitlinie: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/017-049k_S2k_Rhinosinusitis_2011-07.pdf
ICD-10: J01