Darstellung der Gesichtsnerven
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Trigeminusneuralgie

Der Schmerz ist sehr heftig, hält nur kurz an, kann aber immer wieder auftreten. Bis zu hundert mal am Tag. Bei einer Trigeminusneuralgie leiden die Betroffenen unter blitzartig einschießendem, einseitigem Gesichtsschmerz. Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Neuralgie und erfolgt durch Medikamenten oder einen operativen Eingriff.

Factbox -Trigeminusneuralgie

Synonym: Trigeminusneuralgie, (stechender) Gesichtsschmerz

Definition: chronische Schmerzerkrankung des Nervus Trigeminus, des Nervs, der für die Gefühlswahrnehmung des Gesichts, der Schleimhäute in Mund und Nase und der Hornhaut verantwortlich ist

Ursachen: klassische Trigeminusneuralgie: Reizung des Nervus Trigeminus an seiner Austrittsstelle aus dem Hirnstamm durch ein benachbartes Blutgefäß; Symptomatische Trigeminusneuralgie: durch andere  neurologische Grunderkrankungen hervorgerufen (z.B. Schlaganfälle im Hirnstamm, Tumoren, Multiple Sklerose)

Symptome: blitzartig einschießende, heftige, einseitige Gesichtsschmerzen, als einzelne Attacke oder in Serien, ausgelöst: spontan oder durch Trigger wie Kauen, Sprechen, Berührungen des Gesichts, manchmal reflektorisches Anspannen der mimischen Muskulatur, im Verlauf dumpfer Dauerschmerz zwischen den Attacken möglich

Diagnose: Anamnese, neurologische Untersuchung, ggf. MRT, Lumbalpunktion zur Entnahme von Nervenwasser, Messungen der elektrischen Aktivität des Trigeminusnervs, HNO-ärztliche Abklärung

Behandlung: Medikamente: Antikonvulsiva. Operationen: Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta, Perkutane Radiofrequenzthermokoagulation, Radiochirurgische Therapie

Was ist eine Trigeminusneuralgie?

Unter einer Trigeminusneuralgie versteht man einen blitzartig einschießenden einseitigen Gesichtsschmerz. Der Schmerz ist extrem stark und geht vom Nervus trigeminus (Trigeminusnerv) aus. Dieser Nerv versorgt über drei Äste Gesicht, Stirn, Augen, Kinn, Ober- und Unterkiefer und leitet Empfindungen weiter. Ist dieser geschädigt, meldet er starke Gesichtsschmerzen an das Gehirn. Der Schmerz kann in Ruhe auftreten oder durch Triggerfaktoren wie Kauen oder eine Berührung ausgelöst werden, hält nur einige Sekunden an, kann aber bis zu hundert Mal am Tag auftreten. Zu Beginn sind die Schmerzattacken oft nur leicht, sie können aber so stark werden, dass Betroffene aus Angst vor den Attacken etwa nichts mehr essen. Der Trigeminusschmerz tritt periodisch auf, was bedeutet, dass sich Wochen und Monate ohne Beschwerden mit Phasen häufiger Attacken abwechseln.

Die Erkrankung trifft vor allem Menschen ab 50 Jahren, Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer. Sie muss von anderen Kopfschmerzen wie etwa Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Cluster-Kopfschmerz abgegrenzt werden, und Fachleute unterscheiden eine häufige klassische Form, bei der ein pathologischer Kontakt zwischen dem Trigeminusnerv und einem Gefäß gegeben ist, von der weitaus selteneren symptomatischen Trigeminusneuralgie, die etwa im Rahmen von Multipler Sklerose auftritt.

Behandelt wird die Erkrankung vor allem medikamentös, aber auch Operationen, Hitze- oder Bestrahlungstherapien kommen zum Einsatz.

Eine Trigeminusneuralgie kann psychisch sehr belastend sein, und viele Betroffene leiden auch an depressiven Verstimmungen.

Ursachen der Erkrankung

Je nachdem, welche Art der Trigeminusneuralgie vorliegt, sind die Ursachen unterschiedlich:

Klassische Trigeminusneuralgie: Hier ist eine Reizung des Nerven an seiner Austrittsstelle aus dem Hirnstamm durch ein benachbartes Blutgefäß gegeben. Der Druck, der dadurch entsteht, führt zum Verlust der Nervenhülle an der betroffenen Stelle, was innerhalb des Nerven zu Kurzschlüssen führen kann, bei denen Impulse des sensiblen Teils auf schmerzleitende Nervenfasern überspringen. Als Folge kommt es zu den typischen Schmerzattacken, die meist durch Berührungen oder Bewegungen des Gesichts ausgelöst werden. Das kann zum Beispiel beim Zähneputzen, Rasieren, Kauen oder Sprechen passieren, und manchmal genügt auch schon ein kalter Luftzug, um die Symptome auszulösen.

Symptomatische Trigeminusneuralgie: Sie wird durch andere neurologische Grunderkrankungen hervorgerufen, wobei Auslöser Schlaganfälle im Hirnstamm, Tumoren, Gefäßfehlbildungen oder eine Multiple Sklerose sein können.

Symptome einer Trigeminusneuralgie

Der einseitig auftretende Gesichtsschmerz ist sehr heftig und wird oft als Elektroschock-ähnlich, schießend, stechend oder scharf beschrieben. Er kann für Sekunden oder bis zu zwei Minuten anhalten und tritt in der Regel wiederholt auf. Manche Patienten haben mehrmals täglich solche Schmerzattacken, andere wiederum nur einmal im Jahr. Zwischen den Attacken sind die Patienten meist schmerzfrei.

Zu den Leitsymptomen zählen:

  • blitzartig einschießende, heftige, einseitige Gesichtsschmerzen
  • als einzelne Attacke oder in Serien bis zu 100 Mal am Tag
  • spontan ausgelöst oder durch Trigger wie Kauen, Sprechen, Berührungen des Gesichts
  • betroffen sind meist der zweite oder dritte Trigeminusast
  • manchmal reflektorisches Anspannen der mimischen Muskulatur
  • im Verlauf dumpfer Dauerschmerz zwischen den Attacken möglich

Wie wird Trigeminusneuralgie diagnostiziert?

Die Diagnose der Trigeminusneuralgie wird meist anhand der Krankengeschichte und der dabei vom Patienten geschilderten typischen Symptome gestellt. Weiters wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt. Bei vermutetem Vorliegen einer anderen Grunderkrankung können bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) notwendig werden. Eventuell wird im Rahmen einer Lumbalpunktion Nervenwasser entnommen. In bestimmten Fällen werden elektrophysiologische Messungen der elektrischen Aktivität des Trigeminusnervs durchgeführt, und in manchen Fällen kann eine HNO-ärztliche Abklärung Hinweise auf mögliche Ursachen liefern.

Behandlung der stechenden Gesichtsschmerzen

Grundsätzlich wird die Trigeminusneuralgie entweder mit Medikamenten oder mittels operativer Eingriffe therapiert. Medikamente kommen vor allem bei der klassischen Trigeminusneuralgie zum Einsatz. Dabei werden in erster Linie Antikonvulsiva wie Carbamazepine verwendet. Sie unterbinden die Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Eine Behandlung mit herkömmlichen Schmerzmitteln ist in den meisten Fällen nicht effektiv, denn ihre Wirkung entfaltet sich für den plötzlich einschießenden Schmerz zu spät, und manche dieser Schmerzmittel sind für die Stärke des Trigeminusschmerzes auch nicht ausreichend schmerzlindernd.

Gelingt es nicht, den Schmerz mit Medikamenten zu lindern, sind die Nebenwirkungen der Antikonvulsiva nicht tolerabel oder liegt eine symptomatische Trigeminusneuralgie vor, so gibt es drei operative Verfahren, die angewendet werden können:

  • Mikrovaskuläre Dekompression nach Jannetta: Dabei wird ein kleines Stückchen Kunststoff als Puffer zwischen dem Trigeminusnerv und dem ihn reizenden Gefäß eingefügt. Die Ergebnisse nach der Operation sind sehr gut: Rund drei Viertel aller so behandelten Patienten sind danach für viele Jahre schmerzfrei.
  • Perkutane Radiofrequenzthermokoagulation: Dabei wird eine Sonde durch die Haut zum sogenannten Ganglion Gasseri, einer Ansammlung von Nervenzellkörpern des Trigeminusnervs, geschoben. Dort werden dann die Schmerzfasern des Nervs durch lokale Hitzeanwendung, mechanisch mittels Druckballon oder chemisch mittels Glyzerin zerstört. Auch hier ist die Erfolgsrate zunächst sehr hoch, aber nur bei etwa jedem Zweiten dauerhaft.
  • Radiochirurgische Therapie: Dabei wird der Trigeminusnerv nahe am Hirnstamm einmalig mit einem speziellen Bestrahlungsgerät (Gamma-Knife) mit einer hohen Strahlendosis bestrahlt. Die Wirkung setzt erst nach einigen Wochen ein, die Langzeitergebnisse sind nicht so gut wie bei den operativen Verfahren. Der Vorteil dieser Methode besteht vor allem darin, dass sie nicht invasiv ist.

Prognose der Erkrankung

Was den Krankheitsverlauf bei der Trigeminusneuralgie betrifft, so ist er von Patient zu Patient sehr unterschiedlich, und die Abstände zwischen den Schmerzattacken sind kaum vorhersehbar. Die Erkrankung ist bislang nicht vollständig heilbar, und viele Betroffene sind dadurch massiv in ihrer Lebensqualität eingeschränkt – einerseits durch die heftigen Schmerzattacken, andererseits durch die Angst vor der nächsten Attacke. Deshalb leiden manche Patienten mit Trigeminusneuralgie auch an depressiven Verstimmungen, die ebenfalls behandelt werden sollten.

 

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