Zyste – Definition, Symptome, Behandlung

Zyste – Definition, Symptome, Behandlung

Stand: September 2019
Ultraschallbild einer Zyste

Eine Zyste ist ein flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, welcher praktisch überall im Körper entstehen und verschiedene Ursachen haben kann. Zysten sind in vielen Fällen harmlos, unter Umständen können sie jedoch verschiedene Beschwerden verursachen und zu Komplikationen führen. Die Behandlung richtet sich nach dem Erscheinungsbild, der Lokalisation und anderen Faktoren. Mehr über Zysten erfahren Sie hier.

Was ist eine Zyste?

Bei einer Zyste handelt es sich um einen durch eine Kapsel abgeschlossenen flüssigkeitsgefüllten Hohlraum im Gewebe. Eine Zyste kann aus einer Kammer oder aus mehreren Kammern bestehen, ihr Inhalt kann dünn- oder dickflüssig und von unterschiedlicher Beschaffenheit sein. Ebenso variiert die Größe von Zysten – während manche die Größe eines Stecknadelkopfes haben, werden andere mehrere Zentimeter groß, was unter Umständen zu Beschwerden und Komplikationen führen kann.

Formen und Lokalisation

Zysten lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterteilen. Prinzipiell unterschieden wird zwischen echten Zysten und sogenannten Pseudozysten. Echte Zysten sind von einer Schicht von Zellen bzw. einer Zystenwand aus Epithel ausgekleidet und unterteilen sich weiter in verschiedene Zystentypen. Pseudozysten besitzen im Gegensatz zu echten Zysten keine Epithelauskleidung, sie sind nur von Bindegewebe umgeben. Ein weiteres Einteilungskriterium ist die Lokalisation; Zysten können im gesamten Körper entstehen, bekannte Zysten sind u. a.:

  • Zysten im Bereich der Haut/Talgdrüsenzysten der Haut
  • Knochenzysten
  • Zysten im Mundraum, Zahnwurzelzysten
  • Schilddrüsenzysten
  • Nierenzysten
  • Leberzysten
  • Zysten im Gehirn
  • Lungenzysten
  • Zysten in der Brust
  • Vaginalzysten
  • Eierstockzysten
  • Hydrozele (Flüssigkeitsansammlung im Hoden)
  • Zysten im Bereich der Kniekehle (Baker-Zyste)

Ursachen

Zysten können sich in jedem Alter bilden und unterschiedliche Ursachen haben. Mögliche Ursachen und Faktoren, welche die Entstehung von Zysten begünstigen sind u. a. der Einfluss von Hormonen (z. B. bei Zysten im Bereich der Eierstöcke oder der Hoden), bestimmte Krankheiten (z. B. Lungenzysten bei Mukoviszidose, Zystennieren, Zystenleber, bestimmte Tumoren u. a.), Infektionen mit bestimmten Parasiten (z. B. Echinokokkose – durch Bandwürmer hervorgerufene Erkrankung, bei welcher sich in verschiedenen Organen Zysten bilden), Abflussbehinderungen von Drüsen (z. B. Speicheldrüsen, Talgdrüsen) und der Einschluss (Inklusion) von Gewebe (Epithelgewebe) unter der Haut- oder Schleimhautoberfläche (Inklusionszysten; z. B. in Folge einer Verletzung oder Operation). Eine weitere mögliche Ursache sind Entwicklungsstörungen beim Embryo (angeborene Zysten). Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe anderer möglicher Ursachen.

Symptome

Ob und welche Beschwerden oder Komplikationen eine Zyste verursacht, hängt von der Art der Zyste, ihrer Größe und Lokalisation und von anderen Faktoren ab. Die meisten Zysten sind gutartig, viele verursachen keine Beschwerden, fallen über einen längeren Zeitraum nicht auf und werden erst im Rahmen einer Routineuntersuchung entdeckt. Allerdings können auch diese an sich harmlosen Zysten zu Beschwerden und Komplikationen führen, etwa weil sie an Größe gewinnen, zunehmend Raum fordern und in weiterer Folge auf andere Gewebe Druck ausüben bzw. diese verdrängen.

Beispiele für mögliche mit Zysten einhergehenden Beschwerden
Kieferzysten bleiben häufig über längere Zeit symptomlos, nicht selten werden sie zufällig bei einer Röntgenaufnahme des Kiefers entdeckt. Mit zunehmendem Wachstum der Zysten kann es zu Schmerzen sowie zu Schwellungen, zur Verdrängung von benachbarten Strukturen (z. B. Zahnwurzeln), zu Zahnfehlstellungen, Zahnlockerungen und anderen Symptomen und Komplikationen kommen.

Auch Eierstockzysten, bei welchen verschiedene Formen unterschieden werden, können symptomlos verlaufen, in anderen Fällen können sich, je nach Größe, genauer Lokalisation und anderen Faktoren, unterschiedliche Beschwerden wie beispielsweise Blutungsstörungen, Schmerzen im Unterbauch, Verstopfung oder Beschwerden beim Urinieren bemerkbar machen. Im Fall einer Stildrehung (Drehung der Zyste um die eigene Achse) kann es zur Abklemmung von Blutgefäßen und zu starken Unterbauchschmerzen kommen, in solchen Fällen ist eine operative Behandlung notwendig.

Nierenzysten und Leberzysten verursachen bis zu einer gewissen Größe in der Regel keine Beschwerden und werden häufig zufällig entdeckt. Größere Zysten in diesen Organen können zu Schmerzen und anderen Beschwerden führen (z. B. Schmerzen im Bereich von Rücken und Bauch im Fall von Nierenzysten, Schmerzen und Druckgefühl im Oberbauch und Übelkeit bei Leberzysten). Einfache Nieren- und Leberzysten sind nicht mit den genetisch bedingten Erkrankungen Zystennieren (polyzystische Nierenerkrankung) und Zystenleber (polyzystische Leber) zu verwechseln, bei welchen das jeweilige Organ mit einer Vielzahl an Zysten durchsetzt ist und welche langfristig zu verschiedenen Beschwerden und schweren Komplikationen führen können (z. B. Harnstauung, Harnwegsinfektionen, Niereninsuffizienz und Nierenversagen bei polyzystischer Nierenerkrankung).

Bei Patienten mit einer Baker-Zyste (benannt nach dem britischen Chirurgen William Morrant Baker) bildet sich in Folge bestimmter Erkrankungen und eines chronischen Gelenkergusses (z. B. im Rahmen degenerativer Meniskusläsionen oder rheumatischer Erkrankungen) eine Zyste im Bereich der Kniekehle, was sich u. a. durch Schwellung und Schmerzen bei Beugebewegungen des Knies bemerkbar machen kann.

Die Auflistung der hier angeführten Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine bestimmte Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom im Fall von Zysten auftreten. Zu welchen Beschwerden es bei Zysten kommt und wie stark diese ausgeprägt sind, kann individuell verschieden sein. Bei Fragen und Beschwerden sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Behandlung

Wie und vom wem Zysten diagnostiziert werden hängt u. a. von der Lokalisation der Zysten ab. Viele Zysten werden zufällig entdeckt, beispielsweise im Rahmen einer Ultraschalluntersuchung (z. B. Eierstockzysten, Leberzysten) oder eines Röntgens (z. B. Kieferzysten). Eine Zyste im Bereich der Kniekehle ist ab einer bestimmten Größe tastbar und lässt sich mittels bildgebender Untersuchungen (Ultraschall, Magnetresonanztomographie) gut nachweisen. Je nach individueller Ausgangssituation wird der jeweilige Arzt weitere Untersuchungen veranlassen, um eine genaue Diagnose zu stellen. Unter Umständen wird eine Zystenpunktion durchgeführt, bei welcher die Zyste mit einer feinen Nadel angestochen wird, um eine Probe des Inhalts für eine Untersuchung unter dem Mikroskop zu entnehmen. Die Behandlung hängt vom Erscheinungsbild und der genauen Lokalisation der Zysten, von der Symptomatik und anderen Faktoren ab. Bei gutartigen Zysten, die keine Schmerzen oder andere Beschwerden verursachen ist häufig keine Behandlung/Operation erforderlich; je nach Art und Lokalisation bilden sich Zysten nicht selten auch von selbst zurück. Häufig wird zunächst abgewartet und die Zysten werden regelmäßig vom Arzt kontrolliert. Größere Zysten oder Zysten, die mit Beschwerden und Komplikationen einhergehen (bzw. dies zukünftig tun könnten), können, je nach Art, Erscheinungsbild und Lokalisation, punktiert, verödet oder im Rahmen einer Operation entfernt werden.

Fact-Box Zyste

Zyste: Flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, kann sich fast überall im Körper bilden

Größe: Variabel – von sehr klein/stecknadelkopfgroß bis hin zu mehreren Zentimetern

Lokalisation/Entstehungsorte: Kieferzysten, Knochenzysten, Schilddrüsenzysten, Nierenzysten, Leberzysten, Lungenzysten, Zysten in der Brust, Zysten im Gehirn, Eierstockzysten, Zysten im Bereich der Kniekehle u. v. m.

Ursachen/begünstigende Faktoren: Einfluss von Hormonen, Abflussbehinderungen von Drüsen, Inklusion (z. B. nach Verletzungen oder operativen Eingriffen), Infektionen mit bestimmten Parasiten, bestimmte Erkrankungen (z. B. Mukoviszidose, Zystennieren, Zystenleber), Entwicklungsstörungen in embryonalen Strukturen u. a.

Symptome: Verursachen oft keine Beschwerden; je nach Erscheinungsbild und Lokalisation Schmerzen und andere Beschwerden (z. B. Eierstockzysten: Blutungsstörungen, Unterbauchschmerzen, Verstopfung und Schmerzen beim Urinieren; Baker-Zyste: Druckgefühl, Bewegungseinschränkungen und Schmerzen beim Beugen des Knies)

Diagnose: Je nach Ausgangssituation; Anamnese, körperliche Untersuchung, bildgebende Untersuchungen (je nach Lokalisation, z. B. Ultraschall, Röntgen, Magnetresonanztomographie, Computertomographie), Zystenpunktion u. a.

Behandlung: Bei gutartigen Zysten, die keine Beschwerden/Komplikationen verursachen häufig nicht erforderlich; abwarten und regelmäßige Kontrollen (Zysten können sich von selbst zurückbilden); bei größeren Zysten oder Beschwerden: Punktion, Verödung, operative Entfernung u. a. (z. B. Entfernung von Eierstockzysten im Rahmen einer Bauchspiegelung, Zystektomie zur Kieferzystenentfernung)

Autor:
Quellen:
Rohloff N. et al.; Ovarialzysten – von der Differenzialdiagnose zur richtigen Therapie, Gynäkologische Endokrinologie, 01/2018, Springer Medizin

Mellacher A., Kirnbauer B.; Zystentherapie in der Zahnmedizin, Zahn Krone 04/2017, Ärztekrone Ges.m.b.H.

Schwaninger M.; Differenzialdiagnosen radioluzenter Kieferläsionen, Zahn Krone 04/2017, Ärztekrone Ges.m.b.H.

Rudnicki M.; Progressionsverzögerung bei polyzystischer Nierenerkrankung, Universum Innere Medizin 09/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Pongratz P.; Echinokokkose – vernachlässigte Herausforderung für den Kliniker, Klinik 06/2012, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Banas B. et al.; Große Nebennierenzysten: Zunehmende Inzidenz einer häufig malignen Erkrankung, Deutsches Ärzteblatt 14/2003, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Teller P. et al.; Baker-Zysten, Ganglien, in: MRT-Atlas Orthopädie und Unfallchirurgie, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg, 2002, S.175-193

Spangenberg H. C. et al.; Der Leberrundherd, Deutsches Ärzteblatt, 2009, URL: https://www.aerzteblatt.de/archiv/64644/Der-Leberrundherd

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