Reiseapotheke – Was Sie mit in den Urlaub nehmen sollten

Reiseapotheke – Was Sie mit in den Urlaub nehmen sollten

Stand: Juli 2015

Kopfschmerzen, Durchfall, Fieber, Verstopfung oder Sonnenstich - Die Liste möglicher Beschwerden und Erkrankungen im Urlaub ist lang. Besonders ärgerlich wird es, wenn man im Ernstfall nicht schnell die richtigen Medikamente parat hat. Lesen Sie hier, welche Medikamente bei häufigen Urlaubsbeschwerden helfen und wie Sie Ihre Reiseapotheke optimal ausstatten.

Was Sie allgemein beachten sollten

 Arztbesuche im Urlaub
Fast jedem ist es schon mal passiert: Aus fünf Minuten in der prallen Mittagssonne wird eine halbe Stunde und die Eiswürfel, die man aufgrund der mangelnden Wasserqualität im Urlaubsland weglassen wollte, rutschen doch noch unabsichtlich ins Erfrischungsgetränk zwischendurch. Durchfall, Sonnenbrand oder gar ein Sonnenstich sind in vielen dieser Fälle bereits vorprogrammiert.

Mit einer Reiseapotheke sind Sie im Urlaub gut gerüstet, um leichte Erkrankungen und Schmerzen, die auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sind, selbst zu behandeln. Verschlimmern sich die Schmerzen und Symptome, sollten Sie sich unbedingt an einen Arzt wenden, um möglichen gesundheitlichen Problemen früh entgegenzuwirken. Wer innerhalb der EU oder in der Schweiz Urlaub macht und seine eCard dabei hat, benötigt keinen zusätzlichen Krankenschein für den Besuch beim Arzt im Ausland. Urlauber der Türkei, Kroatiens sowie anderer Balkanstaaten können bei ihrer Krankenkasse vorab einen Reisekrankenschein beantragen.

Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt
Vor allem chronisch Kranke, Allergiker und Menschen mit einem allgemein schwachen Immunsystem sollten vorab mit Ihrem Arzt besprechen, welche zusätzlichen Medikamente in die Reiseapotheke gehören. Zudem können im Zuge eines Arztgesprächs unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten, sowie mögliche Wechselwirkungen bei der Einnahme von mehreren Präparaten gleichzeitig, abgeklärt werden.

Urlaubsziel
Die richtige Ausstattung der Reiseapotheke hängt sehr stark mit dem jeweiligen Urlaubsziel zusammen. Informieren Sie sich daher vorab über mögliche Infektionskrankheiten und Gefahren Ihres Urlaubsziels.

Zudem gilt: Je weiter entfernt und exotischer die Destination, desto umfangreicher sollten die eingeplanten Möglichkeiten zur Selbstmedikation ausfallen.

Kaufen Sie Ihre Medikamente in Österreich
Das Risiko von Arzneimittelfälschungen ist in vielen Ländern hoch, aus diesem Grund sollten Sie die Medikamente Ihrer Reiseapotheke unbedingt in Österreich kaufen. Des Weiteren werden Beipackzettel zumeist ausschließlich in der jeweiligen Landessprache geschrieben.

Beachten Sie das Ablaufdatum und die Lagerungsbedingungen
Ähnlich wie Nahrungsmittel haben auch Medikamente ein bestimmtes Ablaufdatum. Da Medikamente im Gegensatz zu Nahrungsmitteln mehre Jahre haltbar sein können, wird das Ablaufdatum vor allem bei selten verwendeten Medikamenten häufig übersehen. Vergewissern Sie sich daher vor jeder Reise, dass die Medikamente Ihrer Reiseapotheke noch haltbar sind und kaufen Sie abgelaufene Präparate gegebenenfalls nach.

Zudem müssen Medikamente entsprechend gelagert werden und vor starker Sonneneinstrahlung und Nässe geschützt sein. Die Lagerungsbedingungen jedes Medikaments finden Sie sowohl auf der Verpackung als auch im Beipackzettel.

Reiseapotheke: Reiseübelkeit

Flugreisen, die Fahrt mit der Fähre, dem Zug, Auto oder Bus bereiten bei vielen Menschen mehr als nur ein flaues Gefühl im Magen. Wer für Reiseübelkeit anfällig ist, sollte daher stets ein geeignetes Mittel gegen Reiseübelkeit in der Reiseapotheke dabei haben, um die Anreise zum Urlaubsziel möglichst angenehm zu verbringen. Bewährte Mittel gegen Reiseübelkeit sind:

  • Travel-Gum: Spezielle Kaugummis, deren Wirkstoff (Dimenhydrinat) die Nervenbahnen des Gleichgewichtsorgans hemmen und die so der Reiseübelkeit entgegenwirken. Das Präparat ist nicht rezeptpflichtig.
  • Tabletten und Zäpfchen: Dimenhydrinat ist auch in Form von Tabletten und Zäpfchen erhältlich. Diese entfalten ihre Wirkung ähnlich wie Travel-Gum.
  • Dragees: Dragees mit den Wirkstoffen Dimenhydrinat und Vitamin B6 hemmen das Brechzentrum und wirken Übelkeit und Erbrechen entgegen.
  • Akupressurbänder für das Handgelenk

Reiseapotheke: Schmerzen und Fieber

Ein Fieberthermometer gehört zur Basisausstattung jeder Reiseapotheke. Die meisten bekannten und wirkungsvollen Schmerz- und fiebersenkenden Mittel wie

  • Acetylsalicylsäure,
  • Ibuprofen oder
  • Paracetamol

sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und gehören ebenfalls in jede Reiseapotheke, um Kopf-, Zahn-, oder Menstruationsschmerzen zu behandeln. Auch Mefenaminsäure ist bei Fieber und Schmerzen geeignet und wirkt zudem entzündungshemmend.

Reiseapotheke: Durchfall, Magenschmerzen, Erbrechen und Verstopfung

Die Ursachen für Durchfall, Magenschmerzen, Erbrechen und Verstopfung im Urlaub sind vielfältig und reichen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten über Stress bis hin zu einer Bakterien- oder Virusinfektion.

Reisedurchfall ist in den meisten Fällen harmlos und klingt nach einigen Tagen von alleine wieder ab. Zu den Ursachen für Reisedurchfall zählen vor allem unreines Wasser und mangelhaft zubereitete Speisen. Das Trinken einer Elektrolyt-Zuckerlösung kann bei Durchfall sehr hilfreich sein, da die Trinklösung den Körper mit Kaliumchlorid, Glucose sowie weiteren wichtigen Nährstoffen versorgt und den gestörten Elektrolythaushalt normalisiert. Die Elektrolyt-Zuckerlösung wird für die Reiseapotheke von einem Apotheker vorbereitet und muss bei Bedarf nur noch mit Wasser aufbereitet werden. Auch Aktivkohle oder ähnliche Präparate aus der Apotheke eigenen sich zur Behandlung von Reisedurchfall.

Zudem können Medikamente, sogenannte Persistalikhemmer wie Loperamid, übermäßige Darmbewegungen hemmen. Da das Präparat gleichzeitig die Ausscheidung von Durchfallverursachenden Bakterien und Viren verlangsamt, sollte die Einnahme vorab mit einem Arzt geklärt werden.

Gegen Verstopfung empfiehlt sich das Mitführen von einem leichten Abführmittel. Gegen Sodbrennen, welches mitunter durch den Verzehr von ungewohnt scharfen Speisen auftreten kann, helfen sanfte säureneutralisierende Präparate. Diese wandeln die überschüssige Magensäure in natürliche Substanzen um (rezeptfrei in der Apotheke erhältlich).

Reiseapotheke: Hals- und Ohrenentzündungen

Um den unangenehmen Schmerzen und Beschwerden im Hals- und Rachenbereich schnell entgegenzuwirken, sollte ihre Reiseapotheke

  • Lutschtabletten und/oder
  • schmerzstillende Gurgellösungen

beinhalten. Zudem können Paracetamol oder Acetylsalicylsäure die Schmerzen im Hals- und Rachenbereich mildern.

Bei Ohrenentzündungen helfen Ohrentropfen und spezielle Lösungen. Ebenso ist das Mitführen von Nasentropfen in der Reiseapotheke empfehlenswert, da diese die Schleimhäute im Nasenraum abschwellen lassen und dadurch auch das Ohr wieder frei werden kann.

Reiseapotheke: Augenentzündungen

Infektiöse Bindehautentzündungen sind zumeist auf Virus- oder bakterielle Infektionen zurückzuführen. Die Erkrankung ist äußerst unangenehm und obwohl sie die Betroffenen nicht ans Bett fesselt, kann eine Augenentzündung die Urlaubfreude stark trüben. Antibakterielle, abschwellende Augentropfen oder homöopathische und beruhigende Mittel gehören daher in jede Reiseapotheke.

Reiseapotheke: Verletzungen

Ob beim Wandern, Klettern, Radfahren oder Spazierengehen – Verletzungen können überall und jederzeit passieren. Damit Sie sich selbst oder anderen Personen im Fall einer Verletzung schnell und gezielt helfen können, sollte Ihre Reiseapotheke unbedingt Folgendes beinhalten:

  • Schere und Pinzette
  • Einmalhandschuhe
  • antiseptische Pflaster
  • Mullbinden und elastische Binden in verschiedenen Stärken (6cm und 8cm)
  • Dreieckstuch
  • aluminisierter Verbandmull (für Verbrennungen)
  • Hautdesinfektionsmittel
  • Wund- und Heilsalbe
  • kühlende Salbe für Verstauchungen und Prellungen

Reiseapotheke: Insektenstiche und Zeckenbisse

Insektenarten sind von Land zu Land unterschiedlich. Während in unseren Regionen vor allem Stiche von Bienen, Wespen, Zecken und Gelsen gefürchtet sind, sollten sich Personen die in subtropischen oder tropischen Ländern wie Mexiko, Brasilien, Vietnam oder Teilregionen Thailands Urlaub machen, entsprechend über Stechmücken und die durch Moskitos übertragene Malaria informieren.

Entsprechende Schutzimpfungen, z.B. die FSME-Impfung (Zeckenschutzimpfung), können das Infektionsrisiko mit einer bestimmten Erkrankung beinahe zur Gänze reduzieren. Informieren Sie sich daher bereits vor dem Reiseantritt über mögliche insektenübertragene Infektionskrankheiten und deren Prophylaxe (Vorbeugemaßnahmen).

Insektenabweisende Sprays und Gels aus der Apotheke können das Risiko eines Insektenstiches senken und gehören zur Basisausstattung jeder Reiseapotheke.

Ebenso mitführen sollten Sie Gels und Salben, welche die Hautregion rundum die Einstich- bzw. Bissstelle kühlen und den unangenehmen Juckreiz mildern. Gels und Salben für die Zeit nach dem Insektenstich von unterschiedlichen Herstellern erhalten Sie ebenfalls rezeptfrei in der Apotheke.

Auch eine Pinzette gehört in die Reiseapotheke, da Sie damit festgesaugte Insekten sanft und sicher entfernen können. Informieren Sie sich am besten vorab über den richtigen Umgang mit der Pinzette im Fall eines Insektenstiches oder Zeckenbisses.

Reiseapotheke: Zahnschmerzen

Bei plötzlich auftretenden Zahnschmerzen im Urlaub helfen Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol. Des Weiteren können Sie Ihre Reiseapotheke um homöopathische Mittel wie z.B. Belladonna erweitern.

Reiseapotheke bei Menschen mit speziellen Bedürfnissen

Sportler
Sportler sollten zusätzlich Schmerzgel mitführen, welches gezielt Sportverletzungen und Muskelverspannungen mildert. Außerdem empfiehlt es sich die Reiseapotheke mit Vitaminen und Spurenelementen sowie einem Kältespray zu befüllen.

Kinder
Wer mit Kindern verreist, sollte fiebersenkende Mittel in Form eines Saftes oder von Zäpfchen dabei haben. Des Weiteren sollten Kinder in vielen Fällen nicht die gleichen Produkte wie Erwachsene verwenden, da ihre Bedürfnisse und Ansprüche an Medikamente anders sind als jene von Erwachsenen. Kindergerechte Produkte, z.B. Sonnencremen, sollten daher ebenfalls in der Reiseapotheke zu finden sein.

Diabetiker
Die Reiseapotheke von Diabetikern muss zu jedem Zeitpunkt über einen angemessenen Insulinvorrat verfügen. Auch auf Fußpflegemittel, Material zur Selbstkontrolle und das jeweilige Zubehör (Spritzen, Pen) darf nicht vergessen werden. Spritzen müssen bei der Reise ins Ausland stets korrekt beschriftet sein. Zudem sollten Sie sich vorab über Diabetikerzentren in ihrer Urlaubsregion informieren und eine Adressliste dieser Zentren für den Notfall in Ihrer Reiseapotheke dabei haben.

Was Sie noch berücksichtigen müssen

Verschriebene Medikamente
Falls Sie aufgrund von bestimmten Beschwerden oder einer Krankheit verschriebene Medikamente einnehmen, vergewissern Sie sich vor der Abreise, dass Sie, abhängig von der Dauer Ihres Urlaubs, noch eine ausreichende Menge davon übrig haben. Führen Sie die Medikamente bei Flugreisen im Handgepäck mit, sodass diese im Fall eines Gepäckverlusts nicht verloren gehen.

Sonnenschutz
Rückfettende Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor sollten Teil jeder Reiseapotheke sein und sind bei einer Reise absolut unverzichtbar. Das gilt nicht nur für den Sommerurlaub – Auch im Winter ist es wichtig, dass Sie Ihre Haut angemessen vor gefährlicher UV-Strahlung schützen.

Zudem gehören After-Sun-Produkte und spezielle Pflegeemulsionen in die Reiseapotheke. Bei einem Sonnenbrand kühlen und beruhigen After-Sun-Produkte die Haut. Auch Calcium-Brausetabletten können ihre Haut beim Sonnenbaden unterstützen.

Die Pille
Das Verhütungsmittel gehört selbstverständlich ebenfalls in die Reiseapotheke und sollte nicht im Urlaubsland besorgt werden, da das Risiko von Arzneimittelfälschungen in einigen Ländern besonders hoch ist.

Blasenpflaster
Wenn Sie viel zu Fuß unterwegs sind, sollten Sie Ihre Reiseapotheke um Blasenpflaster erweitern. Hochwertige Blasenpflaster aus der Apotheke schützen die Wunde vor Verschmutzungen und lindern druckbedingte Wundschmerzen.

Dokumente
Neben dem Reisekrankenschein (falls Sie sich außerhalb der EU bewegen), sollten Sie Ihren Impfpass, Allergiepass, Diabetikerausweis oder andere Notfallpässe in der Reiseapotheke mit sich führen.

Informieren Sie sich rechtzeitig über die Impfungen, die für Ihr Reiseziel relevant sind. Vor allem bei Fernreisen sind nicht nur empfohlene sondern auch vorgeschriebene Impfungen zu beachten.

Kümmern Sie sich bereits früh genug vor der Abreise um Ihre Reiseapotheke – Im Ernstfall hilft Sie Ihnen nicht nur Schmerzen und Beschwerden zu lindern, sondern rettet womöglich auch Ihren Urlaub, sodass Sie die schönsten Tage im Jahr unbeschwert genießen können.

Autor:
Quellen:
Mag. pharm. Eva Owesny, Kinder auf Reisen, Apotheker Krone 12/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Mag. Nicole Gerfertz, Die sommerliche Hausapotheke, Apotheker Krone 11/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

OA Dr. Oskar Janata, Donauspital/SMZ Ost, Wien; Editorial zu Focus Infektiologie, Universum Innere Medizin 01/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Dr. Georg Stühlinger, Erstellung einer individualisierten Reiseapotheke, Universum Innere Medizin 01/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Österreichische Apothekenkammer, Reise-Checkliste