FSME durch Zeckenstich: So schützen Sie sich davor

FSME durch Zeckenstich: So schützen Sie sich davor

Stand: Mai 2015

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Entzündung des Gehirns welche durch eine Infektion mit dem FSME-Virus ausgelöst wird. Das FSME-Virus lebt im Inneren der Zecke und benutzt diese als sogenannten Wirt. Es wird bei einem Stich über den Speichel der Zecke auf den Menschen übertragen. Wie sich Erwachsene und Kinder vor einem Zeckenstich und einer Infektion mit den gefährlichen Erregern schützen lesen Sie hier.

FSME-Erkrankungen in Österreich

Rund 80 Österreicher sind 2014 an Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) erkrankt. Die Krankheit wird durch FSME-Viren ausgelöst, welche bei einem Zeckenstich auf den Menschen übertragen werden und nach ein bis drei Wochen (Inkubationszeit) die ersten Symptome auslösen. Da die Verbreitung FSME-infizierter Zecken zwischen den Bundesländern variiert, fällt auch die Zahl der Erkrankungen innerhalb der einzelnen Regionen Österreichs sehr unterschiedlich aus. So hatte Oberösterreich mit mehr als 20 FSME-Fällen vergangenes Jahr die meisten Erkrankungen zu verzeichnen, im Vergleich dazu waren es in Wien, dem Burgenland und Vorarlberg weniger als fünf Erkrankungsfälle. Nur ein Teil der Zecken ist mit den FSME-Viren infiziert, sodass nicht jeder Zeckenstich zwangsläufig mit einer FSME-Erkrankung einhergeht. Auch verlaufen ca. 75 Prozent aller Infektionen ohne relevante Beschwerden und Beeinträchtigungen für die Gesundheit. Mögliche Anzeichen und Symptome sollten jedoch immer ernst genommen und von einem Arzt rechtzeitig abgeklärt werden.

Erste Anzeichen und Symptome

Die FSME-Erkrankung verläuft in zwei Phasen. Zu den ersten Anzeichen zählen vor allem Grippe ähnliche Symptome wie allgemeine Müdigkeit, Muskel-, Gliederschmerzen und Atembeschwerden. Zudem kann es zu Magenschmerzen und Durchfall kommen. Diese erste Phase der FSME-Erkrankung wird in fast allen Fällen von Fieber begleitet. Dieses nimmt im weiteren Verlauf des ersten Stadiums ab oder geht gänzlich zurück. Nach einer fieberfreien Periode von einigen Tagen geht die Erkrankung in die zweite Phase über, welche mit schwerwiegenderen Belastungen für die Gesundheit einhergeht.

Weiterer Krankheitsverlauf

Der weitere Krankheitsverlauf ist vor allem durch neurologische Symptome gekennzeichnet. Je nachdem welche Nerven und Gehirnbereiche von der Infektion betroffen sind, kann es zu folgenden drei Erkrankungsformen kommen:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Meningoenzephalitis)
  • zusätzliche Beteiligung des Rückenmarks

Diese Erkrankungen äußern anfangs durch Nackensteifheit, starke Kopfschmerzen und allgemeine Bewusstseinsstörungen. Später kommen je nach Schweregrad und Verlauf Krampfanfälle, vereinzelte Lähmungen, Gangstörungen, Schwerhörigkeit, eine allgemein herabgesetzte Leistungs- und Aufnahmefähigkeit sowie andere neurologische Symptome hinzu.

Diagnose und Behandlung der FSME-Erkrankung

Viele Patienten bemerken einen Zeckenstich oft gar nicht. In den meisten Fällen ist daher neben einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung ein Bluttest notwendig, um die FSME-Erkrankung mit Sicherheit bestätigen oder ausschließen zu können. Dabei wird das Blut des Patienten auf sogenannte IgM- und IgG-Antikörper untersucht. Antikörper sind ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Immunsystems die von den weißen Blutkörperchen produziert werden, um Bakterien, Viren oder andere Stoffe die in den Körper eingedrungen sind zu bekämpfen. Werden beim Labortest die für FSME spezifischen Antikörper im Blut nachgewiesen, kann die FSME-Erkrankung mit Sicherheit bestätigt werden. Für FSME gibt es derzeit keine spezielle Therapie. Der Arzt versucht die jeweiligen Symptome und Beschwerden bestmöglich zu behandeln und zu lindern. Bewährte Medikamente bei der Behandlung von FSME-Symptomen sind u.a. Ibuprofen und Paracetamol. Zudem wird Bettruhe empfohlen, um den Körper weitgehend zu schonen und ihn beim Kampf gegen die FSME-Viren optimal zu unterstützen. Nach Absprache mit dem behandelten Arzt können Schmerztabletten eingenommen werden. Ist die Erkrankung bereits in die zweite Phase übergangen, ist es sinnvoll früh mit einer Physiotherapie zu beginnen, um möglichen Lähmungserscheinungen früh genug entgegenzuwirken. Die meisten Symptome und Beschwerden klingen nach drei Wochen langsam wieder ab. Allerdings bleiben bei etwa zehn bis 15 Prozent aller Patienten auch nach der akuten Krankheitsphase langfristige Folgestörungen wie chronische Kopfschmerzen, Schwerhörigkeit, Konzentrationsschwäche oder Restlähmungen zurück.

FSME-Impfung (Zecken-Impfung)

Die FSME-Impfung (Zecken-Impfung) stellt einen umfassenden Schutz vor der Frühsommer-Meningoenzephalitis dar und besteht aus insgesamt drei Teil-Impfungen (Grundimmunisierung). Die zweite Teil-Impfung erfolgt drei Monate nach der ersten Teil-Impfung, die dritte Teil-Impfung wird je nach Impfstoff fünf bzw. neun Monate nach der zweiten Teil-Impfung verabreicht. Nur, wenn alle drei Teil-Impfungen erfolgt sind, ist der vollständige Schutz vor Zecken gegeben. Dieses Impfschema der Zecken-Impfung kann abgeändert werden, wenn Sie nach der ersten oder zweiten Teil-Impfung von einer Zecke gebissen werden und die Grundimmunisierung noch nicht vollständig abgeschlossen ist. In diesem Fall werden die weiteren Impfungen nach Absprache mit dem Arzt vorgezogen, je nach dem wann die erste Impfung und der Zeckenstich erfolgt sind. Zudem sollte nach drei Jahren die erste Auffrischungs-Impfung der Zeckenimpfung erfolgen. Weitere Auffrischungs-Impfungen sind anschließend nur noch alle fünf Jahre, bei über 60-Jährigen  weiterhin alle drei Jahre, notwendig. In Österreich sind derzeit Impfstoffe von zwei Herstellern verfügbar. Die gleichwertigen Impfstoffe bieten Schutz vor allen bekannten FSME-Viren. Der Impfstoff enthält inaktivierte FSME-Viren. Die Erreger die bei der Impfung verabreicht werden, können die Krankheit im Körper nicht mehr auslösen. Die Impfung bewirkt, dass die weißen Blutkörperchen im Körper lernen den Virus zu bekämpfen und im Fall einer echten Infektion auf das FSME-Virus vorbereitet sind und die nötigen Abwehrmechanismen schnellstmöglich aktivieren können bevor es zu schwerwiegenden Beschwerden kommt. Die Zecken-Impfung hat nur selten Nebenwirkungen. Gelegentlich kommt es zu Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle (Oberarm), noch seltener kommt es zu Kopf- und Muskelschmerzen. Bei Kindern kann die Impfung Fieber auslösen, welches im Regelfall nach ein bis zwei Tagen abklingt. Menschen mit akuten Infekten, einer Hühnereiweißallergie und Gehirnerkrankungen sollten nicht geimpft werden bzw. die Impfung gemeinsam mit ihrem Arzt gründlich abwägen. Auch bei Schwangeren oder stillenden Müttern entscheidet der Arzt, ob die Impfung im jeweiligen Fall durchgeführt werden sollte.

Wie kann ich mich vor Zecken schützen?

Alle Menschen, ob Kinder oder Erwachsene, können von Zecken gestochen werden. Zecken leben im Gras und auf Sträuchern. Demzufolge steigt das Risiko für einen Zeckenstich vor allem für Menschen die sich viel in der Natur aufhalten. Anders als der Glaube, Zecken fallen von den Bäumen, werden diese von Menschen und Haustieren meistens abgestreift. Da Zecken nicht nur FSME übertragen, sondern auch für weitere Krankheiten wie z.B. Borreliose (Lyme-Borreliose) verantwortlich sind, ist es sinnvoll über vorbeugende Maßnahmen zum Schutz vor Zecken Bescheid zu wissen:

  • Tragen Sie beim Aufenthalt in der Natur langärmlige Kleidung.
  • Auf glatten Stoffen können sich Zecken weniger gut festhalten.
  • Auf hellen Stoffen können Zecken leichter erkannt werden.
  • Kinder werden aufgrund ihrer Größe häufig am Kopf gestochen. Achten Sie daher darauf, dass Ihre Kinder eine Kopfbedeckung beim Spielen im Grünen tragen.
  • Tragen Sie vor einem Aufenthalt in der Natur insektenabwehrende Mittel aus der Apotheke auf nicht bedeckten Körperstellen wie Händen, Armen, Füßen und Beinen auf.
  • Untersuchen Sie nach einem Ausflug Ihre Haut und die Haut ihrer Kinder auf Zecken und verdächtige Rötungen.
  • Auch Hunde und andere Säugetiere werden von Zecken gestochen. Die Zecken können anschließend leicht auf den Menschen überspringen. Untersuchen Sie daher das Fell Ihres Hundes bzw. kämmen Sie dieses nach einem Spaziergang gründlich durch.
  • Bemerken Sie eine Zecke auf Ihrer Haut, sollten Sie versuchen diese so vorsichtig wie möglich zu entfernen. Panikreaktionen oder hastige Entfernungsversuche sollten vermieden werden, da sonst die Gefahr besteht, dass nur ein Teil der Zecke entfernt wird oder Erreger aus der Zecke verstärkt in den Körper befördert werden. Am besten lassen sich Zecken mit einer Pinzette oder mit den Fingern entfernen. Üben Sie beim Entfernen keinen Druck aus und vermeiden Sie das Drehen der Zecke. Ziehen Sie die Zecke stattdessen sorgfältig heraus. Kann nicht die ganze Zecke entfernt werden, wird der im Körper verbleibende Teil im Regelfall nach einigen Tagen selbstständig ausgeschieden.
Quellen:
Wiedermann-Schmidt U. et al., Impfungen für Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien, Bundesministerium für Gesundheit, Jänner 2015

Peter S., FSME: Sinkende Durchimpfrate ist alarmierend, Apotheker Korne - Fachmagazin für Pharmazeuten 06/2013, Ärztekrone VerlagsgesmbH

Prim. Univ.-Prof. Dr. Jörg R. Weber, Neurologische Abteilung, Klinikum Klagenfurt, Ambulant erworbene bakterielle Meningitis - Diagnose und neurologische Intensivtherapie, Neurologisch - Fachmagazin für Neurologie 04/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Gerstendorfer E., FSME-Immunisierung: Impfschutz mit Ablaufdatum, Österreichische Ärztezeitung Nr.11 10.06.2012, Verlagshaus der Ärzte Gesellschaft mbH

Leitlinien der ÖGN und DGN 2008, Frühsommer-Meningoenzephalitis, Österreichische Gesellschaft für Neurologie, Deutsche Gesellschaft für Neurologie

www.zecken.at, VFI - Verein zur Förderung des Impfbewußtseins
ICD-10: A84, A84.1