Polypen – Formen, Diagnose, Therapie

Polypen – Formen, Diagnose, Therapie

Stand: Juli 2020

Polypen sind Schleimhautvorwölbungen, die unterschiedlich ausgeprägt sein und an verschiedenen Stellen des Körpers vorkommen können, darunter z. B. im Darm und in der Nase. Häufig verursachen Polypen keine Probleme, in manchen Fällen können sie jedoch zu verschiedenen Beschwerden führen und ein gesundheitliches Risiko darstellen. Mehr über Polypen erfahren Sie hier.

Was sind Polypen?

Polypen sind “Aufwerfungen“ im Bereich der Schleimhaut (Schleimhautwucherungen, Schleimhautvorwölbungen), die sich in das Innere eines Hohlorgans vorwölben und unterschiedlich ausgeprägt sein können. Polypen können breitbasig oder gestielt (über eine Art Stiel mit der Schleimhaut verbunden), wenige Millimeter groß und nicht weiter störend sein oder zu größeren Gebilden heranwachsen und Beschwerden verursachen. Sie können gutartig sein oder sich bösartig verändern.

Formen

Polypen werden nach verschiedenen Aspekten unterteilt. Je nach histologischer Beschaffenheit werden u. a. Granulationspolypen (Polypen mit körnchenartigen Strukturen), hyperplastische (“übermäßig gewachsen“, “gewuchert“) Polypen und neoplastische (“neu gebildet“) Polypen unterschieden, in Hinblick auf Form und Gestalt werden sie u. a. in tubuläre Polypen (schlauchförmige Wucherungen), villöse Polypen (breitflächigere, feinzottige Oberfläche) und tubulovillöse Polypen (Mischform) eingeteilt. Darüber hinaus werden je nach Lokalisation verschiedene Polypenarten unterschieden. Polypen können sich an verschiedenen Stellen des Körpers bilden und u. a. im Magen, im Darm, in der Gebärmutter und in der Nase vorkommen. Die Symptome, mögliche Risiken, die von den Polypen ausgehen und die Therapie unterscheiden sich je nach Polypenart.

Die folgende Auflistung der Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Auch muss nicht jedes hier angeführte Symptom bei den hier beschriebenen Polypen vorliegen. Im Zweifelsfall oder bei Verdacht auf eine Erkrankung sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Darmpolypen

Bei Darmpolypen (Kolonpolypen) handelt es sich um Vorwölbungen der Darmschleimhaut (Schleimhautvorwölbungen, die aus der Darmschleimhaut in das Darminnere ragen). Die Polypen sind häufig im Dick- und Enddarm zu finden und bilden sich u. a. aus Drüsengewebe der Darmschleimhaut. Darmpolypen kommen häufig vor, bei einem großen Teil aller über 60-Jährigen finden sich Schleimhautvorwölbungen im Bereich des Darms.

Es werden verschiedene Arten von Darmpolypen unterschieden, darunter u. a. hyperplastische und entzündliche Polypen und Adenome (adenomatöse Polypen). Hyperplastische und entzündliche Polypen sind fast immer gutartige Veränderungen der Schleimhaut, entzündliche Polypen treten bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Chron auf. Adenome sind an sich gutartige Strukturen, die jedoch das Potenzial haben zu entarten und in bösartiges Krebsgewebe (Kolorektalkarzinom, Darmkrebs) überzugehen.

Darmpolypen sind nicht mit Darmkrebs gleichzusetzen. In einem großen Teil aller Fälle sind Polypen im Darm gutartig, aus ihnen entwickelt sich also kein Darmkrebs. Aus manchen kann sich allerdings im Verlauf von Jahren Darmkrebs entwickeln. In den meisten Fällen entwickelt sich Darmkrebs aus adenomatösen Polypen. Je größer das Vorkommen und je größer die Adenome, desto höher ist das Darmkrebsrisiko. Da Adenome langsam wachsen, können die Krebsvorstufen im Rahmen regelmäßiger Koloskopien (Darmspiegelung) frühzeitig erkannt und entfernt werden.

Symptome: Darmpolypen verursachen zumeist keine Beschwerden. Unter Umständen (z. B. wenn die Polypen bluten oder wachsen) kann es zu schleimigen oder blutigen Stühlen, Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und anderen Symptomen kommen. Faktoren, welche die Entwicklung von Darmpolypen fördern sind u. a. das Alter, erbliche Veranlagung, unausgewogene Ernährung, Alkohol, Rauchen und wenig Bewegung.

Therapie: Wenn Darmpolypen über einen langen Zeitraum bestehen, kann sich aus ihnen Darmkrebs entwickeln, weswegen sie vorbeugend entfernt werden sollten. Die Polypen können im Rahmen einer Koloskopie (Darmspiegelung) entfernt werden.
Bei einer Koloskopie wird das Innere des Darms betrachtet und untersucht. Hierfür wird ein Koloskop vorsichtig in den Darm eingeführt und vorgeschoben. Das schlauchförmige flexible Instrument verfügt über eine Lichtquelle und eine Kamera, welche die Bilder während der Untersuchung auf einen Monitor überträgt. Über Arbeitskanäle ist es zudem möglich, spezielle Instrumente einzuführen um kleinere Eingriffe (z. B. Entfernung von Polypen) durchzuführen.

Darmkrebsvorsorge: Ein wesentlicher Unterschied zwischen Dickdarmkrebs und anderen Krebserkrankungen besteht darin, dass in einem Großteil aller Fälle vor der Entstehung des Karzinoms über Jahre hindurch Vorstufen in Form von zunächst gutartigen Darmpolypen vorhanden sind. Polypen verursachen häufig keine Symptome, bei Darmkrebs zeigen sich erst spät typische Beschwerden. Durchschnittlich vergehen etwa zehn Jahre vom Auftreten der ersten Polypen bis zu einer möglichen bösartigen Entartung. Die Entfernung von Polypen im Rahmen der Darmspiegelung/Vorsorgeuntersuchung kann verhindern, dass Darmkrebs überhaupt erst entsteht. Die Darmspiegelung zur Vorsorge wird Frauen und Männern ab 50 empfohlen und sollte, sofern keine familiäre Vorbelastung und auffällige Befunde vorhanden sind, alle sieben bis zehn Jahre durchgeführt werden.

Ansprechpartner bei Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und hinsichtlich der Vorsorgeuntersuchung sind der Arzt für Allgemeinmedizin (Hausarzt), Fachärzte für Innere Medizin (Gastroenterologie und Hepatologie) und Fachärzte für Allgemein- und Viszeralchirurgie.

Nasenpolypen

Nasenpolypen sind Wucherungen im Bereich der Nasenschleimhaut. Sie sind gutartig und stören häufig nicht. Wachsen sie jedoch zu größeren Strukturen heran, können sie die Nasenräume einengen und die Nasenatmung beeinträchtigen. Nasenpolypen sind weit verbreitet, die genauen Ursachen sind nicht gänzlich geklärt. Oft treten sie familiär gehäuft und gemeinsam mit anderen Erkrankungen wie z. B. Allergien und Asthma bronchiale auf, darüber hinaus haben viele Menschen mit Nasenpolypen eine Unverträglichkeit gegen Acetylsalicylsäure.

Symptome: Ob und in welchem Ausmaß Symptome auftreten, hängt davon ab wie weit die Nase/Nasennebenhöhlen durch die Polypen eingeengt sind. Mögliche Beschwerden bei Nasenpolypen sind verstärkte Nasensekretion, Behinderung der Nasenatmung, Veränderungen der Stimme (nasale Stimme), Druck im Nasennebenhöhlenbereich, verminderter Geruchssinn, verminderter Geschmackssinn, Mundgeruch, Schnarchen und in weiterer Folge Schlafstörungen, wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Kopfschmerzen u. a.

Diagnose: Erster Ansprechpartner bei mit Nasenpolypen in Zusammenhang stehenden Beschwerden ist zumeist der Arzt für Allgemeinmedizin, die genaue Abklärung und Diagnosestellung erfolgt beim Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (HNO-Arzt). Nach einer genauen Anamnese und Erfragung der Beschwerden wird eine Rhinoskopie durchgeführt (Untersuchung des Naseninneren bzw. des vorderen und hinteren Nasenabschnitts, Beurteilung der Nasenschleimhaut), mit Hilfe einer Endoskopie, welche dem Arzt eine genauere Beurteilung der Nasenhaupthöhle ermöglicht, lassen sich mögliche Nasenpolypen, darunter auch kleinere und tiefer im Naseninneren liegende Polypen, und andere Veränderungen gut erkennen. Eine weitere Untersuchung ist die Computertomographie (CT), mittels welcher das Ausmaß der Polypen bestimmt werden kann.

Therapie: Die Behandlung richtet sich u. a. nach der Größe der Polypen und dem Ausmaß der Beschwerden und kann medikamentös erfolgen oder im Rahmen einer Operation, bei welcher die Engstellen erweitert und die Polypen abgetragen werden. Nach dem Eingriff kommt es zumeist zu einer deutlichen Verbesserung der Nasenatmung. Eine Operation kommt beispielsweise bei sehr großen Polypen in Frage oder bei Patienten, bei welchen mittels medikamentöser Therapie keine ausreichende Linderung der Beschwerden erreicht werden kann.

Gebärmutterpolypen

Gebärmutterpolypen sind normalerweise gutartige Wucherungen, die sich durch Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut bilden. Sie können in der Gebärmutterhöhle lokalisiert sein (Corpuspolypen) oder im Bereich vom Gebärmutterhals (Zervixpolypen). Sie können fest im Bereich der Gebärmutterwand sitzen oder mit einem Stiel in das Innere der Gebärmutter oder aus dem Muttermund ragen. Häufig liegt nur ein einzelner Polyp vor, in anderen Fällen sind es mehrere Polypen. Gebärmutterpolypen finden sich verstärkt bei Frauen in den Wechseljahren.

Symptome und Behandlung: Gebärmutterpolypen bereiten häufig keine Probleme und werden zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung (gynäkologische Untersuchung, Ultraschalluntersuchung) entdeckt. In manchen Fällen können sie zu Beschwerden wie z. B. irregulären Blutungen und Ausfluss führen. Des Weiteren können Polypen das Risiko für Früh- und Fehlgeburten erhöhen und manchmal auch mitverantwortlich für das Ausbleiben einer Schwangerschaft sein. In seltenen Fällen entwickelt sich aus den Polypen ein bösartiger Tumor. Durch die Untersuchung einer Gewebeprobe kann festgestellt werden, ob bösartige Veränderungen vorliegen. Die Behandlung besteht in der Entfernung der Polypen, wie sich der Eingriff genau gestaltet (Entfernung unter örtlicher Betäubung, Kürettage, Hysteroskopie) hängt u. a. davon ab, wo genau die Veränderungen lokalisiert sind.

Fact-Box Polypen

Polypen: Schleimhautvorwölbungen, Schleimhautwucherungen

Eigenschaften: Breitbasig oder gestielt, Größe variabel zwischen wenigen Millimetern und einigen Zentimetern, können gutartig sein oder sich bösartig verändern

Lokalisation: Darmpolypen, Magenpolypen, Nasenpolypen, Gebärmutterpolypen u. a.

Symptome: Verursachen häufig keine Beschwerden; je nach Lokalisation, Größe und anderen Faktoren z. B. Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen (Darmpolypen), verstärkte Nasensekretion, Behinderung der Nasenatmung, Druck im Nasennebenhöhlenbereich, verminderter Geruchs- und Geschmackssinn (Nasenpolypen), irreguläre Blutungen (Gebärmutterpolypen) u. a.

Risiko: Bestimmte Polypen können entarten und das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen erhöhen (z. B. Darmkrebs, Magenkrebs, Gebärmutterkrebs), Fehlgeburten und Unfruchtbarkeit (Gebärmutterpolypen) u. a.

Behandlung: Abhängig von der Polypenart und nicht zwangsläufig erforderlich; medikamentöse Therapie, Entfernung im Rahmen eines Eingriffs

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Quellen:
Dolak W.; Flache Polypen – frühe Tumoren, Universum Innere Medizin 01/2018, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Waldmann E., Ferlitsch M.; Darmkrebsvorsorge – Früherkennung oder Prävention?, Universum Innere Medizin 05/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Römer T.; Postmenopausale Blutungsstörungen – Diagnostik und Therapie, Schweizer Zeitschrift für Gynäkologie 03/2013, Rosenfluh Publikationen AG

Salim S. et al.; Diagnosis and management of endometrial polyps: a critical review of the literature, J Minim Invasive Gynecol. 2011;18(5):569-81

Randerath W. J., Galetke W.; Differenzialdiagnose der rezidivierenden Polyposis nasi – Das Analgetika-Asthma-Syndrom, Deutsches Ärzteblatt 46/2007, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie, Diagnose und Therapie der Sinusitis und Polyposis nasi, Allergologie 2003; 26:52–71, AWMF-Leitlinien-Register

Darmkrebsvorsorge: „Vermeiden statt Leiden.“, Österreichische Krebshilfe, URL: https://www.krebshilfe.net/kampagnen/archiv/2010/darmkrebsvorsorge, Stand: 15.09.2019
ICD-10: J33, K63, C26, D12, N84