HPV Impfung

HPV Impfung

Stand: Januar 2019 Entgeltlicher Content
HPV Impfung

Bei humanen Papillomaviren (HPV) handelt es sich um eine Virusart, die unterschiedliche Erkrankungen beim Menschen auslösen kann. Dabei unterscheidet man zwischen Hoch- und Niedrigrisiko-HPV-Typen (LR-HPV-Typen und HR-HPV-Typen).1

Niedrigrisiko-Typen können Warzen und Genitalwarzen auslösen, sind jedoch nicht für die Entstehung von Krebs verantwortlich. Hochrisiko-Typen können bei anhaltender Infektion über Jahre hinweg Zellveränderungen (Krebsvorstufen)2 und in weiterer Folge – wenn diese Krebsvorstufen nicht erkannt oder behandelt werden – unter anderem Gebärmutterhals-, Scheiden-, Vulva-, Anal-, und Peniskrebs verursachen.3 Darüber hinaus kann HPV auch Krebs im Mund- und Rachenraum verursachen. Die häufigsten HPV-assoziierten Erkrankungen in Europa, welche beide Geschlechter betreffen, sind Genitalwarzen, Kopf-Hals-Krebs und Analkrebs.4

Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit HP-Viren. Die Infektion erfolgt über infizierte Haut oder Schleimhäute bei Haut-Haut-Kontakt, zum Beispiel beim Geschlechtsverkehr. Die Verwendung eines Kondoms senkt das Risiko einer Übertragung, kann es jedoch nicht gänzlich verhindern.3 Viele der Infektionen heilen durch das Immunsystem spontan aus, es kann aber auch zu einer lang andauernden Infektion mit HP-Viren kommen. Über Jahre andauernde HPV-Infektionen mit einem oder mehreren HR-HPV-Typen können zu Zellveränderungen führen und sich zu Krebs entwickeln.2

Die HPV-Impfung – Eine Impfung gegen Krebs

Als derzeit beste Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs gilt heute die HPV-Impfung. Eine Impfung ist eine intelligente Methode unser Immunsystem auf bestimmte Erkrankungen hin zu sensibilisieren. Dabei wird ein unschädliches Virus oder Bakterienteil in den Körper eingeschleust und das Immunsystem auf dieses Teilchen aufmerksam gemacht. Durch diesen Vorgang bildet der Körper Antikörper gegen das eingeschleuste Teilchen und speichert damit die erfolgreiche Bekämpfung ab. Diese Immunität (das Abspeichern der eingeschleusten Teilchen) kann bis zu Jahrzehnte oder lebenslang erhalten bleiben.
Bei der HPV-Impfung wird das Immunsystem auf das HP-Virus aufmerksam gemacht. Dass die Impfung gegen HPV sehr wirkungsvoll ist, zeigen aktuelle Daten aus Ländern wie Australien, Schweden, Kanada oder Dänemark.5,6

In Österreich gibt es derzeit einen verfügbaren Impfstoff für Personen ab dem vollendeten 9. Lebensjahr. Es ist ein 9-fach Impfstoff gegen die HPV-Serotypen HPV 6 und 11 (Genitalwarzen) sowie HPV 16, 18, 31, 33, 45, 52, 58 (HR-HPV Typen, welche ein krebserregendes Potential aufweisen).7
Trotz einer HPV-Impfung sollten Frauen weiterhin zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Gynäkologen gehen.

HPV-Impfschema in Österreich

Der beste Zeitpunkt für eine HPV-Impfung ist, wenn ein Kind noch nicht sexuell aktiv ist und noch keinen Kontakt zu HP-Viren hatte. In Österreich wird die Impfung für Mädchen und Buben im Schulimpfprogramm von 9-12 Jahren empfohlen und bezahlt. Die Impfung erfolgt wird im Rahmen des Kinderimpfprogramms angeboten. Die Bundesländer bieten für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr Catch-up Impfungen an den öffentlichen Impfstellen zum vergünstigten Selbstkostenpreis an. Bei Menschen unter 15 Jahren wird die Impfung mit 2 Dosen im Abstand von mindestens 6 Monaten durchgeführt.7
Weiters wird die Impfung auch Menschen die bereits sexuell aktiv sind und / oder älter als 15 Jahre sind, im österreichischen Impfplan empfohlen. Ab dem vollendeten 15. Lebensjahr muss die HPV-Impfung zur Erreichung eines gleichwertigen Individualschutzes 3-mal gegeben werden. Dies gilt auch für immunsupprimierte Menschen bis zum 15. Lebensjahr. Für HIV-Positive wird die Impfung besonders empfohlen. Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt die HPV Impfung nach erfolgter Behandlung einer HSIL (CIN 2, 3-Krebsvorstufen) sowie eines Zervixkarzinoms z.B. FIGO IA1, das nur mittels Konisation behandelt wurde.8

Die Impfung wird auch älteren Mädchen und Buben bzw. Frauen und Männern im sexuell aktiven Alter empfohlen.

Eine Auffrischungsimpfung ist derzeit nicht notwendig. Studiendaten zeigen einen Impfschutz des vergleichbaren 4-fach Vorläuferimpfstoffes (in Österreich nicht mehr am Markt) von über 10 Jahren, wobei der Impfschutz laufend evaluiert wird.9

Nebenwirkungen der HPV-Impfung

Vor der Zulassung muss eine Impfung auf Ihre Sicherheit geprüft werden. HPV Impfstoffe wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als extrem sicher, “extremely safe”, eingestuft. Wie bei jedem Arzneimittel kann es aber zu Nebenwirkungen kommen. Unter anderem können Nebenwirkungen an der Einstichstelle (Schmerz, Schwellung, Rötung, Bluterguss und Juckreiz), Kopfschmerz, Fieber, Müdigkeit, Schwindel oder Übelkeit auftreten. Darüber hinaus kann es auch zu seltenen Nebenwirkungen kommen. Bitte wenden Sie sich bei Nebenwirkungen an Ihren Arzt oder Apotheker.10

Ist die Krebsvorsorge und der jährliche Besuch beim Gynäkologen bei der Frau weiterhin wichtig?

Die Gebärmutterhals-Krebsvorsorge durch die HPV-Testung oder dem jährlichen Krebsabstrich (Pap-Abstrich) ist ein wichtiger Bestandteil des jährlichen Besuchs bei Ihrem Gynäkologen. Obwohl die HPV-Impfung ein sehr wichtiger Teil der Krebsvorsorge ist, ersetzt die Impfung die Gebärmutterhals-Krebsvorsorge nicht, da die derzeitige verfügbare HPV-Impfung nicht alle hr-HPV Typen abdeckt und zudem eine Infektion bereits vor der Impfung erfolgt sein könnte. Daher sollten Frauen trotz einer HPV-Impfung weiterhin zur jährlichen Vorsorgeuntersuchung bei ihrem Gynäkologen gehen. Darüber hinaus gibt es viele weitere Gründe für einen regelmäßigen Termin bei Ihrem Frauenarzt: Brustkrebsvorsorge, Untersuchung auf genitale Infektionen (Chlamydien, Pilzinfektionen…), Schwangerschaftsverhütung, Beratung in der Kinderplanung, Betreuung in der Schwangerschaft, Osteoporose-Vorsorge und Beratung, Inkontinenzberatung, Begleitung in den Wechseljahren, Impfberatung und vieles mehr.

Autor:
Quellen:
1. Khan et al., J Natl Cancer Inst, 2005
2. De Sanjose et al., Lancet Oncology, 2010
3. Woodman C.B.J. et al., Nature Reviews, 2007
4. Hartwig S et al., Papillomavirus Research, 2015
5. Tabrizi SN et al., Journal Infectious Disease, 2012
6.B. Baldour-Felskov et al. JNCI, 2014
7. Österreichischer Impfplan 2018, https://www.sozialministerium.at/site/Gesundheit/Krankheiten_und_Impfen/Impfen/Oesterreichischer_Impfplan_2018
8. Stellungnahme der AGO/OEGGG zur HPV-Impfung nach Behandlung einer CIN (Cervikale Intraepitheliale Neoplasie), 2018
9. Brochüre “HPV-Impfung gegen Krebs”: https://www.bmgf.gv.at/home/Schwerpunkte/Gesundheitsfoerderung_Praevention/Impfen/HPV_Impfung
10. Fachinformation Gardasil(R)9