Warum Stillen das Beste für Ihr Baby ist

Warum Stillen das Beste für Ihr Baby ist

Die optimale Nahrung für Säuglinge ist Muttermilch – idealerweise ausschließlich während der ersten 4-6 Lebensmonate. Zu Beginn der Stillzeit haben jedoch viele Frauen mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, wie etwa zu wenig Milch, Entzündungen der Brust oder der richtigen Anlegeposition des Babys. Was sollten Sie beachten, damit es mit dem Stillen klappt? Wie sieht die optimale Ernährung während der Stillzeit aus? Und welche Mythen rund ums Thema Stillen stimmen definitiv nicht?

Stillen ist die beste und natürlichste Ernährung für Säuglinge. Die Milchproduktion (Laktation) der Mutter ist hormonell gesteuert und passt sich sowohl in der Menge als auch in der Zusammensetzung an die aktuellen Bedürfnisse des Babys an. So ist die Muttermilch beispielsweise nach der Geburt besonders reich an Eiweiß, erst mit der Zeit steigt der Gehalt an Fett und Kohlenhydraten an. Gut gedeihende Säuglinge brauchen daher in den ersten Lebensmonaten keinerlei zusätzliche Nahrung oder Flüssigkeit. Stillen ist in vielerlei Hinsicht auch praktisch: Muttermilch ist jederzeit verfügbar, hygienisch und hat die richtige Temperatur.

Welche gesundheitlichen Vorteile hat das Stillen?

Das Stillen hat sowohl für das Baby als auch für die Mutter zahlreiche Vorteile. In erster Linie trägt die Muttermilch dazu bei, dass sich das Baby ideal entwickelt und besser vor Infektionen (v.a. Erkältungen, Magen-Darm-Infektionen, Mittelohrentzündung, Harnwegsinfekten, Meningitis) geschützt ist. Studien zeigen, dass gestillte Kinder in ihrem späteren Leben seltener Übergewicht und bestimmte Krankheiten entwickeln. Dazu zählen:

  • Allergien
    Stillen beugt Allergien vor, weil Muttermilch ein arteigener Stoff ist, Stillkinder also nicht zu früh mit artfremdem Eiweiß in Kontakt kommen.
  • Diabetes
    Stillen schützt vor einer Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 1. Auch das Risiko, im späteren Alter an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, ist bei Personen, die als Säuglinge gestillt wurden, niedriger.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
    Interessanter Weise haben Säuglinge in der Stillzeit höhere Gesamtcholesterin- und LDL-Konzentrationen als mit der Flasche ernährte Säuglinge. Später kehrt sich dies jedoch um: Jugendliche und Erwachsene scheinen niedrigere Cholesterinwerte zu haben, wenn sie gestillt wurden. Auch ihr Blutdruck ist niedriger als bei Menschen, die als Baby nicht gestillt wurden.

Das Stillen – und zwar nicht nur die Muttermilch, sondern auch der Akt des Stillens mit möglichst viel Körperkontakt – fördert zudem die Beziehung zwischen Mutter und Kind und reduziert das Risiko für den plötzlichen Kindstod (SIDS).

Für Mütter hat das frühe Anlegen und Stillen den Vorteil, dass die Rückbildung der
Gebärmutter nach der Geburt unterstützt wird. Frauen, die lange gestillt haben, erkranken seltener an Krebserkrankungen der Brust und der Eierstöcke.

Stillen will gelernt sein

Bei entsprechender Beratung und Hilfestellung ist nahezu jede Mutter in der Lage, ihr Baby bzw. im Fall von Mehrlingen ihre Babys voll zu stillen. Um das Stillen zu ermöglichen, ist es wichtig:

  • das Baby sobald als möglich nach der Geburt anzulegen
  • das Baby beim Stillen eng – Bauch an Bauch mit der Mutter – so anzulegen, dass es den Kopf nicht drehen oder überstrecken muss, um möglichst viel Brustwarze und Warzenhof in den Mund zu bekommen
  • möglichst viel Hautkontakt mit dem Baby zu haben
  • in der ersten Zeit, bis das Stillen gut in Gang gekommen ist, möglichst auf Schnuller und Saughütchen zu verzichten und Zufüttern zu vermeiden
  • sich beim Stillen zurückzuziehen, um sowohl für sich selbst als auch für das Baby eine ruhige, sichere Atmosphäre zu schaffen
  • auch während einer Erkrankung – wenn irgendwie möglich – weiterzustillen; Ihr Arzt wird Sie beraten, welche Medikamente in der Stillzeit eingenommen werden dürfen

Das Wichtigste am Beginn der Stillzeit: Haben Sie Geduld. Geduld mit sich selbst und mit Ihrem Baby. Bis sich die Milchmenge an die Bedürfnisse des Neugeborenen anpasst, kann es eine Weile dauern.

In der ersten Zeit, bis das Stillen gut in Gang gekommen ist, möglichst auf Schnuller und Saughütchen verzichten und Zufüttern vermeiden

Manche Mütter haben in den ersten Wochen nach der Geburt zu wenig Milch, um ihr Baby voll – also ausschließlich – zu stillen; andere Mütter haben sogar zu viel Milch. Dies lässt sich durch die Art und Häufigkeit des Anlegens beeinflussen: Produzieren Sie eher wenig Milch, sollten Sie Ihrem Baby die Brust möglichst oft anbieten, und zwar immer beide Brüste, evtl. sogar mehrmals abwechselnd pro Mahlzeit. Das regt die Milchproduktion an. Haben Sie sehr viel Milch, sollten Sie Ihr Baby pro Milchmahlzeit nur aus einer Brust trinken lassen – natürlich nur, wenn es dann auch satt ist.

Bei manchen Müttern pendelt sich die erforderliche Milchmenge nicht ein bzw. dauert es länger, bis mehr Milch produziert wird. Hin und wieder kommt es auch vor, dass das Baby die Brust verweigert. Treten diese Stillprobleme auf, ist es wichtig, sich nicht selbst unter Druck zu setzen und dem Säugling immer wieder, aber ohne Zwang, die Brust anzubieten. Holen Sie sich am besten Unterstützung bei einer Stillberaterin oder Ihrer Hebamme – einige Hebammen haben eine Zusatzausbildung in der Stillberatung. Seien Sie nicht traurig, wenn es notwendig ist, zuzufüttern oder Milch abzupumpen; wichtig ist, dass das Stillen in dem Ausmaß und in der Art und Weise, wie Sie es tun, für Sie und Ihr Baby passt.

Stillberaterinnen können Ihnen auch bei anderen Problemen, die häufig in der Stillzeit auftreten, gute Ratschläge geben – etwa bei flachen Brustwarzen, Milchstau und Brustentzündungen, wunden Brustwarzen und Pilzinfektionen. Mit viel Geduld und guter Unterstützung ist das Stillen bei fast allen Frauen, die es möchten, möglich.

Mythen rund ums Thema Stillen: Richtig oder Falsch?

“Mit einem kleinen Busen kann man nicht voll stillen.”
Falsch. Die Größe der Brust hängt von der Menge des Fettgewebes ab und nicht von der Menge bzw. Größe der Milchdrüsen. Die Milchdrüsen werden während der Schwangerschaft größer und bereiten sich auf das Stillen vor. Beim Milcheinschuss, der ein bis vier Tage nach der Geburt stattfindet, vergrößert sich der Busen noch einmal enorm. Viele Frauen benötigen Still-BHs, die zwei Körbchen größer sind als ihre normalen BHs.

“Von der wässrigen Muttermilch wird das Baby nicht richtig satt.”
Falsch. Im Normalfall ist Ihre Milch genau so beschaffen, wie Ihr Baby es braucht. Vielleicht zweifeln Sie daran, wenn Ihnen Milch ausrinnt und sie sehen, wie wässrig sie ist. Das ist aber ganz normal, da der fettreiche, sättigende Teil der Milch weiter hinten in der Brust sitzt und erst freigegeben wird, wenn das Baby bereits ein paar Minuten gesaugt hat.

“Bei einer Brustentzündung muss man abpumpen. Besser noch, man stillt ab.”
Falsch. Wenn Sie eine entzündete Brust abpumpen, ist das ein Signal an die Brust, noch mehr Milch zu produzieren. Dadurch wird die Entzündung in der Regel noch weiter angekurbelt. Lassen Sie Ihr Baby also ganz normal weiter trinken, auch wenn es etwas schmerzt, damit sich aus „Angebot und Nachfrage“ die ideale Milchmenge einstellen kann.
Bei den ersten Symptomen einer Brustentzündung wie roten Flecken und Hitzegefühl in der Brust können homöopathische Mittel und Topfenwickel helfen. Ist die Entzündung schon ausgeprägt, wird Ihnen Ihr Arzt Antibiotika verschreiben, die Sie auch während des Stillens einnehmen dürfen.

“Vom Stillen wird die Brust klein und schlaff.”
Richtig/Falsch. Während der Stillzeit wird durch die sich vergrößernden Milchdrüsen Fettgewebe verdrängt, sodass der Busen nach dem Abstillen kleiner ist als zuvor. Bei vielen Frauen kommt es jedoch in den Monaten nach dem Abstillen zu einer Rückbildung des Fettgewebes, sodass der Busen so aussieht wie vor der Schwangerschaft. Nach dem Abstillen findet zudem eine Hormonumstellung statt, die etwa sechs Monate dauert und in deren Verlauf sich der Busen weiter anpasst.

Eine schlaffe Brust entsteht in erster Linie durch Bindegewebsüberdehnung. Das kann durch die Vergrößerung der Brust passieren, während Sie schwanger sind bzw. nach dem Milcheinschuss; kann aber auch der Fall sein, wenn Sie einen großen Busen haben und weder schwanger waren noch gestillt haben. Das Tragen eines gut sitzenden BHs in der Schwangerschaft und Stillzeit kann der Entstehung einer schlaffen Brust entgegenwirken.

Worauf muss ich bei meiner Ernährung achten?

Stillen ist für den Körper anstrengend, auch wenn Sie es vielleicht nicht merken. Wenn Sie Ihr Baby voll stillen, haben Sie täglich einen um etwa 500-600 kcal erhöhten Energiebedarf. Und Sie müssen wesentlich mehr trinken als sonst, da Sie sonst nicht genügend Milch produzieren bzw. an Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden leiden. Ideale Getränke sind (Mineral-)Wasser, ungesüßte Früchtetees sowie verdünnte, ungezuckerte Obst- und Gemüsesäfte.

Was Ihre Ernährung betrifft, sollte sie möglichst ausgewogen sein und Extraportionen Getreide, Gemüse und Obst beinhalten. Essen Sie mehrere Mahlzeiten über den Tag verteilt, damit Kalorienzufuhr und Milchproduktion möglichst regelmäßig erfolgen. Fisch sollte ein- bis zweimal die Woche auf dem Speiseplan stehen, wobei Sie auf Fische wie Tunfisch, Schwertfisch und Heilbutt aufgrund ihres hohen Gehalts an Quecksilber besser verzichten sollten. Auch blähende Nahrungsmittel wie Bohnen, Linsen, Mohn, Kohl und Kraut sollten Sie gerade in den ersten Monaten eher vermeiden, da sie zu Koliken beim Baby führen können. Seien Sie im Allgemeinen achtsam, wie Ihr Baby nach den Stillmahlzeiten reagiert – evtl. gibt es auch noch andere Nahrungsmittel wie bestimmtes Obst oder Milchprodukte, die zu Problemen wie Durchfall oder Hautausschlägen führen.

Viele Frauen entwickeln wie in der Schwangerschaft einen Gusto auf bestimmte Dinge, während sie stillen – geben Sie dem nach. Nur auf Alkohol, Nikotin und übermäßigen Konsum von Koffein (mehr als 2 Tassen täglich) sollten Sie unbedingt verzichten. Studien zeigen, dass diese Genussmittel teilweise in die Muttermilch gelangen und sich negativ auf Schlaf und Grobmotorik der Säuglinge auswirken können. Zudem haben sie nachteilige Effekte auf die Produktion, das Volumen und die Zusammensetzung der Muttermilch.

Abstillen

Wann der richtige Zeitpunkt fürs Abstillen gekommen ist, wissen Sie entweder instinktiv, oder aber Ihr Baby zeigt es Ihnen. Oft findet ein natürlicher Prozess des Abstillens statt, wenn das Baby mobil wird. Manchmal ist es für Mütter aber auch aus beruflichen oder gesundheitlichen Gründen notwendig, abzustillen oder das Stillen zu reduzieren.
Grundsätzlich gilt: Je langsamer Sie abstillen, umso einfacher ist das sowohl für Sie als auch Ihr Baby. Reduzieren Sie langsam das Angebot und ersetzen Sie sukzessive immer mehr Stillmahlzeiten mit Brei und/oder Milch in der Flasche. Lassen Sie sich dabei auch von Ihrem Partner unterstützen – die Beziehung zwischen Vater und Baby kann durch die Mahlzeiten, die nun vom Vater verabreicht werden, inniger werden, während Sie mehr Zeit für sich haben.

Hier einige Tipps zur Verringerung der Milchmenge:

  • Bieten Sie Ihrem Baby die Brust nur noch dann an, wenn sie prall gefüllt ist.
  • Trinken Sie Salbei- und Pfefferminztee und reduzieren Sie insgesamt Ihre Trinkmenge.
  • Tragen Sie knapp sitzende BHs, auch nachts.
  • Wenn sich Ihre Brust gestaut anfühlt, können Sie sie unter einer warmen Dusche ausmassieren.
  • Kühlen Sie die Brust nach dem Stillen mit Kompressen.
Quellen:
La Leche Liga Österreich; www.laleche.at (Zugriff im Jänner 2014)

Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH & Bundesamt für Ernährungssicherheit; Initiative „Richtig essen von Anfang an“; www.richtigessenvonanfangan.at (Zugriff im Jänner 2014)

Stillempfehlungen der Österreichischen Stillkommission des Obersten Sanitätsrates; Österreichische Ärztezeitung, 10. September 2007