Allergischer Schock: Frau spritzt sich Notfallsmedikament in den Oberschenkel
Foto: Andrey_Popov/shutterstock

Was ist ein allergischer Schock (anaphylaktischer Schock)?

Ein allergischer Schock (anaphylaktischer Schock) ist eine schwere allergische Reaktion, bei der der Körper plötzlich und sehr heftig auf ein Allergen reagiert, wodurch der gesamte Organismus betroffen sein kann. Die häufigsten Auslöser für einen anaphylaktischen Schock sind bestimmte Lebensmittel, Insektengifte und Medikamente. Ein allergischer Schock kann lebensbedrohlich sein, daher ist es von entscheidender Bedeutung, so rasch wie möglch therapeutische Maßnahmen einzuleiten. In diesem Artikel erfahren Sie die wichtigsten Fakten über Auslöser, Symptome, Therapien und Sofortmaßnahmen im Falle eines anaphylaktischen Schocks.

Allergischer Schock, anaphylaktischer Schock

Definition: schwerste Form einer allergischen Reaktion auf ein Allergen

Häufige Auslöser: bestimmte Medikamente, Insektengifte, Nahrungsmittel

Symptome: Schwellungen des Unterhautgewebes, Schnupfen, tränende Augen, Atemnot, Juckreiz, Rötungen am ganzen Körper, Schwindel, Schluck- und Sprechprobleme, Herzrasen, Übelkeit, Darmbeschwerden, Blutdruckabfall, Bewusstlosigkeit, Herzkreislaufstillstand

Therapie: Adrenalin, Flüssigkeitszufuhr, Antihistaminika, Glukokortikoide

Was ist ein allergischer Schock?

Ein allergischer Schock ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion auf eine an sich harmlose Substanz (Allergen). Innerhalb kürzester Zeit nach dem Kontakt mit dem auslösenden Allergen reagiert das Immunsystem fehlgesteuert: Spezielle Eiweißstoffe im Immunsystem, sogenannte IgE-Antikörper, aktivieren bestimmte Zellen, die daraufhin entzündungsfördernde Botenstoffe wie Histamin, Leukotriene und Prostaglandine freisetzen. Dies führt zu einer Reihe von Reaktionen im Körper, die zu den Symptomen des allergischen Schocks und in schweren Fällen bis zum Tod führen können. So kann es etwa zu einer plötzlichen Erweiterung der Blutgefäße kommen, was zu einem drastischen Blutdruckabfall und in letzter Konsequenz zum Kreislaufversagen führt. Mediziner sprechen in diesem Zusammenhang von Anaphylaxie, wobei die schwerste Form der Anaphylaxie als anaphylaktischer Schock bezeichnet wird.

Wie häufig ist die Anaphylaxie?

Aktuelle Studien zeigen, dass zwischen sieben und 50 von 100.000 Einwohnern pro Jahr von Anaphylaxie betroffen sind. Ein anaphylaktischer Schock endet unter einer Million Einwohnern jährlich für ein bis drei Menschen tödlich.

Was verursacht einen anaphylaktischen Schock?

Ein anaphylaktischer Schock wird durch den Kontakt mit einem Allergen ausgelöst. Theoretisch kann das jeder Stoff sein, gegen den der Körper allergisch ist.

Die häufigsten Auslöser schwerwiegender anaphylaktischer Reaktionen sind jedoch:

  • Medikamente (unter anderem Penicillin, Insulin, jodhaltige Kontrastmittel oder Acetylsalicylsäure)
  • Insektengifte (vor allem Bienengift, Wespengift und Hornissengift)
  • Nahrungsmittel (häufig Eier, Nüsse, Fisch und Meeresfrüchte sowie Weizen)

Bei Kindern sind Nahrungsmittel die häufigsten Auslöser schwerer anaphylaktischer Reaktionen, während bei Erwachsenen auch Insektengifte und Medikamente häufige Auslöser sind. Zu den selteneren oder sehr seltenen Auslösern gehören Naturlatex, manche Gewürze und bestimmte exotische Früchte.

Welche Faktoren können eine schwere anaphylaktische Reaktion begünstigen?

Zusätzlich zu den bereits genannten Auslösern gibt es auch zusätzliche Risikofaktoren, die das Auftreten einer schweren anaphylaktischen Reaktion begünstigen können, insbesondere bei Personen, die bereits an Allergien leiden. Dazu gehören:

  • Akute Infekte
  • Körperliche Anstrengung
  • Alkoholkonsum
  • Stress
  • Höheres Lebensalter
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Vorhandenes oder schlecht eingestelltes Asthma bronchiale
  • Einnahme von Nicht-Steroidalen Antirheumatika (NSAR)
  • Mastozytose

Diese Risikofaktoren können das Auftreten einer schweren Anaphylaxie fördern und sollten daher besonders beachtet werden.

Was sind die Symptome eine allergischen Schocks?

Die Symptome eines anaphylaktischen Schocks sind vielfältig und können den gesamten Organismus betreffen. Haut, Magen-Darm-Trakt, Atemwege und das Herz-Kreislauf-System können beeinträchtigt sein. Es ist wichtig zu beachten, dass je schneller es zu Symptomen kommt, desto gefährlicher ist die Situation.

Zu den Anzeichen gehören:

  • Schwellungen des Unterhautgewebes
  • Schnupfen
  • Tränende Augen
  • Atemnot
  • Juckreiz
  • Rötungen am ganzen Körper
  • Schwindel
  • Schluck- und Sprechprobleme
  • Herzrasen
  • Übelkeit
  • Darmbeschwerden

Welche Schweregrade der Anaphylaxie gibt es?

Üblicherweise werden anaphylaktische Reaktionen in vier Schweregrade eingeteilt, wobei die Symptome sich an Haut, Magen-Darm, Atemwegen und Herz-Kreislauf manifestieren können:

GradHautMagen-DarmAtemwegeHerz-Kreislauf
1Juckreiz, Rötung, Quaddeln
2Evtl. Juckreiz, Rötung, Quaddeln
Bauchschmerzen

Schnupfen, Atemnot

Herzrasen, Blutdruckabfall
3
Evtl. Juckreiz, Rötung, Quaddeln

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blasenentleerung

Asthma, Ödem im Bereich des Kehlkopfs

Schock, Bewusstlosigkeit
4
Evtl. Juckreiz, Rötung, Quaddeln

Evtl. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blasenentleerung

Atemstillstand

Herz-Kreislauf-Stillstand

Wie verläuft eine Anaphylaxie?

Die Symptome von anaphylaktischen Reaktionen setzen meist sehr plötzlich ein und können auch sehr rasch fortschreiten. Innerhalb von Minuten kann es zu einer Verschlechterung der Symptome bis hin zum Schock und sogar zum Tod kommen. Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Reaktion spontan zum Stillstand kommt und sich im Verlauf zurückbildet. Die Symptome können gleichzeitig oder nacheinander auftreten, und es ist möglich, dass zunächst Kreislaufreaktionen auftreten, ohne dass zuvor Haut- oder Atemwegsreaktionen erkennbar waren. Obwohl der spontan einsetzende Verlauf unmittelbar nach Kontakt mit dem Allergen am häufigsten ist, gibt es auch verzögert einsetzende anaphylaktische Reaktionen, die erst Stunden nach dem Allergenkontakt beginnen. In fünf bis 20 Prozent der Fälle kommt es nach einer erfolgten Therapie zu Verläufen mit erneuter Symptomatik, die meist nach sechs bis 24 Stunden auftritt.

Wie zeigt sich eine anaphylaktische Reaktion bei Kindern?

Die Leitsymptome von anaphylaktischen Reaktionen sind bei Kindern und Erwachsenen im Wesentlichen dieselben, aber die Ausprägung der Beschwerden kann unterschiedlich sein. Vor allem bei kleineren Kindern zeigen sich zu Beginn und noch bevor objektive Beschwerden feststellbar sind, oft Unruhe und ein Rückzugsverhalten. Kinder können in der Regel auch noch nicht mitteilen, dass ihr Kreislauf schwach wird. Stattdessen werden sie müde und zeigen vermehrtes Schlafbedürfnis. Wenn dann Hauterscheinungen oder Juckreiz hinzukommen, sollte man besonders aufmerksam werden.

Wie wird ein allergischer Schock diagnostiziert?

Ein allergischer Schock wird anhand charakteristischer Kriterien für eine Anaphylaxie diagnostiziert. Diese umfassen:

  • Das plötzliche Auftreten von Hautsymptomen zusammen mit Atemwegssymptomen oder einem plötzlichen Blutdruckabfall.
  • Das plötzliche Auftreten von Symptomen in zwei oder mehr Organsystemen wie Haut, Magen-Darm-Trakt, Atemwege oder Kreislaufsystem nach Kontakt mit einem wahrscheinlichen Allergen.
  • Ein Blutdruckabfall nach Kontakt mit einem dem Patienten oder der Patientin bekannten Allergen.

Da die klinische Symptomatik nicht immer eindeutig ist, muss der Arzt auch andere akute Reaktionen wie andere Schockzustände oder Herzrhythmusstörungen ausschließen.

Welche Therapien gibt es?

Ein anaphylaktischer Schock ist ein medizinischer Notfall, bei dem sofort gehandelt werden muss. Es geht darum, sofort die Allergenzufuhr zu stoppen, also etwa den Bienenstachel herauszuziehen oder die Gabe eines Medikaments, das die Anaphylaxie hervorgerufen hat, zu beenden. Für die darauffolgende Akuttherapie ist das wichtigste Medikament Adrenalin, das gleichzeitig die Symptome an Herz, Haut und Atemwegen reduziert. Als Injektion wirkt es am schnellsten von allen Medikamenten, und wenn eine Kehlkopfschwellung und Atemnot vorliegen, so wird empfohlen, zusätzlich zur Injektion Adrenalin zusammen mit Sauerstoff über eine Atemmaske zuzuführen. Entscheidend ist weiters, so schnell wie möglich ausreichend Flüssigkeit über Infusion zu geben, denn das stabilisiert den Kreislauf. Ursächlich gegen die anaphylaktische Reaktion wirken zudem Antihistaminika und Glukokortikoide.

Was sind die wichtigsten Sofortmaßnahmen?

Die wichtigsten Sofortmaßnahmen bei einer schweren allergischen Reaktion, die zu einem anaphylaktischen Schock führen könnte, sind entscheidend für die Sicherheit und das Überleben des Betroffenen. Hier sind die Maßnahmen, die in verschiedenen Situationen ergriffen werden sollten:

  • Notarzt rufen: Dies ist die allererste Maßnahme, um professionelle Hilfe herbeizurufen, die lebensrettende Behandlungen durchführen kann.

Wenn der Betroffene oder die Betroffene bei Bewusstsein ist, sind folgende Schritte zu beachten:

  • Auslöser entfernen: Wenn der Auslöser der allergischen Reaktion bekannt oder sichtbar ist (z. B. ein Bienenstachel), muss dieser entfernt werden.
  • Atmung überprüfen: Wenn der oder die Betroffene bei Bewusstsein ist, muss darauf geachtet werden, ob er oder sie genug Luft bekommt.
  • Sitzposition einnehmen: Der oder die Betroffene sollte mit erhöhtem Oberkörper so sitzen, dass er oder sie sich mit den Armen abstützen kann.
  • Ruhe bewahren: Der oder die Betroffene ist zu beruhigen und zum langsamen und tiefen Atmen aufzufordern.
  • Kühlung bei Schwellungen: Sind Schwellungen vorhanden, hilft Eis in Tüchern auf der betroffenen Körperstelle bzw. Eiswürfel oder Speiseeis, wenn die Schwellung im Mund oder Rachen befindlich ist.
  • Verabreichung von Notfallmedikation: Wenn der oder die Betroffene eine Notfallmedikation bei sich hat, sollte man bei der Verabreichung helfen.

Wenn der Betroffene oder die Betroffene bei Bewusstsein ist, sind folgende Schritte zu beachten:

  • Überprüfen Sie das Bewusstsein und die Atmung: Prüfen Sie das Bewusstsein des Betroffenen oder der Betroffenen durch Ansprechen und sanftes Schütteln.
  • Stabile Seitenlage oder Wiederbelebungsmaßnahmen: Die Atmung ist durch Überstrecken des Kopfes für maximal zehn Sekunden zu prüfen. Ist eine normale Atmung vorhanden, so ist der Betroffene oder die Betroffene in die stabile Seitenlage zu bringen. Wenn keine normale Atmung vorhanden ist, so muss sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen werden.

Wie kann man einem allergischen Schock vorbeugen?

Die beste Prophylaxe gegen einen allergischen Schock ist das Meiden des Allergens. Das ist aber wie etwa bei Insektenstichen nicht möglich. Hier gibt es die Möglichkeit einer langfristigen Immuntherapie, bei der der Körper langsam und schrittweise an immer höhere Dosen des Allergens „gewöhnt“ wird, sodass das Immunsystem letztlich nicht mehr auf das Allergen reagiert. Wenn man weiß, dass man eine Allergie hat, sollte man immer eine Adrenalin-Spritze zur Selbstinjektion bei sich führen und sich diese bei Kontakt mit einem Auslöser oder bei auftretenden Symptomen selbst setzen. Dadurch wird die anaphylaktische Reaktion meist zumindest vorübergehend gestoppt. Wichtig bei Personen mit bekannten Allergien ist auch das Mitführen eines Notfallsets und die Information der individuellen sozialen Umgebung über das Vorgehen im Notfall.

FAQ

Personen, die ein erhöhtes Risiko für schwere allergische Reaktionen haben, sollten immer ein Notfallset mit sich führen und die darin enthaltenen Medikamente nach Anweisung des Arztes oder der Ärztin nach Möglichkeit selbst einsetzen.

Ein Notfallset enthält Adrenalin zur Selbstinjektion in den Muskel (Autoinjektor), ein Antihistaminikum als Tropfen oder Tabletten und ein Glukokortikoid als Flüssigkeit, Tabletten oder Zäpfchen. Bei Personen mit bekanntem Asthma bronchiale ist eventuell auch ein Beta-2-Sympathomimetikum und/oder Adrenalin zum Inhalieren enthalten. Außerdem gibt es eine Anleitung zur richtigen Anwendung der Medikamente.

Laut aktuellen Studien sind zwischen sieben und 50 pro 100.000 Einwohnern pro Jahr von einer Anaphylaxie betroffen. Pro Jahr sterben ein bis drei Menschen unter einer Million Einwohnern an einem anaphylaktischen Schock.

Wenn jemand schon an einer Allergie leidet, gibt es zusätzliche Risikofaktoren, die einen anaphylaktischen Schock begünstigen können. Diese sind vor allem akute Infekte, körperliche Anstrengung, Alkohol und Stress, aber auch ein hohes Lebensalter, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestehendes bzw. insbesondere schlecht eingestelltes Asthma bronchiale, die Einnahme von Nicht-Steroidalen Antirheumatika (NSAR) und eine Mastozytose.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und im Jahr 2010 erhielt sie den Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

Gesenhues S und A: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. 9. Auflage, Urban & Fischer 2020.

Herold G et al: Innere Medizin. Eigenverlag 2023.

Leitlinie zu Akuttherapie und Management der Anaphylaxie – Update 2021

https://register.awmf.org/assets/guidelines/061-025l_S2k_Akuttherapie-Management-Anaphylaxie_2021-10.pdf, Abruf März 2024

https://www.allergieinformationsdienst.de/aktuelles/schwerpunktthemen/anaphylaktischer-schock, Abruf März 2024

https://allergiecheck.de/pages/anaphylaktischer-schock, Abruf März 2024

https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/erste-hilfe/notfall/allergische-reaktion.html, Abruf März 2024

https://www.aerzteblatt.de/archiv/196565/Anaphylaxie-Wie-richtig-handeln, Abruf März 2024

ICD 10 Codes: T78.0, T78.2

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