Skip to main content
Synapsen von Nervenzellen
shutterstock

„Minis“ halten Nervenverbindungen jung

Neuronen kommunizieren mittels schneller elektrischer Signale, die die Freisetzung von Neurotransmittern, den chemischen Botenstoffen des Gehirns, regulieren. Diese Art der interneuronalen Kommunikation nennt man evozierte Neurotransmission. Nervensynapsen können jedoch auch in Abwesenheit eines elektrischen Impulses Neurotransmitter freisetzen. Diese Miniatur-Freisetzungen (Minis) wurden lange Zeit nur als „Hintergrundrauschen“ ohne nähere Funktion wahrgenommen. Tatsächlich zeigen neuere Studien jedoch, dass Minis offenbar wichtige Aufgaben erledigen.

Sie agieren wie „Pings“ für den Computer und stellen sicher, dass Neuronen verbunden sind. Ein Schweizer Forschungsteam wies jetzt nach, dass Minis auch im reifen Nervensystem eine Rolle spielen. Sie fanden heraus, dass die Synapsen von Fruchtfliegenzellen mit zunehmendem Alter in kleinere Fragmente zerfielen. Ein Phänomen, dass auch bei alternden Säugetieren eintritt. Geschieht dies, sind sowohl die evozierte als auch die Miniatur-Neurotransmission beeinträchtigt und die Fliegen zeigen motorische Probleme, wie z.B. eine verminderte Fähigkeit, die Wände einer Plastikflasche zu erklimmen.

Werden beide Übertragungsarten blockiert, altern Synapsen vorzeitig, was darauf hindeutet, dass bei der Alterung oder bei altersbedingten neurologischen Erkrankungen Veränderungen der Neurotransmission auftreten, bevor die Synapsen zusammenbrechen. Daran lässt sich bei künftigen klinischen Interventionen ansetzen: Wird die Tätigkeit der Minis (jedoch nicht die der evozierten Transmission) stimuliert, bleiben Synapsen erhalten und die motorischen Fähigkeiten von Fruchtfliegen mittleren Alters gelangen auf ein Niveau, das mit dem von jungen Fliegen vergleichbar ist. Die Erkenntnisse könnten auch dazu beitragen, Anomalien die Minis betreffen, besser zu verstehen, etwa Neuroentwicklungsstörungen bei Kindern.

Referenz:
EPFL, Lausanne
Miniature neurotransmission is required to maintain Drosophila synaptic structures during ageing, Nature Comm 2021; https://www.nature.com/articles/s41467-021-24490-1

#gehirn #synapsen #minis #neurotransmitter #alterung #nervenzellen #neurotransmission #medizin #medimpressions

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: Herzinfarkt – Rechtzeitig erkennen und vorbeugen

Herzinfarkt – Rechtzeitig erkennen und vorbeugen

Bei einem Herzinfarkt kommt es zum Verschluss eines Herzkranzgefäßes. Das ist meist bedingt durch ein Blutgerinnsel an einer bereits verengten Stelle des Gefäßes.

Zum Artikel: Cholesterin - Aufgaben, Referenzwerte und Behandlung erhöhter Werte

Cholesterin - Aufgaben, Referenzwerte und Behandlung erhöhter Werte

Zu viel Cholesterin im Blut kann jedoch die Gefäße schädigen und das Risiko für bestimmte Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Hier erfahren Sie, welche Aufgaben Cholesterin erfüllt, was die Blutwerte aussagen und was bei erhöhten Werten hilft.

Zum Artikel: Perimenopause

Perimenopause: Bin ich schon in den Wechseljahren? Symptome, erste Anzeichen und

Die ersten Anzeichen der Wechseljahre beginnen oft viel früher und ganz anders als gedacht. Der Schlaf wird unruhiger, die Stimmung schwankt ohne ersichtlichen Grund und der Zyklus macht plötzlich, was er will.

Zum Artikel: Magnesium und besserer Schlaf

Magnesium und Schlaf: Kann das Mineral die Schlafqualität verbessern?

Magnesium soll das Einschlafen erleichtern und für erholsameren Schlaf sorgen. Besonders Magnesiumbisglycinat und Magnesium-L-Threonat werden dafür beworben. Doch wie gut ist die Wirkung belegt? Was über die verschiedenen Formen, die Dosierung und den Einnahmezeitpunkt bekannt ist, erfahren Sie hier.