Windpocken – Definition, Symptome, Behandlung

Windpocken – Definition, Symptome, Behandlung

Stand: Juli 2018
Vater behandelt Windpocken von Kleinkind

Windpocken (Varizellen) sind eine sehr ansteckende Viruserkrankung. Sie tritt vorwiegend im Kindesalter auf, aber auch Erwachsene können betroffen sein. Charakteristische Symptome sind flüssigkeitsgefüllte Bläschen und starker Juckreiz. Im Regelfall verläuft die Erkrankung komplikationslos, unter Umständen kann es jedoch zu schweren Folgeerkrankungen kommen. Ansteckung, Symptome, mögliche Komplikationen, Vorbeugung und Behandlung - alles Wichtige über Windpocken lesen Sie hier.

Was sind Windpocken?

Windpocken, Varizellen, Feuchtblattern, Schafblattern – verschiedene Bezeichnungen für ein und dieselbe Infektionskrankheit, die vorwiegend im Kindesalter auftritt und durch das Varizella-Zoster-Virus (VZV), welches besonders ansteckend ist, hervorgerufen wird. Das Varizella-Zoster-Virus ist ein Virus aus der Gruppe der Herpesviren, zu welcher u.a. auch das Herpes-simplex-Virus zählt, welches beim Menschen Herpes simplex-Infektionen verursacht (Lippen-, Genitalherpes). Das Varizella-Zoster-Virus ruft neben Varizellen auch Gürtelrose hervor.

Windpocken sind sehr ansteckend. Die Ansteckung mit dem Varizella-Zoster-Virus erfolgt über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion. Bei einer Tröpfcheninfektion wird das Virus durch winzige Sekrettröpfchen übertragen, die beim Sprechen, Husten und Niesen ausgestoßen und verteilt und von anderen Menschen bei der Atmung aus der Luft aufgenommen werden. Bei einer Schmierinfektion erfolgt die Ansteckung durch den Kontakt mit der Flüssigkeit in den Hautbläschen der erkrankten Person. Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Infektion mit dem Virus und dem Auftreten der ersten Symptome/Ausbruch der Krankheit) beträgt etwa 12 bis 21 Tage. Ferner, wenn auch selten der Fall, ist es möglich, dass es während der Schwangerschaft zu einer Ansteckung des ungeborenen Kindes über die Plazenta kommt. Eine Erstinfektion der werdenden Mutter mit dem Varizella-Zoster-Virus kann in den ersten 20 Schwangerschaftswochen zu Fehlbildungen beim ungeborenen Kind führen (fetales Varizellen-Syndrom).

Zusammenhang Windpocken – Gürtelrose

Die meisten Menschen erkranken bereits als Kind an Windpocken, prinzipiell können sie jedoch in jedem Alter auftreten. Wer als Kind Varizellen hatte ist lebenslang dagegen immun, an Windpocken kann man in der Regel also nur einmal im Leben erkranken. Aber: Auch nach Abheilen der Erkrankung verbleibt das Virus im Körper. Die Viren ziehen sich in die Spinalganglien zurück, wo sie lebenslang in einem inaktiven Zustand verbleiben. Unter bestimmten Umständen können sie zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv werden. Bei einer solchen Reaktivierung kommt es zu Gürtelrose, charakteristisches Symptom ist hier ein gürtelförmiger Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen.

Bei einer Erstinfektion mit dem Varizella-Zoster-Virus kommt es also zu Windpocken, Gürtelrose ist die vom Virus ausgelöste Zweiterkrankung. Das bedeutet, dass nur jene, die bereits Windpocken hatten Gürtelrose bekommen können. Steckt eine an Gürtelrose erkrankte Person eine andere Person mit dem Varizella-Zoster-Virus an, dann bekommt diese die Windpocken, wenn sie diese noch nicht hatte und nicht dagegen geimpft ist.

Hautausschlag und starker Juckreiz – Symptome bei Windpocken

Charakteristisches Symptom ist ein Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Erste Anzeichen sind häufig allgemeine Symptome wie Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen. Ab dem etwa dritten bis fünften Krankheitstag kommt es zur Entwicklung des typischen Ausschlags. Es bilden sich kleine rote Flecken aus welchen sich binnen kurzer Zeit Bläschen entwickeln, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind. Zumeist treten die Bläschen zunächst im Gesichts- und Rumpfbereich auf, später auch im Bereich der Schleimhäute, Arme, Beine und Kopfhaut. Starker Juckreiz begleitet die Bläschen, häufig kommt es auch zu hohem Fieber (selten über 39°C). Nach einigen Tagen trocknen die Bläschen unter Krustenbildung ein, wenig später fallen die Krusten ab. Durch das Aufkratzen der Bläschen und bei einer zusätzlichen bakteriellen Infektion kann es zu bleibenden Narben kommen. Mit dem Verkrusten aller Bläschen sind Erkrankte nicht mehr ansteckend.

In der Regel heilen die Bläschen ohne Narben ab und auch sonst verläuft die Erkrankung bei ansonsten gesunden Menschen zumeist komplikationslos. In einigen Fällen kann es jedoch zu Komplikationen und Folgeerkrankungen kommen. Eine häufige Komplikation der Varizellen ist die bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Entzündung der Bläschen), weitere ernsthafte Komplikationen sind Lungenentzündung (Varizellen-Pneumonie), Komplikationen im Bereich des zentralen Nervensystems, Enzephalitis (Entzündung des Gehirns) und Komplikationen im Bereich anderer Organe wie Herzmuskel-, Nieren-, Gelenk- und Hornhautentzündung. Bei Erwachsenen sind Windpocken seltener, die Erkrankung verläuft jedoch häufig schwerer als bei Kindern. Auch das Risiko für Komplikationen ist im Vergleich zu Kindern erhöht, besonders schwer können sie bei schwangeren Frauen und immunschwachen Personen verlaufen. Erwachsene beklagen zumeist ein stärkeres Krankheitsgefühl, außerdem bilden sich meistens mehr Bläschen als bei Kindern. Auch die Krankheitsdauer ist etwas länger als bei Kindern. Bei Kindern dauert die Erkrankung im Regelfall etwa zehn Tage bis zwei Wochen. Erwachsene können an Windpocken erkranken, wenn sie diese zuvor noch nicht hatten und nicht geimpft sind.

Vorbeugung

Die Impfung stellt die beste Möglichkeit der Vorbeugung dar. Der Österreichische Impfplan empfiehlt bei Kindern die erste Impfung ab dem vollendeten ersten Lebensjahr, die zweite Impfung sollte im Abstand von mindestens vier Wochen erfolgen, jedenfalls vor Beginn des Besuchs von Gemeinschaftseinrichtungen (z.B. Kindergarten). Die Varizellen-Impfung ist in Österreich nicht Teil des kostenlosen Impfprogramms. Besonders empfohlen wird die aktive Immunisierung allen Neun- bis 17-Jährigen (”Catch-up Impfung”). Bei Erwachsenen wird die Impfung allen empfänglichen Personen empfohlen und insbesondere Frauen im gebärfähigen Alter, die seronegativ sind (keine Antikörper gegen spezifische Antigene im Blut nachweisbar), empfänglichen Betreuungspersonen von Kindern und seronegativen Personen, die im Gesundheitswesen tätig sind. Nicht geimpfte Personen sollten den Kontakt mit erkrankten Personen vermeiden.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer passiven Immunisierung (Varizellen-Zoster-Immunglobulin, VZIG), welche den Krankheitsausbruch verhindern oder abschwächen kann und eingesetzt werden sollte, wenn die aktive Varizellen-Impfung nicht möglich ist. Empfänglichen Personen mit nachgewiesener Schwäche des Immunsystems und nicht geimpften Schwangeren ohne nachweisbare Immunität wird nach Exposition die möglichst rasche Verabreichung (innerhalb von 96 Stunden) eines VZIG empfohlen.

Behandlung

Bei unkompliziertem Verlauf besteht die Behandlung hauptsächlich in der Linderung der Beschwerden. Starker Juckreiz lässt sich mit juckreizstillenden Mitteln zur lokalen Anwendung auf der Haut behandeln. Die Cremen, Lotionen, Gele oder Puder werden auf die Bläschen aufgetragen und lindern den Juckreiz für einige Stunden. Ferner können bei Bedarf fiebersenkende Medikamente und Schmerzmittel zur Anwendung kommen, eine ärztliche Absprache ist stets ratsam (Vorsicht bei Acetylsalicylsäure bei Kindern und Jugendlichen, da die Gefahr eines sogenannten Reye-Syndroms besteht).

Starker Juckreiz wird durch Wärme und Schweiß verstärkt, weswegen empfohlen wird auf eine angenehme Raumtemperatur zu achten und luftdurchlässige Baumwollbekleidung zu tragen. Das Aufkratzen der juckenden Bläschen sollte verhindert werden, ansonsten kann es zu bakteriellen Infektionen und Narben kommen. Hilfreich in diesem Zusammenhang sind das Kurzschneiden der Fingernägel und das Tragen von Baumwollhandschuhen. Eine antibiotische Therapie ist bei Varizellen wirkungslos, kann jedoch bei einer Entzündung der aufgekratzten Bläschen verordnet werden (bakterielle Superinfektion). Bei schweren Verläufen können die Viren direkt mit speziellen Medikamenten behandelt werden – sogenannte Virustatika hemmen den Vermehrungsprozess der Viren und können den Krankheitsverlauf abmildern, vorwiegend zum Einsatz kommen sie bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem.

Fact-Box

Windpocken: Viruserkrankung

Andere Bezeichnungen: Varizellen, Feuchtblattern, Schafblattern u.a.

Erreger: Varizella-Zoster-Virus (VZV; Ersterkrankung Windpocken, Zweiterkrankung Gürtelrose)

Übertragung: Tröpfchen- und Schmierinfektion, während der Schwangerschaft (selten)

Inkubationszeit: Etwa 12 bis 21 Tage

Symptome: Zunächst allgemeine Symptome wie Unwohlsein, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen, Hautausschlag mit flüssigkeitsgefüllten Bläschen (zunächst im Gesicht und Rumpfbereich, später auch im Bereich der Schleimhäute, Arme, Beine und Kopfhaut), starker Juckreiz, Fieber u.a.

Ansteckungsfähigkeit: Endet mit dem Verkrusten aller Bläschen

Mögliche Komplikationen/Folgeerkrankungen: Bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Entzündung der Bläschen), Lungenentzündung, Komplikationen im Bereich des zentralen Nervensystems und anderer Organe u.a.; durch starkes Kratzen oder bakterielle Superinfektionen können Narben zurückbleiben

Vorbeugung: Impfung, Meiden des Kontakts mit erkrankten Personen

Behandlung: Juckreizstillende Mittel zur lokalen Anwendung, unter Umständen antibiotische Therapie bei zusätzlicher bakterieller Superinfektion, Virustatika (bei schweren Verläufen, Patienten mit geschwächtem Immunsystem) u.a.

Autor:
Quellen:
Impfplan Österreich 2018, Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz

Lienhard A.; Update zu Windpocken und Gürtelrose - Zosterbehandlung und Impfung gegen Varizellen und Zoster, Medicos, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie 03/2013, Rosenfluh Publikationen AG

Leodolter S. et al.; Serie: Virusinfektionen in der Schwangerschaft - Teil 3 - Varizellen und Herpes zoster, Gyn-Aktiv 03/2011, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Varizellen-Verlauf - Komplikationen häufiger als gedacht, Deutsches Ärzteblatt 101(20)/2004, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Gabler-Sandberger E.; Varizella-Zoster-Virus: Windpocken nicht als harmlos einschätzen, Deutsches Ärzteblatt 97(15)/2000, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Windpocken, Herpes Zoster (Gürtelrose), RKI-Ratgeber, Robert Koch-Institut, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Varizellen.html, Stand: 28.06.2018

Starker Rückgang der Windpocken durch Impfung, Deutsches Ärzteblatt, 07.01.2013, URL: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/52938/Starker-Rueckgang-der-Windpocken-durch-Impfung
ICD-10: B01

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN