Was tun bei einer Kreuzbandverletzung? Sprechstunde mit OA Dr. Mark Schurz

Was tun bei einer Kreuzbandverletzung? Sprechstunde mit OA Dr. Mark Schurz

Stand: Mai 2018 Entgeltlicher Content

OA Dr. Mark Schurz, Facharzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie in 1090 Wien beantwortet in dieser Video-Sprechstunde Fragen zum Thema Kreuzbandverletzung.

Was sind die Anzeichen einer Kreuzbandverletzung?

OA Dr. Mark Schurz: Die typischen Anzeichen einer Kreuzbandverletzung sind plötzlich eintretende Schmerzen, wenn es beim Sport zu einer Verletzung des Kniegelenkes kommt. Hierbei kommt es oft zu Verdrehverletzungen des Kniegelenkes bei fixiertem Fuß auf der Unterlage, wie es z. B. bei diversen Ballsportarten (Hallenfußball, Volleyball, Basketball) vorkommen kann. Der Fuß bleibt stehen, das Kniegelenk verdreht sich darüber und es kommt schon zur Kreuzbandruptur oder aber auch, wie in Österreich sehr typisch, es beim Skifahren sehr häufig vorkommt – wenn der Ski einfädelt bzw. die Skispitze nach außen weggerissen wird, das Knie verdreht wird und das Kreuzband plötzlich, manchmal mit einem deutlichen Geräusch, reißt. Es kommt dann zu einer Schwellung des Kniegelenkes durch eine Einblutung des zerrissenen Kreuzbandes in die Kniegelenkskapsel und die Patienten können initial das Knie meist nicht belasten. Wenn Patienten wiederum versuchen auf das Knie draufzusteigen merken sie doch eine deutliche Instabilität des Kniegelenkes, d.h. dass das Kniegelenk bei Belastung wegrutscht und die Bänder keinen ausreichenden Halt mehr bieten. Was noch zusätzlich auftreten kann sind oft Begleitverletzungen wie z.B. Verletzungen des Innenmeniskus, dieser kann bei gravierenden Kniegelenksdistorsionen d.h. bei Verdrehungen des Kniegelenkes komplett reißen und sich im Kniegelenk verlagern und das Kniegelenk im schlimmsten Fall blockieren so dass das Knie nicht mehr ausreichend gebeugt oder auch gestreckt werden kann.

Wie sieht die Untersuchung bei Verdacht auf Kreuzbandverletzung aus?

OA Dr. Mark Schurz: Der erste Schritt bei der Untersuchung nach Kreuzbandverletzung oder bei Verdacht auf Kreuzbandverletzung ist das Gespräch mit der Patientin oder dem Patienten. Man muss herausfinden ob der Verletzungsmechanismus prinzipiell dafür geeignet ist um eine Kreuzbandverletzung herbeizuführen. Wenn dies geklärt ist, geht man zur sogenannten klinischen Untersuchung. Hier untersucht man mit den Händen die Instabilität des Kniegelenkes im Seitenvergleich, d.h. man beginnt zuerst mit der unverletzten Seite, überprüft dort die Stabilität und vergleicht dies dann mit der verletzten Seite – untersucht das vordere sowie das hintere Kreuzband, die Seitenbänder, die Kapsel, schaut ob eine Kniegelenksverschwellung vorhanden ist, schaut ob die Beweglichkeit des Kniegelenkes ausreichend ist um auch eventuell Begleitverletzungen wie einen eingeklemmten Meniskus detektieren zu können. In weiterer Folge wird man auf die apparative Untersuchungsmethode zurückgreifen, nämlich die Magnetresonanztomographie. In dieser Schichtbildaufnahme sieht man vor allem die Begleitverletzungen, die möglicherweise da sein können, sehr gut bspw. Meniskusverletzungen und Knorpelverletzungen. Die klinische Diagnose an sich reicht zur Bestätigung der Kreuzbandverletzung absolut aus. Es ist nicht zwingend erforderlich eine Magnetresonanztomographie auszuführen und man sollte sich damit auch nicht wochenlang aufhalten um auf das MRT zu warten und möglicherweise die Chance zu vergeben ein gerissenes Kreuzband frühzeitig zu refixieren und ein besseres Ergebnis dadurch zu erzielen.

Wie läuft eine Kreuzband-Operation ab?

OA Dr. Mark Schurz: Die Kreuzbandoperation wird heutzutage rein arthroskopisch durchgeführt d.h. dass der ganze Eingriff über Schlüssellochchirurgie ausgeführt wird. Hierfür benötigt man zwei kleine ca. 3-5 mm große Inzisionen vorne am Knie. Nachdem diese gesetzt wurden, kann man das ganze Kniegelenk inspizieren. Man beurteilt das vordere Kreuzband – in welcher Form es gerissen ist, ob es eine komplette Ruptur oder nur eine Teilruptur ist oder ob das Band in einer Form gerissen ist, dass man es erhalten kann. Ist es erhaltenswert dann wird das refixiert, d.h. an der ursprünglichen Stelle wieder befestigt ansonsten muss ein Ersatz mit einem Sehnentransplantat ausgeführt werden. Begleitverletzungen können natürlich gleich mitbehandelt werden. Der ganze Eingriff dauert ca. 45min. und erfolgt in Vollnarkose oder in Spinalanästhesie bzw. mit einem Kreuzstich. Der Krankenhausaufenthalt ist meistens 1-2 Tage. Nach der Operation werden die Patientinnen und Patienten mit Unterarm-Stützkrücken mobilisiert d.h. man belastet das Kniegelenk mit halbem Körpergewicht für ca. 10-14 Tage, legt dann eine Kniegelenksschiene an mit der man vollbelastend bzw. ohne Krücken gehen kann.

Welche Arten der Behandlung gibt es?

OA Dr. Mark Schurz: Man muss bei der Behandlung des vorderen Kreuzbandrisses prinzipiell zwischen der operativen und der konservativen Therapie entscheiden. Man muss auch in Betracht ziehen, dass nicht jeder Patient gleich ist, nicht jeder Patient hat die gleichen Anforderungen. Der Hochleistungssportler ist anders zu betrachten und zu behandeln wie der gelegentliche Hobbysportler. Jedoch kann man sagen, dass die Erreichung der Stabilität des Kniegelenkes die höchste Prämisse ist. Betrachten wir die operative Seite – im besten Fall kann eine Refixation des gerissenen vorderen Kreuzbandes ausgeführt werden, d.h. dass in endoskopischer minimal-invasiver Technik das gerissene Band im Kniegelenk, also in der sogenannten All-Inside Technik, mehrfach angeschlungen wird und über spezielle Knochendübel an die korrekte anatomische Position stabil fixiert werden kann. Ist das Kreuzband in der Struktur zu sehr zerstört so kann von einer Eigenheilung nicht mehr ausgegangen werden. Das gerissene Band muss dann aus dem Kniegelenk entfernt werden und es wird ein sogenanntes Sehnentransplantat in das Kniegelenk eingesetzt. Dies kann aus den Kniegelenksbeugesehnen gewonnen werden oder es können Sehnenstreifen aus dem Kniegelenksstreckapparat mit oder ohne Knochenblöcken entnommen werden und dieser Streifen stabil als Kreuzbandersatz in das Kniegelenk implantiert werden. Dieses Transplantat heilt über eine Zeit von 6-8 Monaten stabil in das Kniegelenk ein, wird vom Kniegelenk wiederum als eigenes Kreuzband angenommen und erfüllt so dann auch die anatomische-biomechanische Funktion. Unterstützend ist anschließend natürlich eine intensive sportphysiotherapeutische Behandlung nötig.

Wie schnell kann ich zum Sport zurückkehren?

OA Dr. Mark Schurz: Nach einer Kreuzbandverletzung wollen sportbegeisterte Personen natürlich möglichst schnell wieder zurück zu Ihrem Sport kommen. Jedoch sollte man nach einer Operation am vorderen Kreuzband das Nachbehandlungskonzept ganz strikt einhalten. In den ersten 6 Wochen sollte man eine Sportphysiotherapie mit einem versierten Therapeuten oder einer Therapeutin ausführen und nur die physiotherapeutischen Übungen durchführen sowie die Hausaufgaben, die man bekommt – das selbständige Training. Mit einem richtigen Sportaufbautraining beginnt man ca. 3 Monate nach der Operation. Mit einer sportlichen Vollbelastung d.h. dass man wieder zum Skisport, Fußball, Ballsport oder zu Sportarten, die das Kniegelenk hoch belasten zurückkommt, sollte man jedoch erst 6 oder besser 8 Monate nach der Operation bzw. der Verletzung nach einer konservativen Behandlung beginnen.

Weitere Informationen zu OA Dr. Mark Schurz finden Sie hier.

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