Toxoplasmose – Ansteckung, Symptome, vorbeugende Maßnahmen

Toxoplasmose – Ansteckung, Symptome, vorbeugende Maßnahmen

Stand: Juli 2020

Toxoplasmose ist eine durch Parasiten verursachte Infektionskrankheit, die meistens keine Beschwerden verursacht. Bei Menschen mit schwachem Immunsystem und während der Schwangerschaft kann sie unter Umständen jedoch schwere Folgen haben. Wie die Krankheit verursacht und übertragen wird, was sie mit Katzen zu tun hat und wie sie diagnostiziert und behandelt wird, lesen Sie hier.

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine durch Parasiten verursachte Infektionskrankheit. Sie kann Kinder und Erwachsene betreffen. Erreger ist Toxoplasma gondii, ein weltweit vorkommender Parasit. Bei ansonsten gesunden und immunkompetenten Menschen (Menschen mit funktionierendem Immunsystem) verläuft die Infektion zumeist unbemerkt. In manchen Fällen kann es zu grippeähnlichen Symptomen kommen, in der Regel verursacht Toxoplasmose jedoch keine Symptome. Anders sieht dies bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem sowie bei einer Erstinfektion in der Schwangerschaft aus – in solchen Fällen kann eine Infektion mit ernsthaften gesundheitlichen Komplikationen einhergehen.

Toxoplasmose – Ursache und Ansteckung

Toxoplasmose wird durch die orale Aufnahme des Parasiten Toxoplasma gondii bzw. dessen Oozysten (gr. oos, Ei und kystis, Blase; Entwicklungsstadium im Lebenszyklus des Parasiten) verursacht. Hauptendwirt des Erregers sind Katzen – in deren Darmepithel erfolgt die geschlechtliche Vermehrung der Parasiten. So entstehen die Oozysten, die mit dem Katzenkot ausgeschieden werden und nach einer Reifungsphase (Sporulation; in Abhängigkeit von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und anderen Bedingungen ca. zwei bis vier Tage) im Freien infektiös werden.

Es gibt mehrere Ansteckungswege und Ansteckungsquellen. Die Ansteckung kann beispielsweise bei der Reinigung der Katzentoilette erfolgen, indem die Person mit dem infektiösen Kot der Katze in Kontakt kommt und sich im Anschluss unbemerkt mit den nicht gründlich gewaschenen Händen an den Mund fasst (Kontakt-/Schmierinfektion). Ähnlich kann es sich bei der Gartenarbeit verhalten, wenn jemand in durch Katzenkot verunreinigter Erde gräbt und sich dazwischen oder danach mit den ungewaschenen Händen an den Mund greift.

Die Infektion kann auch auf den Verzehr von Gemüse und Obst, die in Bodennähe bzw. in der Erde wachsen und unter Umständen verunreinigt und infektiös sind, zurückzuführen sein. Ein weiterer wichtiger Ansteckungsweg ist der Verzehr von rohem oder ungenügend behandeltem Fleisch, in welchem sich lebende Toxoplasma-Zysten befinden können. Infektionsquellen sind z. B. Fleisch von Schweinen, Schafen und Ziegen und Geflügel. Die Tiere können beispielsweise auf Weideflächen mit Katzenkot in Kontakt kommen, der Verzehr von rohen oder ungenügend erhitzten Fleisch- und Wurstprodukten kann dann zur Infektion führen. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Zysten in rohem und bei etwa 4°C gekühltem Fleisch so lange infektiös bleiben wie das Fleisch für den Verzehr geeignet ist, durch Kühlung bei -21°C oder ein längeres Erhitzen (ca. 20 Minuten) mit einer Kerntemperatur von mindestens 50°C können die Erreger abgetötet werden. Außerdem kann Toxoplasma gondii über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden, wenn eine Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft erfolgt.

Symptome

Im Fall einer Infektion bildet der Körper spezifische Antikörper (körpereigene Abwehrstoffe) gegen Toxoplasma gondii. Ein Teil der Antikörper verbleibt auch nach der Ausheilung im Körper, sodass man im Fall einer weiteren Infektion geschützt ist. Bei Menschen mit einer Immunschwäche kann sich Toxoplasmose erneut entwickeln. Bei ansonsten gesunden immunkompetenten Menschen verläuft eine akute Infektion in den meisten Fällen asymptomatisch (ohne erkennbare Symptome), ein Großteil aller Kinder und Erwachsenen bemerkt die Infektion nicht. In manchen Fällen kann sich die Toxoplasma-Infektion durch ein grippeähnliches Krankheitsbild mit Fieber und Lymphadenitis (Lymphknotenentzündung, reaktive Lymphknoten) äußern. Vorwiegend betroffen sind der Kopf- und Halsbereich, gelegentlich betrifft die Lymphadenitis den ganzen Körper. In sehr seltenen Fällen betrifft die Toxoplasmose bei immunkompetenten Menschen auch andere Gewebe und Organe (z. B. Retinochorioiditis – Entzündung der Netz- und Aderhaut im Auge, Enzephalitis – Gehirnentzündung). Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen dem Eindringen des Erregers in den Körper und dem Auftreten der ersten Symptome/dem Ausbruch der Krankheit, beträgt etwa zwei bis drei Wochen.

Die Auflistung der Symptome dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom bei Auftreten harmlos oder Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Im Zweifelsfall sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Bei immunsupprimierten Menschen kann Toxoplasmose wesentlich schwerer verlaufen. Sie kann nach einer Reaktivierung einer latenten (verborgenen) Infektion oder, wenn auch seltener, nach einer Neuinfektion zu einer schweren und auch lebensbedrohlichen Erkrankung führen. In einem großen Teil aller Fälle haben sich Betroffene bereits früher mit dem Erreger infiziert, welcher sich dann länger unbemerkt im Körper befindet und irgendwann reaktiviert wird (z. B. bei Immunschwäche bei einer HIV-Infektion). Es kann sich z. B. eine Enzephalitis entwickeln, auch die Lunge, die Leber und andere Organe können beteiligt sein.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Zu einer pränatalen Toxoplasma-Infektion kann es kommen, wenn sich die werdende Mutter während der Schwangerschaft erstmals infiziert. Bei einer Infektion vor Beginn der Schwangerschaft ist das Kind in der Regel durch die Antikörper der immunkompetenten Mutter vor einer Infektion geschützt. Bei einer Erstinfektion der Mutter während einer Schwangerschaft hängen das Infektionsrisiko für das Kind und das klinische Bild/Ausmaß der möglichen Schädigungen vom Zeitpunkt der Infektion ab Schwangerschaftsbeginn und von anderen Faktoren ab. Mit der Dauer der Schwangerschaft nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung über die Plazenta zu, die Schwere des möglichen Krankheitsbildes beim Kind nimmt eher ab. Bei einer unbehandelten Infektion der Mutter im ersten Schwangerschaftsdrittel kann es zu einer Fehlgeburt kommen; in Folge einer Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft kann es beim Kind zu Schäden an verschiedenen Organsystemen kommen. In manchen Fällen, vor allem bei einer Infektion in der späten Schwangerschaft, kann die Infektion zunächst unauffällig verlaufen, nach Jahren bzw. im späteren Verlauf können sich beim Kind dann Folge- und Spätschäden (z. B. Sehstörungen, psychomotorische/mentale Entwicklungsverzögerungen) der im Mutterleib erworbenen Toxoplasmose zeigen.

Diagnose

Bei Menschen mit gesundem Immunsystem verläuft eine akute Toxoplasmose zumeist ohne erkennbare Symptome. In manchen Fällen geht sie mit grippeähnlichen Symptomen, geschwollenen Lymphknoten und anderen Beschwerden einher, die dem Arzt Hinweise auf eine mögliche Infektion mit Toxoplasma gondii geben können. Bei einer Lymphadenitis im Halsbereich wird der Arzt Untersuchungen durchführen, um andere Krankheiten, die mit einer Lymphknotenbeteiligung einhergehen auszuschließen (z. B. Streptokokken-Angina). Die Abklärung/Klärung des Verdachts einer möglichen Infektion mit Toxoplasmen besteht in der Untersuchung von Probenmaterial (Blutproben, Gewebeproben, andere Körperflüssigkeiten; Labordiagnostik). Für den Nachweis des Parasiten und dessen DNA stehen verschiedene diagnostische Methoden zur Verfügung.

Bei Patienten mit gesundem Immunsystem wird ein Test auf Antikörper durchgeführt; hierfür wird dem Patienten in der Regel eine Blutprobe entnommen, die im Anschluss auf Antikörper gegen Toxoplasmen untersucht wird und u. a. Aufschluss darüber gibt, ob es sich um eine akute Infektion handelt. Zur Bestimmung der Antikörper gibt es unterschiedliche Laborverfahren. Beim Antikörpernachweis gegen Toxoplasma gondii handelt es sich um einen indirekten Nachweis bzw. um ein indirektes labordiagnostisches Verfahren, da eben nicht der Erreger selbst, sondern die immunologische Reaktion des Körpers auf den Erreger nachgewiesen wird. Um die Diagnose zu sichern, wird ein sogenannter direkter Nachweis durchgeführt (Nachweis des Erregers oder seiner DNA in Patientenproben). Bei immunsupprimierten Patienten kann ein Antikörpernachweis negativ ausfallen, weswegen labordiagnostische Untersuchungen zum direkten Nachweis durchgeführt werden. Dieser direkte Nachweis des Erregers oder seiner DNA sichert die Diagnose. Für den direkten Erregernachweis wird vor allem die PCR (Polymerase-Kettenreaktion) eingesetzt, untersucht werden Gewebeproben oder Körperflüssigkeiten.

Wie sich die (labordiagnostische) Abklärung/Stufendiagnostik gestaltet und welche Testverfahren zum Einsatz kommen hängt von der Immunkompetenz des Patienten bzw. der Patientengruppe (ansonsten gesunde Patienten, Patienten mit geschwächtem Immunsystem, Schwangere, Neugeborene), dem Beschwerdebild und anderen Faktoren ab. Die Untersuchung auf Antikörper im Blut ist Teil der Mutter-Kind-Pass-Untersuchung.

Behandlung

Bei Patienten mit gesundem Immunsystem, bei welchen die Krankheit beschwerdefrei oder mit nur milden Symptomen verläuft ist eine Behandlung in der Regel nicht erforderlich. Notwendig ist eine Therapie hingegen bei Patienten mit ausgeprägter klinischer Symptomatik, immungeschwächten Patienten, Erstinfektionen in der Schwangerschaft und bei während der Schwangerschaft infizierten Neugeborenen. Für die medikamentöse Therapie stehen verschiedene Präparate, darunter Antibiotika, zur Verfügung (z. B. Spiramycin, Sulfadiazin, Pyrimethamin, Folinsäure), die je nach Patientengruppe und anderen Faktoren (z. B. Schwangerschaftswoche) zum Einsatz kommen.

Vorbeugende Maßnahmen

Es gibt verschiedene Maßnahmen, die das Risiko einer Infektion, speziell auch während der Schwangerschaft und bei immungeschwächten Menschen, reduzieren können, darunter:

  • Die Hände sollten gründlich gewaschen werden, vor allem vor dem Essen, nach der Zubereitung von rohem Fleisch, nach Garten-/Erdarbeiten und nach dem Aufenthalt in Sandspielplätzen.
  • Auf den Verzehr von rohen oder nicht ausreichend erhitzten Fleischprodukten und Wurstprodukten verzichten
  • Rohes Gemüse und Obst vor dem Essen immer gründlich waschen
  • Katzen sollten nicht mit rohem Fleisch gefüttert werden.
  • Das Katzenklo sollte täglich mit heißem Wasser gereinigt werden. Schwangere sollten die Reinigung des Katzenklos anderen Personen überlassen.
  • Bei Gartenarbeiten und der Reinigung des Katzenklos sollten Handschuhe getragen werden.
  • Sandspielkästen sollten nach dem Benutzen abgedeckt werden, um eine Verunreinigung durch Katzen zu verhindern.

Fact-Box Toxoplasmose

Toxoplasmose: Durch Parasiten hervorgerufene Infektionskrankheit

Erreger: Toxoplasma gondii

Endwirt: Katzen

Zwischenwirte: Schweine, Schafe u. a.

Ansteckungswege/-quellen: Verzehr von rohen oder ungenügend erhitzten Fleisch- und Wurstprodukten (z. B. Fleisch von Schweinen, Schafen, Ziegen, Geflügel) und ungewaschenem Gemüse und Obst, Reinigung der Katzentoilette und Gartenarbeit (durch Fassen an den Mund mit nicht gründlich gewaschenen Händen nach Kontakt mit infektiösem Katzenkot), über die Plazenta auf das ungeborene Kind bei Erstinfektion der Mutter während der Schwangerschaft u. a.

Symptome: Bei Menschen mit gesundem Immunsystem zumeist keine, manchmal grippeähnliches Krankheitsbild, Fieber, Lymphadenitis; bei immunsupprimierten Menschen schwererer Verlauf möglich (z. B. Enzephalitis, Beteiligung verschiedener Organe wie Lunge und Leber)

Mögliche Folgen bei Erstinfektion in der Schwangerschaft: Fehlgeburt, Schäden an verschiedenen Organsystemen des Kindes

Diagnose: Laboruntersuchungen (Antikörpernachweis, direkter Nachweis) u. a.

Behandlung: Notwendigbei ausgeprägter klinischer Symptomatik, immungeschwächten Patienten, Erstinfektionen in der Schwangerschaft, während der Schwangerschaft infizierten Neugeborenen; medikamentöse Therapie

Autor:
Quellen:
Pleyer U. et al.; Toxoplasmose in Deutschland – Epidemiologie, Diagnostik, Risikofaktoren und Therapie, Deutsches Ärzteblatt 25/2019, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Walochnik J., Auer H.; Häufige und wichtige Parasitosen in Mitteleuropa, Universum Innere Medizin 01/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Prusa A.-R.; Toxoplasmose-Screening und Infektionsrate, Universum Innere Medizin 01/2015, MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH

Infektiologie der Österreichischen Gesellschaft für Kinderheilkunde; „Österreichische Richtlinie für das Toxoplasmose-Screening in der Schwangerschaft und frühen Kindheit“ – Screening, Therapie und kindliches Follow-up, Jänner 2013

Groß U.; Toxoplasmose in der Schwangerschaft, Deutsches Ärzteblatt 49/2001, Deutscher Ärzteverlag GmbH

Toxoplasmose, RKI-Ratgeber, Robert Koch-Institut, URL: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Toxoplasmose.html;jsessionid=D07FB0A4375397F5DD7647A06BAD98F6.1_cid290#doc2390224bodyText9, Stand: 18.10.2018
ICD-10: B58