Herzrhythmusstörungen – Formen, Ursache, Symptome, Behandlung

Herzrhythmusstörungen – Formen, Ursache, Symptome, Behandlung

Stand: Juli 2020
Unregelmäßiger Herzschlag visualisiert

Herzrhythmusstörungen (Arrhythmien) liegen dann vor, wenn das Herz zu schnell, zu langsam oder unregelmäßig schlägt. Lesen Sie hier alles über Definition, Ursachen, Symptome, Behandlung und Leben mit so genannten Arrythmien.

Was ist eine Herzrhythmusstörung?

Normalerweise schlägt das menschliche Herz unter Ruhebedingungen im Wachzustand regelmäßig in einer Frequenz von etwa 60 bis 100 Schlägen pro Minute. Abweichungen vom normalen Takt werden als Herzrhythmusstörung bezeichnet. Das Herz schlägt dann also zu langsam, zu schnell und/oder unregelmäßig.

Die so genannten Arrythmien treten sowohl bei Herzkranken als auch bei Herzgesunden auf, können mit oder ohne Beschwerden verlaufen und sind entweder harmlos oder Zeichen einer anderen Erkrankung. Wenn Beschwerden dabei auftreten, so reichen diese von „Aussetzern“ oder Herzklopfen bis zu Kurzatmigkeit, Schwächeanfällen oder Bewusstlosigkeit.

Was schwere Formen von Herzrhythmusstörungen betrifft, so können sie unbehandelt langfristig zur Entstehung oder Verschlimmerung einer Herzschwäche führen oder das Risiko für Schlaganfall und einen Herz-Kreislauf-Stillstand erhöhen.

Es gibt sehr unterschiedliche Arten von Herzrhythmusstörungen und zahlreiche Möglichkeiten der Einteilung.

Ursache

Die häufigste Ursache für Herzrhythmusstörungen sind Erkrankungen des Herzens wie etwa eine Einengung der Herzkranzgefäße oder Herzschwäche. Arrythmien können aber auch ein Begleitsymptom von Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Schilddrüsenfunktionsstörungen sein.

Herzrhythmusstörungen können, müssen aber nicht zwingend krankhafte Ursachen haben. Sie können auch bei gesunden Menschen vorkommen.

Äußere Ursachen für Arrhythmien sind:

  • Psychische Erregungszustände: Nervosität, Aufregung und Angst können den Herzrhythmus durcheinander bringen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Manche Medikamente zur Behandlung von Depressionen sowie bestimmte Betablocker können zu Herzrhythmusstörungen führen.
  • Mangelzustände: Herzrhythmusstörungen treten oft in Folge eines unausgewogenen Mineralstoffhaushalts auf. Besonderes empfindlich reagiert das Herz auf einen Mangel an Kalzium, Phosphor, Kalium und Magnesium.
  • Übermäßiger Koffeinkonsum (Kaffee, Cola, Energy-Drinks) Alkohol- und Drogenmissbrauch

Organische Ursachen für Arrythmien sind:

  • Herzerkrankungen: Koronare Herzerkrankung, Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Herzmuskelentzündung, Herzklappenfehler und Bluthochdruck: Durch die verminderte Sauerstoffversorgung oder eine direkte Schädigung, kann das Herz nicht mehr richtig arbeiten.
  • Begleitsymptom bei Stoffwechselstörungen: Herzrhythmusstörungen treten manchmal in Zusammenhang mit einer Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) oder einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder im Zuge hormoneller (endokriner) Erkrankungen auf.
  • Angeborene Anomalien des Herzens

Symptome

Je nach Form treten bei Herzrhythmusstörungen unterschiedliche Symptome auf. Extrasystolen vermitteln dem Betreffenden häufig ein Gefühl von Herzstolpern oder Aussetzern der Herzaktivität. Starke Veränderungen der Herzfrequenz führen zu einem Abfall des vom Herzen transportierten Blutvolumens. Als Folge kommt es zu einer Mangeldurchblutung, die mit Schwindel und Ohnmacht einhergeht.

Allgemeine Symptome sind:

  • Herzstolpern
  • Herzrasen und Herzklopfen
  • Benommenheit und Schwindel
  • reduzierte Belastbarkeit
  • kurzzeitige Bewusstseinsverluste (Ohnmachtsanfälle)
  • Schmerzen in der Herzgegend
  • vorübergehende Seh- und Sprachstörungen

Formen

Grundsätzlich werden Herzrhythmusstörungen nach dem Ort ihrer Entstehung und ihren Auswirkungen auf den Herzrhythmus unterschieden. Wenn die Ursache im Bereich der Herzkammern (Ventrikel) liegt, so spricht man von einer ventrikulären Herzrhythmusstörung. Von einer supraventrikulären Herzrhythmusstörung ist dann die Rede, wenn die Störung in den Vorhöfen oder im AV-Knoten (die Verbindung zwischen Vorhof und Kammer) entsteht.

Wird der Herzrhythmus durch die Herzrhythmusstörung beschleunigt, handelt es sich um eine Tachykardie (schneller Herzschlag). Verlangsamt sich der Puls, spricht man von einer Bradykardie (langsamer Herzschlag).

Die häufigsten Formen sind:

  • Extrasystolen: Darunter versteht man einen Herzschlag, der außerhalb des normalen Herzrhythmus auftritt.
  • Reizleitungsstörungen: Dabei können die elektrischen Impulse des Reizleitungssystems nicht ordnungsgemäß weitergeleitet werden.
  • Tachykardie: Das ist starkes Herzrasen mit einem anhaltenden, schnellen Herzrhythmus von mehr als 100 Schlägen pro Minute.
  • Bradykardie: Das liegt dann vor, wenn die Herzfrequenz im Ruhezustand über einen längeren Zeitraum unter 50 Schlägen pro Minute liegt.
  • Vorhofflattern und Vorhofflimmern: Während die Herzkammern regelmäßig Blut pumpen, geraten die Vorhöfe aus dem Rhythmus. Sie arbeiten unkoordiniert und viel zu schnell. Beim Vorhofflimmern liegt die Schlagfrequenz in den Vorhöfen bei über 350. Normal sind 60 bis 100 Schläge pro Minute.

Weiters gibt es noch zwei Sonderformen:

  • Sick-Sinus-Syndrom: Da sind wechselnde Rhythmusstörungen mit zeitweisem Auftreten von Vorhofflimmern und unregelmäßiger, generell zu langsamer bzw. unter Belastung nicht ansteigender Herzschlag (Bradykardie) mit zu hohen Herzfrequenzen (Tachykardie).
  • Karotis-Sinus-Syndrom: Dabei sind die Blutdruckrezeptoren an den Teilungsstellen der Halsschlagader übererregbar.

Diagnose

Wichtig am Beginn ist ein ausführliches Anamnese-Gespräch mit dem Arzt. Dabei werden die Beschwerden, das allgemeine Befinden, Vorerkrankungen usw. detailliert besprochen. Weiters werden oft auch bestimmte Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählen:

  • EGK: Das Elektrokardiogramm ist die Basisuntersuchung bei Herzrhythmusstörungen. Im aufgezeichneten Kurvenverlauf ist genau zu erkennen, ob das Geschehen von den Herzvorhöfen oder den Herzkammern ausgeht. Außerdem kann der Arzt dadurch beurteilen, wie sich die Rhythmusstörung auf die Herztätigkeit auswirkt.
  • Langzeit-EKG über 24 Stunden: Dies wird vor allem dann angewandt, wenn die Rhythmusstörung im Zuge einer kurzen Untersuchung nicht ausreichend erfasst werden kann. Das Langzeit- EKG zeigt noch genauere Ergebnisse auf.
  • Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie): Der Ultraschall ermöglicht die Beurteilung von Struktur und Funktion des Herzens.
  • Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie): Bei der Herzkatheteruntersuchung werden die Herzkammern sowie die Herzkranzgefäße auf einem Röntgen-Bildschirm sichtbar. Sie wird vor allem bei Personen angewandt, deren Herzrhythmusstörungen sich nicht genau beschreiben lassen.
  • Elektrophysiologische Untersuchung (EPU): Über mehrere Elektrodenkatheter werden die elektrischen Signale an verschiedenen Stellen des Herzens registriert und die Herzrhythmusstörung mit Hilfe von nicht spürbaren Schrittmacherimpulsen ausgelöst.

Behandlung

An erster Stelle steht die angemessene Behandlung zugrunde liegender oder begleitender Krankheiten – insbesondere anderer Herzerkrankungen und Bluthochdruck.

Wichtig zu wissen ist auch, dass nicht jede Herzrhythmusstörung behandelt werden muss. Die Therapienotwendigkeit richtet sich nach der Diagnose und ist vor allem dann erforderlich, wenn Leistungsfähigkeit und Lebensqualität eingeschränkt sind und der Patient starke Beschwerden hat bzw. wenn die Störung eine gesundheitliche Gefährdung darstellt. Um das Herz wieder in Takt zu bringen, kommen Medikamente oder eine Behandlung mit elektrischen Impulsen zum Einsatz.

Behandlung mit Medikamenten

Wirkstoffe aus der Gruppe der Antiarrhythmika stellen den normalen Herzrhythmus wieder her. Sie kontrollieren die Herzschläge in der Herzkammer und wirken durch die Verdünnung des Blutes der Gefahr eines Schlaganfalls entgegen.

Behandlung mit elektrischen Impulsen

  • Herzschrittmacher: Ein Herzschrittmacher registriert die Herztätigkeit und gibt im Bedarfsfall elektrische Impulse ab. Diese bewirken eine Kontraktion des Herzens. Ein Herzschrittmacher wird unter anderem dann eingesetzt, wenn das Herz zu langsam schlägt oder zu lange Pausen macht.
  • Katheterablation: Dabei wird das Muskelgewebe, das die Rhythmusstörung verursacht entweder mit Hitze oder Kälte verödet. So wird dieWeiterleitung der fehlerhaften Impulse unterbunden.
  • Kardioversion: Darunter versteht man einen in Narkose durchgeführten Elektroschock, der den normalen Herzrhythmus wieder herstellt. Die Kardioversion wird häufig durch medikamentöse Maßnahmen ergänzt.
  • Implantierbarer Kardioverter (Defibrillator, ICD): Ein Defibrillator ist ein kleines, batteriebetriebenes, chirurgisch implantiertes Gerät, das einen Elektroschock über eine zugehörige Elektrode ans Herz abgibt. Die Maßnahme wird unter anderem dann angewandt, wenn medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichend wirksam sind.

Welche Folgen kann eine Herzrhythmusstörung haben?

Manche Arythmien verursachen kaum bis gar keine Beschwerden. Herzrhythmusstörungen können aber auch mit Schwindel, Unwohlsein, Schwächeanfällen, kurzer Bewusstlosigkeit, Angstgefühlen, Schweißausbrüchen oder Atemnot verbunden sein. Manche Patienten verspüren dabei ein Herzrasen oder Herzstolpern. Wenn die Störung länger besteht, kann sie das Herz schwächen. Außerdem steigt das Risiko für einen Schlaganfall oder einen plötzlichen Herztod.

Welcher Arzt behandelt eine Herzrhythmusstörung?

Symptome einer Herzrhythmusstörung müssen umgehend ärztlich abgeklärt werden – etwa durch die den Hausarzt, den Internisten oder in einer kardiologischen Spezialambulanz.

Fact-Box:

Definition: Abweichungen vom normalen Takt werden als Herzrhythmusstörung bezeichnet. Das Herz schlägt dann also zu langsam, zu schnell und/oder unregelmäßig.

Formen: Es gibt Extrasystolen, Reizleitungsstörungen, Tachykardie, Bradykardie sowie Vorhofflattern und Vorhofflimmern.
Weiters gibt es noch zwei Sonderformen – das Sick-Sinus-Syndrom und das Karotis-Sinus-Syndrom.

Ursache: Herzrhythmusstörungen können, müssen aber nicht zwingend krankhafte Ursachen haben. Sie können auch bei gesunden Menschen vorkommen.

Äußere Ursachen für Arrhythmien sind psychische Erregungszustände, Nebenwirkungen von Medikamenten, Mangelzustände sowie übermäßiger Koffeinkonsum und Alkohol- und Drogenmissbrauch.
Organische Ursachen für Arrythmien sind Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen und angeborene Anomalien des Herzens.

Symptome: Allgemeine Symptome sind, Herzstolpern, Herzrasen und Herzklopfen, Benommenheit und Schwindel, eine reduzierte Belastbarkeit, kurzzeitige Bewusstseinsverluste (Ohnmachtsanfälle), Schmerzen in der Herzgegend sowie vorübergehende Seh- und Sprachstörungen.

Diagnose: Nach dem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt gibt es weiterführende Untersuchungen. Dazu zählen das EGK, das Langzeit-EKG über 24 Stunden, die Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiographie, die Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) sowie eine elektrophysiologische Untersuchung (EPU).

Behandlung: An erster Stelle steht die angemessene Behandlung zugrunde liegender oder begleitender Krankheiten – insbesondere andere Herzerkrankungen und Bluthochdruck. Weiters kommen antiarrhythmisch wirksame Medikamente und elektrotherapeutische Maßnahmen zum Einsatz.

Folgen: Wenn die Störung länger besteht, kann sie das Herz schwächen. Außerdem steigt das Risiko für einen Schlaganfall oder einen plötzlichen Herztod.

Welcher Arzt behandelt eine Herzrhythmusstörung? Hausarzt, Internist oder in eine kardiologische Spezialambulanz sind für die Behandlung zuständig.

Autor:
Quellen:
https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/herz-kreislauf/herzrhythmusstoerungen/inhalt

https://www.minimed.at/medizinische-themen/herz-gefaesse/herzrhythmusstoerungen/

https://www.ratgeber-herzinsuffizienz.de/herzinsuffizienz/ursachen-risikofaktoren/herzrhythmusstoerungen/

https://www.msdmanuals.com/de/heim/herz-und-gefäßkrankheiten/herzrhythmusstörungen/übersicht-über-herzrhythmusstörungen

https://www.cardio-guide.com/erkrankung/herzrhythmusstoerungen/
ICD-10: I49