Hämangiom (Blutschwamm)

Hämangiom (Blutschwamm)

Stand: Januar 2021

Ein Hämangiom ist ein gutartiger Gefäßtumor bei Neugeborenen und Säuglingen, der zumeist als roter Hautfleck in Erscheinung tritt. Hämangiome können an allen Stellen des Körpers auftreten, häufig betreffen sie Kopf und Hals. Unter Umständen können sie Beschwerden und Komplikationen verursachen, in vielen Fällen stellen sie jedoch vor allem ein kosmetisches Problem dar. Häufig bilden sich Hämangiome von alleine zurück, ist eine Therapie erforderlich, stehen verschiedene Behandlungsmaßnahmen zur Verfügung. Anzeichen, Verlauf, Diagnose und Therapie – lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Hämangiom.

Was ist ein Hämangiom?

Ein Hämangiom ist ein gutartiger Tumor der Blutgefäße, der bei Neugeborenen und Säuglingen vorkommt. Ein Hämangiom wird umgangssprachlich auch als Blutschwamm oder Erdbeerfleck bezeichnet und macht sich häufig als roter und erhabener Fleck bemerkbar. Prinzipiell kann ein Hämangiom an allen Körperstellen auftreten, bevorzugt betroffen sind Kopf und Hals. Hämangiome bilden keine Metastasen, ab einer bestimmten Größe können sie jedoch gegen Organe oder andere Strukturen drücken und so diverse Symptome verursachen. Darüber hinaus stellen sie häufig ein kosmetisches Problem dar.

Hämangiome sind die häufigsten gutartigen Tumoren des Kindesalters. Die Blutschwämmchen treten bei etwa drei Prozent aller reifgeborenen und zehn Prozent aller frühgeborenen Kinder auf*, Mädchen sind häufiger betroffen als Jungen. Ist der Blutschwamm von Geburt an vorhanden, handelt es sich um ein kongenitales Hämangiom, entsteht es im Laufe der ersten Lebenswochen, ist von einem infantilen Hämangiom die Rede. Letztgenanntes kommt öfter vor als das kongenitale Hämangiom.

Warum hat mein Kind einen Blutschwamm?

Zusammengefasst entstehen Hämangiome durch Veränderungen im Bereich der Blutgefäße. Die einem Hämangiom zugrunde liegenden Ursachen sind bislang nicht vollständig bekannt, angenommen wird, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen. Als Risikofaktoren gelten u. a. Frühgeburtlichkeit (bei frühgeborenen Kindern kommen Hämangiome häufiger vor), Mehrlingsschwangerschaft, Alter der Mutter über 30 Jahre und geringes Gewicht bei der Geburt (unter 2.500 Gramm).

Wie verläuft die Erkrankung?

Infantile Hämangiome treten typischerweise in den ersten Tagen oder Wochen nach der Geburt auf. Sie machen sich als rote bzw. rötlich-bläuliche Punkte, Flecken oder Knoten, die flach oder erhaben sein können bemerkbar. Die Anzahl, Ausdehnung und Lokalisation von Hämangiomen können sehr unterschiedlich sein. Sie können lokal auftreten oder sich flächig ausbreiten und nach außen stark hervortreten, auch können sie in die Tiefe wachsen oder alles gleichzeitig. Kopf und Hals sind u. a. jene Stellen, an welchen Hämangiome bevorzugt auftreten, was aus ästhetischen Gründen häufig einen zusätzlichen Leidensdruck bedeutet.

In der Regel durchläuft ein Hämangiom mehrere Phasen, darunter u. a. eine Wachstumsphase, während welcher das Hämangiom in Bezug auf Ausbreitung und Größe unterschiedlich schnell zunimmt, eine Stillstandsphase und eine Rückbildungsphase. Die Rückbildungsphase verläuft je nach Lokalisation und Größe des Hämangioms unterschiedlich schnell und ist nicht selten erst im Alter von neun bis zehn Jahren abgeschlossen. In manchen Fällen zeigen Hämangiome keine Tendenz zur Rückbildung.

Sind Blutschwämme gefährlich?

Hämangiome können, müssen jedoch nicht zwangsläufig Komplikationen verursachen. Häufig verursachen Hämangiome keine weiteren Beschwerden – kleinere Hämangiome, die beispielsweise im Bereich vom Rumpf oder der Extremitäten auftreten und nicht oder nur sehr langsam wachsen gehen in vielen Fällen mit keinen weiteren Beeinträchtigungen oder Komplikationen einher.

In anderen Fällen führt ein Hämangiom allerdings zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen. Deren Art und Schwere ist von der Lokalisation des Hämangioms und anderen Faktoren abhängig. Beispielsweise kann ein Blutschwamm im Bereich des Augenlids die Augenöffnung beeinträchtigen und zu Sehbehinderungen führen, im Bereich des Mundes kann es zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme oder zu Deformierungen der Lippen kommen. Wachsen Hämangiome an Stellen, an welchen Hautflächen öfter (aneinander) reiben (z. B. Achseln, Windelbereich) kann es zu offenen Wunden, bakteriellen Infektionen und Schmerzen kommen. Allgemein gehen im Kopf- und Gesichtsbereich lokalisierte Hämangiome wie beispielsweise Oberlippenhämangiome, Glabellahämangiome (Hämangiome in der Region zwischen den Augenbrauen), periorbitale Hämangiome (Hämangiome im Bereich der Augenhöhle) oder Hämangiome der Nase mit einer Gefährdung der Entwicklung von Sinnesorganen einher. Unter Umständen können Hämangiome auch zu Atemwegskomplikationen, einer Herz-Kreislauf-Belastung oder zur Beeinträchtigung anderer wichtiger Organsysteme führen.

Darüber hinaus sind Blutschwämme oft kosmetisch störend. Viele sind an sich zwar unbedenklich, werden aufgrund ihrer Lage jedoch als problematisch oder gar als starke ästhetische Beeinträchtigung empfunden, was für Eltern und später auch für die betroffenen Kinder einen zusätzlichen Leidensdruck bedeutet.

In vielen Fällen bilden sich infantile Hämangiome von selbst zurück. Bei kleineren Hämangiomen bleiben häufig keine Restsymptome zurück, bei größeren Blutschwämmen können sichtbar erweiterte Hautgefäße, Areale ausgedünnter Haut und Pigmentveränderungen zurückbleiben. Allgemein gilt, dass die möglicherweise zurückbleibenden Restsymptome bzw. sichtbaren Veränderungen später umso ausgeprägter sind, je größer das Hämangiom in seiner maximalen Ausdehnung war.

Die Auflistung der hier angeführten Symptome und möglichen Komplikationen dient dem Überblick und kann unvollständig sein, zudem kann ein Symptom Anzeichen für eine andere Erkrankung sein. Im Zweifelsfall sollte stets das ärztliche Gespräch gesucht werden.

Welche Untersuchungen sind nötig?

Ansprechpartner bei Hautveränderungen und bei Verdacht auf ein Hämangiom bei Kindern ist der Kinderarzt. Zu Beginn steht die Anamnese, im Rahmen welcher sich der Arzt nach der Krankengeschichte des Kindes, den Hautveränderungen (Dauer des Bestehens, mögliche Größenveränderungen etc.), möglichen Beschwerden und anderen Punkten erkundigt. Im Anschluss erfolgt eine körperliche Untersuchung, bei welcher u. a. die Hautveränderungen inspiziert werden und die restliche Haut genau untersucht wird. Eine Vermessung und Fotodokumentation der Hautveränderungen bzw. des Blutschwamms ermöglichen es, Veränderungen über die Zeit festzustellen und festzuhalten. Unter Umständen können noch weitere Untersuchungen (z. B. Ultraschalluntersuchung, Magnetresonanztomographie) notwendig sein, etwa um Hämangiome im Bereich der Organe nachzuweisen. Welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie sich die Abklärung genau gestaltet richtet sich nach der individuellen Situation des Patienten.

Muß ein Hämangiom behandelt werden?

Ein Hämangiom muss nicht zwangsläufig behandelt werden. Ob eine Behandlung erforderlich bzw. ratsam ist hängt von der Lokalisation, Größe und Ausdehnung des Hämangioms ab.

Bei kleineren und unproblematisch liegenden Hämangiomen sind zumeist Abwarten und regelmäßige Kontrollen die “Therapie“ der Wahl, denn in vielen Fällen bilden sich Hämangiome von alleine zurück. Anders ist die Situation bei stark wachsenden oder großflächigen Blutschwämmen, bei Hämangiomen, die eine starke ästhetische Beeinträchtigung darstellen und funktionsbeeinträchtigenden Hämangiomen bzw. solchen, die aufgrund ihrer Lage zu Beschwerden und Komplikationen führen können.
Hierzu zählen z. B. sehr große Hämangiome, die zu einer Herz-Kreislauf-Belastung führen können, Hämangiome am Auge, die zu einer Sehbehinderung führen können, Hämangiome, welche die Ohren beeinträchtigen oder zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme, Verformungen im Kieferbereich oder Atembeschwerden führen können sowie Hämangiome in der Anogenitalregion, die durch Infektionen und Blutungen problematisch werden können – solche Hämangiome bedürfen zumeist einer möglichst frühzeitigen Behandlung.

Für die Therapie stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung, darunter medikamentöse Therapie, lokale Therapiemaßnahmen wie Kryotherapie und Lasertherapie sowie die operative Therapie.

Die medikamentöse Therapie erfolgt mit dem Betablocker Propranol. Im Rahmen der Therapie wird die anfängliche Dosis langsam gesteigert. Für den Therapiebeginn sind meistens eine stationäre Aufnahme für einige Tage und eine Überwachung mittels EKG und Herzechountersuchung erforderlich. Im weiteren Behandlungsverlauf werden regelmäßige Dosisanpassungen und Kontrollen durchgeführt und der Behandlungserfolg wird mittels Fotos dokumentiert. Die Therapie erfolgt meist für mehrere Monate. Als Anwendungsbereiche der medikamentösen Therapie gelten u. a. größere und funktionsbedrohende Hämangiome, Hämangiome im Gesichts- und Anogenitalbereich und solche, die eine große ästhetische Beeinträchtigung darstellen. Bei einer Kryotherapie (Kältetherapie) wird der Blutschwamm vereist. Die Therapie eignet sich für kleinere und sehr oberflächliche Hämangiome, ebenso wie die Lasertherapie. Chirurgische Verfahren kommen u. a. bei kosmetisch störenden Restzuständen und bei akut drohenden Funktionseinschränkungen durch das Hämangiom in Frage.

Welche Therapie zum Einsatz kommt hängt von der Lokalisation, Form, Größe, Ausdehnung und Entwicklungsphase des Hämangioms, vom Alter des Patienten, von möglichen Gegenanzeigen gegen eine bestimmte Behandlung und anderen Faktoren ab und wird im Vorfeld genau besprochen und individuell entschieden.

*Angaben variieren in der Literatur.

Fact-Box Hämangiom

Hämangiom (Blutschwamm): Gutartiger Gefäßtumor/Gutartige Gefäßneubildung bei Neugeborenen und Säuglingen

Formen: Kongenitales Hämangiom (von Geburt an vorhanden), infantiles Hämangiom (in den ersten Lebenswochen entstanden), kapilläres Hämangiom, kavernöses Hämangiom, segmentales Hämangiom etc.

Aussehen:Die Anzahl, Ausdehnung und Lokalisation von Hämangiomen können sehr unterschiedlich sein; Punkte, Flecken oder Knoten – können rot bzw. rot-blau, flach oder erhaben, wenige Millimeter bis Zentimeter groß, lokal begrenzt oder flächenartig ausgebreitet sein, können nach außen stark hervortreten, in die Tiefe wachsen etc.

Vorkommen: Kann überall am Körper auftreten; Kopf- und Gesichtsbereich, Augenbereich, Ohren, Nase, Lippen, Mund, Hals, Extremitäten, Rücken, Leber, Nieren etc.

Mögliche Folgen und Komplikationen: Je nach Lokalisation, Größe und anderen Faktoren; ästhetische Beeinträchtigung, funktionelle Einschränkungen, offene Wunden und Infektionen, Herz-Kreislauf-Belastung u. a.

Ursachen/Risikofaktoren: Nicht gänzlich bekannt, genetische Faktoren, Frühgeburtlichkeit, Mehrlingsschwangerschaft, geringes Geburtsgewicht u. a.

Diagnose: Anamnese, körperliche Untersuchung, Ultraschalluntersuchung u. a.

Behandlung: Abhängig von der Situation; nicht immer erforderlich, da Rückbildung möglich; medikamentöse Therapie, Kryotherapie, Lasertherapie, Operation u. a.

Autor:
Quellen:
Rainer G.; Das infantile Hämangiom, Spectrum Dermatologie 01/2016, MedMedia Verlag und Mediaservice

Lienhard A.; Früherkennung und Frühbehandlung infantiler Hämangiome – Orale Propranololtherapie als Behandlung der Wahl für komplizierte Fälle, Schweizer Zeitschrift für Dermatologie & Ästhetische Medizin 04/2015, Rosenfluh Publikationen

Burger A.; Nicht jeder roter Fleck ist ein Hämangiom, Pädiatrie 06/2014, Rosenfluh Publikationen

Maier H.; Infantile Hämangiome: ein therapeutisches Update, Spectrum Dermatologie 03/2014, MedMedia Verlag und Mediaservice

Cerchi K.; Behandlung kindlicher Hämangiome, Spectrum Dermatologie 02/2013, MedMedia Verlag und Mediaservice

Weiss A.; Hämangiome und vaskuläre Malformationen, Klinik 01/2012, MedMedia Verlag und Mediaservice

Benigne Gefäßtumoren, Steckbrief, Thieme via medici, URL: https://viamedici.thieme.de/lernmodul/5019494/subject/innere+medizin/gefäße+angiologie/benigne+gefäßtumoren
ICD-10: D18.0