Zusammenfassung
Resilienz-Übungen
Ziel: Resilienz-Übungen stärken Selbstwirksamkeit, Akzeptanz, Problemlösefähigkeit, Selbstfürsorge und den Abstand zu belastenden Gedanken.
Alltagsübungen: Dazu gehören das ABC-Modell, die „Drei guten Dinge“, der Kreis der Kontrolle, ein wohlwollender Blick auf sich selbst und kurze Atempausen.
Soforthilfe bei Stress: Bei akutem Stress können die 5-4-3-2-1-Methode, Box-Atmung oder kaltes Wasser helfen, den Körper zu beruhigen.
Grenzen: Übungen können unterstützen, ersetzen aber keine professionelle Hilfe, wenn Belastungen stark sind, länger anhalten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Wie kann man Resilienz im Alltag stärken?
Resilienz bedeutet nicht, immer stark zu sein. Sie bedeutet auch nicht, Belastungen einfach auszuhalten. Vielmehr geht es darum, schwierige Situationen wahrzunehmen, eigene Reaktionen besser zu verstehen und Schritt für Schritt wieder handlungsfähig zu werden.
Dabei helfen vor allem kleine Gewohnheiten. Sie stärken das Vertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen.
Folgende Ansätze können dabei unterstützen:
- Selbstwirksamkeit erleben: Fragen Sie sich am Abend:
- Was habe ich heute beeinflusst?
- Was habe ich gelöst, entschieden oder ausgehalten?
- Drei kurze Notizen reichen. So wird sichtbar, dass Sie auch an schwierigen Tagen etwas bewirken können.
- Abstand zu Problemen gewinnen: Betrachten Sie Probleme nicht sofort als persönlichen Makel. Hilfreich kann die Frage sein: Wird das in einem Jahr noch von Bedeutung sein?
- Gute Beziehungen pflegen: Investieren Sie Zeit in Menschen, bei denen Sie sich sicher, verstanden und angenommen fühlen. Dabei zählt nicht die Menge der Kontakte, sondern ihre Qualität.
- Akzeptanz üben: Manche Dinge lassen sich nicht sofort ändern. Akzeptanz bedeutet nicht, alles gutzuheißen. Sie bedeutet, die Realität anzuerkennen und die eigene Energie dorthin zu lenken, wo Handlungsspielraum besteht.
- Selbstfürsorge ernst nehmen: Schlaf, Pausen, Bewegung, Essen und bewusste Erholung sind keine Nebensachen. Sie bilden die Grundlage dafür, dass Körper und Psyche Belastungen besser regulieren können. Schon wenige Minuten ruhiges Atmen können helfen, aus der Anspannung herauszufinden.
5 konkrete Übungen für mehr Resilienz
Resilienz wächst vor allem durch Übung. Die folgenden Methoden können helfen, im Alltag bewusster mit Stress, Rückschlägen und belastenden Gedanken umzugehen.
1. Das ABC-Modell: Gedanken besser verstehen
Das ABC-Modell stammt aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Es hilft dabei, den Zusammenhang zwischen einem Ereignis, den eigenen Gedanken und den daraus entstehenden Gefühlen besser zu verstehen.
Dabei steht:
A – Activating Event: Was ist passiert?
B – Beliefs: Was denke ich darüber?
C – Consequences: Wie fühle ich mich und wie reagiere ich?
Oft entsteht Stress nicht nur durch das Ereignis selbst, sondern auch durch die Bewertung der Situation. Genau hier setzt die Übung an.
Ein Beispiel: Sie machen bei der Arbeit einen Fehler. Der erste Gedanke lautet vielleicht: „Ich kann nichts richtig machen.“ Dieser Gedanke kann Scham, Angst oder Druck auslösen.
Die Übung besteht darin, diesen Gedanken zu hinterfragen: Ist er wirklich wahr? Gibt es eine andere Sichtweise? Was würde ich einer anderen Person in dieser Situation sagen?
Eine hilfreichere Alternative könnte lauten: „Ich habe einen Fehler gemacht. Das ist unangenehm, aber ich kann daraus lernen und den nächsten Schritt überlegen.“ So kann das ABC-Modell helfen, aus automatischen Denkmustern auszusteigen und eine konstruktivere Perspektive zu entwickeln.
2. Die „Drei guten Dinge“
Diese Übung lenkt den Blick bewusst auf positive Erfahrungen. Notieren Sie mindestens zwei Wochen lang jeden Abend drei Dinge, die an diesem Tag gut gelaufen sind.
Das können große oder kleine Dinge sein: ein angenehmes Gespräch, ein erledigter Punkt auf der To-do-Liste, ein Spaziergang, ein Moment der Ruhe oder eine Situation, in der Sie gut reagiert haben.
Ergänzen Sie danach: Warum ist das gut gelaufen? Und welchen Anteil hatte ich selbst daran? Diese zweite Frage ist besonders wichtig. Sie stärkt das Gefühl von Selbstwirksamkeit. Denn Resilienz wächst, wenn Menschen erkennen: Ich kann etwas beitragen. Ich bin nicht nur ausgeliefert.

3. Der Kreis der Kontrolle
Der Kreis der Kontrolle hilft, Sorgen zu sortieren und die eigene Energie gezielter einzusetzen. Zeichnen Sie zwei Kreise ineinander. In den inneren Kreis schreiben Sie alles, was Sie direkt beeinflussen können. In den äußeren Kreis schreiben Sie alles, was Sie nicht oder kaum verändern können.
Zum inneren Kreis können zum Beispiel gehören:
- wie Sie auf eine Situation reagieren
- wen Sie um Unterstützung bitten
- welche Aufgabe Sie als Erstes angehen
- wann Sie eine Pause machen
- welche Informationen Sie einholen
Zum äußeren Kreis gehören zum Beispiel:
- die Meinung anderer Menschen
- vergangene Entscheidungen
- das Verhalten anderer
- allgemeine Unsicherheit
- Dinge, die außerhalb Ihres Einflussbereichs liegen
Die Übung zeigt: Nicht alles liegt in Ihrer Hand. Aber oft gibt es einen kleinen Bereich, den Sie beeinflussen können. Genau dorthin sollten Sie Ihre Energie lenken.
4. Der wohlwollende Blick auf sich selbst
Viele Menschen gehen mit sich selbst deutlich härter um als mit anderen. Nach einem Fehler oder in einer Krise entstehen schnell Gedanken wie: „Ich hätte das besser machen müssen“ oder „Ich bin schuld“.
Diese Übung hilft, etwas Abstand zur Selbstkritik zu gewinnen. Fragen Sie sich in belastenden Momenten:
Was würde ich jetzt meinem besten Freund oder meiner besten Freundin in dieser Situation raten?
Wahrscheinlich würden Sie nicht sagen: „Du bist unfähig.“ Eher würden Sie trösten, einordnen und nach einem nächsten Schritt suchen.
Versuchen Sie, diese Haltung auch sich selbst gegenüber einzunehmen. Das bedeutet nicht, Fehler schönzureden. Es bedeutet, sich selbst nicht zusätzlich zu belasten, sondern unterstützend mit sich umzugehen.

5. Mikropausen mit bewusster Atmung
Kurze Atempausen können helfen, aus Anspannung herauszufinden und wieder im Moment anzukommen.
Eine einfache Übung ist die 4-7-8-Atmung:
- 4 Sekunden tief durch die Nase einatmen
- 7 Sekunden den Atem halten
- 8 Sekunden langsam durch den Mund ausatmen
Wiederholen Sie diese Atemfolge einige Male, solange es angenehm bleibt. Wenn Ihnen das Atemhalten unangenehm ist, können Sie die Übung verkürzen oder einfach bewusst länger ausatmen als einatmen. Schon wenige ruhige Atemzüge können helfen, den Körper zu beruhigen und Abstand zum akuten Stressgefühl zu gewinnen.
Soforthilfe bei Stress: 3 Tipps, die Sie schnell umsetzen können
Manchmal steigt der Stresspegel plötzlich stark an. Das Herz schlägt schneller, die Gedanken kreisen, der Körper ist angespannt. In solchen Momenten helfen Übungen, die das Nervensystem beruhigen und die Aufmerksamkeit zurück in die Gegenwart bringen.
1. Die 5-4-3-2-1-Methode
Diese Erdungsübung kann helfen, aus dem Gedankenkarussell auszusteigen und wieder im Hier und Jetzt anzukommen.
Gehen Sie Schritt für Schritt durch Ihre Sinne:
- 5 Dinge sehen: Suchen Sie fünf Gegenstände in Ihrer Umgebung.
- 4 Dinge fühlen: Spüren Sie vier Oberflächen oder Körperempfindungen.
- 3 Dinge hören: Achten Sie auf drei Geräusche.
- 2 Dinge riechen: Versuchen Sie, zwei Gerüche wahrzunehmen.
- 1 Sache schmecken: Konzentrieren Sie sich auf einen Geschmack im Mund oder trinken Sie einen Schluck Wasser.
Die Übung lenkt die Aufmerksamkeit weg von belastenden Gedanken und zurück auf das, was gerade tatsächlich wahrnehmbar ist.
2. Die Box-Atmung
Die Box-Atmung ist eine einfache Atemtechnik, die helfen kann, ruhiger zu werden. Sie wird auch 4×4-Atmung genannt.
So funktioniert sie:
- 4 Sekunden einatmen
- 4 Sekunden den Atem halten
- 4 Sekunden ausatmen
- 4 Sekunden Pause machen
Wiederholen Sie diesen Ablauf für einige Atemzüge oder mehrere Minuten. Wichtig ist, dass die Übung angenehm bleibt. Wenn vier Sekunden zu lang sind, können Sie kürzere Zeitspannen wählen.

3. Kaltes Wasser
Kälte kann helfen, den Körper aus starker Anspannung herauszuholen. Halten Sie Ihre Handgelenke für 30 bis 60 Sekunden unter kaltes fließendes Wasser oder spritzen Sie sich kaltes Wasser ins Gesicht.
Die Kälte kann den Körper beruhigen. Über den sogenannten Tauchreflex kann sich der Herzschlag verlangsamen und die körperliche Stressreaktion nachlassen. Diese Methode ist besonders praktisch, weil sie schnell umsetzbar ist und keine Vorbereitung braucht.
Wie oft sollte man Resilienz-Übungen machen?
Resilienz entsteht durch Wiederholung. Die Übungen müssen nicht lange dauern. Entscheidend ist, dass sie regelmäßig angewendet werden. Für den Anfang kann es reichen, eine Übung auszuwählen und sie zwei Wochen lang auszuprobieren. Zum Beispiel jeden Abend die „Drei guten Dinge“ oder einmal täglich eine kurze Atemübung.
Wichtig ist: Die Übungen sollen nicht zusätzlichen Druck erzeugen. Sie sind kein Leistungstest. Sie sollen helfen, mehr Halt, Orientierung und innere Ruhe zu entwickeln.
Wann reichen Übungen allein nicht aus?
Resilienz-Übungen können im Alltag unterstützen. Sie ersetzen aber keine professionelle Hilfe, wenn die Belastung zu groß wird oder länger anhält.
Professionelle Unterstützung kann sinnvoll sein, wenn Niedergeschlagenheit, Angst, Schlafprobleme, Erschöpfung oder körperliche Beschwerden über Wochen bestehen bleiben. Auch wenn Sie sich dauerhaft hoffnungslos fühlen oder sich stark zurückziehen, sollten Sie Hilfe suchen.
Erste Anlaufstellen können die Hausärztin oder der Hausarzt, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten oder psychologische Beratungsstellen sein.
FAQ
Für den Einstieg eignet sich die Übung „Drei gute Dinge“. Sie ist einfach, dauert nur wenige Minuten und hilft, positive Erfahrungen bewusster wahrzunehmen. Besonders hilfreich ist es, zusätzlich zu notieren, welchen eigenen Anteil man daran hatte.
Ja, Resilienz lässt sich stärken. Sie entsteht durch wiederholte Erfahrungen, bewusste Bewältigungsstrategien, soziale Unterstützung und den Umgang mit Stress. Die Übungen helfen, Gedanken, Gefühle und Reaktionen besser zu verstehen.
Bei akutem Stress können Erdungsübungen wie die 5-4-3-2-1-Methode, Box-Atmung oder kaltes Wasser helfen. Sie beruhigen den Körper und bringen die Aufmerksamkeit zurück in den Moment.
Das ist unterschiedlich. Manche Übungen können sofort beruhigend wirken, etwa Atemtechniken oder kaltes Wasser. Andere Übungen, wie die „Drei guten Dinge“ oder der Kreis der Kontrolle, entfalten ihre Wirkung eher durch regelmäßige Wiederholung über mehrere Wochen.
Nein. Resilienz-Übungen können im Alltag unterstützen, ersetzen aber keine professionelle Behandlung. Wenn Belastungen stark sind, länger anhalten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen, sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden.
https://www.apa.org/topics/resilience/building-your-resilience,Zugriff April 2026
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/16045394/ Zugriff April 2026
https://www.health.harvard.edu/mindscape/for-young-people/what-creates-mental-wellness/try-breathing-exercises?, Zugriff April 2026
https://www.therapie.de/psyche/info/ratgeber/lebenshilfe-artikel/psychische-gesundheit/resilienz-und-vulnerabilitaet/, Abruf April 2026
Färber F et al: The association between resilience and mental health in the somatically ill—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 621–7.
https://api.aerzteblatt.de/pdf/115/38/m621.pdf, Abruf April 2026