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Wandernde Krebszellen
Foto:SebastianKaulitzky/shutterstock.com

Protein hemmt Krebszellen an Ausbreitung

Wenn sich Tumore ausbreiten, wandern Krebszellen über die Blut- oder Lymphgefäße in andere Teile des Körpers. WissenschaftlerInnen haben nun ein neues Protein entdeckt, das Krebszellen daran hindert, indem es dafür sorgt, dass die Krebszellen fester an ihrer Umgebung haften. Die Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Aggressivität eines Tumors einzuschätzen und die Therapie entsprechend anzupassen.

Untersucht wurde die Rolle eines Proteins namens MFSD1, von dem bekannt war, dass ein verwandtes Protein die Zellmigration in Fruchtfliegen beeinflusst. Wiener Forschende, darunter Erstautor Marko Roblek aus der Gruppe um Daria Siekhaus vom Institute of Science and Technology Austria (ISTA) wiesen nun nach, dass das Fehlen des Proteins die Wanderung von Krebszellen in Mäusen mit Brust-, Darm- und Hautkrebs begünstigt.  „In Abwesenheit von MFSD1 kam es zu einem starken Anstieg der Metastasierung“, fasst Siekhaus die Ergebnisse zusammen. Grund dafür scheint zu sein, dass das Protein Zellen dahingehend fit macht, größere mechanische Belastungen auszuhalten. Tumorzellen, denen das Protein fehlt, könnten also leichter in die Blutbahn gelangen und ihren Weg in andere Teile des Körpers finden. Zusätzlich wirkt sich das Fehlen des Proteins positiv auf das Überleben der Krebszellen bei einem Nährstoffmangel aus.

Die Forschenden wiesen auch nach, dass MFSD1 bestimmte Rezeptoren an der Zelloberfläche beeinflusst. Diese so genannten Integrine sorgen dafür, dass die Zellen aneinander und an der extrazellulären Matrix, einem dichten Netz, das die Zellen in unserem Körper umgibt, haften. Fehlt einer Tumorzelle MFSD1, kann sie eine bestimmte Art von Integrin nicht recyceln. „Das hat zur Folge, dass die Zellen weniger am umgebenden Gewebe und aneinanderhaften, wodurch sie leichter wandern können“, so Siekhaus.

Die Ergebnisse des Teams werden auch von Patientendaten gestützt, die von Rita Seeböck vom Universitätsklinikum St. Pölten analysiert wurden. Diese zeigten einen Zusammenhang zwischen der MFSD1-Menge und der Prognose der KrebspatientInnen. Krebskranke, die einen niedrigeren MFSD1-Spiegel aufwiesen, hatten eine schlechtere Prognose. Siekhaus: „Wenn sich dieser Marker weiter etabliert, können MedizinerInnen ihn nutzen, um die Aggressivität des Krebses zu klassifizieren und zwischen verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu entscheiden.“ Langfristig könnten die Ergebnisse auch zu neuen Behandlungsmethoden gegen Krebs führen.

Referenz:
Institute of Science and Technology Austria (ISTA)
The Solute Carrier MFSD1 Decreases the Activation Status of β1 Integrin and Thus Tumor Metastasis, Frontiers in Oncology 2022; preprint; https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2021.09.17.460743v1

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  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

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