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Ärztin untersucht Kind mit einem Stehtoskop
Foto: Studio Romantic/shutterstock

Herzgesundheit bei Kindern: Auf was Eltern achten müssen

Der Grundstein für ein gesundes Herz wird bereits in der Kindheit gelegt. Ob Ernährung, Bewegung oder das Erkennen von Warnsignalen: Eltern können viel dazu beitragen, dass sich das Herz ihres Kindes gesund entwickelt. Aber worauf kommt es im Alltag wirklich an? Wann sollte man mögliche Herzsymptome bei Kindern ernst nehmen? Welche Untersuchungen gibt es in der Kinderkardiologie? Wir klären diese und mehr Fragen rund um die Herzgesundheit von Kindern.

Zusammenfassung

Herzgesundheit bei Kindern

Definition: Herz und Kreislaufsystem sind von Klein auf optimal entwickelt, leistungsfähig und frei von vermeidbaren Belastungen

Kinderkardiologische Abklärung bei Babys: extreme Trinkschwäche, Atemnot, auffälliges Schwitzen beim Füttern, bläuliche Verfärbung von Lippen und Haut

Kinderkardiologische Abklärung bei größeren Kindern: plötzlicher Leistungsknick, schnelle Erschöpfung oder Atemnot bei normalem Sport, Ohnmachtsanfälle, anhaltendes, unbegründetes Herzrasen; langes Schlappbleiben nach Infekten, Brustschmerzen, Kurzatmigkeit; lautes Herzgeräusch bei der Routineuntersuchung, dauerhaft zu hoher Blutdruck

Untersuchungen: Anamnese und körperliche Untersuchung, Herzultraschall, EKG, Pulsoxymetrie, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-Blutdruckmessung, Kardio-MRT, Herzkatheter-Untersuchung, TEE

Prävention: Viel Bewegung, herzgesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, begrenzter Medienkonsum, Nutzen der Vorsorgeuntersuchungen


Was bedeutet Herzgesundheit bei Kindern?

Herzgesundheit bei Kindern umfasst die altersgerechte Entwicklung und Funktion von Herz und Kreislauf sowie die Vorbeugung und frühzeitige Erkennung von Erkrankungen. Dabei geht es um gesundes Wachstum, bei dem auch das Herz normal wächst und den Körper beim Wachsen, Spielen und Toben ausreichend mit Sauerstoff versorgen kann.

Außerdem spielt das rechtzeitige Erkennen von Erkrankungen wie angeborenen Herzfehlern oder etwa einer Herzmuskelentzündung nach einem Infekt eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt geht es auch um die Vorbeugung späterer Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine ausgewogene Ernährung und viel Bewegung können dazu beitragen, bereits in der Kindheit Risikofaktoren für spätere Probleme wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Arterienverkalkung zu reduzieren.

Kinderkardiologie: Wann ist eine Abklärung sinnvoll?

Eine kinderkardiologische Abklärung ist sinnvoll, wenn die Kinderärztin oder der Kinderarzt einen Verdacht auf eine Herzerkrankung hat oder bei Ihrem Kind auffällige Beschwerden oder Befunde auftreten.

Achten Sie insbesondere auf folgende Warnsignale:

  • Bei Säuglingen: ausgeprägte Trinkschwäche oder schnelle Erschöpfung beim Trinken, Atemnot, auffälliges Schwitzen beim Füttern oder eine bläuliche Verfärbung von Lippen oder Haut (Zyanose)
  • Bei älteren Kindern: plötzlicher Leistungsabfall, ungewöhnlich schnelle Erschöpfung oder Atemnot bei körperlicher Belastung, Ohnmachtsanfälle (Synkopen) oder wiederkehrendes bzw. anhaltendes oder unbegründetes Herzrasen
  • Nach Infekten: wenn ein Kind nach einem Infekt ungewöhnlich erschöpft bleibt oder Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder Herzrasen entwickelt
  • Auffällige ärztliche Befunde bei Routineuntersuchungen: zum Beispiel ein auffälliges Herzgeräusch oder wiederholt zu hoher Blutdruck

Treten solche Beschwerden auf, sollten Sie diese kinderärztlich abklären lassen. Ob eine Untersuchung bei einer Kinderkardiologin oder einem Kinderkardiologen notwendig ist, kann anschließend entschieden werden.

Kinderärzte - PCA 24
Foto: PeopleImages.com – Yuri A/shutterstock

Welche Untersuchungen gibt es in der Kinderkardiologie?

In der Kinderkardiologie stehen verschiedene Untersuchungen zur Verfügung. Welche davon notwendig sind, hängt von den Beschwerden, dem Alter des Kindes und dem vermuteten Herzproblem ab. Viele Untersuchungen sind schmerzfrei und kommen ohne Röntgenstrahlung aus. Außerdem sind Kinderkardiolog/innen gut darauf geschult, sich viel Zeit zu nehmen und spielerische Methoden zu nutzen, damit die Kinder keine Angst haben.

Die wichtigsten Untersuchungen sind:

Basisuntersuchungen (Routine)

  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Die Ärztin oder der Arzt fragt genau nach Beschwerden (z. B. schnelle Erschöpfung beim Trinken oder Toben) und hört das Herz mit dem Stethoskop ab. Dabei wird auf Herzgeräusche, den Rhythmus und die Atemfrequenz geachtet. Auch das Abtasten der Pulse (besonders in der Leiste) gehört dazu.
  • Herzultraschall (Echokardiographie): Mit dem Ultraschall kann das Herz live beim Schlagen beobachtet werden. Man sieht die Herzkammern, die Herzklappen und die großen Blutgefäße ganz genau. So lassen sich angeborene Herzfehler schmerzfrei und ohne Belastung erkennen.
  • Elektrokardiogramm (EKG): Elektroden auf der Haut messen die elektrische Aktivität des Herzens. So können unter anderem Herzfrequenz und Herzrhythmus beurteilt werden.
  • Sauerstoffsättigung (Pulsoximetrie): Ein kleiner Sensor am Finger oder bei kleinen Kindern auch am Fuß misst die Sauerstoffsättigung des Blutes.

Untersuchungen bei bestimmten Beschwerden wie dem Verdacht auf Rhythmusstörungen

Wenn ein Kind über Herzrasen klagt oder Schwindelanfälle hat, kommen diese Tests zum Einsatz:

  • Langzeit-EKG: Das Kind bekommt ein kleines, tragbares Gerät mit nach Hause, das den Herzrhythmus über 24 Stunden (manchmal auch über mehrere Tage) kontinuierlich aufzeichnet, während das Kind ganz normal spielt und schläft.
  • Belastungs-EKG (Ergometrie): Ältere Kinder müssen auf einem speziellen Fahrrad (Fahrradergometer) oder Laufband kräftig in die Pedale treten, während das EKG läuft. So wird geprüft, wie das Herz auf körperliche Anstrengung reagiert und ob unter Belastung Rhythmusstörungen oder Durchblutungsprobleme auftreten.

Spezielle oder bildgebende Verfahren

Diese Methoden werden nur angewendet, wenn die Basisuntersuchungen keine klaren Antworten liefern oder eine Operation vorbereitet werden muss:

  • Langzeit-Blutdruckmessung: Ähnlich wie beim Langzeit-EKG trägt das Kind für 24 Stunden eine Blutdruckmanschette, die sich in regelmäßigen Abständen automatisch aufpumpt.
  • Kardio-MRT: Die Magnetresonanztomographie liefert detaillierte Bilder von Struktur und Funktion des Herzens und kommt ohne Röntgenstrahlung aus. Bei jüngeren Kindern kann eine Sedierung oder Narkose notwendig sein, wenn sie während der Untersuchung nicht ausreichend ruhig liegen können.
  • Herzkatheteruntersuchung: Das ist ein minimal-invasiver Eingriff, der in Vollnarkose stattfindet. Dabei wird ein dünner Katheter über ein Blutgefäß bis zum Herzen vorgeschoben. Damit können beispielsweise Druckverhältnisse gemessen und bestimmte Herzfehler genauer untersucht werden. Einige Herzfehler können im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung auch behandelt werden.
  • Schluckecho (transösophageale Echokardiographie, TEE): Wenn die Sicht von außen durch den Brustkorb nicht ausreicht, kann eine Ultraschallsonde über die Speiseröhre eingeführt werden. Da die Speiseröhre direkt hinter dem Herzen liegt, hat man von dort eine perfekte Sicht. Auch das wird bei Kindern meist in Sedierung oder Narkose gemacht.

Welche Untersuchungen bei Ihrem Kind sinnvoll sind, entscheidet die Kinderkardiologin oder der Kinderkardiologe anhand der Beschwerden und bisherigen Befunde.

Neugeborenen-Screening: Was wird geprüft?

Das Österreichische Neugeborenen-Screening ist ein kostenloses und sehr umfassendes Vorsorgeprogramm mit dem Ziel, seltene angeborene Erkrankungen zu entdecken, bevor das Baby Symptome zeigt. Dadurch kann sofort eine Therapie gestartet und schwere Organschäden oder Entwicklungsverzögerungen verhindert werden.
Für den Test genügen zwischen der 36. und 72. Lebensstunde ein paar Tropfen Blut aus der Ferse des Babys, die auf eine spezielle Filterpapierkarte getropft und zentral im Labor der Medizinischen Universität Wien ausgewertet werden.

Geprüft werden über 30 seltene Stoffwechselstörungen, hormonelle Defekte (z. B. Schilddrüse), Mukoviszidose sowie schwere Immun- und Muskeldefekte. Bei der Prüfung auf Fettsäureoxidationsstörungen gibt es einen Zusammenhang mit der Herzgesundheit: Diese Stoffwechseldefekte können nämlich unbehandelt im Verlauf zu einer Herzmuskelschwäche (Kardiomyopathie) führen. Indem man den Stoffwechseldefekt über das Blut erkennt, schützt man also indirekt auch das Herz vor Schäden.

Fersentest: Babyfüße, die von einer Hand gehalten werden
Foto: Pogodina Natalia/shutterstock

Was wird bei Neugeborenen in Bezug auf das Herz untersucht?

Beim klassischen Neugeborenen-Screening wird das Herz nicht direkt untersucht. Nach der Geburt gibt es jedoch verschiedene Untersuchungen, bei denen auch auf mögliche Hinweise auf einen angeborenen Herzfehler geachtet wird.

Körperliche Untersuchung

Bereits unmittelbar nach der Geburt werden wichtige Lebensfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Hautfarbe beurteilt. Bei den weiteren Untersuchungen wird das Baby körperlich untersucht und unter anderem Herz und Lunge abgehört. Auffälligkeiten wie ein Herzgeräusch oder eine bläuliche Verfärbung der Haut können Hinweise auf einen Herzfehler sein.

Pulsoxymetrie

Mit einer Pulsoxymetrie kann die Sauerstoffsättigung im Blut schmerzfrei über einen kleinen Sensor gemessen werden. Eine auffällig niedrige Sauerstoffsättigung kann ein Hinweis auf bestimmte angeborene Herzfehler sein und weitere Untersuchungen notwendig machen. Zur genaueren Abklärung kann beispielsweise ein Herzultraschall durchgeführt werden.

Weitere Untersuchungen bei Auffälligkeiten

Gibt es bei der Untersuchung Hinweise auf einen möglichen Herzfehler, können weitere Untersuchungen wie Herzultraschall, EKG oder Blutdruckmessung notwendig sein.

Angeborene Herzfehler: Welche Anzeichen können bei Babys auffallen?

Ein angeborener Herzfehler wird heute oft schon während der Schwangerschaft oder direkt nach der Geburt entdeckt. Manchmal zeigen sich Symptome aber erst in den ersten Wochen oder Monaten zu Hause. Herzprobleme bei Babys äußern sich dann meistens über ihr Verhalten beim Essen, ihre Atmung oder ihre Hautfarbe.

Die wichtigsten Anzeichen, auf die Eltern achten sollten, sind:

Probleme beim Trinken und Erschöpfung

  • Häufige Trinkpausen: Das Baby saugt kurz an der Brust oder Flasche, muss dann aber erschöpft absetzen, um Luft zu holen.
  • Starkes Schwitzen: Besonders am Kopf und auf der Stirn bildet sich beim Trinken oder Weinen ein kalter Schweißfilm.
  • Geringe Trinkmengen: Das Baby schafft seine Portionen nicht und schläft vor Erschöpfung immer wieder schnell ein.

Auffälligkeiten bei der Atmung

  • Dauerhaft schnelle Atmung: Gesundes Atmen bei Säuglingen ist oft unregelmäßig, aber mehr als 40 bis 60 Atemzüge pro Minute im Ruhezustand sind ein Warnzeichen.
  • Eingezogene Haut: Beim Einatmen zieht sich die Haut zwischen den Rippen, über dem Schlüsselbein oder unter dem Rippenbogen sichtbar nach innen.
  • Nasenflügeln: Die Nasenlöcher bewegen sich beim Atmen stark mit.

Veränderungen der Hautfarbe

  • Zyanose: Bläuliche Lippen weisen oft auf Sauerstoffmangel hin. Eine leichte Bläue an Händen und Füßen ist kurz nach der Geburt oft normal. Ein bläulicher Schimmer um den Mund, an den Lippen oder der Zunge – besonders beim Trinken oder Schreien – deutet dagegen auf echten Sauerstoffmangel hin.
  • Auffallende Blässe: Das Baby wirkt dauerhaft blass oder gräulich.

Probleme bei der Gewichtszunahme (Gedeihstörung)

Weil das Baby durch die Herzbelastung extrem viel Energie verbrennt, aber gleichzeitig schlecht trinkt, nimmt es nicht ausreichend zu. Die Gewichtskurve flacht dann bei den Vorsorgeuntersuchungen sichtlich ab.

Babys mit bestimmten Herzfehlern können beim Trinken schnell ermüden und dadurch nicht ausreichend Nahrung aufnehmen. Eine zu geringe oder ausbleibende Gewichtszunahme kann daher ebenfalls ein Hinweis sein. Die Gewichtskurve flacht dann bei den Vorsorgeuntersuchungen sichtlich ab.

Welche Warnzeichen können bei älteren Kindern und Jugendlichen auftreten?

Bei älteren Kindern und Jugendlichen fallen Symptome meistens dann auf, wenn der Körper unter körperlicher Belastung (wie beim Sport oder Toben) mehr leisten muss. Und: Einige Herzfehler werden auch erst dann relevant, wenn das Herz mit dem Wachstum des Körpers nicht mehr optimal Schritt halten kann.

Die wichtigsten Warnzeichen bei älteren Kindern und Teenagern sind:

Schnelle Erschöpfung und deutlicher Leistungsabfall

Wenn Kinder plötzlich nicht mehr mit Gleichaltrigen mithalten können, ist das ein deutliches Signal. Wenn das Kind zum Beispiel Spiele oder Sport abbricht, weil es erschöpft ist, oder wenn sein Körper nach einer physischen Anstrengung auffallend lange braucht, um wieder zu Kräften zu kommen, so sind das ernstzunehmende Warnzeichen.

Atembeschwerden und Brustschmerzen

Symptome wie Atemnot oder Druck auf der Brust sollten bei Kindern und Jugendlichen immer ernst genommen werden. Achten Sie darauf, ob Ihr Kind schon bei leichter Belastung – wie Treppensteigen oder schnellem Gehen – stark aus der Puste kommt oder wenn es über Engegefühle, Stechen oder Druck in der Herzgegend, besonders während oder direkt nach dem Sport, klagt. Hier muss kardiologisch abgeklärt werden.

Schwindel und Ohnmachtsanfälle (Synkopen)

Ein plötzlicher Blutdruckabfall oder Herzrhythmusstörungen können das Gehirn kurzzeitig mit zu wenig Sauerstoff versorgen. Vorsicht ist vor allem bei körperlicher Belastung geboten.

Herzrasen oder Herzstolpern (Palpitationen)

Wenn Ihr Kind Herzrasen „aus dem Nichts“ oder ein unangenehmes Gefühl im Brustkorb, als würde das Herz kurz aussetzen oder einen „Extraschlag“ machen, hat, müssen Sie das ernst nehmen und abklären lassen.

Bluthochdruck bei Kindern

Bluthochdruck bei Kindern kann bereits im Kindes- und Jugendalter auftreten und lange unbemerkt bleiben. Wichtig zu wissen ist, dass für Kinder – anders als für Erwachsene – altersabhängige Grenzwerte gelten. Bei jüngeren Kindern wird der Blutdruck unter anderem anhand von Alter, Geschlecht und Körpergröße beurteilt.

Auch bei Kindern unterscheidet man grundsätzlich zwei Formen der Hypertonie:

  • Primäre Hypertonie: Es liegt keine andere Erkrankung als direkte Ursache vor. Übergewicht, Bewegungsmangel, eine ungünstige Ernährung und genetische Faktoren können das Risiko erhöhen. Diese Form tritt vor allem bei älteren Kindern und Jugendlichen auf.
  • Sekundäre Hypertonie: Der Bluthochdruck ist die Folge einer anderen Erkrankung, zum Beispiel einer Nierenerkrankung, einer hormonellen Erkrankung oder einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Diese Form ist bei jüngeren Kindern häufiger.

Bluthochdruck verursacht bei Kindern häufig keine eindeutigen Beschwerden. Bei deutlich erhöhtem Blutdruck können beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme auftreten. Deshalb ist die Blutdruckmessung wichtig, um erhöhte Werte frühzeitig zu erkennen.

Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Höhe des Blutdrucks sowie nach möglichen Begleiterkrankungen. Bei einer primären Hypertonie spielen regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und bei Übergewicht eine Gewichtsreduktion eine wichtige Rolle. Je nach Ursache und Ausprägung können zusätzlich Medikamente notwendig sein.

Foto: TripleP Studio/shutterstock

Cholesterin bei Kindern

Unter zu hohen Cholesterinwerten leiden nicht nur Erwachsene, sondern vermehrt auch Kinder. Problematisch ist das, weil ein dauerhaft zu hoher Cholesterinspiegel (Hypercholesterinämie) schon im Kindesalter zu unbemerktem Fettaufbau in den Gefäßwänden (Arteriosklerose) führt. Das erhöht das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle im frühen Erwachsenenalter.

Eine wichtige Rolle spielen Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungünstige Ernährung. Hohe Cholesterinwerte können aber auch genetisch bedingt sein. Bei der familiären Hypercholesterinämie sind die LDL-Cholesterinwerte aufgrund einer erblichen Stoffwechselstörung bereits von Kindheit an deutlich erhöht.

Eine Untersuchung der Cholesterinwerte kann insbesondere sinnvoll sein, wenn:

  • in der Familie Herzinfarkte oder Schlaganfälle in jungen Jahren aufgetreten sind
  • bei Eltern oder nahen Angehörigen deutlich erhöhte Cholesterinwerte bekannt sind
  • das Kind übergewichtig ist oder weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck vorliegen

Bei erhöhten Cholesterinwerten spielen eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung eine wichtige Rolle. Bei einer familiären Hypercholesterinämie reichen Lebensstilmaßnahmen jedoch häufig nicht aus. Je nach Alter und Höhe der Cholesterinwerte kann zusätzlich eine medikamentöse Behandlung notwendig sein.

Prävention: Was ist wichtig für die Herzgesundheit?

Bereits im Kindesalter können Eltern viel dazu beitragen, die Herzgesundheit ihres Kindes langfristig zu fördern. Laut aktuellen medizinischen Leitlinien zur kardiovaskulären Prävention sind das vor allem fünf Säulen:

  • Viel Bewegung: Kinder und Jugendliche sollten sich im Durchschnitt mindestens 60 Minuten pro Tag moderat bis intensiv bewegen. Dreimal pro Woche sollten sie so richtig ins Schwitzen kommen, um Herz und Muskeln zu stärken.
  • Ausgewogene Ernährung: Viel Gemüse und Obst, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie hochwertige pflanzliche Öle sind eine gute Basis. Stark zuckerhaltige Lebensmittel, Fast Food und Softdrinks sollten die Ausnahme sein, um Übergewicht und Gefäßverkalkung vorzubeugen.
  • Ausreichend Schlaf: Wie viel Schlaf ein Kind benötigt, hängt vom Alter ab. Regelmäßige Schlafzeiten und ausreichend Schlaf sind wichtig für die körperliche Erholung und können auch die Herz-Kreislauf-Gesundheit unterstützen.
  • Medienkonsum begrenzen: Zu viel Bildschirmzeit fördert Bewegungsmangel und ungesundes Snacken.
  • Vorsorgeuntersuchungen nutzen: Die regelmäßigen U-Untersuchungen beim Kinderarzt sind wichtig, um Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder angeborene Stoffwechselstörungen frühzeitig zu erkennen.
Polyamine für die Darmgesundheit
Foto:Creative Cat Studio/shutterstock

Eltern-Checkliste

Eltern können im Alltag viel dazu beitragen, die Herzgesundheit ihres Kindes zu fördern und mögliche Warnsignale frühzeitig zu erkennen.

Gesunder Alltag

  • Bewegung: Bewegt sich mein Kind täglich ausreichend und ist regelmäßig körperlich aktiv?
  • Ernährung: Isst mein Kind abwechslungsreich mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten?
  • Getränke: Sind Wasser und ungesüßte Getränke die wichtigsten Durstlöscher?
  • Sitzen und Bildschirmzeit: Werden längere Sitzzeiten regelmäßig durch Bewegung unterbrochen?
  • Rauchfreie Umgebung: Wächst mein Kind möglichst rauchfrei auf?

Warnsignale im Blick

  • Trinken bei Säuglingen: Ermüdet mein Baby beim Trinken ungewöhnlich schnell oder schwitzt es dabei auffällig stark?
  • Hautfarbe: Verfärben sich Lippen oder Fingernägel beim Weinen, Trinken oder Sport bläulich?
  • Belastbarkeit: Ist mein Kind beim Spielen oder Sport ungewöhnlich schnell erschöpft oder außer Atem?
  • Brustschmerzen und Herzrasen: Treten wiederholt Brustschmerzen, Herzrasen oder Herzstolpern auf?
  • Schwindel und Ohnmacht: Kommt es zu Ohnmacht oder wiederholtem Schwindel, insbesondere bei körperlicher Belastung?

Vorsorge und Gesundheit

  • U-Untersuchungen: Nehmen wir die empfohlenen Vorsorgeuntersuchungen wahr?
  • Nach Infekten: Kann sich mein Kind nach einem Infekt ausreichend erholen, bevor es wieder intensiv Sport treibt?
  • Familiengeschichte: Gibt es in unserer Familie Herzerkrankungen, sehr hohe Cholesterinwerte oder Herzinfarkte bzw. Schlaganfälle in jungen Jahren?

    Vorsorgeuntersuchungen

    Die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen für Kinder und die Untersuchungen für Jugendliche) sind sehr wichtige Maßnahmen für die Herzgesundheit der Kleinen, denn dabei können Kinderärzt/innen Risiken erkennen, noch bevor Symptome entstehen.

    • Im Rahmen der Untersuchungen können unter anderem folgende Bereiche kontrolliert werden:
    • Herz und Kreislauf: Das Herz wird abgehört und dabei unter anderem auf auffällige Herzgeräusche geachtet.
    • Blutdruck: Regelmäßige Blutdruckmessungen können helfen, Bluthochdruck bei Kindern frühzeitig zu erkennen.
    • Gewicht und Wachstum: Körpergröße und Gewicht werden regelmäßig dokumentiert. So können Auffälligkeiten in der körperlichen Entwicklung erkannt werden.
    • Puls: Je nach Alter und Untersuchung werden Puls und Herzfrequenz beurteilt.
    • Weitere Untersuchungen bei erhöhtem Risiko: Bestehen bestimmte Risikofaktoren oder Erkrankungen in der Familie, können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein, zum Beispiel eine Bestimmung der Blutfette.

    Informieren Sie die Kinderärztin oder den Kinderarzt auch über Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Familie, insbesondere wenn Herzinfarkte oder Schlaganfälle bereits in jungen Jahren aufgetreten sind oder sehr hohe Cholesterinwerte bekannt sind.

    FAQ

    Der Herzschlag pro Minute ist auch alters- und geschlechtsabhängig. Bei Frauen ist der Puls meist etwas schneller als bei Männern, bei Kindern grundsätzlich schneller. Normwerte des Ruhepuls sind:

    • Neugeborene Babys: 120 bis 140
    • Kleinkinder: 100 bis 120
    • Ältere Kinder und Jugendliche: etwa 80 bis 100
    • Erwachsene: 60 bis 80

    Die Pulsoxymetrie beim Neugeborenen ist ein einfacher, schmerzfreier Schnelltest zur Früherkennung schwerer, angeborener Herzfehler. Dafür wird dem Baby in seinen ersten Lebensstunden ein kleiner Lichtsensor um den Fuß gewickelt. Dieser misst in wenigen Sekunden den Sauerstoffgehalt im Blut.

    Dadurch können bestimmte kritische Herzfehler rechtzeitig genauer abgeklärt werden (Ultraschall), noch bevor das Kind zu Hause plötzlich schwer krank wird.

    Ja, Eisen ist extrem wichtig für das Herz, denn es ist der Kernbaustein von Hämoglobin (dem roten Blutfarbstoff) und Myoglobin (dem Sauerstoffspeicher in den Muskeln). Es sorgt dafür, dass Sauerstoff von der Lunge in die Organe und direkt in den Herzmuskel transportiert wird.

    Bei Kindern führt ein schwerer Eisenmangel zu Abgeschlagenheit, blasser Haut, Konzentrationsschwäche und einer geringeren sportlichen Belastbarkeit. Aber Vorsicht: Zu viel Eisen schadet ebenfalls. Eine künstliche Zufuhr über hochdosierte Präparate sollte bei Kindern immer nur nach Absprache und Blutuntersuchung mit dem Kinderarzt erfolgen.

    Ein Herzultraschall wird gemacht, wenn der Verdacht auf eine Veränderung am Herzen besteht. Ein Kind braucht ihn vor allem in diesen Situationen:

    • Auffällige Befunde: Der Kinderarzt hört ein neues, unklares Herzgeräusch, misst dauerhaft zu hohen Blutdruck oder die Pulsoxymetrie nach der Geburt war auffällig.
    • Akute Warnsignale: Das Kind klagt über unklares Herzrasen, Brustschmerzen oder wird beim Sport ohnmächtig.
    • Verdacht auf Herzmuskelentzündung: Bei anhaltender Erschöpfung, Kurzatmigkeit oder Leistungsknick Wochen nach einem schweren Infekt.
    • Entwicklungsauffälligkeiten: Säuglinge, die extrem schlecht trinken, dabei stark schwitzen oder nicht an Gewicht zunehmen.
    • Verlaufskontrolle: Bei bereits bekannten, angeborenen Herzfehlern zur regelmäßigen Überprüfung des Wachstums.

    Herzgeräusche beim Baby bedeuten erst einmal nur, dass der Arzt beim Abhören ein zusätzliches Strömungsgeräusch des Blutes hört. In den allermeisten Fällen sind sie völlig harmlos und entstehen einfach, weil das Blut im kleinen Körper schneller fließt oder die Gefäße noch sehr elastisch sind. Es verschwindet oft von ganz alleine wieder. Anders als beim Organischen Herzgeräusch: Es deutet auf eine Veränderung am Herzen hin. Wichtig ist hier der Herzultraschall beim Kinderkardiologen.

    Ja, auch Kinder können Bluthochdruck haben. Anders als bei Erwachsenen gibt es bei ihnen aber keine fixen Werte, sondern der Blutdruck wird nach Alter, Geschlecht und Körpergröße beurteilt.
    Auch bei den Kleinen unterscheidet man zwei Formen der Hypertonie:

    • Primäre Hypertonie: entsteht meist durch Übergewicht, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung oder genetische Veranlagung.
    • Sekundäre Hypertonie: Dabei ist der Bluthochdruck Folge einer anderen Erkrankung, meist der Nieren, des Hormonsystems oder von Herzfehlern.

    Ja, das wird sogar standardmäßig gemacht. Die wichtigste Methode dafür ist der Ultraschall beim Frauenarzt oder bei Spezialistinnen für Pränataldiagnostik. So können schwere, kritische Herzfehler heute in den allermeisten Fällen vorab erkannt werden.

    • Autor

      Mag. Gabriele Vasak

      Medizinjournalistin

      Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und 2009 erhielt sie den Prälat Leopold Ungar Journalistinnen Anerkennungspreis.

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