Skip to main content
Modell von einer Leber und die Formel von Bilirubin
Foto: Shidlovski/shutterstock

Genetischer Vorteil durch Bilirubin

Das Gilbert-Syndrom (auch als Morbus Meulengracht bekannt) galt lange Zeit als Erkrankung. In Mitteleuropa betrifft das Syndrom etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung. Betroffene Personen sind schlanker, haben weniger Körperfett und bessere Fettstoffwechseldaten. Sie sind vor oxidativem Stress geschützt und weisen deutlich niedrigere Entzündungswerte auf – ohne dafür besonders gesund leben zu müssen.

„Zurückzuführen sind diese durchaus angenehmen Symptome auf einen leicht erhöhten Bilirubinwert, der durch eine genetisch bedingte Unterfunktion der Enzyme UDP-Glucuronosyltransferase entsteht,“ erklärt Karl-Heinz Wagner, Department für Ernährungswissenschaften, Universität Wien: “Menschen mit dem Gilbert-Syndrom haben damit einen körpereigenen Schutz vor Typ2-Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen.“

Jetzt konnte das Forschungsteam zusätzlich nachweisen, dass ein leicht erhöhter Bilirubinspiegel im Blut auch das Risiko für Dickdarmkrebs senkt – insbesondere bei Frauen. Und unabhängig vom Geschlecht wird durch Bilirubin auch das Risiko für Lungenkrebs reduziert.
Das ließe sich therapeutisch nutzen. Wagner: “Wenn es gelingt, den Bilirubinspiegel künstlich zu erhöhen und damit den assoziierten Stoffwechsel zu beeinflussen, könnten wir den körpereigenen Schutz simulieren. Das hieße auch, dass wir weniger Medikamente zu uns nehmen müssten, etwa Blutdruck- und Lipidstoffwechselsenker oder Arzneistoffe, die den Blutzuckerspiegel regulieren.” 

Die gezielte Veränderung des Bilirubinstoffwechsels ist komplex, die Forschung dazu aber bereits im Gange.
Bilirubin ist ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) der bei Einlagerung in die Haut zur Gelbsucht führt. 

Referenzen: Universität Wien

Circulating bilirubin levels and risk of colorectal cancer: serological and Mendelian randomization analyses; BMC Med 2020:18(1):229; https://bmcmedicine.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12916-020-01703-w

  • Autor

    Dr. Rosalia Rutter

    Medizinjournalistin

    Dr. Rosalia Rutter ist eine freie Medizinjournalistin mit einem Studium der Ernährungswissenschaften und Biochemie an der Universität Wien. Sie verfügt über langjährige Expertise im Verfassen medizinischer Inhalte.

Zum Artikel: HPV-Impfung: Teenager-Mädchen mit einem Pflaster auf dem Oberarm

HPV-Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs

Bei humanen Papillomaviren (HPV) handelt es sich um eine Virusart, die unterschiedliche Erkrankungen beim Menschen auslösen kann.

Zum Artikel: Cortisol-Stresshormon

Cortisol zu hoch? Was Ihr Stresshormon wirklich bedeutet

Cortisol ist ein lebenswichtiges Hormon: Es macht uns morgens wach und in stressigen Situationen leistungsfähig. Problematisch wird es aber, wenn der Spiegel nicht mehr absinkt. Ein chronisch erhöhter Cortisolwert kann langfristig den Stoffwechsel, das Immunsystem und die psychische Gesundheit beeinflussen.

Zum Artikel: CRP-Wert

CRP-Wert: Was der Blutwert über Entzündungen verrät

Ihr CRP-Wert ist erhöht und Sie fragen sich, was das bedeutet? Das sogenannte C-reaktive Protein (CRP) ist ein wichtiger Entzündungswert im Blut.

Zum Artikel: Was Ihre Blutwerte über Ihre Gesundheit verraten

Was Ihre Blutwerte über Ihre Gesundheit verraten

Viele Menschen lassen regelmäßig Blut abnehmen und verstehen die Ergebnisse danach kaum. Die Zahlen, Abkürzungen und Referenzwerte am Befund sind ohne ärztliche Erklärung oft schwer zu verstehen.
Oft bleibt unklar, was die einzelnen Werte wirklich über die eigene Gesundheit aussagen.