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Diabetes Laborwerte
Foto: Jarun Ontakrai/shutterstock

Diabetes: Laborwerte erklärt

Für die Diagnose eines Diabetes mellitus und auch für die Kontrolle des Krankheitsverlaufes werden die Zuckerwerte mit mehrere Methoden ermittelt. Welche das sind und wie sie erhoben werden, wird im folgenden Artikel erklärt.

Factbox – Diabetes Laborwerte

Glukosemessung: Bei einem Nüchternblutzuckerwert über 126 mg/dl liegt ein Diabetes mellitus vor, zwischen 100 und 125 mg/dl ein Prädiabetes. Auch im Harn kann Glukose enthalten sein, wenn die Blutzuckerwerte zu hoch sind.

Oraler Glukosetoleranztest, kurz oGTT: Der sogenannte Zuckerbelastungstest dient zur Früherkennung eines Diabetes mellitus und zur Diagnose einer gestörten Glukoseverwertung. In der Schwangerschaft wird er zwischen der 24. und 28. Woche im Rahmen der MKP-Untersuchungen durchgeführt.

Hämoglobin A1c, kurz HbA1c: Der Langzeit-Blutzuckerwert spiegelt die Glukosewerte der letzten Wochen wider und wird für die Verlaufskontrolle eingesetzt

Unter dem Begriff Diabetes mellitus, die „Zuckerkrankheit“, werden verschiedene Diabetesformen zusammengefasst. Allen gemein sind die erhöhten Blutzuckerwerte und die Insulinresistenz bzw. der Mangel an Insulin.

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das den Blutzuckerspiegel senkt, indem es Glukose (Traubenzucker) in die Zellen befördert, wo sie als wichtiger Energielieferant fungiert.  Ist die Produktion von Insulin, das in den Betazellen in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, gestört, kann das Hormon den Zucker nicht mehr aus dem Blut in die Körperzellen bringen und der Glukosespiegel steigt (siehe auch Diabetes mellitus).

Während ein Typ-1-Diabetes sehr schnell Symptome hervorruft, kann besonders ein Typ-2-Diabetes jahrelang unentdeckt werden und bis zur Diagnose massive Schäden im Körper anrichten. Daher wird im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen auch nach Hinweisen auf Diabetes gesucht. Für die Diagnose und die Verlaufskontrolle eines diagnostizierten Diabetes mellitus stehen mehrere Messmethoden zur Verfügung:

  • Messung von Glukose in Blut und Harn
  • oraler Glukosetoleranztest (oGTT) oder
  • Messung von Hämoglobin A1c (HbA1c).

Da diese Werte gewisse Schwankungen aufweisen, müssen alle Tests zumindest an zwei unterschiedlichen Tagen durchgeführt werden, um eine sichere Diagnose zu gewährleisten.

Glukosemessung

Der wichtigste Test für die Diagnose und die Verlaufskontrolle eines Diabetes mellitus ist die Messung von Glukose (Traubenzucker) im Blut. Wichtig ist, ob der/die PatientIn nüchtern ist (also acht bis zehn Stunden vor dem Test nichts mehr gegessen hat), oder nicht.

Für die Messung des Zuckerwerts wird venöses Blut abgenommen. Bei Gesunden liegt der Nüchternblutzuckerwert unter 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl). Nach dem Essen steigt dieser Wert für gewöhnlich nicht über 140 mg/dl.

Wenn der Blutzuckerwert nüchtern ab 126 mg/dl liegt bzw. der Gelegenheitszuckerwert (der nicht nüchtern, aber frühestens zwei Stunden nach der letzten Mahlzeit abgenommen wird) über 200 mg/dl liegt, liegt ein Diabetes mellitus vor.

Bei Nüchternwerten zwischen 100 und 125 mg kann ein Diabetes-Vorstadium (Prädiabetes) vorliegen. Dieser kann mit weiteren Tests, vor allem dem oralen Glukosetoleranztest, abgeklärt werden.

Eine weitere Methode zur Glukosemessung ist ein Harntest. Bei Gesunden befinden sich nur sehr geringe Glukosemenge im Urin. Für gewöhnlich filtern die Nieren unser Blut und es entsteht Vorharn, in dem Stoffe enthalten sind, die der Körper nicht mehr braucht, aber auch welche, die noch benötigt werden. Durch die Nierentubuli wird Glukose fast vollständig wieder ins Blut zurücktransportiert, weil es noch gebraucht wird. Steigt der Blutzuckerspiegel über 180 mg/dl, sind die Glukosetransporter der Nierentubuli überlastet und es wird Glukose über den Urin ausgeschieden. Ab Werten von 40 mg/dl fällt ein Urintest positiv aus.

Da die Glukosewerte im Urin aber auch bei verschiedenen Nierenerkrankungen erhöht sein können, ist ein positiver „Harnzucker“ nicht automatisch ein Nachweis für einen Diabetes mellitus.

Oraler Glukosetoleranztest

Der orale Glukosetoleranztest oder Zuckerbelastungstest (oGTT) dient zur Erkennung einer gestörten Glukoseverwertung bzw. zur Frühdiagnose eines Diabetes mellitus. Im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen wird er auch bei Schwangeren zwischen der 24. und 28. Woche durchgeführt, um einen Schwangerschaftsdiabetes, der gesundheitliche Folgen für Mutter und Kind haben kann, diagnostizieren zu können.

Die PatientInnen müssen mindesten zwölf Stunden (Schwangere acht Stunden) nüchtern sein. Außerdem sollten sie drei Tage lang kohlenhydratreich (≥ 150 g KH/Tag) gegessen haben. Vor und während dem Test darf nicht geraucht werden und auch nichts außer Wasser getrunken werden.

Der/die nüchterne PatientIn muss 75 g Glukose, die in 250 bis 300 ml Wasser aufgelöst wurde, innerhalb von fünf Minuten trinken. Zuvor sowie eine und zwei Stunden nach der Einnahme wird der Blutzucker durch Blutabnahme aus einer Vene ermittelt. Während dieser zwei Stunden soll sich der/die PatientIn möglichst wenig bewegen.

Wenn der Körper eine gestörte Glukosetoleranz zeigt und auf die Glukosebelastung mit einer überschießenden Blutzuckererhöhung reagiert, deutet das auf ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes hin.

Ein Normalbefund liegt vor, wenn der Nüchternwert unter 100 mg/dl und der Wert nach zwei Stunden unter 140 mg/dl liegt.

Eine gestörte Glukosetoleranz liegt vor, wenn der Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl und der Wert nach zwei Stunden zwischen 140 und 199 mg/dl liegt.

Ein manifester Diabetes mellitus liegt vor, wenn der Nüchternwert über 126 mg/dl und der Wert nach zwei Stunden über 200 mg/dl liegt.

Bei Schwangeren gelten andere Richtwerte: Nüchtern soll der Glukosewert im venösen Blut unter 92 mg/dl liegen, nach einer Stunde unter 180 mg/dl, nach zwei Stunden unter 153 mg/dl. Wird einer der drei Werte überschritten, spricht man schon vom Vorliegen eines Gestationsdiabetes.

HbA1c-Wert

Hämoglobin A1c, kurz HbA1c, ist „verzuckerter“ (glykosierter) roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) in den roten Blutkörperchen. Der HbA1c-Wert ist der Langzeit-Blutzuckerwert und spiegelt das Glukoseniveau der letzten vier bis sechs Wochen wider. War der Blutzuckerspiegel in dieser Zeit erhöht, wird auch mehr HbA1c gebildet – und zwar unwiderruflich. Erst, wenn wieder neue rote Blutkörperchen im Rückenmark gebildet werden und der Blutzuckerspiegel normalisiert wurde, sinkt auch der HbA1c-Wert. Daher wird dieser Wert auch für die Verlaufskontrolle und zur Beurteilung des Erfolges einer Diabetestherapie verwendet.

Dieser Wert wird in Prozent angegeben, da der prozentuale Anteil des HbA1c am Gesamthämoglobin gemessen wird – oder einfacher gesagt: es wird gemessen, wie viel Prozent des roten Blutfarbstoffes der roten Blutkörperchen „verzuckert“ sind. Ein Wert unter sechs Prozent gilt als sehr gut. Zwischen sechs und sieben Prozent gilt die Einstellung als ausreichend. Werte ab acht Prozent gelten als unbefriedigend.

Ein HbA1c-Wert über 6,5 Prozent gilt darüber hinaus als Diagnose eines Diabetes mellitus. Bei Werten zwischen 5,7 und 6,4 Prozent wird ein erhöhtes Risiko für Diabetes angenommen. Daher wird eine weitere Abklärung mittels Nüchternglukose oder oGTT empfohlen.

 

 

 

 

Leitlinien der Österreichischen Diabetes Gesellschaft, https://www.oedg.at/pdf/OEDG_Pocket_Guide_2019-07.pdf

Gestationsdiabetes. Information für werdende Mütter, https://www.oedg.at/pdf/gestationsdiabetes/Dt_SAN_Diabetes_260510.pdf

Deutsche Diabetes Hilfe, https://diabetesde.org

DocCheck Flexicon, Oraler Glukosetoleranztest, https://flexikon.doccheck.com/de/Oraler_Glukosetoleranztest

Öffentliches Gesundheitsportal Österreich, https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/stoffwechsel/diabetes/inhalt

Harreiter J, Roden M, Wien Klin Wochenschr (2019) 131 [Suppl 1]:S6–S15 https://doi.org/10.1007/s00508-019-1450-4

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