All-on-4
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All on 4®: Die wichtigsten Informationen

All on 4® ist ein neueres Behandlungskonzept in der Implantologie, bei dem Patienten mit zahnlosem Kiefer mit einer vollständigen Prothese auf nur vier Implantaten pro Kiefer versorgt werden können. Das verringert Behandlungszeit, -aufwand und Kosten, erfordert aber perfekte Mundhygiene vom Patienten.

All on 4®

Definition: implantologisches Behandlungskonzept zur Versorgung von zahnlosen Patienten mit einer vollständigen Prothese auf nur vier Zahnimplantaten pro Kiefer.

Ablauf der Behandlung: präoperativ: 3D Röntgen und Abdruck, Herstellung des ersten festen Zahnersatzes; Operation: ggf. Ziehen noch vorhandener Zähne, Setzen der Zahnimplantate, Aufschrauben des Zahnersatzes

Vorteile: keine Wartezeit auf festsitzende Versorgung, auch für Patienten mit wenig Kieferknochen geeignet, geringere Kosten, Behandlungszeit ein Tag

Nachteile: relativ schlecht selbst zu reinigen, viel Disziplin bei Mundhygiene notwendig, Gefahr der Periimplantitis

Was ist All on 4®? 

Darunter versteht man ein neueres Behandlungskonzept in der Implantologie. Es dient der Versorgung mit Zahnimplantaten und festem Zahnersatz für zahnlose Patienten und funktioniert schnell und relativ unkompliziert. Das Prinzip besteht darin, dass eine vollständige Prothese auf nur vier Zahnimplantaten befestigt wird. Manchmal werden allerdings wegen der geringeren Knochendichte im Oberkiefer fünf oder sechs Implantate benötigt. In diesem Fall spricht man von All-on-5® oder All-on-6®. 

In jedem Fall aber hat eine solche Lösung gegenüber einer herkömmlichen vollständigen Implantat-Versorgung, die acht bis zehn Implantate pro Kiefer benötigt, entscheidende Vorteile, denn damit verringern sich Behandlungszeit und -aufwand deutlich. Das Konzept sieht, wie gesagt, nur vier bis sechs Implantate pro Kiefer vor und da eine besondere Technik bei der Implantation zum Einsatz kommt, muss oft auch kein Knochenaufbau vorab stattfinden. 

Das liegt auch an der Stellung der eingesetzten Implantate: Im Seitenzahnbereich verankert der Zahnarzt die Implantate in einem Winkel von 35 bis 40 Grad schräg und im Frontzahnbereich gerade. Das hat mehrere Vorteile: Einerseits werden sensible Strukturen wie die Kieferhöhle im Oberkiefer und der Nervenaustritt im Unterkiefer geschont. Andererseits ist es so möglich, den Knochen optimal auszunutzen und den Zahnersatz bestens mechanisch abzustützen. Außerdem kann dadurch bei Patienten mit Knochenschwund ein aufwändiger Knochenaufbau entfallen, weil die geneigten äußeren Implantate eine relativ große Kontaktfläche zwischen Implantat und Knochen möglich machen. Damit ist auch die sichere und feste Einheilung der Implantate in den Knochen gewährleistet.  

Ein weiterer Vorteil des Konzepts liegt darin, dass man schon während des Eingriffs eine provisorische Brücke erhält, die man in der Einheilphase trägt. Und: In den meisten Fällen kann die gesamte Behandlung an einem Tag durchgeführt werden.  

Wie läuft die Behandlung beim Zahnarzt ab? 

Die gesamte Behandlung kann in der Regel an einem Tag durchgeführt werden. Das umfasst die Entfernung restlicher Zähne, das Einsetzen der Implantate und das Aufbringen des Zahnersatzes. 

Der Ablauf im Einzelnen: 

  • Vor der Operation: Der Zahnarzt fertigt ein 3D Röntgenbild vom Kiefer an und nimmt eine Abformung, um die Zahnimplantate und deren Position sowie den Zahnersatz präzise planen zu können. Hergestellt wird auch der erste feste Zahnersatz.
  • Tag der Operation: Eventuell noch vorhandene Zähne werden gezogen. Danach werden die Zahnimplantate mithilfe einer speziellen Schablone gesetzt. Anschließend wird der Zahnersatz aufgeschraubt. Der Patient ist so voll mit neuen, festen Zähnen versorgt.

Vor- und Nachteile des Konzepts 

Bis vor kurzem waren sich die Experten noch nicht ganz einig, ob alle zahnlosen Patienten mit diesem Behandlungskonzept optimal versorgt werden können. Immerhin war bisher offiziell empfohlen, dass es im Oberkiefer acht und im Unterkiefer sechs Implantate braucht, um einen sicheren Halt zu garantieren. Und: Vielfach wurde betont, dass eine sofortige Belastung von Implantaten gleich nach dem Einsetzen nicht möglich sei. Außerdem gab es noch nicht allzu viele Erfahrungen mit dem Konzept. Das alles hat sich seither geändert. Heute herrscht aufgrund guter wissenschaftlicher Daten Konsens darüber, dass die Methode eine zuverlässige implantologische Behandlungsoption ist. 

Was jedoch noch wichtig zu wissen ist: Das Konzept erfordert eine gute Mitarbeit des Patienten hinsichtlich Mundhygiene. So muss u.a. die Brücke jeden Tag sehr gründlich gereinigt werden. Geschieht das nicht, kann es rasch zu einer Entzündung, der sogenannten Periimplantitis kommen. Im schlimmsten Fall geht ein Implantat sogar verloren. 

Die Vor- und Nachteile des Behandlungskonzepts im Überblick

VorteileNachteile
Wartezeit auf festsitzende Versorgung der Zähne entfällt Viel Disziplin bei der täglichen Mundhygiene notwendig 
Konzept auch für Patienten mit wenig Knochensubstanz geeignet Relativ schlecht selbst zu reinigen 
Geringere Kosten, da weniger Implantate gesetzt werden Wenn sich eine Entzündung bildet, können Implantate verlorengehen 
Gesamte Behandlung an einem Tag möglich 

Nachsorge 

Nach der Behandlung muss man regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt einhalten und täglich eine sehr gründliche Mundhygiene pflegen. 

FAQ

Das All-on Behandlungskonzept eignet sich für Patienten mit zahnlosem Kiefer oder für jene, deren Zähne nicht erhaltungswürdig sind und die sich einen festsitzenden Zahnersatz ohne aufwändige chirurgische Eingriffe wünschen.

Die Behandlung ist grundsätzlich nicht schmerzhaft. Je nach individueller Ausgangssituation des Patienten kann es aber zu einer Schwellung kommen, die in der Regel aber nach einer Woche wieder abklingt.

Sobald die Implantate sicher in den Kieferknochen eingeheilt sind, halten sie meist für viele Jahre. Wichtig für die Langlebigkeit der All-on-Implantate sind eine sehr gute Mundhygiene und regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt.

Da bei dieser Art von Behandlung häufig kein Knochenaufbau nötig ist und nur vier bis sechs Implantate pro Kiefer gesetzt werden, sind die Kosten geringer als bei einer konventionellen implantatgetragenen Versorgung. Als grobe Orientierung werden bei einer Standardversorgung mit vier Implantaten Kosten zwischen 8.000 und 15.000 Euro pro Kiefer angegeben.

  • Autor

    Mag. Gabriele Vasak

    Medizinjournalistin

    Gabriele Vasak ist seit 2019 freie Journalistin in der DocFinder-Redaktion. Ihr besonderes Interesse liegt schon lange im Bereich der medizinischen Contentproduktion. Im Jahr 2006 wurde sie mit dem Medienpreis für Gesundheitsförderung & Prävention des Fonds Gesundes Österreich ausgezeichnet, und im Jahr 2010 erhielt sie den Pressepreis der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie.

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